Gülsüm Günay - Erwerb der deutschen Pluralflexion

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Mehr als ein Drittel der Kinder in Deutschland besitzen einen sogenannten Migrationshintergrund und oft werden die Sprachprobleme dieser Kinder thematisiert. Untersuchungen zum Zweitspracherwerb von Kindern mit türkischem Migrationshintergrund liegen bislang in den Bereichen Syntax und Wortschatz vor. Während sich bislang einzelne Arbeiten mit dem Erwerb des Genus- und Kasussystems beschäftigen, existiert noch keine Studie, die den Erwerb der deutschen Pluralflexion durch Kinder mit Türkisch als Erstsprache umfassend untersucht. Mit dieser Arbeit werden hierzu erstmals Daten erhoben und analysiert.

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Für Pluralnomina sind andere Markierungen festzustellen: Neutrum Maskulinum Femininum Nominativ die dick en Bücher die klein en Tische die schön en Taschen Akkusativ die dick en Bücher die klein en Tische die schön en Taschen Dativ den dick en Büchern den klein en Tischen den schön en Taschen Genitiv der dick en Bücher der klein en Tische der schön en Taschen Tabelle 5: Kasusmarkierung im Deutschen (im Plural) Die Beobachtung dieser unterschiedlichen Verhaltensweisen der einzelnen Nomina im Deutschen führen dazu, dass verschiedene Flexionsklassen definiert werden, deren Anzahl „von 3 bis 77“ (Wegener 1995b: 147) reicht – je nachdem, wie die Definitionen vorgenommen werden. Oft unterscheiden sich diese Einteilungen auch in den verwendeten Begrifflichkeiten, so dass dabei auch beispielsweise von „Deklinationsart, Paradigma und Formenreihe“ (Dudenredaktion 2006: 196) und „Deklinationsklasse“ (Thieroff/Vogel 2012: 43) die Rede ist. Dabei wird auch die Numerusflexion bei diesen Klassenformulierungen berücksichtigt. Im Folgenden sollen die bestehenden Regularitäten der Kasusflexion nach der Darstellung von Wegener (1995a: 146f.) und in Anlehnung an Duden (2006: 296ff.) skizziert werden. Die Analyse der Tabellen 4 und 5 ergibt, dass „vier Deklinationstypen für singularische Nomina und zwei Deklinationstypen für Pluralnomina“ (Wegener 1995b: 146) aufgestellt werden können: Typ Flexion Genus Kasus Beispiele Sg. 1 (e)s-Flexion Maskulina, Neutra Genitiv Hundes, Films 2 (e)n-Flexion Maskulina alle1 Hasen, Menschen 3 Nullflexion Feminina alle Zahl, Ersparnis 4a Eigennamen ---- alle Oma, Anna 4b Eigennamen ---- Genitiv Omas, Annas Pl. 1 n-Flexion alle Dativ Leuten, Trümmern 2 Nullflexion alle alle Menschen, Sachen Tabelle 6: Deklinationstypen der deutschen Kasusflexion (erstellt nach Wegener 1995b: 146f. und Dudenredaktion 2006: 197f.) Aus diesen Deklinationstypen leitet Wegener für die Bildung von Kasusformen zwei Akkusativ-, vier Dativ- und fünf Genitiv-Regeln ab (siehe Wegener 1995: 147), wobei im Folgenden die Genitiv-Regeln unberücksichtigt bleiben werden, da sie für den „natürlichen Spracherwerb“ keine Rolle spielen (vgl. Marouani 2006: 40). Dabei ist entscheidend, ob es sich um „markierte bzw. schwache Kasusflexion“ (Wegener 1995: 147) handelt oder eine unmarkierte bzw. starke Form vorliegt. Die erste Akkusativregel besagt, dass bei allen starken Nomen im Akkusativ eine Nullmarkierung vorliegt, während die zweite Akkusativregel festhält, dass bei allen schwachen Nomen die Allomorphe -(e)nsuffigiert werden. Diese sind in Tabelle 6 unter Typ 2 gefasst und bestehen aus Maskulina. Es ist jedoch anzumerken, dass „die überwiegende Mehrzahl der deutschen Maskulina stark flektiert“ (Wegener 1995b: 146). Auch bei den Dativregeln spielen die Flexionsarten der Nomen eine Rolle. Die erste Dativregel beschreibt, dass alle starken Nomen im Dativ Singular keine Kasusmarkierung vornehmen. Handelt es sich um ein schwaches Nomen, wird die Dativform nach der zweiten Dativregel mit -(e)nmarkiert. Wenn dem Nomen die Pluralendung -(e)oder -erzugewiesen wird, dann erhält es die Endung -nim Dativ. Der Dativ wird nicht markiert – und hier sind wir bereits bei der vierten Dativregel – wenn das Nomen den Plural auf -(e)noder -sbildet. Die folgende Tabelle soll die aufgeführten Regeln zusammenfassen: Regel Sg./Pl. Flexion Markierung Beispiel Akkusativ 1 Sg. + Pl. stark -Ø Zahl, Sachen 2 Sg. + Pl. schwach -(e)n Hasen, Leuten Dativ 1 Sg. stark -Ø Zahl 2 Sg. schwach -(e)n Hasen 3 Pl. -( e),- er stark + schwach -n Hasen, Adlern 4 Pl. -( e) n,-s stark + schwach -Ø Balken, Radius Tabelle 7: Kasusregeln für Nomenmarkierung Aus den Tabellen 4 und 5 lassen sich ebenso Regeln für die Kasusmarkierung der Artikel ableiten. Die Akkusativregel für die „kasusmarkierten Faktoren“ (Wegener 1995b: 152) besagt, dass diese mit der Endung -nmarkiert werden, wenn das Nomen das Genus Maskulinum aufweist. Neben dieser einen Akkusativregel lassen sich drei Dativregeln formulieren. Alle Artikel, die im Dativ vor einem Nicht-Femininum stehen, erhalten nach der ersten Dativregel die Endung -mund alle Artikel vor Feminina nach der zweiten Dativregel die Endung – r. Die dritte Dativregel bezieht sich auf den Plural. Demnach werden im Dativ alle Artikel mit der Endung -nversehen (siehe Wegener 1995b: 152f.): Regel Sg./Pl. Genus des Nomens Markierung des Artikels Beispiele Akk. 1 Sg. Mask. -n de n Tisch Dat. 1 Sg. Mask.