•Fehlinterpretationen von Anweisungen (»Instruktionen«)
•Sequenzeffekte (Ermüdung, »Trainingseffekte«)
•Hawthorne-Effekt (sich beobachtet oder analysiert zu fühlen, erhöht zumeist die Leistungsbereitschaft)
•Mangelnde Bereitschaft zur Selbstenthüllung (bei privaten Inhalten)
•Motive zur Selbstdarstellung, Effekt der sozialen Erwünschtheit (bei Interviewpartnern einer Befragung einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen, sich nicht zu blamieren etc.)
•Befürchtung negativer Konsequenzen (Zweifel an anonymer Verarbeitung der Daten)
•Sponsorship-Bias (Vermutungen über die Absichten der Auftraggeber von Befragungen)
•Kontext-Effekte (z. B. Einfluss von Stimmungen)
•Urteilsheuristiken (pragmatische, zeitsparende und oft unlogische Art der Schlussfolgerungen)
•Anwesenheitseffekte (Beeinflussung des Antwortverhaltens durch anwesende Personen)
In Anlehnung an Bortz & Döring (1995).
Attraktivitätsiehe S. 149
Interessanterweise werden solche Gesichter als besonders schön empfunden, die aus vielen Fotografien mittels Computer als sogenannte → Durchschnittsgesichter erzeugt wurden (Rhodes, 2006), wobei die Ausmaße der einzelnen Gesichtsmerkmale (Augen, Nase, Mund, Stirn) und deren Abstände gemittelt sind. Eine besonders umfangreiche deutsche Untersuchung zur Attraktivität von Gesichtern (Braun et al., 2001; s. auch Carbon, 2010) hat darüber hinaus noch weitere Einflussfaktoren aufgezeigt, die für beide Geschlechter gelten: 1. Bräune und Reinheitsgrad der Haut, 2. ein eher schmales Gesicht, 3. geringer Fettansatz, 4. volle Lippen, 5. dunkle Augenbrauen und dunkle Wimpern (unabhängig von der Haarfarbe), 6. eher hohe Wangenknochen, 7. nur bei Frauengesichtern: eine Annäherung an das Kindchenschema (größere gewölbte Stirn, größere runde Augen, kleinere kürzere Nase, runde Wangen, kleines Kinn). Hinsichtlich der Auswirkungen der Attraktivität eines Gesichtes auf die Beurteilung der Persönlichkeit zeigte sich in der zuvor genannten Untersuchung ein massiver Vorurteilseffekt (→ Halo-Effekt ): Attraktiveren Gesichtern wurde mit 60 bis 80 % Wahrscheinlichkeit auch eine positivere Eigenschaftsstruktur zugeschrieben (erfolgreicher, sympathischer, intelligenter, zufriedener, aufregender, kreativer…).
Attributionensiehe S. 323, 333
Im täglichen Leben bilden wir uns Attributionen, das sind Ursachenzuschreibungen. Als internale Attribution gilt, wenn ein Verhalten oder eine Leistung im Wesentlichen sich selbst zugeschrieben wird, wenn jedoch überwiegend andere Faktoren verantwortlich gemacht werden (Aufgabe, Situation), spricht man von externaler Attribution .
Audiogrammsiehe S. 158
Ein Audiogramm gibt den Verlauf der akustischen Schwellen für die einzelnen Frequenzen grafisch wieder. Je nachdem, ob der Schall über Kopfhörer oder über einen Schwingkörper hinter dem Ohr verabreicht wird, kann auch der Ort einer Störung eingegrenzt werden (Außenohr – Mittelohr – Innenohr). Mittels Ableitung von Gehirnströmen von der Kopfhaut (»Evoked Response Audiometrie«, ERA) kann sogar bei Säuglingen und Kleinkindern eine sogenannte »objektive Audiometrie« durchgeführt werden, bei der allein auf Basis der elektroenzephalografischen Reaktion des Hörzentrums auf Töne das Hörvermögen beurteilt werden kann (s. etwa Guttmann, 1982).
Audiometriesiehe S. 158
Zur Prüfung der Hörleistung wird eine Audiometrie (»Schwellen-Audiometrie«) durchgeführt, bei der Töne verschiedener Lautstärke und Frequenz in zufälliger Abfolge dargeboten werden und von der Testperson identifiziert werden müssen.
