An einem Punkt fühle ich mich ausgetrickst. Diese Verhandlungen werden von einer EU-Kommission geführt, nicht einmal das EU Parlament ist direkt beteiligt; es hat sogar eine Auswechslung von einer Kommission zur anderen gegeben. Warum? Nicht unsere nationalen Regierungen oder alle unsere gewählten EU Parlamentarier arbeiten mit diesen wichtigen Themen. Wann ist die Zeit gekommen für eine nationale Zustimmung oder Absage? Werden die nationalen Regierungen ordentlich informiert über diese „heimlichen“ Verhandlungen. Hoffentlich wissen sie gut Bescheid! Ich mag nicht einen Sack über den Kopf gezogen bekommen und irgendwohin geführt werden, wo ich nicht sein möchte. Du?
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Auch in diesem Buch plädiere ich für den Schutz unserer Demokratie in Europa. Vereinigen wir uns mit anderen Ländern mit anderen demokratischen Werten als unseren? Ich entstamme einem Land wo vieles zur Volksabstimmung getragen wurde: EU Mitgliedschaft, Valuta Euro, ja oder nein. Ich warte jetzt darauf, daß wenigstens Dänemark seine demokratische Prägung weiterverfolgt und was Thema TTIP, wie auch andere Modelle wie CETA, betrifft, es zur Volksentscheidung kommt. Und sehr wichtig, vorher uns voll und ehrlich alle Pros und Contras dargelegt werden; volle Akteneinsicht muss verlangt werden.
Dies halte ich für so wichtig. Dieses Abkommen hat so weit reichende Konsequenzen für unser zukünftiges Leben oder soll ich Ableben schreiben?
Es ist nicht mehr gleichzusetzen mit früheren Abkommen über Zollbestimmungen. Da ging es ja nur um Geld! Hier geht es um unsere Lebensbasis, die Ernährung und unser Milieu, unsere Natur, um unser Überleben.
Wir leiden ständig unter Zeitdruck. Früher wurden längere Testphasen, ehe Produkte zugelassen wurden, als das Normale angesehen. Daß viele verursachte Krankheiten sich erst nach vielen Jahren zeigen/ausbrechen, wissen wir heute sehr gut. Dann frage ich; Wann kamen die ersten genmanipulierten Produkte auf den Markt? Erst als Saatgut. Wann wurden zuerst negative, schädliche Wirkungen vermutet und danach später festgestellt, und wo gibt es heute noch Bedenken auch ohne Nachweis? Wurde trotzdem danach genmanipuliertes Saatgut verkauft/verwendet? Wird heute immer noch Gen-Saatgut verwendet? Wer trägt dafür die Verantwortung und kann regresspflichtig für entstandenen Schaden gemacht werden? Natürlich erst die großen Weltmarktkonzerne wie Monsanto, Syngenta, Bayer, Pioneer oder Dow, die diese Problem-Produkte erfunden haben. Aber ich halte auch die Regierungen in den betroffenen Ländern für verantwortlich. Mit deren Kompetenzmöglichkeiten sich wissenschaftliche Prüfungen und Beweise einzuholen gibt es keine Entschuldigung. Ich rede hier von unabhängiger wissenschaftlicher Prüfung, nicht von Lobbyisten-Seite bezahlte Studienergebnissen.
Ja, Ruth, aber bitte versteh doch, daß die Regierungen nicht besser wissen und glauben Gutes zu tun. Keine Entschuldigung! Wenn sie nicht besser wissen oder wenigstens sich von kompetenten unabhängigen Wissenschaftlern Beweise einholen, dann sollten sie es lieber ganz der Bevölkerung in der EU überlassen. Legt die Karten offen auf den Tisch und lasst das Volk entscheiden.“ Das Volk“ hat den Vorteil, daß es nicht so von Lobbyisten „überrannt“ wird; es muss nur Informationen aus der Presse mit kritischen Brillen betrachten. Das traue ich „dem Volk“ zu, die Regierungen wohl nicht! Solange es nur um Geld oder Steuerzahler Geld-Verwendung oder Verschwendung geht, war es eher akzeptabel, einfach die Schultern hoch zu ziehen und zu sagen „Na ja, was kann ich schon dagegen tun!“
Hier geht es in erster Linie um uns alle, reich oder arm, um unsere Gesundheit, Natur und Zukunft für die Welt. Schauen wir uns die verheerenden Nachteile der Gen-Produkte an.
Verheerende Nachteile der Gen-Manipulation
Eine äußerst wichtige Frage: Führt Gentechnik zu mehr Giftausbringung?
Genmanipulierte Pflanzen sind immun (resistent) gegenüber bestimmten Unkraut-Vernichtern gemacht worden. Das gentechnisch veränderte Saatgut (GT) wie das dazu „passende“, abgestimmte Gift, Unkraut-Vernichter, wird meistens von denselben Firmen betrieben. Marktführer ist mit dem Glyphosat-Spritzmittel, ROUNDUP, Monsanto. Aber fast das gleiche Produkt wird von Bayer, Syngenta, Dow und Pioneer angeboten.
