Tobias Kaestli - Was war, ist wahr

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Was der Autor aus seinem Leben erzählt, ist sowohl individuell als auch allgemein, sowohl persönlich-privat als auch Teil der Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine Geschichte enthält familiär bedingte Züge und ist doch vor allem zeitbedingt; sie ist typisch für einen kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geborenen und in günstigen Umständen aufgewachsenen Schweizer, der die Spannung zwischen der eigenen Privilegiertheit und der Armut und Not anderer Menschen spürt. Der Ausbruch aus dem bürgerlichen Milieu führt während des Studiums in der Zeit der Achtundsechziger Bewegung ins linksradikale Lager. Aufenthalte in Paris, London, Kalifornien und Ghana eröffnen eine neue, differenziertere Sicht auf die Welt.

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1 Gymnasium mit Goethe, Hochhuth und Brecht

Im gleichen Jahr trat ich in die Sexta des städtischen Gymnasiums ein. In der Sekundarschule hatte ich mich oft gelangweilt. War der Unterricht jetzt spannender? Im Nachvollzug der Gedanken überragender Geister sollten wir Gymnasiastinnen und Gymnasiasten uns zu guten und tüchtigen Menschen formen. «Edel sei der Mensch, hilfreich und gut», wie Goethe sagte. Dem Rektor, Dr. Heinrich Ryffel, galten die antiken Autoren immer noch als vorbildlich, und er hielt es für wichtig, sie in der Originalsprache lesen zu können. Dass es die Möglichkeit gab, eine Maturitätsprüfung ohne alte Sprachen, dafür mit mehr Mathematik, Chemie und Physik zu absolvieren, hielt er für einen Fehler. In der Quarta entschied ich mich für diesen «minderwertigen» Bildungsgang, weil ich mir vorstellte, später an der ETH zu studieren und danach das Baugeschäft meines Vaters zu übernehmen. Doch dann wurde mir bewusst, dass dieser Plan eher dem Wunsch meines Vaters als meinem eigenen entsprach. Meine Vorlieben galten der Literatur und der Geschichte. Mit Hilfe eines Einführungsbüchleins in die Schriften von Livius begann ich heimlich meinen Rückstand in Latein aufzuholen und gestand schliesslich meinem Vater, dass ich von der Realabteilung in die Literarabteilung übertreten wolle. Er versuchte, mich davon abzubringen, wobei er harsche Worte der Missbilligung äusserte. Dank der Fürsprache meiner Mutter gab er zähneknirschend nach, verhehlte aber nicht seine grosse Enttäuschung.

Viele meiner Mitschüler in der Realabteilung waren erst in der Quarta ans Gymnasium Biel gekommen und hatten vorher eine Sekundarschule ausserhalb der Stadt besucht. In der Literarabteilung dagegen waren fast alle schon in die Sexta eingetreten, hatten also das Untergymnasium durchlaufen und dort schon mit dem Lehrmittel «Roma antiqua» gearbeitet. Hier herrschte ein etwas elitärer Geist. Es gab keine grundsätzlichen Bedenken gegenüber der gymnasialen Ausbildung, während in der Realabteilung Vorbehalte immer spürbar waren. Jean-Pierre Wolf, der von der Sekundarschule Bözingen herkam, war der Meinung, der gymnasiale Unterricht sei allzu theoretisch, allzu praxisfern. Bildung sei tätige Auseinandersetzung mit der Welt; nur in der praktischen Betätigung könne man die Erfahrungen machen, durch die das theoretisch Gelernte erst konkret werde. Ich fand, er sei halt doch eher ein Sekundarschüler als ein richtiger Gymnasiast, denn mich selbst zog es weg von der Alltagserfahrung hin zu «höheren Sphären». Erst viel später, als Jean-Pierre und ich an der Uni Bern studierten und im gleichen linken Grüppchen aktiv waren, teilte ich seine Auffassung.

Als Gymnasiast wurde ich dazu angeleitet, mir das anzueignen, was man Bildung nennt. Im Literaturunterricht fand ich in verdichteter Art das, was sich mir im individuellen und im gesellschaftlichen Leben nur undeutlich offenbarte: die komplexen Beziehungsgeflechte zwischen unterschiedlichen Menschen, die Möglichkeit der Liebe trotz des Machtgefälles, die Lust am Schönen, die Trauer über Verluste. Im Geschichtsunterricht lernte ich, dass der Rückgriff auf die Vergangenheit zur Erklärung der Gegenwart beitragen kann. Im Biologie-, Chemie- und Physikunterricht bekam ich eine Ahnung von den Gesetzmässigkeiten der Natur. Schule ist Musse, sagte Dr. Heinrich Spinner, Theorie ist Gesamtschau. Natur und Lebenswelt lassen sich nicht nur als flüchtig wahrzunehmende Phänomene erleben, sie können intensiv beobachtet, benannt und schliesslich auch verstanden werden. Er war ein Schöngeist, tief interessiert an Literatur und Kunst, offen aber auch für die Erkenntnisse der Naturwissenschaft. Doch in der Literarabteilung galten Sprache, Literatur, Musik und Kunst als das eigentliche Bildungsgut; Mathematik, Physik und Chemie wurden nur nebenbei gelernt; es galt fast als anstössig, wenn sich eine oder einer von uns dafür interessierte.

