Abrufstörungsiehe S. 215
Ursache für Vergessensprozesse: Auch wenn Wissensinhalte optimal aufgenommen und gut gefestigt sind, können sie oft nicht wiedergegeben werden. Dies ist dann der Fall, wenn zwischen Abrufinhalten (z. B. der Art der Fragen) und gespeicherten Wissensinhalten keine passenden assoziativen Verknüpfungen vorhanden sind. Ein gutes Beispiel dafür ist das »Tip-of-the-tongue« Phänomen, bei dem einem ein Wort »auf der Zunge liegt«. Am leichtesten gelingt der Abruf aus dem Gedächtnis dann, wenn der Kontexteffekt stark ist, das heißt, wenn zwischen der Situation des Einprägens und jener der Prüfung eine möglichst große Übereinstimmung der psychischen und physischen Merkmale gegeben ist.
Abweichungsquotientsiehe S. 281
Ein altersrelativierter Abweichungsquotient wurde bereits von Lewis Terman (1877–1956) in seinem 1916 publizierten »Stanford-Binet-Test« eingeführt. Dieser bis heute gültige Quotient bezieht die Abweichung der individuellen Testleistung vom Mittelwert auf die Streuung aller Testleistungen der altersentsprechenden Bevölkerung:
Der Quotient wurde eingeführt, nachdem festgestellt worden war, dass ab dem frühen Erwachsenenalter bestimmte Intelligenzleistungen wieder abnehmen (z. B. analytisches Denken, »reasoning«, fluide Intelligenz) und daher der → Intelligenzquotient durch ein anderes Maß ersetzt werden musste.
additive Farbmischungsiehe S. 153
Wird rotes, grünes und blaues Licht mit jeweils unterschiedlicher Intensität übereinander geblendet, lassen sich daraus alle Farbnuancen erzeugen, was man als additive Farbmischung bezeichnet.
Adipositassiehe S. 315
Von Adipositas (Fettleibigkeit) spricht man bei einem BMI (»Body-Mass-Index«) von mehr als 30.
Adrenalinsiehe S. 299, 415
Stresshormon; wird vom Körper ausgeschüttet, wenn ein Lebewesen mit Stressreizen konfrontiert wird.
Affektsiehe S. 296
Eine kurzfristige, eher undifferenzierte Emotion wird als Affekt (»affect«) bezeichnet, eine langfristige, aber schwach ausgeprägte Emotion dagegen als → Stimmung (»mood«).
Aggressionsiehe S. 317, 385
Als Aggression bezeichnet man jene Motivation, die sich gegen Individuen oder Objekte richtet, um sie zu schädigen, während → Dominanz das Bedürfnis kennzeichnet, das Verhalten anderer Menschen zu beeinflussen.
Agoraphobiesiehe S. 407
Agoraphobien sind multiple Situationsängste wie Klaustrophobie, Höhen-, Reise- und Flugängste, Angst vor Menschenansammlungen. Agoraphobien gehen oft Panikanfälle voraus, die auch zu einer → Panikstörung chronifizieren können.
Ähnlichkeitsurteilsiehe S. 269
Das Zustandekommen eines Ähnlichkeitsurteils ist nur scheinbar auf eine einfache Übereinstimmung in den Merkmalsausprägungen der Vergleichsobjekte zurückzuführen. Tversky (1977) konnte nachweisen, dass bei unterschiedlicher Gruppierung von Objekten diese als unterschiedlich ähnlich erlebt werden. Ebenso konnte er zeigen, dass man beim Ähnlichkeitsurteil stärker die Gemeinsamkeiten von Objekten beachtet, während beim → Unähnlichkeitsurteil die Unterschiede stärker gewichtet werden. Allgemein nimmt das Ähnlichkeitsurteil für zwei Objekte in dem Ausmaß zu, in dem ihnen gleiche Merkmale zugeschrieben werden und es ihnen an verschiedenartigen Merkmalen mangelt, wobei allerdings die Auffälligkeit und subjektive Gewichtung der Merkmale eine Rolle spielt (z. B. Intensität, Bekanntheit, Prototypikalität, Informationsgehalt).
akademische Psychologiesiehe S. 22
Die Entwicklung der akademischen Psychologie begann vor etwa 150 Jahren und erfuhr in den letzten Jahrzehnten eine rasante Ausweitung in Forschung und Praxis.
