1 ...8 9 10 12 13 14 ...26 Der Kampfroboter entgegnete nichts darauf. Was hätte er dazu schon äußern können?
Naya führte nun auch ihre andere Hand an die der Agentin. »Es stellen sich für mich dazu eine ganze Reihe von Fragen. Zuallererst: Welche Fähigkeit wirst du entwickeln? Und was wirst du damit anstellen?« Sie machte eine Pause und schien zu erkennen, dass Bérénice sich längst mit denselben Fragen beschäftigte.
Die lächelte ein wenig schicksalsergeben. »Spannender wäre zu wissen, ob ich dieses neue Talent nur hier im Nexus entwickeln und vielleicht zu unserem Nutzen einsetzen kann, oder ob ich es auch in unserer Dimension beibehalten werde.«
»Darüber machst du dir Sorgen? Ob du etwas, was du noch nie hattest und brauchtest, behalten darfst?« Naya grinste und strahlte neue Lebensfreude aus, die ein wenig die wirklichen Sorgen der Agentin milderten. »Du bist also der festen Überzeugung, dass wir dieses Wilde Dunkel unbeschadet durchreisen können und wieder in den Einsteinraum zurückkehren werden? Hast du etwa das Aevum-Gedicht vergessen? Dann darf ich dich an diese beiden Zeilen erinnern: Gehst du durch die Pforte, gibt es kein Zurück mehr… «
Bérénice sah einen Herzschlag lang so aus, als würde sie diese Zeilen zum ersten Mal hören. »Du glaubst etwa diesen Unfug? Wir haben in dem Planeten Eternity den legendären Ort Aevum erkannt … und dort ein Dimensionstor gefunden …«
»Na eben! Zwei Details der Legende, die sich als Wahrheit entpuppt haben! Was hält dich daher ab, auch den Rest als Fakt anzuerkennen? Es spricht alles dafür, dass wir den Nexus nicht mehr verlassen werden. Ein ganzes Universum voller Feinde …«
Bérénice hatte plötzlich feuchte Augen. »Und du bist mir dennoch gefolgt?«
»Ich würde dir auch in die Hölle folgen, Nice.«
»Sind wir das nicht auf eine exotische Weise?« Dann riss sich die Agentin zusammen und straffte sich. »Selbstverständlich werden wir wieder in unseren Einsteinraum zurückkehren«, antwortete sie mit voller Zuversicht. »Denkst du wirklich, ich wäre in den Nexus geflogen, wenn ich nicht an eine Rückkehr glauben würde?« Dann wies sie mit entschlossener Geste auf die grüne Sonne. »Das dürfte der Heimatstern der Slide-Wesen sein. Schließlich hat uns die MOBY DICK hierhergeführt.« Dann wandte sie sich um. »Freitag: Such nach Planeten.«
»Längst geschehen, Agent Savoy. Wenn Sie damit einverstanden sind, werde ich die größere Sonne – die Sie als grünen Stern wahrnehmen als Smaragd , seinen kleineren Partner als Amber und dessen Planeten als Kobold I und Kobold II in das NKS aufnehmen. Ersterer ähnelt unserem Merkur und fällt als Ziel aus. Daher könnten die Slide-Wesen von Kobold II stammen.«
»Wie kommst du auf diese – zugegeben annehmbaren – Namen?«
»Sie hatten das am Rande der Milchstraße gelegene Mazzar-System Diamond getauft und dessen einzige Welt Crystal. Ich habe also entsprechende grüne und bernsteinfarbene Pendants – eben Smaragd und Amber – gewählt. Die Bezeichnung Kobold entnahm ich den irischen Wurzeln des Rigel-Clans 49.«
»Warum nicht Türkis für die Planeten, sondern die Bezeichnung für ein … Fabelwesen?« Naya schien recht amüsiert zu sein und auch Bérénice konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
»Die Slide-Wesen hüllen sich bei Gefahr in eine schwarze Wolke, wie wir schon auf Crystal beobachten konnten. Und schreibt man eine ähnliche Fähigkeit nicht auch den Kobolden aus den irischen Märchen zu?« Dann stoppte Freitag und wandte sich direkt an Naya. »Ich kann aber auch Bezeichnungen in das NKS eintragen, die Ihnen sinnvoller erscheinen, Trooperin Naya.«
»Nein, nein, lass nur, Freitag. Du musst nicht beleidigt sein. Wir finden deine Namenswahl durchaus passend.«
»Ich kann nicht beleidigt sein, Trooper Naya«, fing der Roboter an und sagte dann nichts mehr.
Wie leicht lassen wir uns von ein paar einfachen Worten beeinflussen, dachte Bérénice und hielt weiterhin Nayas Hand.