+Neutr. -m de m Tisch de m Buch 2 Sg. Fem. -r de r Tasche 3 Pl. alle -n de n Tischen de n Taschen de n Büchern Tabelle 8: Kasusregeln für Artikelmarkierung Versucht man jedoch Regeln zur Kasusmarkierung bei Adjektiven2 zu formulieren, kommt der Faktor der Flexionsart des Adjektivs hinzu, das heißt, ob es stark oder schwach flektiert. Geht ein Artikelwort mit Flexionsendung dem Adjektiv voran, wird das Adjektiv schwach flektiert, sonst erfolgt die Flexion stark: Regel Sg./Pl. Genus des Nomens Flexionsmuster des Adjektivs Markierung des Adjektivs Beispiel Nom. 1 Sg. alle schwach -e der kleine Tisch das kleine Buch die kleine Tasche Akk. 1 Sg. Mask. schwach -en den kleinen Tisch 2 Sg. Neutr.+Fem. schwach -e das kleine Buch die kleine Tasche Dat. 1 Sg. Mask. +Neutr. stark -em kleinem Tisch kleinem Buch 2 Sg. alle schwach -en dem kleinen Tisch(e) dem kleinen Buch der schönen Tasche 3 Sg. Fem. stark -er schöner Tasche 4 Pl. alle stark -en den kleinen Tischen den kleinen Büchern den kleinen Taschen Tabelle 9: Kasusregeln für Adjektivmarkierung Wie der obigen Darstellung zu entnehmen ist, erfährt das Adjektiv im Akkusativ die Markierung -en, wenn es sich um ein Maskulinum handelt, während Neutra und Feminina eine gesonderte Akkusativmarkierung vornehmen. Im Dativ sind vier Regeln zu formulieren, wobei sich drei auf den Singular beziehen und eine die Flexion im Plural beschreibt. In diesen Regeln ist das Flexionsmuster des Adjektivs entscheidend, ob es schwach oder stark flektiert. Die oben dargestellte erste Dativregel von Wegener (1995a) besagt, dass starke Adjektive bei nachfolgender Maskulina und Neutra mit der Endung -emmarkiert werden. Wenn jedoch vorangehende Artikelwörter existieren, gilt die zweite Dativregel, dass die Adjektive mit -enmarkiert werden. Wenn keine Artikelwörter vorangestellt sind, erhält das Adjektiv vor Feminina die Endung -er. Nach der vierten Regel markieren, wie oben zu sehen, alle Nomen im Dativ-Plural ihre vorangehenden Adjektive mit der Endung -en. Diese aufgeführten Gesetzmäßigkeiten der Markierungen in der Kategorie Kasus gelten in den beschriebenen Kontexten nahezu ausnahmslos. Der Kasus wird im Gegensatz zum Genus eher von äußeren Faktoren bestimmt und es lässt sich zudem feststellen, dass er auch „gegenüber dem Numerus die ‚äußere‘ Kategorisierung bei Substantiv [ist]“ (Eisenberg 2000: 152). Er übernimmt „bestimmte Funktionen im Satz, die jedoch komplexer zu beschreiben sind als die rein semantischen Funktionen der Numeri“ (Wegener 1995b: 120). Diese Funktionen sind unter anderem deshalb so komplex, da viele Synkretismen existieren, das heißt, dass es im Kasussystem des Deutschen viele Fälle gibt, in denen „zwei oder mehr Kasusfunktionen in einer Kasusform zusammengefallen sind“ (ebd.): Neutr. Mask. Fem. Pl. Nom. das Buch der Tisch die Tasche die Tische Akk. das Buch den Tisch die Tasche die Taschen Dat. dem Buch dem Tisch der Tasche den Büchern Tabelle 10: Beispiel für Genus-, Kasus- und Numerussynkretismen (nach Wegener 1995: 166) Zu anderen „Synkretismusfeldern“ (Thieroff/Vogel 2012: 57) in der Kasusflexion sei an dieser Stelle auf Wegener (1995a: 166ff.) und Thieroff/Vogel (2012: 56ff.) verwiesen. Wegener unterscheidet zwischen syntaktischen, semantischen und pragmatischen Funktionen der Kasus im Deutschen (siehe Wegener 1995: 120ff.). Die wichtigste Funktion stellt die syntaktische Funktion dar. Hier nimmt Wegener eine Differenzierung zwischen primären und sekundären Funktionen vor (ebd.). Die durch die Kasusmarkierung umgesetzte Bestimmung der „grammatischen Relation Subjekt (SU), direktes Objekt (DO), indirektes Objekt (IO) und Attribut“ im Satz sei die „primäre Funktion der Kasus“ (Wegener 1995: 120). Im Nominativ wird „zusammen mit der Verbkongruenz“ (ebd.) das Subjekt kodiert. Der Akkusativ kodiert das direkte Objekt und der Dativ das indirekte Objekt. Die sekundären, die Syntax betreffenden Funktionen, wie die Realisierung von Prädikatsnomen, werden hier nicht thematisiert (siehe dazu Wegener 1995b: 121ff.). Bei der Erfüllung von semantischen Funktionen der Kasusmarkierungen wird die Annahme vertreten, „daß die semantische Struktur von Verben auf die syntaktische Ebene projiziert wird, und daß es bestimmte Prinzipien gibt, nach denen bestimmte Thetarollen mit bestimmten Kasusmarkierungen und bestimmten Strukturpositionen kombiniert werden“ (Wegener 1995b: 122). Daraus ergibt sich eine Anordnung von semantischen Rollen und grammatischen Relationen, die sich gegenseitig bestimmen und bedingen: Kasus Syntakt. Funktionen/ Grammat. Relationen Semantische Rolle Nom. Subjekt Agens Akk. Direktes Objekt Thema Dat. Indirektes Objekt Rezipiens Tabelle 11: Zu den semantischen Rollen in der Kasusmarkierung Als pragmatische Funktionen der Kasusmarkierungen im Deutschen sind zum einen das Ermöglichen von verschiedenen Sprecherperspektiven (vgl. Marouani 2006: 44), zum anderen auch die Variationsmöglichkeit der Topikalisierung in einem Satz zu nennen. Diese sollen hier im Hinblick auf ihre Irrelevanz für den empirischen Teil der Arbeit nicht erläutert werden (siehe dazu Wegener 1995b: 124ff. und Marouani 2006: 44f.). 