Angststörungensiehe S. 407
Eine Angst ist dann unangemessen, wenn sie nicht situationsadäquat ist, überlange anhält, durch die betroffene Person nicht beeinflussbar ist und zu einer schweren Lebensbeeinträchtigung führt. Angststörungen zählen zu den häufigsten psychischen Störungen, wobei etwa 50 % auf → Agoraphobien entfallen (multiple Situationsängste wie Klaustrophobie, Höhen-, Reise- und Flugängste, Angst vor Menschenansammlungen) und etwa 25 % auf → Sozialphobien (soziale Ängste, wie Angst vor bewertender Beobachtung, Konfliktoder Kontaktangst).
Ankerheuristiksiehe S. 272
Heuristiken sind notwendige Instrumente unserer Denkökonomie, weil im Alltag kaum genug Information und Zeit für streng logische Urteile zur Verfügung steht. Eine viel verwendete und automatisierte Urteilsheuristik ist die Ankeroder Anpassungsheuristik (»anchoring«, »adjustment«). Wie aus der Bezeichnung hervorgeht, führt sie zu einer Anpassung von Urteilen an vorhandene Orientierungsrichtlinien. Dies mag zwar die Einschätzungsprozesse oft beschleunigen, stellt aber umgekehrt wieder eine Quelle für »kognitive Täuschungen« dar (z. B. Hell, Fiedler & Gigerenzer, 1993). Eine ankerbedingte Verfälschung von Urteilen kann mittels einer einfachen Multiplikationsrechnung demonstriert werden, sobald die Probanden nur fünf Sekunden Rechenzeit haben und ihnen nur eine grobe Schätzung des Ergebnisses möglich ist. Im diesbezüglichen Experiment von Tversky und Kahneman (1974) kamen die Versuchspersonen bei der Vorgabe von
8 × 7 × 6 × 5 × 4 × 3 × 2 × 1
auf ein mittleres Produkt von 2250 (»Median«), bei der Vorgabe der gleichen Zahlen, jedoch in ansteigender Reihenfolge
1 × 2 × 3 × 4 × 5 × 6 × 7 × 8
im Mittel nur mehr auf 512. In der ersten Bedingung bilden die Produkte der ersten Zahlen einen wesentlich größeren Anker (z. B. 8 × 7 = 56, 56 × 6 = 336 usw.) als in der zweiten Bedingung (z. B. 1 × 2 = 2, 2 × 3 = 6 usw.). Die erhebliche Unterschätzung des richtigen Ergebnisses, nämlich 40320, zeigt außerdem, dass arithmetische Reihen ähnlich wie exponentielle Funktionen in ihrer Entwicklung schlecht vorhergesagt werden können.
Annäherungsiehe S. 302
Bei Panksepp (1998) steht die allgemeine emotionsbewirkte Verhaltensadaptation im Vordergrund (»Erwartungssystem«), die grundsätzlich entweder in einer Annäherung (»approach«) oder in einer Vermeidung (»avoidance«) von Umweltreizen besteht.
Anpassungsheuristiksiehe S. 272
Siehe → Ankerheuristik .
Anreizesiehe S. 312
Jene Signale, die auf Ziele oder Bedingungen hinweisen, die in der Umwelt angestrebt oder vermieden werden, nennt man auch positive oder negative Anreize. Wie stark sich ein Anreiz motivierend auswirkt und sich im Verhalten niederschlägt, hängt davon ab, welche Bedeutung dem angestrebten Zielzustand zugeschrieben und für wie wahrscheinlich sein Auftreten eingeschätzt wird.
Anstrengungsiehe S. 323
Der Erfolg oder Misserfolg von Leistungen kann entweder personeninternen (Fähigkeit, Anstrengung) oder personenexternen Ursachen (Aufgabenschwierigkeit, Zufall) zugeschrieben werden (→ internale oder → externale Attribution ).
Anthropomorphisierungsiehe S. 17
Die Anthropomorphisierung bezeichnet eine Weltsicht, bei der hinter Naturereignissen Götter, Dämonen oder Geister mit menschlichen Eigenschaften vermutet werden. Sie dürfte Ängste reduziert und eine subjektive Handlungssicherheit geschaffen haben. Die Möglichkeit, sich in Götter, Geister oder auch Dämonen einzufühlen und mit ihnen auf diese Weise irgendwie zu kommunizieren, bot offenbar subjektive Chancen, ihre Unterstützung zu erflehen oder sie zu besänftigen.
Antidepressivasiehe S. 118
Antidepressiva sind Depressionsheilmittel (z. B. Lithiumcarbonat, Reboxitin, Imipramin, Fluoxetin).
