„Wie…“, stammelte er und fuchtelte mit den Händen herum. „Wie… erleichtert man sich neuerdings?“ Er fragte es mit gesenkter Stimme, als könne uns hier jemand hören.
Es gelang mir nicht, ein Lachen zu unterdrücken. „Du willst wissen, wie man im 21. Jahrhundert aufs Klo geht? Ich nehme an, das hat sich nicht geändert. Dort ist das Bad.“
Er zögerte, bevor er sich in die angezeigte Richtung in Bewegung setzte. „Ach so! Warte, ich komme mit.“ Höchst wahrscheinlich kannte er keine Toilette mit Wasserspülung.
Er stand mitten im Badezimmer und sah sich mit großen Augen um. Ich bediente den Lichtschalter und hob dann den Klodeckel hoch. „Hier machst du… also hier verrichtest du dein Geschäft.“ Die Situation war nicht nur ihm unangenehm. „Und wenn du fertig bist, drückst du hier drauf.“ Zur Demonstration betätigte ich die Spülung. Ob man ihn auch darauf hinweisen musste, Klopapier zu benutzen? Das war mir dann doch zu intim und ich beschränkte mich auf die Anmerkung. „Da ist das Klopapier.“
Er beugte sich nach vorne über die Kloschüssel und äugte vorsichtig hinein.
„Und anschließend kannst du dir hier die Hände waschen.“ Ich drehte einmal kurz den Wasserhahn auf. „Rechts ist kaltes, links warmes Wasser. Tja, ansonsten“, ich sah mich um, ob ich noch etwas erwähnen sollte. „Seife, Handtuch – alles da.“
Zu meiner Überraschung wollte er nichts weiter wissen – ich hatte mit Fragen gerechnet, etwa wo das Wasser herkomme, wo es hingehe, wie es warm gemacht werde –, sondern schien darauf zu warten, dass ich den Raum verließ. Ich ging hinaus und warf am Schreibtisch im Vorbeigehen einen Blick auf mein Notebook. Goethe war immer noch bei dem Artikel über die Allgemeine Relativitätstheorie im Abschnitt über „Gravitative Zeitdilatation und Rotverschiebung“. Durch die Violettfärbung der angeklickten Links konnte ich nachvollziehen, welchen Querverweisen er gefolgt war. Er hatte offenbar mehr über Albert Einstein und das newtonsche Gravitationsgesetz wissen wollen.
Ohne absichtlich darauf zu achten, fiel mir auf, dass er bereits mehrfach die Spülung betätigt hatte. Dann lief der Wasserhahn für mehrere Minuten, als wäre er so stark wie möglich aufgedreht worden. So wie ich Goethe bisher kennengelernt hatte, war er an allen Innovationen äußerst interessiert. Sicher wollte er herausfinden, wie der Wasserkreislauf funktionierte. Ich nahm mir vor, in Zukunft geduldiger auf seine Fragen zu reagieren. Offenbar hatte ich ihn mit meiner genervten Art etwas beleidigt, weil er nun lieber selbst die Dinge untersuchte, als sich an mich zu wenden.
Endlich riss er schwungvoll die Tür auf und trat aufgeregt heraus. „Ich führe ein Tagebuch! Findet man es auch in diesem Notebook?“
Ich verstand nicht recht, worauf er hinauswollte. „Ja, vielleicht. Kann schon sein. Aber wozu?“
„Für gewöhnlich mache ich täglich einen Eintrag über meine Tätigkeiten und Zerstreuungen von morgens zu Nacht.“
Begeisterung über seine Idee machte sich in mir breit, sobald ich ihr Ziel begriffen hatte. „Wir suchen den Eintrag vom 27. August 1776 und den folgenden Tagen und können so feststellen, ob du wieder zu Hause bist und vielleicht etwas über die Zeitreise notiert hast. Super!“
Sofort setzte ich mich an den Schreibtisch und tippte GOETHE TAGEBÜCHER in die Suchmaschine ein.
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