Die romantische Ethik fördert den Geist des Konsumismus
Colin Campbell
In der Arbeit mit Menschen ist das Produkt eine psychische Verfassung
Arlie Russell Hochschild
Zwang geht mit spontaner Zustimmung einher
Michael Burawoy
Ebenso wie wir sie erzeugen, erzeugen uns die Dinge
Daniel Miller
Die Feminisierung hat die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern nur in bescheidenem Maße verringert
Teri Lynn Caraway
DIE ROLLE DER INSTITUTIONEN
Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur
Karl Marx
Das eiserne Gesetz der Oligarchie
Robert Michels
Gesunde Menschen brauchen keine Bürokratie, um sich zu paaren, Kinder zu gebären und zu sterben
Ivan Illich
Manche verüben als Reaktion auf eine gesellschaftliche Situation Verbrechen
Robert K. Merton
Totale Institutionen berauben die Menschen ihres Unterstützungssystems und ihres Selbst
Erving Goffman
Regierung ist das richtige Verfügen über die Dinge
Michel Foucault
Religion hat ihre Glaubwürdigkeit und ihre gesellschaftliche Bedeutung verloren
Bryan Wilson
Unsere Identität und unser Verhalten werden davon bestimmt, wie wir beschrieben und eingeordnet werden
Howard S. Becker
Aus ökonomischen Krisen werden unmittelbar gesellschaftliche Krisen
Jürgen Habermas
Schule wurde für die Armen geschaffen – und ihnen zugleich angetan
Samuel Bowles und Herbert Gintis
Gesellschaften fallen hin und wieder Perioden moralischer Panik anheim
Stanley Cohen
Die Zeit der Stämme
Michel Maffesoli
Wie Arbeiterkinder Arbeiterstellen bekommen
Paul Willis
FAMILIE UND PRIVATLEBEN
Unterschiede zwischen den Geschlechtern werden kulturell erzeugt
Margaret Mead
Familien sind Fabriken, in denen Persönlichkeiten hergestellt werden
Talcott Parsons
Der westliche Mensch ist zum bekennenden Tier geworden
Michel Foucault
Heterosexualität muss als Institution erkannt und untersucht werden
Adrienne Rich
Westliche Familienkonstellationen sind divers, flüchtig und ungelöst
Judith Stacey
Der Ehevertrag ist ein Arbeitsvertrag
Christine Delphy
Hausarbeit ist das direkte Gegenteil von Selbstverwirklichung
Ann Oakley
Sobald die Liebe siegt, muss sie alle möglichen Niederlagen einstecken
Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim
Sexualität hat genauso viel mit Glauben und Ideologie zu tun wie mit dem Körper
Jeffrey Weeks
Queer-Theorie hinterfragt das Fundament der Identität
Steven Seidman
WEITERE SOZIOLOGEN
GLOSSAR
DANK
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Im Verlauf unserer gesamten Entwicklung haben wir stets in Gruppen gelebt und gearbeitet. Sie wurden mit der Zeit immer größer und komplexer – von Familien über Sippen und Stämme, Dörfer und Städte bis hin zu Nationalstaaten. Unsere Neigung, zusammen zu leben und zu arbeiten, brachte uns dazu, Gemeinschaften zu bilden, die im Zuge unserer wachsenden Kenntnisse und technologischen Fortschritte immer größer wurden. Die Art der Gesellschaft, in der wir leben, beeinflusst wiederum unser soziales Verhalten und wirkt in alle Aspekte unseres Lebens hinein.
Die Soziologie erforscht das Verhalten des Menschen in Gruppen und, umgekehrt, ihre Rückwirkung auf das Individuum – etwa, wie Gruppen gebildet werden, welche Dynamiken sie antreiben, wie diese Dynamiken zum Erhalt oder zur Veränderung der Gruppe und so zum sozialen Wandel beitragen. Heutzutage reicht die Bandbreite der Soziologie von der theoretischen Analyse sozialer Prozesse, Strukturen und Systeme bis hin zur Anwendung dieser Theorien im Rahmen von Sozialpolitik. Und da Gemeinschaften sich aus Individuen zusammensetzen, besteht unweigerlich eine Verbindung zwischen den Strukturen der Gesellschaft und dem Verhalten ihrer einzelnen Mitglieder. Soziologen können deshalb neben den Institutionen und Organisationen der Gesellschaft einzelne Gruppen und Schichten darin oder auch die Interaktionen und Erfahrungen von Individuen betrachten.