Weißt du, daß schon 75 % der Kultursorten in der Landwirtschaft verschwunden sind, und das gentechnisch veränderte Pflanzen nur in einem „industriellen Landwirtschaftssystem“ funktionieren? Daß das wiederum zu einer Verunreinigung von gentechnikfreien Ernten führt, zur Verseuchung von Rohstoffen, von Saatgut von „normalen“ Züchtern.
Vor Jahren gab es den Grundsatz, daß Pflanzen, Tiere oder Mikroorganismen nicht „erfunden“ und daher auch nicht patentiert werden konnten. Die Zeiten sind vorbei, die Schöpfung ist auf Menschenhand übergegangen, „geschwappt, geschnappt“! Seitdem „die Große Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes“ in München (die höchste richterliche EU Instanz) in 2000 entschieden hat, daß genmanipulierte Pflanzen und Tiere grundsätzlich patentierbar sind, hat es zu mehreren tausenden Patentrechten diesbezüglich geführt. (Sind diese Leute noch christlichen Glaubens?)
Der Zugang zu genetischem Dokumentationsmaterial, ohne Zustimmung eines Patentinhabers, ist stark eingeschränkt. Nicht nur für andere Züchter, sondern besonders schwerwiegend wird es der unabhängigen Risikoforschung schwer gemacht an das Gen-Manipulationsmaterial zu kommen. Es ist für die Forscher nicht zugänglich, und sonst zuständige Behörden übernehmen einfach die Forschungstestergebnisse von den Konzernen, die ihnen das Testmaterial liefern.
Wer gentechnisch veränderte Pflanzen anbauen möchte, muss jedes Jahr Patentgebühren für das Saatgut bezahlen, das sowieso viel mehr als das konventionelle Saatgut kostet. In den USA ist der Preis für zum Beispiel Gentechnik-Soja Saatgut fast doppelt so hoch wie der normale.
Wie schlimm es noch gehen kann, entnehmen wir einem Beispiel aus Kanada: Dort hat Monsanto von einem Bauer, wo ungewollt Gentechnikpflanzen von einem Nachbarfeld auf seinem Feld landeten, Lizenzgebühren verlangt! Muß ich das näher kommentieren? Wo bezahle ich Lizenzgebühr wenn meine Vögel im Garten mir Samen für Blumen oder Büsche bringen? Für mich besteht die größte Gefahr darin, daß wir es nicht steuern können; es wird sich automatisch ausbreiten!
Früher hatte jeder Bauer das selbstverständliche, uralte und naturgegebene Recht selber sein Saatgut zu vermehren. Man behielt einen Teil der Ernte zurück für Saatgut. Diese Naturrechte gehen verloren. Einmal in den Klauen von diesen mächtigen Saatgutpatentinhabern und du bekommst sie nie mehr los! Schlimme Beispiele aus Indien.
Wenn bloß in der Nähe Gentechnikpflanzen angebaut werden, kommen sie naturgemäß unweigerlich auch irgendwann auf deine Felder herüber. Ob durch Wind-Überbringung von Samen, durch Tiere (Vögel, Mäuse, Rehe etc.) oder auch nur durch Wachstum über die normalen Randzonen, die ja heutzutage immer kleiner gemacht werden, um mehr Bodenertragsfläche zu erreichen.
Wenn wir durch Zusammenlegung von immer mehr Bauernhöfen auf immer größeren Flächen Monokulturen (nur eine Saat-Sorte) anbauen und viel Dünger, wie große Mengen von Pestiziden (Gifte) benutzen, führt es unvermeidbar zu einer starken Einschränkung von vielen Organismen. Von Bodenorganismen, die Laub und Pflanzenreste so verkleinern, daß sie wieder von Pflanzen aufgenommen werden können. Von Tieren, deren Lebensraum zu großen Teil vernichtet wird, oder ganz verschwindet. Wenn Monokultur betrieben wird, verschwinden auch die Randzonen, die früher die einzelnen Felder voneinander abgrenzten. Dasselbe passiert mit den Randzonen zwischen den einzelnen Bauernhöfen wie auch zu kleineren Straßen hin. Wo es früher zehn Höfe gab, oder 20, werden sie jetzt zusammengelegt zu einem (Hof, möchte ich es nicht nennen, eher ein) Betrieb, einer „Produktionsstätte“, die sich in der neuen „globalen Ökonomiestruktur“ immer mehr spezialisiert, was eine starke Einschränkung der Arten- und Sortenvielfalt zur Folge hat. Welche Folge hat es für die Bienen gehabt? Wie können wir ohne Bienen überleben? Wer möchte heute abwechselnd Rüben, Gemüse, Obst, Kartoffeln, Mais neben Korn produzieren? Das wäre weiterhin sehr wichtig und notwendig für den Boden mit Wechsel-Ernten. Das weißt auch der kluge Bauer. Das bewirkt aber höhere Produktionskosten wegen verschiedenen Erntemaschinen, die angeschafft werden müssten.
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