Anwalt Narin Warum wurde das Wohnmobil am Nachmittag in eine Lagerhalle geschleppt? Bestand dabei nicht die Gefahr, Spuren zu vernichten oder zu verändern?
Michael M. Der Transport erfolgte so spurenschonend wie möglich. Es ging darum, das Fahrzeug an einen Ort zu bringen, wo es vernünftig weiter untersucht werden konnte.
Verteidiger Klemke Was können Sie zu Aussagen zu einer dritten Person im Umfeld des Wohnmobils sagen?
Michael M. Es gibt immer wieder Hinweise, die sich zum Schluss in Luft auflösen und nicht weiterführen. Eine Zeugin hat gesagt, sie habe vor der Tatzeit zwei Männer und eine Frau gesehen. Wir haben die Streifenpolizisten gefragt, die hätten es ja sehen müssen, wenn da jemand weggelaufen ist. Die Polizisten vor Ort konnten das Wohnmobil einwandfrei sehen, sie konnten auch unter das Fahrzeug gucken. Sie haben sich eindeutig festgelegt: Da war niemand. Daher ist das aus meiner Sicht sehr unwahrscheinlich, dass es so gewesen ist. Auch die Auffindesituation lässt nicht den Schluss zu, dass da ein Dritter weggelaufen sein könnte. Schon der erste Eindruck beim Betreten des Wohnmobils war, dass die sich selbst erschossen haben.
Verteidiger Klemke Gab es weitere Hinweise auf eine dritte Person?
Michael M. Es gab einen weiteren Hinweis. Ein Zeuge sagte, an der Autobahnanschlussstelle Eisenach-Ost wollte eine Person als Anhalter mitgenommen werden. Wir haben das überprüft, auch durch Einsatz eines Hubschraubers. Es hat sich nicht bestätigt.
7. November 2013
Manfred Götzl, Richter. Frank Liebau, 40, Ex-Besitzer des Szene-Geschäfts Madley in Jena. Sein Mitarbeiter Andreas Schultz soll die Waffe für das Trio besorgt haben. Jürgen Länger, 41, Tauchlehrer aus Jena. Er sagte auch an Tag 134 aus. Herbert Diemer, Vertreter der Bundesanwaltschaft. Olaf Klemke, Verteidiger von Ralf Wohlleben. Alexander Hoffmann, Gül Pinar, Anwälte der Nebenklage.
Götzl Mir geht es um die Zeit, als Sie den Laden Madley in Jena betrieben haben …
Liebau Den Laden hatte ich von 1995 bis 2009, wir haben ganz normale Textilien und Schuhe vertrieben, später ging es mehr in die modischen Richtungen, mit Thor Steinar und so was. Anfangs habe ich das mit Herrn Schultz zusammen gemacht, später war er nur noch als freier Mitarbeiter im Laden, weil er nebenbei noch seine Minigolf-Anlage im Freibad betrieben hat. Ansonsten gibt es dazu nichts weiter zu sagen.
Götzl Hat Ihr Geschäft auf eine bestimmte Kundschaft abgezielt?
Liebau Die bestimmte Kundschaft ist gekommen, aber abgezielt haben wir auf alle.
Götzl Und wer kam?
Liebau Die Jugend. Aus dem rechten Spektrum waren Leute dabei, aber auch ganz normale Leute.
Götzl Welche Aufgaben hatten Sie, welche Herr Schultz?
Liebau Es ging nur um den Verkauf. Wenn ich nicht da war, hat er den Verkauf gemacht. Ich hab die Waren organisiert.
Götzl War Herr Schultz ausschließlich für den Verkauf zuständig?
Liebau Ja.
Götzl Wie häufig waren Sie zugegen?
Liebau Täglich eigentlich.
Götzl Und Herr Schultz?
Liebau Vier oder fünf Mal die Woche.
Götzl Warum haben Sie den Laden wieder aufgegeben?
Liebau Wir hatten mehrere Anschläge gehabt von linken, autonomen Gruppen. Der Vermieter hat uns daraufhin gekündigt.
Götzl Kannten Sie Herrn Böhnhardt?
Liebau Ja, vom Sehen her.
Götzl Bei welcher Gelegenheit?
Liebau Vom Laden her. Jena ist halt nicht sehr groß.
Götzl Wie häufig hatten Sie Kontakt zu ihm?
Liebau Nur wenn man sich mal zufällig getroffen hat.
Götzl War er Kunde bei Ihnen?
Liebau Ja, der war ein paar Mal da.
Götzl Was hat er gekauft?
Liebau Klamotten oder Schuhe. Vielleicht mal ’ne CD. Ich weiß es nicht.
Götzl Kannten Sie Herrn Mundlos?
Liebau Im gleichen Verhältnis.
Götzl Seit wann kannten Sie ihn?
Liebau Das weiß ich nicht.
Götzl In etwa?
Liebau Irgendwann in den Neunzigerjahren.
Götzl Kannten Sie Frau Zschäpe?