2.4 Zusammenfassung In den letzten Kapiteln erfolgte eine skizzenhafte Beschreibung der Merkmalklassen Numerus, Genus und Kasus und ihrer Ausprägungen im Deutschen. Alle drei Kategorien wurden sowohl im Hinblick auf ihre Markierungsvorkommen im Deutschen als auch ihrer Funktionen, die sie in der deutschen Sprache einnehmen und die dabei festzustellenden Gesetzmäßigkeiten betrachtet. Im Numerus lassen sich die Merkmale Singular und Plural unterscheiden, während nur die Ausprägung Plural markiert wird. Diese Markierung erfolgt flexivisch und nur am Nomen, indem die Endungen -e, -er, -n, -enund -ssuffigiert werden (und/oder zusätzlich das Nomen umgelautet wird), wenn es sich um ein Nomen handelt, das etwas in der Mehrzahl kennzeichnet. Denn der Numerus ist eine „semantische Kategorie, die es ermöglicht, flexivisch zwischen Einzahl und Mehrzahl zu unterscheiden“ (Weber 2001: 11). Dabei ist zu beachten, dass im Deutschen lediglich Nomen, die zählbar sind, in den Plural gesetzt werden können. Das deutsche Pluralsystem ist äußerst komplex und es existieren verschiedene Ansichten darüber, wie dieses System zu beschreiben ist. Diese Ansichten unterscheiden sich zum einen bezüglich ihrer Auffassung, ob sie davon ausgehen, dass die Zuweisung der einzelnen Pluralmarker eher regelgeleitet oder eher beliebig erfolgt, und zum zweiten inwieweit – und bezüglich welcher Kriterien (phonologisch/morphologisch/semantisch) – Regeln und Ausnahmen formuliert werden. Bei der Betrachtung des deutschen Numerussystems lässt sich feststellen, dass dieses nicht allein analysiert werden kann. Im Deutschen ist jedem Nomen ein bestimmtes Genus zugewiesen, das fest ist und nicht verändert wird. Somit weist ein Nomen entweder das Merkmal Maskulinum, Neutrum oder Femininum auf. Diese Eigenschaft des Nomens, sein Genus, bleibt in der Syntax beim Zusammentreffen mit anderen Wortarten nicht nur erhalten, sondern beeinflusst die Flexion der anderen Konstituenten, wie z.B. des Artikels oder des Adjektivs. Auch wenn die Funktionen des Genus, wenn es überhaupt eine Funktion erfüllt, einen sehr kontrovers diskutierten Abschnitt des deutschen Genussystems darstellen, so ist festzuhalten, dass das Genus bei der Erzeugung und Markierung von Kongruenz eine wichtige Rolle spielt. Der Kasus „operiert [im Vergleich zu Numerus und Genus vor allem] auf der Satzebene [… und] wird als funktionale Kategorie angesehen, die die Bezüge zwischen den verschiedenen Satzteilen verdeutlicht“ (Weber 2001: 11), wobei erst durch das Mitwirken aller drei Kategorien die Kongruenz hergestellt werden kann. Zusammenfassend ist zu betonen, dass Kongruenz unter Einbezug von sowohl syntaktischen als auch semantischen, morphologischen und auch lexikalischen Ebenen betrachtet werden muss und somit die Möglichkeiten der Markierung sich als sehr vielfältig aufweisen (vgl. Corbett 2006). Es fällt auf, dass die Formulierung von Regeln und Funktionen in der Kategorie Kasus viel einheitlicher, ausführlicher und auch in weitaus mehr Publikationen vorgenommen wird, als dies beim Numerus und vor allem beim Genus der Fall ist. Zudem kann festgestellt werden, dass „dort, wo Kasus- und Numerusflexion behandelt werden, […] sie beinahe nur als voneinander unabhängige Bereiche des Flexionssystems [erscheinen]“ (Bittner 1994: 65). Die bestehenden Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen Kasus- und Numerusflexion werden bislang oft unzureichend beschrieben. 3 Die Nominalflexion des Türkischen „Die deutsche Nominalflexion ähnelt so eher derjenigen des Türkischen als derjenigen des Lateins.“ (Gallmann 1990: 166) Inwieweit ähnelt die Nominalflexion des Türkischen dem Deutschen? Dieser Frage soll in den nächsten Kapiteln nachgegangen werden. Die Beschreibung der türkischen Nominalflexion erfolgt, soweit möglich, im direkten Vergleich mit der in Kapitel 2 beschriebenen deutschen Nominalflexion. Dabei ist auch in diesem Kapitel das Augenmerk insbesondere auf die im empirischen Teil untersuchten Phänomene der Nomen-, Artikel- und Adjektivmarkierung im Numerus-, Genus- und Kasussystem und den dabei beobachteten Funktionszuschreibungen gerichtet. Für detailliertere, umfassendere Beschreibungen der Nominalflexion im Türkischen sei an dieser Stelle auf Ketrez (2012: 22ff.), Ersen-Rasch (2004: 24ff.) und Göksel/Kerslake (2005: 165ff.) verwiesen. Ebenso erfolgt vorweg keine ausführliche Beschreibung der Charakteristika des Türkischen, wie die Agglutination, die Vokalharmonie oder die Genus- und Artikellosigkeit. Diese Merkmale werden bei der Beschreibung des Numerus-, Genus- und Kasussystems im Türkischen jeweils kurz erläutert, sofern sie bei dem betrachteten Phänomen eine Rolle spielen. 3.1 Das Numerussystem des Türkischen Das Türkische besitzt wie das Deutsche zwei Numeri: Singular und Plural (vgl. Kornfilt 2000: 265). Die semantischen Konzepte, die für die Markierung von Plural im Türkischen existieren, unterscheiden sich jedoch wesentlich von den Kontexten, in denen die Pluralmarkierung im Deutschen obligatorisch ist. Eine systematische Beschreibung der Pluralmorphologie im Hinblick auf ihre Markierung scheint auf den ersten Blick sehr einfach zu sein. Statt neun Pluralmarkierungsmöglichkeiten am Nomen, wie im Deutschen der Fall, existiert im Türkischen lediglich eine Möglichkeit der Pluralmarkierung. Das Pluralsuffix -lerbzw. -larwird, je nachdem wie der letzte Vokal des Nomen lautet, an die Singularform angehängt und betont: (34) arab aAuto araba- larAuto-PL‚Autos‘ (35) kap ıTür kapɪ- larTür-PL‚Türen‘ (36) balo nLuftballon balon- larLuftballon-PL‚Luftballons‘ (37) koyu nSchaf koyun- larSchaf-PL‚Schafe‘ Handelt es sich bei dem letzten Vokal der Singularform um ein a/ı/o/u,so wird aufgrund der kleinen Vokalharmonie im Türkischen die Endung -larsuffigiert. Ist der letzte Vokal ein e/i/ö/ü, wird die Endung -lerangehängt: (38) ine kKuh inek- lerKuh-PL‚Kühe‘ (39) keç iZiege keçi- lerZiege-PL‚Ziegen‘ (40) trakt örTraktor traktör- lerTraktor-PL‚Traktoren‘ (41) köpr üBrücke köprü- lerBrücke-PL‚Brücken‘ Die Komplexität des türkischen Numerussystems liegt nicht wie im Deutschen in der Pluralmarkierung und der Zuweisung von Pluralflexiven, sondern in der Beschreibung der semantischen Konzepte, in