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1.7 Abwehrender Brandschutz
Der abwehrende Brandschutz Abwehrender Brandschutzumfasst nach DIN 14011 [1.64] alle Maßnahmen zur Bekämpfung von Gefahren für Leben, Gesundheit und Sachen, die bei Bränden und Explosionen entstehen. Hiermit ist in der Hauptsache die Aufgabe der Feuerwehren im Abwehrenden Brandschutz umschrieben; die BrandbekämpfungBrandbekämpfungd. Laien durch Laien (hierzu gehören auch eingewiesene Personen) wird im Allgemeinen dem Betrieblichen Brandschutz zugeordnet (Punkt 1.5). Der Begriff „Bekämpfung“ meint hier aktive Maßnahmen durch Menschen (Feuerwehrpersonal) und grenzt an dieser Stelle den Abwehrenden Brandschutz gegen den Anlagentechnischen Brandschutz ab.
Neben den Feuerwehren selbst werden üblicherweise folgende Einrichtungen zum Abwehrenden Brandschutz gezählt
die für den Feuerwehreinsatz erforderlichen Flächen auf Grundstücken (Kapitel 3),
die Einrichtungen der Löschwasserversorgung (Kapitel 4).
Die Organisation und Durchführung der BrandbekämpfungBrandbekämpfungd. d. Feuerwehr durch die Feuerwehr insgesamt ist bei weitem zu umfangreich und komplex, um sie hier auch nur annähernd vollständig darstellen zu können. Auf die interessanten und relativ ausführlichen Darstellungen von de Vries [1.24], Kemper [1.65], und Cimolino et al. [1.66] wird insofern verwiesen.
Wichtiger als Kenntnisse über die Durchführung der Brandbekämpfung sind für den Architekten und Ingenieur Kenntnisse über die Einsatzmöglichkeiten und die Einsatzgrenzen der Feuerwehren (Kapitel 2), um diese im Rahmen ganzheitlicher Brandschutzkonzepte angemessen berücksichtigen zu können.
1.8 Anlagentechnischer Brandschutz
Zum Anlagentechnischen BrandschutzAnlagentechnischer BrandschutzBrandschutzAnlagentechnischer gehören alle technischen Maßnahmen an und in Gebäuden, sonstigen baulichen Anlagen, Fahrzeugen und Maschinen, die zur frühzeitigen Brandentdeckung, Rettung von Menschen (durch deren Warnung und Information) Brandbekämpfung und Begrenzung der Brandfolgeschäden (an Personen, Gebäuden, Anlagen und Umwelt) beitragen.
Maßnahmen des Anlagentechnischen Brandschutzes werden dann notwendig, wenn die Feuerwehr allein das Schutzziel nicht mehr sicherstellen kann, weil die Brandentwicklungszeit bis zum Wirksamwerden ihrer Maßnahmen zu lang wird. Ein Brand ist dann möglicherweise schon so groß, dass er mit den Mitteln der Feuerwehr nicht mehr beherrschbar ist (vergl. Kapitel 2), oder aber der Schaden an den betrieblichen Einrichtungen wird unvertretbar hoch.