Auffälligkeitsiehe S. 332
Die Aufnahme von sozialen Informationen wird besonders durch die Aufmerksamkeitsausrichtung und die Auffälligkeit der Reize gesteuert. So etwa werden in Diskussionen Personen, die besser beleuchtet oder auffälliger gekleidet sind, häufiger beachtet und infolgedessen als einflussreicher im Diskussionsprozess angesehen (Taylor & Fiske, 1975). Auch sind seltene Ereignisse oder Merkmale im Allgemeinen auffälliger als häufige, sodass ihnen bei kognitiven Urteilen mehr Gewicht zukommt. Dies trifft insbesondere auf negative Personenmerkmale zu, die wahrscheinlich aufgrund der gesellschaftlichen Höflichkeitsregeln in Gesprächen seltener zum Ausdruck kommen und deshalb bei Personenbeschreibungen mehr Wirkung zeigen (»Negativitätsbias«). Die Auffälligkeit von Reizen wird aber natürlich nicht nur von äußerlichen Merkmalen oder deren Auftrittswahrscheinlichkeit bestimmt, sondern auch von deren subjektiver Bedeutung.
Aufmerksamkeitsiehe S. 105
In der Psychologie werden oft jene Prozesse, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, als bewusst und alle anderen als neben-, unteroder unbewusst charakterisiert.
Aufnahme von Wissensiehe S. 227
Entscheidend für die Gedächtnisleistung ist die Form, in welcher Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Wie erwähnt, geht jeder Enkodierung von Speicherinformation bereits eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches.
Augenbewegungensiehe S. 150
Während wir ein Wahrnehmungsbild scheinbar ruhig betrachten, reizen die optischen Muster kaum länger als Bruchteile von Sekunden dieselben Netzhautbereiche; verschiedenartige unwillkürliche und willkürliche Augenbewegungen (»Drift«, »Nystagmus« und »Sakkaden«) erzeugen vielmehr laufend Veränderungen in der Bildprojektion. Sobald durch experimentelle Kunstgriffe ein stabiles Netzhautbild erzeugt wird – wie zum Beispiel durch Lähmung der Augenmuskeln oder durch Aufbringen eines Kleinstdiaprojektors auf die Haftschale eines Auges –, löst sich das optische Bild noch innerhalb von Sekunden auf und wird vom sogenannten »subjektiven Augengrau« abgelöst (Pritchard, 1972). Damit also von unserer Umwelt trotz ständiger Kopf- und Augenbewegungen ein stabiler visueller Wahrnehmungseindruck entsteht, muss das Gehirn die bewegungsbedingten Veränderungen im Bild kompensieren. Es verrechnet hierfür einerseits nervöse Signale aus dem Gleichgewichtsorgan (welches bei Extremreizungen optische Störungen auslöst, wie etwa Drehschwindel nach Walzertanzen) und nützt andererseits die neuronalen Begleitinformationen von willkürlich oder unwillkürlich ausgelösten Augen- und Körperbewegungen (so etwa erzeugt eine vorgetäuschte Augenbewegung durch seitlichen Druck mit dem Finger auf den Augapfel eine ruckartige Verschiebung des visuellen Bildes). Diese bewegungsorientierten Kompensationsleistungen sowie die Fähigkeit, bewegte oder statische Objekte kontinuierlich mit
den Augen zu fixieren, gewährleisten hauptsächlich der → optokinetische und der → vestibulookuläre Reflex (Pritzel et al., 2003).
Ausführungsiehe S. 201
Begriff aus der → sozial-kognitiven Lerntheorie : Eine Verhaltensweise wurde durch Beobachtung innerlich (»latent«) gelernt (→ Erwerb ) und tritt erst dann offen (»manifest«) zutage, wenn dafür Anreize und günstige Verstärkungsbedingungen vorhanden sind.
Ausgangszustandsiehe 251
Der Ausgangszustand eines Problems wird durch den → Problemkenntnisstand (»initial knowledge state«) kognitiv abgebildet, die Transformationen vom Ausgangszum → Zielzustand in Form kognitiver Operationen (»mental operators«). Es muss ein mentales Modell über die gegebene Problemsituation konstruiert oder aus dem Gedächtnis abgerufen werden, anhand dessen die Übergänge vom Ausgangszustand zum Zielzustand geistig simuliert werden können (Wüstenberg, Greiff & Funke, 2012).
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