denen eine Pluralmarkierung verwendet wird bzw. obligatorisch ist. Dieser Aspekt zeigt uns wieder, wie sehr die Betrachtung von grammatischen Phänomenen auf den verschiedenen Ebenen der Sprachwissenschaft als notwendig erscheint. Sowohl die Betrachtung auf morphologischer, phonologischer, syntaktischer, pragmatischer als auch semantischer Ebene ist hier für die Beschreibung des Numerussystems im Türkischen mit einzubeziehen, um die Sprachverwendung adäquat abbilden zu können. Diese semantischen Konzepte bilden die Funktionen, die die Pluralmarkierung im Türkischen erfüllen können. Das Thema Pluralbildung und Pluralmarkierung wird in verschiedenen Grammatiken des Türkischen oft unzureichend und teilweise unsystematisch behandelt (siehe z.B. Underhill 1976, Lewis 2000, Moser-Weithmann 2001, Kornfilt 2000). Als eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung können die oben erwähnten Unterschiede bezüglich der Verwendung der Pluralmarkierung genannt werden, und zwar die eigenen semantischen Konzepte der türkischen Sprache, die hinter der Pluralmarkierung und ihrer Auslassung stehen können. Eine gute, wenn auch relativ kurze Übersicht über die existierenden Ausprägungen von Singular und Plural im Türkischen ist in Ersen-Rasch (2004: 24ff.) zu finden. Die im Folgenden genannten Beispiele basieren auf ihren Ausführungen. Bei der Betrachtung der Funktion des türkischen Pluralsuffixes lassen sich erhebliche Unterschiede im Vergleich zu den Funktionen der Pluralmarkierungen im Deutschen feststellen. Zudem kann das „zweiförmige Suffix“ (Kissling 1960: 20) – ler/-larzum einen, wie bereits gezeigt wurde, den Plural markieren, aber auch als Possessivsuffix (3. Person Plural) fungieren (Göksel/Kerslake 2005: 68f., siehe dazu auch Schroeder 1999: 26f.): (42) araba- larıAuto-PL.3.SG/ 3.PL.POSS‚Ihr Auto/ihre Autos‘ (43) inek- leri1Kuh-PL.3.SG/ 3.P. POSS‚Ihre Kuh/ihre Kühe‘ Hierbei liegt eine Ambiguität bezüglich der Verwendung des Possessivsuffixes vor (siehe Göksel/Kerslake 2005: 170f.). Es kann sowohl Plural und 3. Person Singular Possessiv (44), als auch 3. Person Plural Possessiv (45), sowie Plural und 3. Person Plural Possessiv (46) ausdrücken: (44) Araba- lar-ı orada.Auto-PL.3.SG.POSS dort‚ Seine/IhreAuto ssind dort.‘ (45) Araba- ları orada.Auto-3.PL.POSS dort‚ IhrAuto ist dort.‘ (46) Araba- ları orada.Auto-PL.3.PL.POSS dort‚ IhreAuto ssind dort.‘ Auch in ihrer Funktion als Pluralmarker, um Pluralität und Mehrzahl auszudrücken, kann das Pluralsuffix – ler/-larim Türkischen eine Vielzahl von Funktionen ausüben (siehe z.B. Göksel/Kerslake 2005: 129ff., 165ff., 228f., 283). Im Folgenden sollen diese in drei Funktionen zusammengefasst werden: Funktion I: Das Pluralsuffix -lerbzw. -larkann die Vielzahl von „individualisierten Elementen“ (Ersen-Rasch 2004: 25) einer Klasse ausdrücken1: (47) Çiçek -ler orada.Blume-PL dort‚Die Blumen sind dort.‘ (48) Kitap -lar-ım var.Buch-PL.1SG geb‚Ich habe Bücher.‘ In (47) geht es nicht um die Klasse Blumen, sondern um bestimmte, „individualisierte Elemente der Klasse“ (ebd.), die im Deutschen in (47) mit dem definiten Artikel ausgedrückt werden. Der Beispielsatz (49) ist aus Ersen-Rasch (ebd.) übernommen. Sie führt diesen Satz als Kontrast zu folgenden Sätzen auf, um den individualisierenden Aspekt des Pluralsuffixes zu zeigen: (49) Bir kitap al-dım.ein Buch kauf-1.SG.PRÄT‚Ich habe ein Buch gekauft.‘ (50) Iki kitap al-dım.zwei Buch kauf-1.SG.PRÄT‚Ich habe zwei Bücher gekauft.‘ (51) Birkaç kitap al-dım.einige Buch kauf-1.SG.PRÄT‚Ich habe einige Bücher gekauft.‘ (52) Birçok kitap al-dım.viele Buch kauf-1.SG.PERS.PRÄT‚Ich habe viele Bücher gekauft.‘ (vgl. Ersen-Rasch 2004: 25) In diesen Sätzen findet keine Markierung der Singularform statt, da es nicht um bestimmte Bücher geht. Bei der Betrachtung dieser Darstellung kommt folgende Frage auf: Liegt der Grad für die Individualisierung der Elemente der Klasse Buchin Beispiel (48) nicht bei der Verwendung des Personalpronomens bzw. des Suffixes, das das Personalpronomen 1. Person Singular markiert? Denn beim Weglassen der Markierung fällt der individualisierende Aspekt weg, wie der folgende Beispielsatz zeigt: (53) Kitap- lar var.Buch-PL geb‚Es gibt Bücher.‘ Aus diesem Grund erscheint der Beispielsatz (49) ungeeignet, um die individualisierende Eigenschaft des Pluralsuffixes aufzuführen. Die Möglichkeit der Individualisierung durch Einsatz des Suffixes im Türkischen wird an dieser Stelle nicht bestritten. Unter diesem Aspekt der Individualisierung können sogar Pluralformen von Nomen gebildet werden, die im Deutschen nicht in den Plural gesetzt werden können: (54) Berlin de hava- lar nasıl?Berlin LOK Wetter-PL wie‚Wie ist das Wetter in Berlin?‘ (vgl. Ersen-Rasch 2004: 26) Funktion II: Das Pluralsuffix -ler/ -larkann unterschiedliche, „nicht gleichartige Teile einer Klasse in einem Suffix zusammen[zu]fassen“ (Ersen-Rasch 2004: 25): (55) Toka- lar, yüzük- ler, küpe- ler ve bilezik- ler satıyorum.Schnalle -PL, Ring -PL, Ohrring -PL und Armreif -PL verkauf– 1.SG.PRS‚Ich verkaufe Schnallen, Ringe, Ohrringe und Armreifen.‘ Die Pluralbildungsregeln im Türkischen sind jedoch nicht immer strikt (vgl. Ketrez/Aksu-Koc 2009: 39), so dass beispielsweise in diesem Falle auch die Pluralendung weggelassen werden kann, ohne dass sich die Bedeutung des Satzes ändert: (56) Toka, yüzük, küpe ve bilezik sat-ıyorum.Schnalle, Ring, Ohrring und Armreif verkauf -1.SG.PRS‚Ich verkaufe Schnallen, Ringe, Ohrringe und Armreifen.