12. November 2013
Manfred Götzl, Richter. Bianca K., 27, Wohnmobilhändlerin aus Sachsen, wo das Wohnmobil angemietet wurde, das Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos bei ihrem letzten Banküberfall am 4. November 2011 benutzten. Alexander H., 35, KFZ-Meister aus Chemnitz. Bei ihm mieteten die Untergetauchten mit den Personalien von Holger Gerlach wiederholt Wohnmobile an. Silvia S., 33, Bekannte von Holger Gerlach. Sie sagte auch an Tag 72 aus. Olaf Klemke, Verteidiger von Ralf Wohlleben. Bernd Behnke, Alexander Hoffmann, Edith Lunnebach, Yavuz Narin, Gül Pinar, Anwälte der Nebenklage.
Bianca K. Als das Fahrzeug abgeholt wurde, habe ich nur flüchtig die Kunden gesehen. Die Frau stand mit dem Rücken zu mir. Es war ein Kind mit. Das Kind war in dem kleinen Wohnwagen im Geschäft zum Spielen. Da war das Kind drin. Ich hab’s gehört.
Götzl Bei der Polizei sollen Sie gesagt haben: ein Mädchen, vielleicht sieben oder acht Jahre, etwa 1,20 Meter groß?
Bianca K. Das weiß ich nicht mehr. Vielleicht hatte mir das die Kollegin gesagt.
Götzl Erinnern Sie sich an die Frau?
Bianca K. Die Frau hatte lange dunkle Haare, schlank, normale Figur. Der Mann hatte einen kurzen Haarschnitt, den haben viele.
Anwalt Behnke Hat sie das Gesicht bewusst abgewandt?
Bianca K. Nein, sie hat Reiseführer angeschaut.
(Der nächste Zeuge ist Alexander H. aus Chemnitz. In den Jahren 2000 bis 2007 hat das Trio insgesamt 14 Wohnmobile bei ihm gemietet.)
Alexander H. Die Anmietung der Wohnmobile erfolgte immer durch einen Mann unter dem Namen Holger Gerlach; der war auch immer allein da. Ich wusste nix über den. Er hatte kurze Haare.
Götzl Was hat er beruflich gemacht?
Alexander H. Das hat mich nicht interessiert.
Götzl Wissen Sie etwas über eine Anmietung durch einen Herrn Eminger im Jahr 2000? (Er zeigt dem Zeugen einen Mietvertrag.)
Alexander H. Den Vertrag hat meine Mutter ausgefüllt.
Anwältin Lunnebach Erkennen Sie unter den Nicht-Robenträgern hier jemanden?
Alexander H. Nein.
Anwältin Lunnebach Schauen Sie sich in der ersten Bank die dritte Person von links an, das ist der Herr Eminger – können Sie sich an den erinnern?
Alexander H. Nein. Ich kenne den Namen nur aus dem Prozess hier.
Anwalt Narin Wie ist Ihre politische Gesinnung, Herr Zeuge?
Alexander H. Da gibt’s nichts. Wie darf ich das verstehen?
Anwalt Narin Würden Sie sich als rechts gesinnt bezeichnen?
Alexander H. Nein.
Anwalt Narin National gesinnt?
Alexander H. Nein.
Anwalt Narin Könnten Sie mir die Kennzeichen Ihres Autos und Ihres Motorrads nennen?
Alexander H. AH – 28 – und AH 144. AH, das sind meine Initialen. Ich habe mir damals keine Gedanken gemacht und weiß nicht, ob jeder verdächtig ist, der AH im Kennzeichen hat.
Anwalt Narin Und die Zahl 28 bringen Sie mit nichts in Verbindung?
(Anwalt Narin spielt darauf an, dass in der rechten Szene 28 für Blood and Honour steht.)
Alexander H. Nein.
Anwalt Narin Wo waren Sie am 25. April 2007, als in Heilbronn der Mordanschlag auf die Polizistin Michèle Kiesewetter und ihren Kollegen Martin A. verübt wurde?
Alexander H. Weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich in dieser Zeit in der Nähe von Heilbronn ein gebrauchtes Wohnmobil angeschaut habe. Ich war wohl mit meinem VW-Transporter unterwegs. Mein Vater war damals mit dabei.
Anwalt Behnke Wo haben Sie das Fahrzeug angesehen?
Alexander H. In einem abgelegenen Gewerbegebiet muss das gewesen sein. Mein Vater war damals mit dabei bei der Fahrt nach Heilbronn.
Anwalt Behnke Gibt es das Fahrzeug noch?
Alexander H. Es ist verunfallt.
Anwalt Behnke Wann haben Sie von dem Mord an Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter das erste Mal erfahren?
Alexander H. Vielleicht im Radio, ich weiß es nicht mehr. Es ist zu lange her.