Roy war während des Gesprächs in die Zentrale gekommen, wortlos zwischen sie getreten, hatte nur einen Blick auf die Anwesenden, danach auf die Sonne Smaragd geworfen und sich dann in die Obhut seines Geflechtes begeben, um Flynn zu unterstützen.
Bérénice nickte den beiden Rigel-Mutanten aufmunternd zu. Die MOBY DICK würde auch ohne die beiden Rigelianer nach Hause fliegen. Aber jeder Tag, der in diese Verbindung zweier Spezies aus verschiedenen Dimensionen investiert wird, erhöht unsere Überlebenschancen.
Arliss war in Begleitung ihrer Leibgarde und des Gorilla-Anführers Caesar in der Zentrale aufgetaucht, hatte ein paar Worte mit Bozadd und Kefann gewechselt und mit einem beruhigenden Blick Bérénice auf ihre Mazzar-Krieger hingewiesen, die Caesar im Auge behielten und sich offenbar durch nichts anderes ablenken ließen.
Der Affenähnliche hatte sich fast sofort niedergesetzt und verhielt sich überraschend ruhig. Nur einmal sah er kurz zur schwarzen Frau herüber und hob witternd seine Nase. Was er dabei wahrnahm, konnte Bérénice natürlich nicht feststellen. Aber der abwartende Ausdruck in seinen Augen blieb konstant.
Kurs auf Kobold II, dachte die leidlich entspannte Agentin und spürte noch im selben Moment, wie sich die MOBY DICK, begleitet von 23 ihrer Artgenossen, auf den Weg zu dem Planeten machte.
Bald werden wir die erste Welt dieses Universums betreten. Und wir können den Göttern des Alls danken, dass es eine Welt ohne Hydren sein soll. Hoffen wir, dass sich daran in den letzten 250 Jahren nichts geändert hat …
Die terranische Raumstation mit der Bezeichnung FRONTIER-CV bildete den Mittelpunkt eines weitmaschigen Netzes von Abwehrforts, welches einen kompletten Sektor der westlichen Front zum Mazzar-Hoheitsgebiet absichern sollte. Noch vor einem Jahr waren Angriffe mazzarischer Raumschiffe in fast monatlichen Abständen, mindestens aber einmal pro Quartal, erfolgt. Diese Angriffe hatten massiv abgenommen. Sowohl was ihre Häufigkeit betraf, als auch die Anzahl der angreifenden Schiffe. Und seit sieben Monaten hatte es gar keine Attacke mehr gegeben. Die Führung der Terranischen Föderation verkaufte dies der Bevölkerung als lange ersehnten Erfolg ihrer Kriegsbemühungen … und verschwieg die wahren Gründe.
Die Mazzar haben einfach andere Probleme, dachte Admiralin Diana Carpenter und schritt energisch durch eine Schleuse, die sie und ihre Begleitung auf das Deck mit dem Konferenzraum führen würde, in dem sie ein Treffen mit einer alten Freundin vereinbart hatte. Und ich fürchte, dass es bald auch unsere Probleme sein werden.
Sie kniff ihre Lippen zusammen, was ihr ein noch tafferes Aussehen verlieh, als sie ohnehin schon vermittelte. Ohne Zweifel war die Admiralin eine hübsche Frau. Einerseits geschmeidig wie eine Raubkatze, mit einem deutlichen Ausdruck von Eleganz, andererseits mit einer unerbittlichen Härte, die durch ihren militärischen Haarschnitt noch betont wurde. Ihr blondes Haar endete nur knapp über ihren Schulterabzeichen und hatte somit wenig Gelegenheit zu schwingen, als sie im Gehen den Kopf wandte, um durch ein Panzerluk ein weiteres Kampfschiff zu beobachten, welches gerade in ein anderes Dock einschwebte.
Damit dürften jetzt alle Docks belegt sein, rechnete sie nach und wusste natürlich, dass diese Basis über 20 Raumdocks für Schlachtschiffe und weitere 80 für Kreuzer und andere Raumfahrzeuge besaß. Und dort draußen patrouillieren mindestens zehn weitere Kreuzer und wer weiß wie viele Stilettos.4
Ihr eigenes Schiff, die TSS LEONIDAS, Flaggschiff der 3. Terranischen Heimatflotte, lag in einem der riesigen Hangars und erfuhr in diesem Augenblick die üblichen Checks, Austausch von Verschleißteilen, die Beladung mit frischen Lebensmitteln, sowie die Aufladung der gigantischen Energieträger und schließlich die Aufmunitionierung aller Waffenmagazine.
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