‘ Das Suffix ist jedoch nicht immer fakultativ.1 Wenn beispielsweise die Sorte von etwas ausgedrückt werden soll, ist das Suffix obligatorisch und kann nicht weggelassen werden2: (57) Yağlar nerede?Fett-PL/Öl-PL‚Wo sind die Fette/Öle?‘ (vgl. Ersen-Rasch 2004: 25) Funktion III: Das Pluralsuffix -ler/ -larkann die Häufigkeit einer Handlung ausdrücken. Durch das Anhängen der Pluralendung kann auch eine oft auftretende Handlung beschrieben werden, wie das folgende Beispiel von Ketrez (2004) verdeutlicht: (58) Çocuk parmak -lar kaldır -dı.Kind Finger-PL heb-3.SG.PRÄT‚Das Kind streckte/hob oft/mehrmals seine Hand/seinen Finger.‘ (vgl. Ketrez 2004: 8) Erst mit der Deutung, dass das Kind viele Finger, beispielsweise von anderen Personen hochhielt, wäre für die Endung -larin parmaklareine Pluralfunktion anzunehmen, was möglich ist, da keine Markierung durch ein Possessivsuffix oder Ähnliches vorhanden ist. Sowohl der obige Beispielsatz (56) als auch die Sätze (50–52) zeigen, dass beim Ausdruck der Pluralität in diesen Fällen keine Markierung am Nomen vorgenommen wird. In (50) ist dies mit der Regelung im Türkischen zu erklären, dass keine Pluralendung nach Zahlwörtern1 angehängt wird, da der Plural mit dem Zahlwort als markiert gilt (vgl. Moser-Weithmann 2001: 31). Dies wird mit dem Prinzip der Ökonomie, das typisch für das Türkische ist, erklärt und gilt auch bei anderen, die „Quantität“ ausdrückenden Wörtern, wie in (51) und (52) (vgl. Ersen-Rasch 2004: 25). Einzige Ausnahmen, bei denen trotz Zahlwort eine Markierung am Nomen erfolgt, stellen Nomen dar, die „die Bedeutung von Eigennamen haben, wie z.B. yedi cüceler(Die sieben Zwerge), kırk haramiler(Die vierzig Räuber)“ (Moser-Weithmann 2001: 31). Eine Markierung des Nomens ist im Türkischen in folgenden Fällen ebenfalls nicht möglich: (59) Çorap al -dım.Strumpf/Socke kauf -1.SG.PRÄT‚Ich habe Strümpfe/Socken gekauft.‘ (60) Biz -e yumurta lazım.3.PL Ei brauch‚Wir brauchen Eier.‘ (vgl. Ersen-Rasch 2004: 25) Dies kann mit der Eigenschaft der türkischen Singularform, dass sie „auch für den unbestimmten Plural gebraucht werden kann, der dann Kollektivbedeutung hat: elma(Äpfel), orman(Wälder)“ (Moser-Weithmann 2001: 27), erklärt werden. 3.2 Das Genussystem des Türkischen Im Türkischen existiert keine Merkmalklasse Genus, das heißt, es gibt kein grammatisches Geschlecht und somit keine grammatische Geschlechtszuweisung (siehe Kissling 1960: 19, Underhill 1976: 32, Schaaik 1996: 13, Schroeder 1999: 270, Lewis 2000: 25, Moser-Weithmann 2001: 27, Ersen-Rasch 2004: 3, Korkmaz 2007: 254, Cakir 2010: 21f., Montanari 2010: 222). Lediglich eine kleine Gruppe von entlehnten Nomen markieren Genus bzw. „Sexus“ (Montanari 2010: 222). Oft handelt es sich dabei um Feminina, die auch als solche von der Ausgangssprache übernommen werden: (61) şan (t) -öz‚Weibliche Sängerin, aus dem Französischen: chanteuse‘ (62) kral -içe‚Königin, aus dem Serbischen und Kroatischen: kraljica‘ (vgl. Schroeder 1999: 270) Ansonsten werden Geschlechtsunterschiede im Türkischen durch eigene Lexeme bezeichnet oder dem Nomen werden die Bezeichnungen kadın (Frau)/ kız (Mädchen)bzw. erkek (Mann)vorangestellt. Hierbei unterscheidet Korkmaz (2007) vier Gruppen: Gruppe 1 Gruppe 2 Gruppe 3 Gruppe 4 fem. kız kardeşSchwester kızTochter dişi aslanLöwin tavukHuhn kadın doktorÄrztin karıEhefrau dişi kediKatze koyunSchaf mask. erkek kardeşBruder oğulSohn erkek aslanLöwe horozHahn erkek doktorArzt kocaEhemann erkek kediKater koçWidder Tabelle 12: Geschlechtsunterscheidungen im Türkischen (nach Korkmaz 2007: 254f.) In die erste Gruppe können alle Bezeichnungen für Menschen gezählt werden, denen entweder ein kadınfür Frau, ein kızfür Mädchenund ein erkekfür Mannund Jungevorangestellt wird. Die zweite Gruppe umfasst ebenfalls wie Gruppe 1 die Bezeichnungen für Menschen, genauer gesagt für die Verwandtschaftsverhältnisse. Die Differenzierung des Geschlechtes erfolgt in Gruppe 3 und 4 ausschließlich für Tiere. In Gruppe 3 wird auf die Methode von Gruppe 1 zurückgegriffen und erkekfür männlich und dişifür weiblich vor eine Tierbezeichnung gestellt. Ein gesondertes Lexem wird in den Gruppen 2 und 4 verwendet (vgl. Korkmaz 2007: 254f., Lewis 2000: 25). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass im Türkischen kein grammatisches Genus existiert, wir jedoch einige Genusdifferenzierungen bezüglich des biologischen Geschlechtes vorfinden können, die allerdings in keinerlei Weise am Nomen oder an einem Artikel markiert werden, sondern immer „kombinativ“ (Montanari 2010: 222) erfolgen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass das Türkische auch keine Artikel kennt: „Türkisch besitzt keinen bestimmten Artikel wie ‚der, die, das‘ und keinen unbestimmten Artikel wie ‚ein, eine, ein‘.