Der Anlagentechnische Brandschutz kann nach der Zweckbestimmung der Einrichtungen wie folgt untergliedert werden:
Einrichtungen zur Erkennung und Übermittlung eines Gefahrenzustandes |
Fernsprechanlagen Gefahrenmeldeanlagen Öffentliche Feuerwehr-Notrufmelderanlagen Objektgebundene Brandmeldeanlagen Objektgebundene Warnanlagen Sprachalarmanlagen |
Brandbekämpfungseinrichtungen |
Selbsthilfeanlagen |
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Löschhilfeanlagen |
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Automatische Löschanlagen |
Raumschutzanlagen Objektschutzanlagen |
Brandvermeidungseinrichtungen |
Sauerstoffreduzierungsanlagen Inertisierungsanlagen |
Einrichtungen zur Rauch- und Wärmefreihaltung |
Natürliche Rauchabzugsanlagen Maschinelle Rauchabzugsanlagen Entrauchungsanlagen für Parkhäuser Wärmeabzugsanlagen Rauchschutz-Druckanlagen |
Kühlungseinrichtungen |
Anlagen zur Kühlung von Behältern Anlagen zur Kühlung von tragenden Bauteilen Anlagen zur Kühlung von nichttragenden Bauteilen |
Einrichtungen nur für die Feuerwehr |
Steigleitungen Objektfunkanlagen Feuerwehrpläne |
Einrichtungen zur Löschwasserrückhaltung |
selbsttätig wirkende bauliche Systeme nicht selbstständig wirksame technische Systeme |
Brandschutz für A ufzugsanlagen |
Sicherheitsaufzüge Evakuierungsaufzüge Feuerwehraufzüge |
Anlagen zur Sicherung von Rettungswegen |
Sicherheitsbeleuchtung Rettungswegkennzeichnung |
Anlagentechnische Brandschutzmaßnahmen können erhebliche Auswirkungen auf den Brandablauf, die Möglichkeit der Rettung von Menschen (Selbst- oder Fremdrettung) und die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren haben, etwa wie es in Abbildung 1-6 angedeutet ist. Diese Darstellung macht deutlich, dass die meisten anlagentechnischen Maßnahmen mehrfach, an verschiedenen Stellen der Ursache-Wirkungsbeziehungen der komplex miteinander verknüpften Systeme Brand, Menschenrettung und Brandbekämpfung ansetzen und einwirken. Maßnahmen zur Verbesserung des Personenschutzes sind daher gleichzeitig sehr häufig auch Maßnahmen zur Verbesserung des Sachschutzes.
Abbildung 1-6:
Das System Brand – Mensch – Feuerwehr und seine Beeinflussung durch den Anlagentechnischen Brandschutz
Zwar wird eine spezielle anlagentechnische Brandschutzmaßnahme ihre Existenzberechtigung überwiegend aus einem der jeweils relevanten Schutzziele ableiten, dennoch wird beispielsweise eine Rauchabzugsanlage stets auch Wärme aus dem Gebäude abführen, oder eine Löschanlage dafür sorgen, dass neben der Begrenzung des Brandes auch eine Begrenzung der Rauchproduktion und damit der Folgeschäden durch Rauch entsteht. Schubert hat versucht [1.67], die Komplexität des Brandverlaufes, seiner Auswirkungen auf das Bauwerk und die Beeinflussung durch Maßnahmen des Baulichen und Anlagentechnischen Brandschutzes übersichtlich darzustellen. Seine etwas abgewandelte Darstellung (es sind hier nur die anlagentechnischen Maßnahmen dargestellt) ist in Abbildung 1-7 wiedergegeben. Im oberen Teil der Abbildung sind verschiedene durch den Brand hervorgerufene Temperaturverläufe in einem Bauteil wiedergegeben, die von den im unteren Teil angegebenen anlagentechnischen Gegebenheiten beeinflusst werden. Zusätzlich sind in der Mitte maßgebende Ereignisse des Abwehrenden Brandschutzes dargestellt, die ihrerseits wieder durch die Anlagentechnischen Gegebenheiten beeinflusst werden.
Abbildung 1-7:
Die Wirkung von Einrichtungen des Anlagentechnischen Brandschutzes auf die Temperaturentwicklung im Bauteil und den Einsatz der Feuerwehr (nach Schubert [1.67])
Wartungv. BrandschutzanlagenAlle Einrichtungen des Anlagentechnischen Brandschutzes sind relativ komplexe sicherheitsrelevante Systeme, deren Funktion sowohl für die Personensicherheit als auch für den Sachschutz innerhalb der damit ausgestatteten baulichen Anlagen unabdingbar ist. Wie alle technischen Systeme müssen sie regelmäßig inspiziert, geprüft, gewartet und bei Bedarf instandgesetzt werden. Hinweise zur Frequenz und Art der erforderlichen Maßnahmen geben die jeweiligen technischen Regeln und die Vorschriften der Hersteller (siehe z.B. [1.70]). In der Regel sind wöchentliche Kontrollen, mindestens vierteljährlich Sichtprüfungen und jährlich Überprüfungen der Funktion vorzunehmen. Wegen der Vielzahl und Differenziertheit der – z. T. auch kostenträchtigen – Maßnahmen werden diese im vorliegenden Band nur pauschaliert dargestellt.
Zur Wirksamkeit und Zuverlässigkeit normgerecht geplanter, eingebauter und betriebener Brandschutzanlagen enthalten die jeweiligen Kapitel einige Aussagen.
2 Die Rolle der Feuerwehren
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