Anwalt Behnke Wie können Sie an einem solchen Tag vergessen, wo Sie waren? Ich glaube Ihnen das nicht.
Verteidiger Klemke Ich beanstande die Frage, sie ist ungeeignet.
Götzl Das ist ja keine Frage, sondern eine Feststellung.
Anwalt Behnke Erinnern Sie sich an Ihre eigenen anwaltschaftlichen Pflichten, Herr Klemke. Sie haben schon des Öfteren dagegen verstoßen.
Verteidiger Klemke Ich möchte mich dagegen verwahren, dass mir jemand einen Verstoß gegen meine anwaltschaftlichen Pflichten vorwirft. Wo gibt’s denn so was?
Anwalt Behnke Hier.
(Die nächste Zeugin ist Silvia S. Es geht um eine AOK-Karte, die sie an Holger Gerlach verkauft hat. Der hat sie an Beate Zschäpe weitergegeben.)
Silvia S. Ich und mein Mann waren bei Holger zu Besuch. Wir haben etwas getrunken und irgendwann fragte er nach meiner AOK-Karte. Er hat mir 300 Euro angeboten. Ich hab das nicht hinterfragt, für was er die Karte braucht. Ich habe die Karte dann als verloren gemeldet, daraufhin habe ich eine neue bekommen.
Götzl Wann war das ungefähr?
Silvia S. Weiß ich nicht.
Götzl Sie werden sich doch noch erinnern können.
Silvia S. Das liegt schon eine Weile zurück, 2006 oder 2007.
Götzl Wie kamen Sie denn im Gespräch auf die Karte?
Silvia S. Es war einfach nur so ein Gerede. Wer irgendeine Karte hat. Ich habe nur das Geld gesehen. Ich bin eine arme Friseurin und Punkt.
Götzl Warum haben Sie es nicht hinterfragt?
Silvia S. Weil es mich nicht interessiert hat in dem Moment.
Götzl Was haben Sie sich denn vorgestellt?
Silvia S. Gar nichts.
Götzl Klingt nicht plausibel.
Silvia S. Ich sage die Wahrheit. Ich habe mir wirklich keine Gedanken in dem Moment gemacht. Die Karte wäre ohnehin irgendwann ausgelaufen. Ich hätte das nie gedacht, was dann damit passiert ist.
Götzl Sie fragen nichts. Sie denken nichts dazu. Ich habe Schwierigkeiten damit.
Silvia S. Ich hätte doch niemals meine Karte gegeben, wenn ich das gewusst hätte. Ich hatte wirklich keine Vorstellung an diesem Abend.
Götzl Und dann?
Silvia S. Wie und dann?
Götzl Wie ging’s dann weiter?
Silvia S. Eine Woche später habe ich die Karte als verloren gemeldet.
Götzl Wie ging’s dann weiter?
Silvia S. Ganz normal. Wie gesagt, ich habe mir nicht groß Gedanken gemacht. Ich habe mein Leben weiter gelebt. Ich habe die 300 Euro bekommen, Holger hatte das Geld an diesem Abend ja bei sich.
Götzl Irgendwelche Vorstellungen werden Sie sich doch gemacht haben. Ist doch eine Frage, die man sich stellt, warum Holger Gerlach 300 Euro für eine AOK-Karte bezahlt.
Silvia S. Ich habe mir aber keine Vorstellungen gemacht. Was kann ich tun, dass Sie mir glauben? Ich habe in dem Moment wirklich nur das Geld gesehen.
Götzl Dann taucht doch erst recht die Frage auf: Warum ist das Herrn Gerlach so viel Geld wert?
Silvia S. Wie gesagt, ich habe mir dummerweise keinen Kopf gemacht, was mit dieser Karte passieren könnte.
Götzl Was hat Ihr Mann denn gesagt in dieser Situation?
Silvia S. Er hat nichts gesagt.
Götzl Stellen Sie sich mal die Situation vor, wie Sie mir diese darstellen. Da wurde nichts gesprochen, 300 Euro wurden überreicht …
Silvia S. Ich hab die 300 Euro gesehen, und fertig ist die Kiste für mich gewesen.
Götzl Ich habe das Gefühl, dass Sie meine Fragen nicht beantworten wollen.
Silvia S. Sie müssen entschuldigen, dass ich mich nicht richtig ausdrücken kann. Ich bin ein wenig durch den Wind. Mein Kopf ist wie leer.
Götzl Den Eindruck habe ich nicht, Sie sprechen ja und stellen Gegenfragen. Sie können sicher sein, dass ich Sie nicht entlasse, bis ich auch Ihren Mann gefragt habe. Da will ich erfahren, was da los ist.
Silvia S. Da ist nichts los, ich verberge auch nichts.
Götzl Wir werden Sie wohl erneut laden müssen, Frau S. Der Termin wird Ihnen dann noch mitgeteilt.
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