„Lennox!“
„Kiki!“
„Können wir nochmal … über alles reden?“
„Kiki es tut mir echt leid, aber es ist alles gesagt!“, sagt er und dreht sich um.
„Oh!“
Fröhlich komme ich schließlich zurück und grüße meinen attraktiven Chef. Auf Anraten von Lula habe ich mich nicht mehr in Rüschen gekleidet, sondern trage jetzt eher Jeans und Shirts. Auch nicht besser, aber für den Anfang ganz passabel. Meine Haare hängen schließlich immer noch wie Franzen von meinem Kopf.
„Ah, da sind Sie ja. Ich nehme Sie mit zu einem Kunden. Kommen Sie“, höre ich Lennox sagen, schnappe meine Tasche und folge ihm mit einem kalten Blick im Rücken.
„Was für ein Kunde ist das?“
„Werden Sie gleich sehen!“
Lennox Laune ist alles andere als freundlich, als er schweigend mit mir zu einem Sexshop fährt. Ach du heiliger Bimbam.
„Was ist?“, will er von mir wissen, als ich langsam aus dem Wagen klettere.
„Nichts. Es ist nur …“
„Sie waren noch nie in einem Sexshop! Stimmt´s?“
Schüchtern schüttele ich den Kopf und lasse meinen Blick gesenkt.
„Kommen Sie! Ich bin in Ihrer Nähe. Und falls es Ihnen zu unangenehm wird, dann gehen Sie einfach raus!“
Damit kann ich leben.
Lennox unterhält sich mit dem Inhaber über die Angebote und die Bewertungen der Kunden, während ich mich etwas umsehe. Wow!, denke ich mir und grinse. Ich in einem Sexshop. Gerade als ich mich herumdrehe, sehe ich ein mir sehe bekanntes Gesicht im Schlepptau mit einer vollbusigen Blonden. Ben! Und die Frau vom Esszimmertisch. Oh Scheiße … Scheiße … Scheiße! Ängstlich fast panisch versuche ich mich irgendwie zu verstecken, doch es ist zu spät. Er hat mich gesehen! Mist!
„Cécile? Was … du hier? Arbeitest du etwa hier!“
„Ich? Ähm … nein … nein wo denkst du hin“. Ich lache leicht gespielt und winke ab.
Lennox steht zwei Regale weiter und beobachtet mich. Als Ben mich berühren will zucke ich und trete einen Schritt zurück.
„Ja … ähm … ich … ähm!“
Verdammt ich komme nicht weiter. Ich sitze in der Falle, denke ich mir als sie plötzlich zwei warme Männerhände um meinen Bauch schlingen und mich an sich ziehen.
„Baby, ich habe das perfekte Spielzeug für uns gefunden!“, höre ich Lennox mit erotischem Unterton sagen und spüre wie er seine Lippen auf meinen Hals presst. Was passiert hier gerade? Jetzt bloß nicht ausrasten!
„Hi, ich bin Lenny“.
„Ben! … Äh Cécile … Ich hätte nie gedacht … Du warst immer so … prüde“, höre ich ihn sagen und verkrampfe mich. „Und jetzt sehe ich dich hier!“
„Prüde? Mein Baby? Sie müssen sie verwechseln. Sie ist ein Tier … uuuhhh ich kann Ihnen Storys erzählen“.
Lennox übertreibt vollkommen aber Ben scheint ihm die Geschichte abzukaufen. Immer wieder spüre ich seine Lippen an meinem Hals. Er spielt seine Rolle gut … zu gut!
„Hast dich schnell getröstet!“
„Du ja auch! Oh warte … du hast mich eingetauscht!“
Ich lehne mich an Lennox, um ein wenig Halt zu gewinnen, als ich die Stimme von Madame Ich werde gern auf dem Tisch gefickt höre, und Ben sich umdreht.
„Ich muss gehen. War nett dich … gesehen zu haben. Lenny, hat mich gefreut …“, höre ich ihn sagen ehe er zu der Blonden zurückgeht. Als er aus meinem Sichtfeld ist, löse ich mich von Lennox und renne so schnell ich kann raus. Weinend laufe ich wie ein Tiger im Käfig hin und her. Wenige Wochen liegen seit der Trennung von Ben hinter mir und ich dachte es geht mir gut – doch das tut es nicht. Es tut verdammt weh, ihn mit einer anderen zu sehen, wo ich doch dachte glücklich gewesen zu sein. Ich presse meine Nägel in die Innenseiten meiner Arme. Möchte etwas zerstören. Warum tut er mir das an? Warum kann er mich nicht so lieben wie er diese blonde Kuh liebt? Ich drücke so fest in mein Fleisch bis ich das feuchte Blut spüre.