Die Antike hatte – ausser für Rektor Ryffel – nicht mehr den hohen Stellenwert wie früher. Wichtiger war die deutsche Klassik mit Goethe und Schiller. «Nehmt hin die Welt!, rief Zeus von seinen Höhen / Den Menschen zu. Nehmt, sie soll euer sein! / Euch schenk ich sie zum Erb’ und ew’gen Lehen – / Doch teilt euch brüderlich darein!» Im Unterricht von Dr. Heinz Schafroth lernte ich die erhabenen Worte Schillers auswendig. Wir führten ein paar Szenen aus «Wallenstein» auf. Schillers Pathos faszinierte mich; Goethe blieb mir fremd. Heute ist es umgekehrt: Goethe schätze und bewundere ich; über Schiller würde ich lachen, fände ich seinen Lebenslauf nicht so überaus tragisch.

Schafroth machte uns wohl eher aus Pflichtgefühl denn aus echter Begeisterung mit Goethe und Schiller bekannt; wichtiger waren ihm die neuere und neuste deutsche Literatur: Kafka, Trakl, Brecht, Schnurre, Eich, Aichinger. Als «Der Stellvertreter» von Rolf Hochhuth hohe Wellen warf, befassten wir uns auch damit. Es ging um den kirchlichen Antisemitismus und um die Frage der Schuld der katholischen Kirche. Mit dem Stellvertreter war Papst Pius XII. gemeint, der zum Holocaust geschwiegen hatte. Im Februar 1964 wurde das Stück am Stadttheater Bern aufgeführt. Schaftroth bereitete uns darauf vor und organisierte den Theaterbesuch für die ganze Klasse. Ich hatte vorher das Stück gelesen. Stärker als der blosse Text beeindruckte mich die Darstellung auf der Bühne. Auf der Rückreise nach Biel sass ich mit meinem Schulfreund Andrea im gleichen Zugsabteil. Er äusserte sich kritisch: «Zu viel Effekthascherei, stellenweise allzu grobschlächtig», befand er.

«Da magst du Recht haben», meinte ich, «und dennoch finde ich das Stück sehenswert.»

«Sicher regt es zum Nachdenken an. Man könnte es aber auch auf subtilere Weise tun.»

«Warum soll es auf subtile Weise geschehen, wenn es um so krasse Dinge geht?»

«Weil sonst viele Leute gar nicht hinschauen, von Vereinfachung reden und daran erinnern, dass in der Realität alles viel komplexer und differenzierter abläuft.»

«Ich finde das Stück sehr differenziert. Ich habe begriffen, dass dieses schreckliche Kapitel der Geschichte unsere ganze heutige Geisteshaltung erklärt. Das Geschehen war komplex, aber in den Grundzügen doch auch ganz einfach: Entscheiden wir uns für das Menschliche oder für das Unmenschliche?»

«Was ist menschlich, was unmenschlich? Oft ist es nicht so einfach, das herauszufinden.»

«Im Moment des Geschehens vielleicht nicht, aber in der Rückschau klärt sich die Sache. Deshalb muss der Stückeschreiber eine klare Sprache sprechen, denn vielleicht können wir für die Zukunft etwas daraus lernen.»

«Klare Sprache und plumpe Sprache sind nicht dasselbe. Hochhuth ist nicht nur plump, sondern auch pathetisch.»

Andrea war ein ausgezeichneter Cellist, spielte sein Instrument differenziert, klar und weder plump noch übermässig pathetisch. Woher kam seine Aversion gegen das Stück? «Es geht doch um etwas ungeheuer Wichtiges», sagte ich, «und Hochhuth ist es gelungen, dies dem Publikum deutlich vor Augen zu führen.»

«Ja schon», lenkte er ein. «Aber wenn der Arzt im Stück sagt, er verbrenne jeden Tag 9000 Menschen und Gott greife nicht ein, dann ist das fast ein wenig lächerlich. Wenn ein Mensch derart pervertiert ist, dass er so handeln kann, dann denkt er sicher nicht an Gott.»

«Der Arzt spottet über den Jesuitenpater Riccardo, der sich selbst opfert und damit im Geiste Jesu zu handeln glaubt. Der Auschwitz-Arzt, der Menschen als Versuchskaninchen missbraucht, und der Priester, der sich einem christlichen Ideal verpflichtet fühlt, stehen einander direkt gegenüber. Das ist doch eine grandiose Theaterszene, auch wenn es sie im wirklichen Leben so nicht gegeben haben dürfte.»

«Ja, das fand ich auch grossartig, aber das Gerede von Gott, der nicht eingreift, fand ich irgendwie deplatziert. Wer glaubt denn heute noch an einen Gott, der das Steuerruder fest in der Hand hält, wie es im Stück heisst?»

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