E.R. Greulich - Der anonyme Brief

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In diesem Roman hat E.R. Greulich das ereignisreiche Jahr 1913 im Leben Karl Liebknechts gestaltet. Durch sorgfältige Studien brachte der Autor auch wenig Bekanntes ans Licht und zeichnete einprägsame Charakterbilder.
Als er von Budapest zurückkehrt, findet er unter der eingegangenen Post einen umfangreichen Brief. Der Absender ist unleserlich, und das stimmt skeptisch. Anonyme Briefe bedeuten meist Klatsch und Tratsch. Aber dann liest er den Inhalt mit wachsender Erregung. Er ruft seine Frau: Schau dir das an, Sophie. Hier wird Krupp Spionage vorgeworfen, Bestechung von Beamten der Militärverwaltung. Wenn das stimmt, es wäre Dynamit inter den Sesseln einiger Herren!
Sophie warnt: Vorsicht, Karl! Womöglich will der Gegner dich in eine Falle locken. Du mußt sorgfältig prüfen, ob das Material echt ist.

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Mit Dank im Voraus und Kampfesgrüßen. Ihr Bodo Eckstein, genannt Botte."

Mit Interesse, ja einiger Spannung, hatte Helmi gelesen, und er hätte nicht bestritten, dass er beeindruckt war. Dieser Bodo, fast doppelt so alt wie er, wusste wenig von Syntax und Grammatik. Doch er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Aber da war das Andere, das Unbehagen bereitete. Stöße von Post bekam Vater jeden Tag. In nicht wenigen Briefen standen ähnliche Bitten. Viel zu oft sagte Vater zu. Und deshalb waren Gespräche wie heute so selten. Hatten denn er, Bobbi und Verotschka weniger Recht auf ihren Vater als alle die andern?

Von zwiespältigen Gefühlen bedrängt, legte Helmi den Brief auf den Schreibtisch. Er wusste genau, Vater würde zusagen, trotzdem fragte er: "Gehst du hin?"

Liebknecht schaute ihn verwundert an. "Solche wackeren Kerle zu enttäuschen, wäre Hochverrat an unserer Sache."

"Und woher nimmst du die Zeit?"

Liebknecht entging nicht die Enttäuschung im Gesicht seines Ältesten. "Ich muss mal meinen Terminplan durchpflügen, irgendwo werden sich die zwei, drei Stunden noch unterbringen lassen." Während er suchend im Taschenkalender blätterte, beschäftigte ihn der unausgesprochene Vorwurf des Sohnes. "Zu schade", murmelte er, "dass Winter ist, sonst hätte ich dem Bodo eine gemeinsame Sonntagswanderung vorgeschlagen, und du wärst mitgekommen."

Das soll eine Entschuldigung sein, dachte Helmi, und nun werde ich ihn festnageln. Besser, den Vater mit anderen teilen müssen, als ihn gar nicht haben. "Er hat doch geschrieben, dass sie keine Angsthasen sind. Eine Winterwanderung ist gesund. Und wenn Schnee liegt, wird es erst recht fein."

Beinahe erschrocken schaute Liebknecht auf. Da hatte er etwas angerichtet. Sieben, acht Sonntage waren schon besetzt, zumindest die Vormittage. Aus Velten, Paretz, Werder und einigen anderen Orten seines Reichstagswahlkreises Potsdam-Spandau-Osthavelland lagen dringliche Bitten vor. Hinter jedem Ortsnamen standen Schicksale, Menschengesichter. Genossen wie Bodo Eckstein, meist älter als der und ebenso der Partei ergeben. Wenn er nur an den unermüdlichen August Paris dachte. Wie viel Versammlungen mochte der seit der Jahrhundertwende organisiert haben? Trotz der ständigen Saalabtreibereien, der Verbote von Veranstaltungen auf öffentlichen Plätzen. Paris hatte immer wieder Auswege gefunden, hatte manchmal völlig indifferente Menschen überzeugt, sodass sie ihre Grundstücke zur Verfügung stellten. Da war die Frau Eckhardt, alleinstehende Witwe und Büdnerin in Pausin. Im Frühjahr 1903 muss es gewesen sein. August Paris hatte die Versammlung, die auf ihrem Hof stattfinden sollte, angemeldet. Der Amtsvorsteher verbot sie mit der unsinnigen Begründung, sie könnte zu einer Verkehrsstörung führen. Da gewann die erst bänglich gewesene Frau Resolutheit. Mit Zittern und Zagen hatte sie zugestimmt, nur weil August Paris ihr einmal ein Gesuch aufgesetzt hatte. Angesichts der hanebüchenen Begründung des Amtsvorstehers erklärte sie ihren Eintritt in die Partei und war seitdem eine der zuverlässigsten Genossinnen. Derartige Menschen vertröstete man nicht, ließ sie nicht warten. Sonntags gab es also vorerst keine Möglichkeit, er musste an einem Wochentag abends nach Pankow fahren.

Helmi tat geduldig, als sei er überzeugt, der Vater würde schon einen Sonntag ausfindig machen. Liebknecht sah ihn nicht an, als er das Büchlein zuklappte. "Ich habe noch eine Lücke gefunden, leider keinen Sonntag."

Helmi schwieg verbittert.

"Schau, wir waren doch erst kürzlich im Botanischen. War es nicht schön?"