“ (Ersen-Rasch 2004: 3). Eine „quantifizierende“ (Lemke 2008: 119) Funktion besitzt nach Underhill (1976: 38ff.) lediglich der „quasi-indefinite Artikel bir,[der] gleichzeitig auch das Zahlwort eins[ist]“ (Lemke 2008: 119, siehe auch Moser-Weithmann 2001: 27): (63) bir adam‚ein Mann‘ (64) bir kadın‚eine Frau‘ (65) bir kız‚ein Mädchen‘ 3.3 Das Kasussystem des Türkischen In der Merkmalklasse Kasus sind im Türkischen sechs Merkmale vorzufinden: Nominativ, Akkusativ, Dativ, Genitiv, Lokativ und Ablativ (siehe Ersen-Rasch 2004: 42ff., Kissling 1960: 22)1. Wie bei der Beschreibung des deutschen Kasussystems sollen in diesem Kapitel die Kasusmarkierung und ihre Funktionen betrachtet werden und die Frage im Hinblick auf existierende Gesetzesmöglichkeiten im Vergleich zum Deutschen beantwortet werden. Auch bei der Kasusmarkierung der oben genannten sechs Merkmale spielt die Vokalharmonie eine wichtige Rolle (vgl. Ersen-Rasch 2004: 10). Im Nominativ erhalten die Nomen keinerlei Markierungen (siehe Ketrez 2012: 27), so dass es insgesamt fünf „case suffixes“ (Göksel/Kerslake 2005: 70) gibt. Folgende Markierungen existieren im türkischen Kasussystem: Markierung Beispiele +Vokalendung (VE) -Vokalendung (VE) +VE -VE a/ı u/o e/i ü/ö a/ı u/o e/i ü/ö Nom. -Ø -Ø -Ø -Ø -Ø -Ø -Ø -Ø silgi -Ø kalem -Ø Akk. -yı -yu -yi -yü -ı -u -i -ü silgi -yi kalem -i Gen. -nın -nun -nin -nün -ın -un -in -ün silgi -nin kalem -in Dat. -ya -ya -ye -ye -a -a -e -e silgi -ye kalem -e Lok. -da/ -ta2 -da/ -ta -de/ -te -de/ -te -da/ -ta -da/ -ta -de/ -te -de/ -te silgi -de kalem -de Abl. -dan/ -tan -dan/ -tan -den/ -ten -den/ -ten -dan/ -tan -dan/ -tan -den/ -ten -den/ -ten silgi -den kalem -den Tabelle 13: Kasusmarkierung am Nomen im Türkischen Endet das Nomen im Akkusativ, Genitiv oder Dativ auf einem Vokal, wird als Fugenelement im Akkusativ und Dativ zwischen der jeweiligen Endung und dem Nomen ein – y-und im Genitiv ein -n-eingefügt (vgl. Kissling 1960: 20). Die Zuweisung der Suffixe unterliegt, wie bereits erwähnt, den Regeln der Vokalharmonie. Diese Zuweisungsregeln, dargestellt in obiger Tabelle, gelten nahezu ausnahmslos. Es existieren nur wenige Fälle, in denen oft aufgrund phonologischer Gegebenheiten, zugunsten der Ausspracheerleichterung, einige Veränderungen vorgenommen werden, wie z.B. das Wegfallen von Vokalen im Nomen bei „vokalisch anlautenden Suffixen“ (Kissling 1960: 23): (66) burun → burna → burnun ‚Nase-NOM.SG → Nase-DAT.SG → Nase-GEN.SG‘ Eine Übersicht aller Ausnahmen ist in Kissling (1960: 22ff.) und Ersen-Rasch (2004: 10ff.) zu finden. In Anlehnung an die Vorgehensweise bei der Beschreibung des deutschen Kasussystems soll im Folgenden ebenfalls nur auf die Merkmale Nominativ, Akkusativ und Dativ eingegangen werden, da der Genitiv beim kindlichen Spracherwerb nur sehr selten Betrachtungsgegenstand ist. Welche Funktionen erfüllen diese Merkmale des Kasussystems in der türkischen Sprache? Bei der Beantwortung dieser Frage sind deutlich mehr Gemeinsamkeiten des türkischen und deutschen Kasussystems festzustellen als im Numerus oder Genus. Denn auch im Türkischen erfüllen die Kasussuffixe die Funktion, des „most productive way to express syntactic functions of noun phrases“ (Kornfilt 2000: 212, zum Deutschen siehe Wegener 1995b: 120ff.). Die Tabelle 11 zu den semantischen Rollen in der deutschen Kasusmarkierung gilt auch für das Türkische (vgl. hierzu Kornfilt 2000: 212). Es ist festzuhalten, dass die Kasusmarkierungen im Türkischen „salient und transparent“ (Lemke 2008: 119) sind und das türkische Kasussystem „fast ohne homonyme Formen auskommt“ (ebd.), sowie auch ihre Zuweisung klare Regeln aufweist. Da im Türkischen keine Artikel existieren und das attributive Adjektiv3 im Türkischen nicht flektiert wird, es also keine Markierung dieser Kategorien gibt, können deren Markierungen auch nicht wie im Deutschen dargestellt werden. 3.4 Zusammenfassung In den letzten Kapiteln wurden die Ausprägungen der Merkmalklassen Numerus, Genus und Kasus im Türkischen beschrieben. Dabei lag der Fokus, wie bei der Beschreibung der Ausprägungen dieser Kategorien im Deutschen, auf der Markierung, auf den Funktionen, die diese Markierungen übernehmen und auf den dabei beobachtbaren Gesetzmäßigkeiten. Diese Aspekte wurden, soweit dies möglich war, mit Bezug zum Deutschen erörtert und beschrieben. Der Vergleich des deutschen Numerus-, Genus- und Kasussystems mit dem türkischen System zeigt, dass große Unterschiede auf nahezu allen Ebenen existieren. Auch wenn das Türkische wie das Deutsche die zwei Numeri Singular und Plural aufweist, unterscheidet sich das Numerussystems des Türkischen erheblich von dem deutschen Numerussystem, insbesondere im Hinblick auf die Pluralmarkierung, aber auch hinsichtlich der semantischen Konzepte, die im Bereich der Pluralbildung existieren und angewendet werden. Während im Deutschen die Pluralmarkierung in neun verschiedenen Variationen erfolgen kann, gibt es im Türkischen nur das Pluralsuffix -ler/ -lar, das je nach vorangehendem Vokal an das Nomen angepasst und suffigiert wird. Die Markierung ist zudem in vielen Kontexten nicht unbedingt obligatorisch. Die semantischen Konzepte, die eine Markierung bedingen, unterscheiden sich oft maßgebend von dem Markierungsverhalten deutscher Nomen. In Kontexten, in denen eine Markierung am Nomen im Deutschen obligatorisch ist, wird im Türkischen keine Markierung vorgenommen, wie zum Beispiel wenn ein Zahlwort vor dem Nomen steht: (67) Burada üç koyun-Ø var.DEM-LOK drei Schaf-Ø geb‚Hier gibt es drei Schaf-e.‘ Andererseits sind auch Fälle zu beobachten, in denen Nomen in den Plural gesetzt werden, deren Pluralbildung im Deutschen nicht möglich ist, da sie nicht zählbar sind: (68) Berlin de hava-lar nasıl?Berlin-LOK Wetter-PL wie‚Wie ist das Wetter in Berlin?