»Die Soziologie wurde aus der modernen Begeisterung geboren, die Gesellschaft zu verbessern. «
Albion W. Small(1854–1926)
Es mag überraschen, dass die Soziologie eine verhältnismäßig junge Wissenschaft ist. Obwohl schon im alten China und Griechenland Philosophen die Existenz einer zivilen Gesellschaft und die Vorzüge einer sozialen Ordnung erkannten, dachten sie eher politisch als soziologisch: Sie fragten sich, wie eine Gesellschaft organisiert und regiert werden sollte, anstatt die Gesellschaft, die sie vorfanden, zu studieren. Und wie sich aus den antiken Gesellschaften die politische Philosophie entwickelte, so zeigt sich die Soziologie als Resultat grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen im Zeitalter der Aufklärung.
Insbesondere die technischen Neuerungen im Zuge der Industriellen Revolution veränderten die Produktionsweisen radikal und ließen rasant wachsende Industriestädte entstehen. Traditionelle Sicherheiten, wie sie etwa die Religion bot, wurden durch die Aufklärung infrage gestellt. Damit wurde nicht allein die Autorität der Kirche untergraben: Das sogenannte Zeitalter der Vernunft bedrohte auch die alte Ordnung der Monarchie und Aristokratie – und seine Forderungen nach repräsentativer Herrschaft führten in Amerika und Frankreich zu sozialen Revolutionen.
Gesellschaft und Modernität
Die Aufklärung schuf eine neue, moderne Gesellschaft, und als Antwort auf diese Transformation entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts die Soziologie. Denker und Philosophen suchten die Natur der Moderne und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verstehen. Einige beklagten den Zusammenbruch traditioneller Gemeinschaften und des sozialen Zusammenhalts von Familien und ländlichen Gemeinden. Sie hielten an den überkommenen Werten und Glaubenssätzen der Religion fest. Andere indes erkannten, dass nun neue soziale Kräfte am Werk waren, die die Gesellschaft neu ordnen, aber auch Spannungen erzeugen konnten.
Ganz im Geiste der Aufklärung suchten diese frühen sozialen Denker nach Wegen, die Gesellschaft objektiv zu untersuchen und eine wissenschaftliche Disziplin zu begründen, die sich von Geschichte, Politik und Philosophie unterschied. Die Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Astronomie und Biologie) waren bereits etabliert – und so war die Zeit reif für das Studium des Menschen und seines Sozialverhaltens.
Die Industrielle Revolution und der sie vorantreibende Kapitalismus begünstigten die Entwicklung der Ökonomie als Erste der neuen »Sozialwissenschaften«. Ihre Grundlagen legte 1776 Adam Smiths Werk Der Wohlstand der Nationen – Eine Untersuchung seiner Natur und seiner Ursachen . Etwa zeitgleich wurde auch die Soziologie begründet – durch Theoretiker wie Adam Ferguson und Henri de Saint-Simon sowie etwas später Auguste Comte, dessen Herangehensweise zur Erforschung der Gesellschaft das wissenschaftliche Fundament für die Soziologie als eigenständige Disziplin legte. Ihm folgten drei bahnbrechende Soziologen, deren Analyse und Interpretation des menschlichen Sozialverhaltens den Themenkatalog des Faches im 20. Jahrhundert und darüber hinaus bestimmen sollten: Karl Marx, Émile Durkheim und Max Weber. Jeder von ihnen sah einen anderen Aspekt der Moderne am Werk, durch den die soziale Ordnung geschaffen oder bedroht bzw. ein Wandel herbeigeführt wurde. Der materialistische Philosoph und Ökonom Marx konzentrierte sich auf das Wachstum des Kapitalismus und den daraus folgenden Klassenkampf, Durkheim nahm die Arbeitsteilung im Zuge der Industrialisierung unter die Lupe, und Weber betrachtete die Säkularisierung und Rationalisierung der modernen Gesellschaft. Alle drei fanden enthusiastische Anhänger, die bis heute die zentralen soziologischen Denkrichtungen beeinflussen.
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