Liebau Ja, auch über den Laden.
Götzl War Sie Kundin bei Ihnen?
Liebau Das ist alles ganz schön lange her. Ich weiß nicht, ob sie was gekauft hat. Für Frauen gab es damals nicht so viel bei uns.
Götzl Kennen Sie Herrn Wohlleben?
Liebau (nickt) Hm.
Götzl Wie lange schon?
Liebau Auch seit den Neunzigern.
Götzl Wie häufig haben Sie ihn getroffen und bei welchen Gelegenheiten?
Liebau Wenn er im Laden was gekauft hat oder wenn man sich in der Stadt über den Weg lief.
Götzl Wie waren dann die Situationen?
Liebau Man hat mal kurz gequatscht, vielleicht eine geraucht und ist dann weitergegangen.
Götzl Worüber haben Sie sich unterhalten?
Liebau Das weiß ich doch nicht mehr. Es waren allgemeine Themen, was es alles so gibt.
Götzl Können Sie uns auch über Herrn Schultz noch mehr berichten? War er ein Freund oder ein Bekannter?
Liebau Wir haben uns nach der Wende kennengelernt, und es ist ’ne Freundschaft draus entstanden. Dann haben wir den Laden zusammen gegründet. Irgendwann hat es sich später zerlaufen.
Götzl Was meinen Sie damit?
Liebau Jeder ist dann seinem eigenen Ding nachgegangen.
Götzl Was war das?
Liebau Er hat dann weiter weg gewohnt. Irgendwann hat er keine Lust mehr gehabt, nach Jena zu fahren. Wir haben uns dann nur noch ganz selten gesehen.
Götzl Was haben Sie dann gemacht?
Liebau Ich habe alleine den Laden weitergemacht.
Götzl Hatten Sie trotzdem weiter Kontakt zu Herrn Schultz?
Liebau Unregelmäßig. Die letzten zwei, drei Jahre habe ich ihn zwei, drei Mal gesehen oder so.
Götzl Wurden von Ihnen oder Herrn Schultz mal irgendwelche Waffen in dem Laden verkauft?
Liebau Keine Ahnung.
Götzl Sind Sie mal angefragt worden?
Liebau Nicht, dass ich wüsste.
Götzl Und bei Ihrem Geschäftspartner Herrn Schultz?
Liebau Von der Polizei habe ich gehört, dass Schultz angeblich mal eine Waffe verkauft hat. Weiß nicht, ob das stimmt.
Götzl Haben Sie mit Herrn Schultz auch darüber gesprochen?
Liebau Das geht mich nichts an.
Götzl Das beantwortet nicht meine Frage. Ob Sie mit ihm darüber gesprochen haben?
Liebau Nein.
Götzl Warum nicht?
Liebau Weil ich es gar nicht wissen wollte.
Götzl Warum nicht?
Liebau Es bringt Probleme mit sich, wenn man zu viel weiß.
Götzl Nun sagen Sie, der Herr Schultz ist Ihr Freund. Und Sie sprechen nicht mit ihm darüber?
Liebau Ja, aber man muss nicht immer alles wissen. Das kann man ja nach dem Prozess dann fragen.
Götzl Kam mal jemand und hat Sie nach einer scharfen Waffe gefragt?
Liebau Es ist zu lange her, ich kann mich nicht daran erinnern. Über Waffen haben wir uns alle unterhalten, wir waren jung, wir quatschten darüber. Was man bei der Bundeswehr so geschossen hat. Wir hatten ja schon als kleine Kinder Umgang mit Waffen gehabt in der DDR.
Götzl Haben Sie, als Sie Herrn Schultz zuletzt getroffen haben, über die Thematik Waffen gesprochen?
Liebau Ich hab ihm gesagt, das soll er allein klären. Ich will es gar nicht wissen.
Götzl Dann muss das ja doch Thema gewesen sein.
Liebau Er hat mir erzählt, dass er nach Karlsruhe musste. Bei der Vernehmung muss er irgendwas zugegeben haben.
Götzl Was hat er zugegeben?
Liebau Dass er angeblich ne Waffe verkauft hat. Er war da auch irgendwie überrumpelt worden. Aber davon weiß ich nichts und will auch gar nichts wissen. (Liebau hat sich breitbeinig in den Stuhl gelegt.)
Götzl (leicht gereizt) Ich würde Sie bitten, sich nicht gar so bequem hinzusetzen. Unverschämt werden müssen Sie hier nicht.
Also, ich will da jetzt Klarheit haben: Was haben Sie über Karlsruhe besprochen? In Karlsruhe kann man viel machen. Weswegen waren Sie in Karlsruhe? Ich muss hier andauernd nachsetzen. Es wäre mir lieber, Sie würden im Zusammenhang erzählen, was Sie von diesem Gespräch in Erinnerung haben. Mir wäre es viel lieber, wenn ich nicht nachfragen müsste. Vielleicht überlegen Sie noch mal kurz!
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