‘ (vgl. Ersen-Rasch 2004: 26) Dies ist mit den unterschiedlichen Funktionsübernahmemöglichkeiten des Numerus, den vorhandenen unterschiedlichen semantischen Konzepten in den beiden Sprachen zu erklären. Ein Vergleich konnte bezüglich des Genussystems der beiden Sprachen nicht erfolgen, da die türkische Sprache kein Genus hat. Im Türkischen sind lediglich einige Differenzierungen bezüglich des biologischen Geschlechtes vorzufinden, die kurz in Kapitel 3.2 skizziert wurden. Im Kasussystem des Türkischen hingegen sind Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Kasussystem, insbesondere im Hinblick auf die Funktionen der Kasus, festzustellen. Im Türkischen gibt es nicht vier sondern sechs bzw. sieben Kasus. Neben Nominativ, Akkusativ, Dativ und Genitiv existieren die Merkmale Lokativ und Ablativ und nach Ansicht einiger Grammatiker noch das Merkmal Instrumental. Die Kasusmarkierungen im Türkischen richten sich nach den Gesetzmäßigkeiten der Vokalharmonie und gelten nahezu ausnahmslos. Ausnahmen sind bei der Flexion von Fremd- und Lehnwörtern zu finden. Da im Türkischen keine Artikel existieren und das in der vorliegenden Arbeit betrachtete attributive Adjektiv nicht flektiert wird, erfolgte nur eine Betrachtung der Markierung am Nomen. Teil II Zum Spracherwerb „Was ist das? – Ein Schaf. Und hier sind ganz viele …? – Ganz viele Schäfe.“ (Gesprächsausschnitt aus Experiment 6 mit einem 7-jährigen DaZ-Kind) Woher weiß das Kind, dass es etwas an Schafändern muss, wenn mehrere Exemplare hiervon vorliegen? Warum markiert das Kind manche Wörter, wenn es Pluralität erkennt, und lässt bei anderen Wörtern jegliche Markierung weg? Welche Prozesse laufen im mentalen Lexikon ab? Welche Faktoren können diese Prozesse wie beeinflussen? Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Spracherwerbsforschung. Sowohl Neurowissenschaftler als auch Pädagogen und Linguisten bemühen sich um geeignete Methoden, um mit Hilfe von Studien, die die produzierte Sprache und den Vorgang der Produktion untersuchen, den Antworten dieser Fragen näher zu kommen. In diesem Teil werden zunächst wichtige Begriffe geklärt und die Rolle des Alters beim Zweitspracherwerb thematisiert. Zudem erfolgt eine Skizzierung der Strömungen, die in der Linguistik zur Erklärung von Spracherwerbsprozessen formuliert worden sind, um überprüfen zu können, welche Annahmen und Modelle sich nach einer Analyse für eine Beschreibung eignen bzw. als nicht geeignet anzusehen sind. Im fünften Kapitel werden die wichtigsten Ergebnisse zum Erst- und Zweitspracherwerb der deutschen Nominalflexion zusammenfassend dargestellt, die im Rahmen von Studien zum Numerus-, Genus- und Kasuserwerb formuliert wurden. Anschließend werden die daraus zu folgernden Fragestellungen und Hypothesen formuliert, die im empirischen Teil der Arbeit untersucht werden. 4 Der Zweitspracherwerb 4.1 Zur Begriffsklärung Die Sprache, mit der Kinder von Anfang an aufwachsen, die oft als „Muttersprache“ bezeichnete Sprache, ist die Erstsprache (siehe dazu Meisel 2011: 1ff. und Ahrenholz 2010a: 3f.). Erwirbt das Kind von Anfang an zwei Sprachen, beispielsweise wenn Mutter und Vater sich in verschiedenen Sprachen mit dem Kind unterhalten, handelt es sich um simultan bilingualem Erstspracherwerb (siehe hierzu Genesee/Paradis/Crago 2011: 59ff.). Das Wort „Bilingualität“ wird jedoch oft unterschiedlich verwendet: „Bilingualität (bzw. Multilingualität) kann mit Zweisprachigkeit (bzw. Mehrsprachigkeit) übersetzt werden. Einerseits wird Bilingualität als Überbegriff für alle Formen von Mehrsprachigkeit verwendet. Andererseits hat sich in der neueren Literatur durchgesetzt, von bilingualem Spracherwerb nur dann zu sprechen, wenn ein Kind zwei (oder mehr) Sprachen simultan erwirbt.“ (Rothweiler 2007: 106)1 Wird die zweite Sprache erst dann erworben, „wenn die Muttersprache bereits ganz oder teilweise gemeistert ist“ (Felix 1982: 10), wird diese Form des Erwerbs als „sukzessiver“ (Meisel 2007: 99) Zweitspracherwerb bezeichnet. Auch diesen Begriff gilt es weiter zu differenzieren. Zu unterscheiden ist vor allem zwischen dem frühen bzw. kindlichen Zweitspracherwerb und dem Erwerb einer Zweitsprache im Erwachsenenalter (vgl. Rothweiler 2007: 106, Müller et al. 2011: 15). Die Begriffe früherund kindlicherZweitspracherwerb werden in der Literatur oft synonym zueinander verwendet und man fasst darunter meistens den Zweitspracherwerb, der mit drei bis vier Jahren beginnt (vgl. Rothweiler 2007: 127). Nach Meisel (2009), Rothweiler (2009) und Grimm/Schulz (2012) liegt ein früherZweitspracherwerb vor, wenn dieser zwischen dem zweiten und dem vierten Lebensjahr beginnt und ein später kindlicherSpracherwerb, wenn der Erwerb nach dem vierten Lebensjahr anfängt. Hierbei handelt es sich immer um ungesteuerten Zweitspracherwerb (Klein 1987: 28). Unter gesteuertem Erwerb einer zweiten und jeder weiteren Sprache fassen wir das Fremdsprachenlernen, das gesondert betrachtet und untersucht werden muss (vgl. Rothweiler 2007: 106). In der vorliegenden Arbeit wird unter kindlichem Zweitspracherwerb der Spracherwerb einer zweiten Sprache durch Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren gefasst, die mit drei bis vier Jahren mit dem Zweitspracherwerb beginnen. Der Schwerpunkt der Ausführungen in den nächsten Kapiteln wird auf diesem Bereich der Spracherwerbsforschung liegen. 4.2 Die Rolle des Alters Bei der Frage nach der Rolle des Alters beim Erwerb der Zweitsprache handelt es sich um eine zentrale Fragestellung der kindlichen Zweitspracherwerbsforschung. Wann ist die Erstsprache bereits ganz oder teilweise erworben, so dass es sich beim Erwerb der zweiten Sprache um eine Zweitsprache handelt und wann gilt die zweite Sprache noch als weitere Erstsprache, die erworben wird? „Die Frage, wie alt ein Kind sein muß, bevor es sich seine Umwelt für den Spracherwerb nutzbar machen kann, entspricht der Frage, wie jung ein Individuum sein muß, bevor es zu spät ist, Sprechen und Sprache zu erwerben. Vieles spricht dafür, daß der primäre Erwerb der Sprache von einem bestimmten Entwicklungsstadium abhängt, dem ein Individuum mit der Pubertät schnell entwächst.