„Es musste sein“, sagte ich bemüht gleichmütig. „Die alte ist leider kaputtgegangen.“
„Ich bin ganz schön geschafft“, meinte sie und zog eine Schnute. „Machst du mir einen Kaffee?“ Ich atmete innerlich auf, dass sie das Thema so schnell gewechselt hatte. Was aber nicht hieß, dass es nicht weiter unangenehm werden konnte. „Alles muss ich allein machen. Dabei habe ich überhaupt keine Zeit für die blöde Hausarbeit. Außerdem hasse ich Putzen, wie du weißt.“
Mein Blick fiel auf Berge von schmutzigem Geschirr in der Küche und beinahe blieb mir das Herz stehen. „Tut mir leid für dich, aber wenn du denkst, ich habe Zeit, auch noch bei dir aufzuräumen, dann hast du dich getäuscht“, sagte ich steif. „Ich möchte nur meine Bücher holen.“
Eileen lachte schrill auf. „So ist das also? Bist du dir zu gut für ein bisschen Arbeit? Aber egal“, sie wedelte dramatisch mit der Hand. Dabei rutschte der Ärmel ihres Morgenmantels zurück und enthüllte ein paar rote runde Flecken in der Armbeuge. Brandnarben? Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, aber sie wirkten nicht frisch. Als sie bemerkte, dass ich sie anstarrte, schob sie den Ärmel schnell herunter. „Hab mich böse gestoßen“, murmelte sie.
Sie log offensichtlich, aber ich hatte weder Lust noch Interesse, nachzufragen. Am Ende wäre doch nur alles meine Schuld gewesen. Weil ich sie im Stich gelassen hatte, weil ich nicht das tat, was sie von mir verlangte.
„Apropos,“ sagte sie mit glitzernden Augen. „Wenn du schon einmal da bist, kannst du mir ja gleich Bericht erstatten.“
Ich seufzte. Genau das hatte ich befürchtet. „Da gibt es nicht viel zu erzählen“, sagte ich vorsichtig. „Ich habe Mr Campbell bis jetzt kaum zu Gesicht bekommen. Er ist viel unterwegs – geschäftlich“, setzte ich hinzu, als sie den Mund öffnete.
„Tatsächlich?“ Eileen war sichtlich enttäuscht. Sie ließ sich auf einem Küchenstuhl nieder und fuhr mit den Händen durch ihre schwarze Mähne. So ganz hatte ich mich noch immer nicht an ihren Anblick gewöhnt, obwohl der Kontrast zu ihren schönen, tiefblauen Augen spektakulär wirkte. Besonders toll sah sie allerdings gerade nicht aus. Sie war blass und wirkte müde. Litt sie tatsächlich so sehr unter unserer Trennung? Das glaubte ich weniger. Eher fehlte ihr eine willige Dienstbotin.
Ich wechselte das Wasser in der Kaffeemaschine und ließ eine Tasse ein.
„Du willst also sagen, Michael Campbell führt das Leben eines fleißigen Geschäftsmannes“, fing Eileen erneut an, als ich die Kaffeetasse vor ihr auf den Tisch stellte.
Ich zuckte mit den Schultern. „Ich kann dir darüber gar nichts sagen.“ Ich hätte von der Szene bei meinem Vorstellungsgespräch erzählen können, aber ich wollte nicht. Allerdings wusste ich sehr wohl, dass Eileen nicht lockerlassen würde, bevor sie nicht wenigstens ein paar der Informationen hatte, auf die sie so scharf war. Ehe sie mich wieder darauf hinweisen würde, dass ich ihr noch einen Gefallen schuldig war, musste ich also zumindest von Susan erzählen.
„Letzte Nacht kam er in Begleitung nach Hause“, sagte ich deshalb.
Eileen setzte sich kerzengerade auf. „Wer?“
„Susan – Irgendwie. Groß, rote, lange Locken, schrilles Kichern.“
Sie sog scharf die Luft ein. „Ich weiß, wen du meinst. Susan Hanley, dieses Luder! Hat sie es endlich geschafft? Sie läuft ihm schon seit Monaten nach!“ Sie ballte ihre Hände so fest zu Fäusten, dass ihre Knöchel weiß hervortraten.
„Wer ist sie?“, fragte ich vorsichtig.
Eileen schnaubte abfällig. „Eine zweitklassige Schauspielerin, die in einer Revue in Soho auftritt. Ich habe sie ein paar Mal auf Partys getroffen. Hat einen IQ wie ein frisch geschlüpftes Küken. Wobei das eine Beleidigung für das Küken ist.“
Ich dachte an Macbeth und musste ihr in Gedanken recht geben. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mehr ist als eine Affäre. Er geht übrigens heute mit ihr essen.“
Sie sah mich lauernd an. „Du weißt nicht zufällig, wohin?“
„Nein, tut mir leid. Ich wollte natürlich nicht zu neugierig sein, das wäre aufgefallen.“
Sie lehnte sich zurück, trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. Zwischen ihren Brauen stand eine tiefe Falte. „Also gut. Danke für die Info. Ich werde sie schon zu verwerten wissen.“
Schweigen senkte sich zwischen uns. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr auf mehr von Eileens Fragen und stand auf.
„Ich werde jetzt gehen. Kann sein, dass ich nächste Woche noch einmal kurz vorbeikomme.“
Sie antwortete nicht, saß noch immer regungslos da, den Blick in die Ferne gerichtet.
Ich beeilte mich, meine Bücher auszusortieren und einzupacken. Einen Teil musste ich allerdings einstweilen liegen lassen, sie hatten in meiner Tasche keinen Platz mehr. Ich wollte sie ein andermal mitnehmen. Dann verließ ich die Wohnung.
Kurz befiel mich das schlechte Gewissen und das Gefühl, Michael Campbell verraten zu haben. Aber es ging nicht anders. Und welchen Schaden hatte ich schon angerichtet? Vielleicht würde Eileen der rothaarigen Susan bei ihrer nächsten Begegnung bissige Bemerkungen ins Gesicht schleudern und es mochte zu einem Zickenkrieg kommen – Futter für die Klatschpresse, mehr nicht.
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