T.D. Amrein
Hobbymörder
Krügers skurrilster Fall
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Inhaltsverzeichnis
Titel T.D. Amrein Hobbymörder Krügers skurrilster Fall Dieses ebook wurde erstellt bei
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
Impressum neobooks
Samstagabend, 29. Februar. Luzia fror erbärmlich. Trotz des langen Pelzes, den sie trug. Sie wartete am Freiburger Münster auf ihren neuen Bekannten, den sie heute zum ersten Mal treffen wollte.
Am Pelz lag es nicht, dass sie zitterte. „Er“, hatte verlangt, dass sie nur rote Schuhe mit möglichst hohen Absätzen zum Pelz tragen sollte. Sonst Nichts.
Dass sie ab neunzehn Uhr hier stehen musste, bis er kommen würde, gehörte ebenfalls zum Spiel. Sie hatte jahrelang gezögert, bis sie sich jetzt endlich die Erfahrung holen wollte, von der sie zuweilen träumte: Sich mit einem Fremden zu treffen, dem sie sich bedingungslos unterwerfen und hingeben würde.
So ganz fest stand das allerdings noch nicht. Wenn er nicht sauber und wenigstens einigermaßen akzeptabel aussehen sollte, dann würde sie das Treffen abbrechen. Bisher hatten sie nur schriftlichen Kontakt gepflegt. Sie hatte ihm kürzlich ein Foto geschickt, erhielt jedoch keines von ihm zurück. Er hatte stattdessen dieses Rollenspiel vorgeschlagen.
Noch zehn Minuten, dachte sie grimmig. Danach kann er sich eine Andere suchen. Was bildet der sich bloß ein? Sie war schließlich eine erfolgreiche Geschäftsfrau und gewohnt, dass man ihren Anweisungen folgte.
„Du bist Luzia?“, wurde sie endlich angesprochen.
„Ja“, bestätigte sie. „Du bist Gilbert?“
Er nickte, während er sie von unten bis oben betrachtete. Sie konnte von seinem Gesicht nur wenig erkennen. Er versteckte sich in einem verschnürten Kapuzenshirt, das er zusätzlich mit einer Baseball-Kappe überdeckte. Immerhin überragte er sie deutlich und wirkte schlank.
Wortlos zupfte er den einen seiner schwarzen Lederhandschuhe von den Fingern. Dann griff er ihr durch den Mantel direkt in den Schritt.
Reflexartig verpasste sie ihm eine schallende Ohrfeige, die ihn taumeln ließ.
„Du Schlampe!“, fauchte er noch, dann rannte er davon.
Luzia biss sich auf die Lippe. Sie wusste wirklich nicht, ob sie froh sein oder sich ärgern sollte?
Weshalb hatte er sie nicht gewarnt? Aber selbst wenn: Einen solchen Zugriff in der Öffentlichkeit hätte sie ihm niemals erlaubt.
Jetzt wollte sie nur noch nach Hause. Sich waschen und aufwärmen. Das Treffen hatte trotz allem seinen Zweck erfüllt. Auf sowas würde sie sich nicht mehr einlassen.
***
Kommissar Krüger und Michélle Steinmann ließen sich von Doktor Holoch dessen erste Einschätzung erklären. „Die Tote liegt vermutlich seit der Nacht auf Sonntag hier. Ob es eine Überdosis war?“ Er zeigte auf die vielen Einstiche, „sie kann auch einfach erfroren sein.“
Der Fundort lag hinter einem Lagerhaus in einer dunklen Einfahrt. Bestens geeignet, um etwas zu verstecken. Das ließ eher auf ein Verbrechen schließen. Eine Süchtige hätte sich kaum freiwillig an einen so dunklen, kalten Ort zurückgezogen.
Krüger sah des Öfteren auf seine Uhr. Heute Nachmittag würde der LKW mit Elisabeth samt ihren Möbeln eintreffen. Er wollte am Morgen nur kurz im Büro vorbeischauen, aber dann hatte ihn Michélle zu diesem Fundort gebeten.
Jetzt räumte der Hausdienst seine Dienstwohnung ohne ihn leer.
Trotzdem versuchte er, sich zu konzentrieren. Michélle hatte Recht: Die Leiche sollte beim Dom oder am Bahnhof gefunden werden.