"Bestimmt vergeht ein Jahr, und wir kommen vielleicht, womöglich, unter Umständen wieder mal hin."

Wie treibe ich ihm den Kinderegoismus aus, dachte Liebknecht und war sich zugleich bewusst, dass dies eine harte Bezeichnung für die der Sohnesliebe entspringenden Wünsche war. "Versetz dich doch mal in die Haut des Bodo. Er schreibt so begeistert, und ich soll ihm die kalte Dusche verabreichen, kann leider nicht kommen, mein Sohn Helmi ist dagegen?"

"Ich kann ja auch nicht an seinen Vater schreiben, kommen Sie her und reden Sie mal. Was Ihr Sohn derweile macht, ist mir schnuppe."

Liebknecht war bestürzt. "Das hat er nicht geschrieben. Wahrscheinlich weiß er gar nicht, dass ich Kinder habe. Und du weißt nicht, ob er überhaupt einen Vater hat."

"Ich habe auch kaum einen."

Zwischen Zorn und Mitleid schwankend, war Liebknecht plötzlich müde und verzweifelt. Ich kann mich doch nicht teilen. Weshalb gibt es Menschen, die Langeweile haben, während andere ihre Zeit verdreifachen müssten? Plötzlich waren seine Gedanken bei dem Krupp-Material. Wie wird die Fraktion auf meinen Vorschlag reagieren, es an den Kriegsminister zu geben? Je näher diese Entscheidung rückt, desto unruhiger werde ich. Ich muss sie erzwingen, und dieses Muss erzeugt Nervosität. Bewusst habe ich vorhin abgeschaltet, denn was macht gelöster als die Beschäftigung mit den eigenen Kindern? Statt dessen nun dieser Konflikt. Ich darf nicht ungerecht werden, Helmi ahnt nichts von dieser Sorge.

Er legte den Kneifer auf die Tischplatte und rieb sich die Augen. Langsam wurde er ruhiger. Man kapituliert nicht, erst recht nicht vor dem eigenen Sohn. "Mach es mir bitte nicht so schwer. Du siehst jetzt nur deinen Kummer, dabei lebst du glücklicher als der Bodo. Wir wohnen nicht in einem düsteren Hinterhaus, ihr werdet stets satt, und das Wertvollste, du kannst ein Gymnasium besuchen."

"Woher willst du wissen, dass er nicht immer satt wird?"

Mehr wie für sich antwortete Liebknecht: "Es steht in seinem Brief. Furchtbar, öfter hungrig als satt zu sein. In meiner Kindheit hat oft das Brot auf dem Tisch gefehlt. Ein Erlebnis werde ich nicht vergessen. Ich war damals zehn Jahre alt, Vater saß im Gefängnis in Leipzig. Sein Genosse Kautsky, den du ja kennst, war auf der Durchreise und wollte ihn besuchen. Er nahm Theodor, Wilhelm und mich mit. Der Jüngste von uns Dreien, Wilhelm, hatte an dem Tag Geburtstag. Die Freude unsres Vaters, seine drei Bengels zu sehen, war herzbewegend. Mit vor Rührung enger Kehle sagte er, leider habe er kein Geburtstagsgeschenk für Wilhelm. Aber er wolle ihm wenigstens geben, was er gerade habe. Es war ein halber Laib Brot und ein Stück billige Gefängniswurst. Wilhelm hat redlich geteilt, und für lange Zeit war jenes Wiegenfest das für uns denkwürdigste, weil wir uns an diesem Tag einmal satt essen konnten."

Helmi bedauerte den Großvater, der nun selbst hatte tüchtig hungern müssen.

"Es hungert sich für einen Vater leichter, wenn er seine Kinder satt weiß", bemerkte Liebknecht sachlich. "Übel gehungert habe ich dann beim Beginn der Festungshaft in Glatz. Es ist erniedrigend, dauernd an den knurrenden Magen denken zu müssen. Ich wünsche es dir nicht - nie."

Die eindringlichen Schilderungen des Vaters verursachten in Helmut Reue über seine unüberlegten Worte. Er wollte es nicht zugeben und lenkte ab. "Du hast dir gefallen lassen, dass man dich hungern ließ?"

"Es war die Umstellung in den ersten Tagen. Das kraftlose Mittagessen und ein minderwertiges Brot zeigten mir so recht, wie gehaltvoll wir eigentlich essen."

"Später ist das Essen besser geworden?"

"In den Strafanstalten gibt es nur preußischen Einheitsfraß. Dann erhielt ich Pakete. Bei Festungshaft gibt es diese Möglichkeit, die Ernährung aufzubessern. Doch in den ersten Tagen schlug ich mich mit einem komischen Solidaritätsbegriff herum. Ich wollte nicht besser leben als die meisten armen Schlucker und gab ihnen alles. Bald erkannte ich diesen falschen Heroismus. Wenn ich geschwächt und krank die Festung verließ, hülfe das niemandem. Ich habe dann im Rahmen des üblichen mit meinen Leidensgefährten geteilt."

"Ich könnte das nicht durchmachen, Papa."

Liebknecht wurde weich ums Herz. "Es ist bestimmt nicht der Sinn des Lebens, zu hungern. Aber die eigene Sättigung bereitet mir Unbehagen, solange viele nicht satt werden. Für eure ganze Generation soll Hunger einst nur noch graue Legende sein."

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