Antipsychotikasiehe S. 119
Antipsychotika sind Psychoseheilmittel (Neuroleptika, z. B. Chlorpromazin, Haloperidol, Phenothiazine, Clozapin).
Aposteriori-Wahrscheinlichkeitsiehe S. 274
Die Wahrscheinlichkeit für eine Hypothese nach deren Revision aufgrund neuer Erfahrungen nennt man Aposteriori-Wahrscheinlichkeit p(H/D).
Apriori-Wahrscheinlichkeitsiehe S. 274
Die Apriori-Wahrscheinlichkeit (Grundrate, p(H)) ist die Auftrittswahrscheinlichkeit der postulierten Gesetzmäßigkeit allgemein (z. B., dass eine Person überhaupt ein Lügner ist).
Arbeitsgedächtnissiehe S. 220 f.
In neuerer Zeit wird anstelle des Begriffs Kurzzeitgedächtnis eher das weitere Konzept Arbeitsgedächtnis (Computermetapher: Arbeitsspeicher) bevorzugt, in dem Informationen aus den Bereichen Wahrnehmung, Erinnerung, Emotion und Motivation zusammenfließen und entsprechend den aktuellen Handlungsanforderungen integrativ verarbeitet werden. Baddeley (1986) formulierte drei Komponenten des Arbeitsgedächtnisses, nämlich eine sogenannte zentrale Exekutive, die für die Kontrolle der Aufmerksamkeit (d. h. der selektiven Aktivierung bestimmter Bewusstseinsinhalte) verantwortlich ist, eine phonologische Schleife und einen visuell-räumlichen Notizblock, die Funktionen des akustischen bzw. visuellen Memorierens erfüllen (d. h. der absichtlichen Aufrechterhaltung von Bewusstseinsinhalten im Arbeitsgedächtnis).
Arbeitsmotivationsiehe S. 322, 325 ff.
Die Arbeitsmotivation ist eine spezielle Form der → Leistungsmotivation und wird von Latham und Pinder (2005) als Ergebnis der Interaktion zwischen arbeitendem Individuum und seiner Arbeitsumwelt gesehen, und zwar abhängig von vielen verschiedenen Bedingungen. Um gute Prognosen für die Arbeitsmotivation von Personen erstellen zu können, müssen gleichzeitig persönliche (z. B. Bedürfnisse, Autonomie), soziale (z. B. Feedback) und physische Faktoren (z. B. Aufgabenart, Arbeitsplatz) einbezogen werden.
Aristotelessiehe S. 16
Einer der bedeutendsten Philosophen des Altertums, von dem wichtige Denkanregungen für die Analyse geistiger und emotionaler Prozesse ausgingen. Seine Schrift »De Anima« handelt von der Seele. Für die meisten frühen Kulturen und Naturreligionen bedeutete → Seele die Lebenskraft schlechthin, welche zum Zeitpunkt des Todes den menschlichen Körper verlässt. Seit Aristoteles wird dieses Lebensprinzip in den Lebewesen auch als »Entelechie« bezeichnet.
Arousal-Effektsiehe S. 227
Relevanter Effekt für die Aufnahme von Gedächtnismaterial in das Langzeitgedächtnis. Lern- und Einprägungsprozesse werden sowohl durch ein mittleres (tonisches) Aktivierungsniveau als auch durch Aktivierungsschwankungen bei der Informationsaufnahme gefördert (phasische Aktivierung). Insbesondere steigt die Wahrscheinlichkeit für die Speicherung von Bewusstseinsinhalten, wenn sie eine psychische Stimulation oder Aktivierung auslösen (Interesse, Aufmerksamkeit, Emotion, Motivation; Storbeck & Clore, 2008; McGaugh, 2018) und danach positive Konsequenzen (Aha-Erlebnis, Entspannung, Verstärkung, Lernpause) im Sinne einer zentralnervösen Desaktivierung nachfolgen (Kleinsmith & Kaplan, 1964). Dass manchmal bei aktivierenden Merkinhalten unmittelbar nach dem Lernen schlechtere Merkleistungen zustande kommen, wird mit dem Andauern eines intensiven Konsolidierungsprozesses erklärt, der offenbar einen sofortigen Zugriff auf die Speicherinhalte erschwert (»perseverative consolidation«).
Artefaktesiehe S. 32, 84, 96
In Psychologie und Nachrichtentechnik steht dieser Ausdruck für verfälschte Ergebnisse.
Artefakte bei Befragungensiehe S. 32
•Unklarheiten in der Formulierung von Fragen (z. B. Mehrdeutigkeit, zu komplizierte Sätze)
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