Mein Blick folgt Cécile wie sie ins Freie rennt und die Tür zuwirft. Mit großen Schritten gehe ich zu meinem Kunden und beende das Geschäftliche. So hat meine neue Angestellte die Zeit sich ein wenig zu sammeln. Fuck! Der Typ hat Cécile ganz schön zugesetzt. Sonst wäre sie nicht wie eine Furie abgerauscht.
„Frau Marchand?“, rufe ich sie einige Zeit später, und finde sie schließlich neben meinem Autoreifen sitzend vor.
„Hey … oh mein Gott. Was tun Sie denn?“ Ich ziehe mein Taschentuch aus der Hose und wickle es um ihre Hand. Das Blut das an ihrem Arm heruntergelaufen ist, war mittlerweile schon angetrocknet.
„Tut mir leid. Ich dachte ich bin drüber weg!“
„Er ist es nicht wert!“
„Ich liebe ihn!“
„Sie lieben ihn obwohl er eine andere hat? Er hat sich entschieden … gegen Sie“, sage ich und helfe ihr von Boden hoch.
„Sie wissen doch gar nichts!“
„Glauben Sie das wirklich? Auch ich hatte schon ein gebrochenes Herz!“
„Ich weiß noch nicht einmal was ich falsch gemacht habe! Bin ich wirklich prüde?“
„Das kann ich nicht beurteilen. Ich kenne Sie noch nicht mal richtig!“
Cécile blickt mir ins Gesicht. Im Grunde genommen hat sie ein echt hübsches Gesicht, würde sie mehr aus sich machen. Bisschen Schminke und eine nette Frisur.
„Ich glaube es ist an der Zeit, dass ich was ändere. Ich muss endlich damit fertig werden, das er mich nicht mehr will“.
Auf der Rückfahrt zum Büro lasse ich Cécile in der Stadt raus. Sie habe noch was vor und möge dann mit dem Bus nach Hause. Ok!, denke ich mir und lasse sie gehen. Es ist eh Zeit um Feierabend zu machen und ich überlege mir ob ich mich vielleicht mit John treffen soll. Doch zuerst muss ich noch einmal ins Büro. Alle Lichter sind bereits aus als ich die Räumlichkeiten betrete. Das Licht meines PC erhellt mein Büro und ich checke noch kurz die Mails.
Von: Erotika-Messe
Sehr geehrter Herr Kelsey,
wir freuen uns Sie am kommenden Wochenende bei unserer Messe begrüßen zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Die Messeleitung.
Von: Hotel am Messezentrum
Sehr geehrter Herr Kelsey,
wir freuen uns Sie am kommenden Wochenende bei uns in unserem Hotel begrüßen zu können. Wie gewünscht haben wir Ihre Suite für Sie reserviert
Mit freundlichen Grüßen
Die Hotelleitung.
Ach Mist, die Messe. Die habe ich ja total vergessen. Morgen ist auch noch ein Tag und ich fahre meinen PC runter. Auf dem Weg nach draußen, rufe ich John an und verabrede mich mit ihm in unserer Stammbar.
„Hey Alter, lange nicht gesehen!“
„Viel zu tun! Die Werkstatt brummt. Und bei dir?“
„Freut mich. Ich musste mal raus. Am Wochenende steht schon die Messe an, wo ich hin muss. Und ich habe eine neue Angestellte. Ein Mauerblümchen!“ Ich höre wie John zu lachen anfängt. Er lacht mich aus, das spüre ich.
„Du hast ein Mauerblümchen eingestellt? Was stimmt nicht mit dir? Schlechten Sex gehabt oder was?“
„Ich habe Lula einen Gefallen getan, aber … hör mir bloß auf!“
„Was hat dich geritten?“ Na ja bis jetzt noch nichts, denke ich mir.
„Keine Ahnung. Sie soll ja den Job von Kiki übernehmen, aber so wie sich … John ich kann die nicht auf einen Kunden loslassen. Sie ist so … langweilig!“
„Ok! Na immerhin ist sie so in Sicherheit vor dir!“, lacht er und sieht mich an.
So wie Cécile aussieht fasse ich sie nicht mal der Kneifzange an, denke ich mir.
„Na super! Ich gehe nach Hause. Muss mich abreagieren!“
„Sport oder ein neues Häschen?“
„Kein neues Häschen. Immer noch Marie!“
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