Akkomodationsiehe S. 139
Akkomodation ist die Scharfstellung des Netzhautbildes durch Kontraktion der Augenlinse, die bis zu einer Distanz von ca. drei Metern als Entfernungsindikator wirksam wird.
Akquisitionsiehe S. 227
Meint hier die Aufnahme von Wissen, eine Phase der Gedächtnisbildung. Entscheidend für die Gedächtnisleistung sind die Form, in welcher Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Jeder Enkodierung von Speicherinformation geht bereits eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches. Für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis können zumindest folgende relevante Effekte unterschieden werden: → Arousal-Effekt , → Distinctiveness-Effekt , → Positionseffekt , → Gliederungseffekt , → Elaborationseffekt und → Imagery-Effekt .
Akteur-Beobachter-Verzerrungsiehe S. 337
Die Akteur-Beobachter-Verzerrung besteht darin, dass Personen, die aktiv in einen sozialen Prozess (z. B. eine Diskussion) eingebunden sind, ihr eigenes Verhalten eher durch Situationseinflüsse erklären, während Beobachter des gleichen Prozesses diesen eher durch Dispositionseinflüsse (Persönlichkeit, Einstellung, Motivation) verursacht sehen (Storms, 1973). Aus der Perspektive der Mitarbeiter (Akteure) werden somit eher Situationsinformationen (z. B. Arbeitsbedingungen) zur Interpretation von Misserfolgen herangezogen, aus der Perspektive des Vorgesetzten (Beobachters) hingegen eher Dispositionsinformationen (z. B. Unfähigkeit). Die Akteur-Beobachter-Verzerrung bewirkt auch Diskrepanzen in der Einschätzung der Handlungsfreiheit, indem etwa die Beobachter stärker als die Akteure vermuten, dass Letztere sich in Zukunft ebenso verhalten werden wie bisher (Nisbett et al., 1973), oder indem Vorgesetzte ihren eigenen Freiheitsspielraum wesentlich eingeschränkter sehen als ihre Untergebenen (Gurwitz & Panciera, 1975). Aus Kulturvergleichen kann der Schluss gezogen werden, dass zumindest zwischen Ost und West (»Kollektivismus« – »Individualismus«) ebenfalls unterschiedliche Tendenzen in der Ursachenzuschreibung existieren.
Aktivationstheoriesiehe S. 300
Eine Emotionstheorie, die der Formatio reticularis im Hirnstamm eine emotionssteuernde Rolle zuschrieb.
Aktivierungsiehe S. 170
Hier ist der Grad der Aktivierung des zentralen Nervensystems gemeint (engl. »arousal«). Wenn organismusinterne oder -externe Reize auftreten, die vermutlich oder tatsächlich Lebensrelevanz besitzen (z. B. Umweltveränderungen, Anblick von Nahrung, Schmerzen, Bedrohungen), erhöht sich das Niveau der allgemeinen Aktivierung im Zentralnervensystem und damit einhergehend die Intensität der neuronalen Informationsverarbeitung. Einen experimentellen Hinweis auf die lernfördernde Wirkung eines erhöhten neuronalen Aktivierungsniveaus liefert das »Brain-Trigger-Design« (Guttmann & Bauer, 1984), mittels dessen die Vorgabe von Lernmaterialien in Phasen erhöhter neuronaler Aktivierung um 25 % bessere Merkleistungen nachweisbar waren. Bei den meisten höher entwickelten Lebewesen befindet sich im Stammhirn ein entsprechendes → Aktivierungssystem , welches sowohl auf Veränderungen in der Umwelt (Wahrnehmungssituation) als auch auf Änderungen im Organismus
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