“ (Lenneberg 1977: 177) Dieses Zitat von Lenneberg, einem der ersten Vertreter der „Critical Period Hypothesis“ (Birdsong 1999), beinhaltet zwei zentrale Aussagen, die wichtige Anhaltspunkte für die Beantwortung der oben formulierten Frage liefern: Erstens verdeutlicht Lenneberg, dass es einen Zeitpunkt gibt, an dem es „zu spät“ für einen Spracherwerb sein kann, bei dem die Zielsprache „mit Hilfe der ursprünglichen Erwerbsmechanismen wie eine Erstsprache erworben werden [kann]“ (Rothweiler 2007: 125). Die Frage nach diesem Zeitpunkt sei genauso wichtig wie die Frage nach dem Beginn des Spracherwerbs. Zweitens konkretisiert er auch den Zeitpunkt, ab wann er nicht mehr ganz so erfolgreich verläuft, nämlich mit dem Eintreten der Pubertät. Diese Annahmen sind jedoch nicht unumstritten. Einer der Hauptkritiker in der Diskussion ist Bialystok (1997). In ihrer Studie erreichen die untersuchten Jugendlichen, die die Pubertät hinter sich hatten, bessere Ergebnisse als die Kinder. Aus dieser Beobachtung heraus zweifelt sie an der Aufrechterhaltung der Critical Period Hypothesis, die besagt, dass der „Spracherwerb, der in der frühen Kindheit beginnt, signifikant besser endet“ (Turgay 2010: 10) als der Erwerb nach der Pubertät. Diese Diskussion zeigt, wie komplex das Phänomen Spracherwerb ist und wie viele Faktoren hierbei mitwirken. Die von Bialystok untersuchten Jugendlichen mögen ein besseres Ergebnis bei den Aufgaben ihrer Studie erreicht haben. Doch welche Sprachbereiche wurden dabei abgefragt? Wie wurden diese Ergebnisse erzielt? Welche Erhebungsmethoden wurden eingesetzt? Denn andere Studien (z.B. Bast 2003 und Dimroth 2007) erhalten andere Ergebnisse, die zeigen, dass jüngere Kinder bessere Fortschritte erzielen als Jugendliche. Eine Betrachtung der Studien im Hinblick auf die zuletzt gestellten Fragen zeigt, dass eine differenzierte Analyse unabdingbar für die Klärung der Frage nach der Rolle des Alters ist. Die unterschiedlichen Sprachbereiche verlangen unterschiedliche kognitive Voraussetzungen, so dass sie in unterschiedlichen Erwerbsphasen erworben und optimiert werden (vgl. Dimroth 2007: 134). Wie festgestellt werden kann, ist die Hypothese der kritischen Periode nicht einfach zu übertragen und wird unter anderem auch oft kontrovers diskutiert (weiteres zu der Diskussion siehe Birdsong 1999, Chriswick 2007, Singleton 1995, Johnson/Newport 1989, Krashen/Scarcella/Long 1982). Meisel (2004) stellt das dritte bis vierte Lebensjahr als den entscheidenden Lebensabschnitt bei der Beantwortung der Frage, in welchem Alter die erstsprachlichen Strukturen „bereits ganz oder teilweise gemeistert werden“, dar. Rothweiler argumentiert auch dafür: „Bis zum Alter von etwa drei bis vier Jahren erwerben einsprachige Kinder die zentralen grammatischen Strukturen ihrer Sprache. Wenn man davon ausgeht, dass gerade im Erwerb dieser Strukturen sprachspezifische Erwerbsmechanismen wirksam sind, dann sollte die kritische Phase nicht vor dem Abschluss des dritten Lebensjahres enden.“ (Rothweiler 2007: 126) Demnach handelt es sich um kindlichen bzw. frühen Zweitspracherwerb, wenn der Erwerbsbeginn der Zweitsprache mit drei bis vier Jahren erfolgt. Tracy/Gawlitzek-Maiwalds (2000) Ergebnisse stehen hiermit auch in Übereinstimmung, denn sie gehen nur von einem doppelten Erstspracherwerb aus, wenn der Erwerb einer zweiten Sprache spätestens im ersten oder im zweiten Lebensjahr erfolgt. Es kann festgehalten werden, dass diese Phase wohl nicht vor dem Ende des dritten Lebensjahres liegt. Rothweiler (2007) nimmt zudem an, dass sie nicht bis zur Pubertät dauert, wie Lenneberg und andere annehmen, sondern „spätestens mit dem Alter von 10 Jahren [endet]“ (Rothweiler 2007: 125). Welche Rolle spielen die Unterschiede in den zu erwerbenden grammatischen Strukturen? Thoma/Tracy (2006) beobachten im frühen Zweitspracherwerb ähnliche Entwicklungsverläufe wie im Erstspracherwerb. Hierbei handelt es sich um Kinder, die im Alter von drei bis vier Jahren mit dem Erwerb der Zweitsprache beginnen (vgl. Thoma/Tracy 2006: 65). Entscheidend ist hierbei der untersuchte grammatische Bereich. Gegenstand der Untersuchung ist der Erwerbsverlauf für die Verbstellung im Deutschen. Inwieweit kann aber der Erwerb von diesen syntaktischen Strukturen mit dem Erwerb von morphologischen, semantischen, phonologischen und pragmatischen Strukturen verglichen werden? Denn: „Betrachtet werden allerdings auch Unterschiede in der Art und Abfolge der Entwicklungsschritte zwischen Erstspracherwerb und frühem Zweitspracherwerb sowohl im Bereich der grammatischen Entwicklung (zum Beispiel im Bereich der Nominalflexion) sowie bei der Entwicklung des Wortschatzes.“ (Kniffka/Siebert-Ott 2009: 42) Welche Unterschiede zwischen dem Erstspracherwerb und dem frühen Zweitspracherwerb sind in den verschiedenen Bereichen zu beobachten? Bezüglich der kritischen Phase konnte festgestellt werden, dass sie für phonologische Strukturen früher zu Ende zu sein scheint als beispielsweise für die Syntax (vgl. Rothweiler 2007: 127). Welche Ergebnisse für den Erstsprach- und den Zweitspracherwerb bislang für den Bereich der Nominalflexion vorzufinden sind, werden in Kapitel 5.2 aufgezeigt. Anschließend werden in Kapitel 5.3 die Annahmen der vorliegenden Arbeit vorgestellt. Конец ознакомительного фрагмента. Текст предоставлен ООО «ЛитРес». 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