„Ist sie hier gestorben, Herr Doktor?“, fragte er nach.
„Das kann ich noch nicht sagen“, brummte Holoch. „Wie ich bereits erwähnte. Hören Sie überhaupt zu, Herr Kommissar?“
Krüger zuckte zusammen. Davon hatte er nichts mitbekommen. „Entschuldigen Sie, Doktor Holoch! Ich habe über etwas nachgedacht“, beeilte er sich, zu erklären.
„Zum Glück schreibt Ihre Kollegin alles auf“, antwortete der Pathologe, mit einem Augenzwinkern an Michélle.
***
Es war schon nach zwölf Uhr am Mittag, als Krüger endlich mit Staubwischen in seiner inzwischen leeren Wohnung beginnen konnte. Elisabeth würde staunen, wenn sie ihn jetzt sehen könnte, dachte er. Und was sich so alles ansammelte, unter den Möbeln. Er eilte zum Putzschrank. Aber der stand gähnend leer. Diese Idioten hatten einfach alles mitgenommen.
Als Krüger vom Einkaufen zurückkehrte, stand der LKW schon vor dem Haus und Elisabeth fand er mit in die Hüfte gestemmten Händen in der Küche.
Ihre Umarmung fiel deutlich weniger leidenschaftlich aus, als Krüger erwartet hatte.
„Ich bin so glücklich, dass du da bist“, flüsterte er ihr ins Ohr. „Du hast mir extrem gefehlt“, legte er noch nach.
„Das habe ich schon gesehen“, stellte sie ziemlich trocken fest.
Krüger sah sie fragend an.
„Ich sollte ja eigentlich wissen, dass ihr das einfach nicht könnt“, fuhr sie fort.
„Was können, wir, nicht?“, fragte Krüger verständnislos, das wir, extra betonend.
„Eine Wohnung sauberhalten oder saubermachen. Denkst du wirklich, ich würde da auch nur ein einziges Möbelstück hinstellen?“
Noch nicht einmal richtig angekommen und schon der erste Knatsch, dachte Krüger.
„Was soll ich tun?“, fragte er unterwürfig.
„Du gibst es also zu?“, sagte sie, schon etwas netter.
„Ich gebe alles zu. Egal was du hören möchtest“, antwortete Krüger.
Sie sah ihn an. „Ich meine das ernsthaft. Du kannst dich nicht einfach nur herausreden“, sagte sie kopfschüttelnd.
„Also gut“, gab er nach. „Was möchtest du?“
„Alles Putzen und Streichen. Die Böden polieren. Küche und Bad muss man von Grund auf reinigen und die Fenster sehen auch dermaßen schmuddelig aus. Arbeit für mindestens zwei Wochen“, stellte sie fest.
„Streichen?“, wiederholte er. „Alles? Ich weiß nicht, ob wir das dürfen?“, warf Krüger ein. „Es ist eine Dienstwohnung.“
„Wie bitte?“ Es klang bedrohlich.
„In Ordnung!“ Krüger hob die Hände. „Wir streichen.“
Zuerst musste jedoch der LKW abgeladen werden. Sie stellten alle Möbel und Kartons in ein freies Zimmer. Krügers Rücken schmerzte, er fühlte sich fix und fertig, als der Fahrer sich verabschiedete.
„Wo schlafen wir heute Nacht?“, fragte er Elisabeth, die schon Teile des Bades auf Vordermann gebracht hatte.
„Keine Ahnung“, antwortete sie fröhlich.
Er nahm sie vorsichtig in den Arm. „Bist du mir böse?“, fragte er.
„Ich sollte, aber ich schaffe es nicht“, antwortete sie.
Die Nacht verbrachten sie nach einem romantischen Essen in einem einfachen Hotel, das Krüger vorsichtshalber für die ganze weitere Woche reservierte.
***
Am Dienstag saß Krüger wieder im Büro, während sie in der Wohnung weitermachte. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie alles, was sie für notwendig hielt, einfach tun sollte. Michélle erstatte ihm Bericht: „Die Tote vom Lagerhaus, den Namen kennen wir noch nicht, ist an einer Überdosis gestorben. Das ist bereits sicher, sagt Doktor Holoch.
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