2.Lass dich vornüber hängen. Der Kopf hängt schwer nach unten und wird nicht vom Genick gehalten. Die Arme baumeln vor dem Körper. Nun richte dich vom untersten Wirbel her ganz langsam auf. Wirbel für Wirbel kletterst du deine Wirbelsäule hinauf. Du kannst auch einen Partner bitten, dir dabei zu helfen, indem er mit den Fingern die Bewegung an der Wirbelsäule entlang mitmacht. Wichtig ist: Alles, was noch nicht aufgerichtet wurde, muss hängen. D.h. die Schultern und der Kopf kommen erst ganz zum Schluss dran. Der Kopf ist das letzte, das sich auf die Wirbelsäule setzt.
Nun stehst du absolut aufrecht und richtig.
Der präsente Stand – eine Etüde für die Praxis
Wenn du nun deinen Stand gefunden hast, gilt es, ihn „mit Leben zu füllen“. Konzentriere dich zunächst auf deine Füße. Habe das Gefühl, sie bekämen Wurzeln, die dich fest mit der Erde verbinden. Das gibt Selbstsicherheit und ein Gefühl der Stärke.
Denke nun kurz wieder an die Konzentrationskreise. Wecke alle deine Sinne, d.h. schau dir bewusst den Raum an (Welche Farben hat er? Wie wirken diese Farben auf dich? Gibt es verwinkelte Ecken?), erfasse die Gerüche (Ist der Raum staubig oder riecht es noch nach Putzmittel? Duftet eine Blume?) und höre bewusst auf die Geräusche der Umgebung (Wird im Nebenzimmer gesprochen? Gibt es Verkehrslärm? Tickt irgendwo eine Uhr?)
Bewege dich nun ganz natürlich im Raum und versuche, all die Dinge, die du herausgefunden hast, einschließlich deiner selbst gleichzeitig wahrzunehmen. Bleibe ab und zu stehen, konzentriere dich auf eine Sache mehr als auf die andere. Anschließend konzentriere dich wieder auf alles gleichzeitig. Und immer solltest du wissen, was du selbst im jeweiligen Moment machst.
Übe diese Form der Wachheit und Präsenz immer wieder trocken für Dich – zehn bis 15 Minuten, z.B. wenn du an einer Bushaltestelle warten musst oder ein Meeting später beginnt, du aber schon da bist. Jedes Mal wird es dir ein Stück leichter fallen, und wenn du es eines Tages konkret für deinen Vortrag brauchst, sind die Sinne sozusagen schon trainiert und wach.
Hilfestellung für die „Bodenhaftung“:
Sollte es dir schwer fallen, fest auf dem Boden zu stehen, schalte eine kleine Übung für deine Füße vor. Diese Übung entstammt der sogenannten Franklin-Methode. Das ist ist eine Synthese aus Vorstellung, Bewegung und erlebter Anatomie und ist für Sänger und Schauspieler eine sehr hilfreiche und bereichernde Methode.
Der Ursprung der Franklin-Methode liegt in der Ideokinese von Mabel Todd aus dem Jahre 1937. Mit Hilfe von imaginären Bildern kann sich der Körper selbst „programmieren“ und dabei neuere und effektivere Haltungs- und Bewegungsmuster finden. Dadurch verbessern sich Beweglichkeit, Koordination und Kraft im Körper.
Die beschriebene Übung stammt aus dem Buch:
Erik Franklin: Befreite Körper, VAK Verlag, 1999.
Besorge dir einen Ball mit etwa 15 Zentimetern Durchmesser. Es geht auch ein Tennisball. Stelle zunächst den rechten Fuß auf diesen Ball und massiere deine Fußsohle von unten, indem du mit deinem Fuß über den Ball rollst. Massiere auch die Außen- und Innenkanten deiner Sohle, die Ferse, die Zehen. Knete deinen Fuß über dem Ball circa eine Minute durch. Stelle dich anschließend mit dem rechten Fuß auf den Ball und stoße dich leicht mit dem linken ab, sodass du für einen kurzen Moment auf dem Ball stehst. Mache das vier bis fünf Mal. Danach stellst du den rechten Fuß ab. Im Vergleich zum linken Fuß hat der rechte nach der Massage eine ganz andere Bodenhaftung.
Massiere nun den anderen Fuß wie oben beschrieben.
Diese kleine Übung gibt dir einen ganz anderen Stand und ist gleichzeitig eine kleine Wohltat für deine Füße.
Die Franklin-Methode mag auch eine gute Ergänzung sein, wenn du Probleme z.B. mit Schultern, Nacken und Becken hast. Die Übungen sind sehr eingängig, leicht verständlich und sehr effektiv. Im Quellenverzeichnis findest du die entsprechenden Bücher dazu.
5Dieses Aufwärm-Training wurde von dem Clown und Improvisationskünstler Frieder Nögge († 2002) für Schauspieler entwickelt.
6Der Axis ist der zweite Halswirbel und gleichzeitig „Drehachsenwirbel für den ersten Halswirbel und den Kopf“. (Brockhaus-Enzyklopädie Bd. 2, S. 452)
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