Dann lud der Bursche seinen Schwiegervater,
den Zaren, zum ersten Besuch nach der Hochzeit ein;
der kam auch, aber solange er da saß, fragte er nicht
nach seiner Tochter. Endlich stand er auf und ging
durch das Schloß seines Schwiegersohnes. Der öffnete
ihm auch die Tür der Stube, wo der Neger mit seiner
Tochter schlief, und erzählte ihm alles, was die
gemacht hatten. Als der Zar das sah und alles vernommen
hatte, was sein Schwiegersohn ihm erzählte, zog
er seinen Säbel und hieb dem Neger und seiner Tochter
den Kopf ab, seinem Schwiegersohn aber sagte er:
»Ich werde dir meine zweite Tochter zur Frau geben.«
7. Drei Brüder
Es waren einmal drei Brüder; der jüngste von ihnen
war ein sehr schönes Kind und sehr dem bösen Blick
ausgesetzt. Damit ihm ein böser Blick nicht schade,
zog ihm seine Mutter einen Rindsmagen über den
Kopf, und so saß der Junge immer zu Hause am
Herde mit dem Rindsmagen auf dem Kopfe; davon
gaben sie ihm den Beinamen Grindskopf.
Sie hatten eine Scheune voll Heu, und ein wildes
Pferd kam des Nachts daher und fraß ihnen das Heu
auf. Die Brüder wunderten sich, was das für ein sonderbares
Wesen sein könne, das ihnen das Heu auffrißt.
Sie beschlossen daher, in der Scheune zu wachen
und aufzupassen. Den ersten Abend ging der älteste
Bruder wachen. Während der so in der Scheune
saß, kam wirklich das wilde Pferd, fraß sich tüchtig
satt und ging davon, ohne daß der Wächter ihm hatte
etwas tun können. Am nächsten Abend kam die Reihe
zu wachen an den zweiten Bruder, aber auch der blieb
nicht wach; das wilde Pferd kam wieder, fraß sich satt
am Heu und ging fort, ohne von dem Wächter etwas
erlitten zu haben.
Nachdem die beiden Brüder nicht hatten wach bleiben
können, bat sie am dritten Abend der jüngste, der
Grindskopf, daß er an dem Abend wachen dürfte. Die
aber lachten ihn nur aus und sagten: »Ach, du Grindskopf,
wir haben nicht wach bleiben können, wie solltest
du das können? Bleib du hier sitzen, du sitzest da
schön am Herd in der Asche.« Er bat sie aber immer
mehr, doch wollten sie ihn nicht gehen lassen. Zuletzt
ging er ohne ihre Erlaubnis zum Wachen, und die
Brüder ließen ihn: mag er tun, was er will.
Der Grindskopf ging nun in die Scheune, wartete
und wartete, und sieh da! kommt das wilde Pferd wieder,
um Heu zu fressen. Sogleich stürzte er sich auf
das Pferd, packte es und wollte es totschlagen. Aber
das Pferd rief aus: »Ich bitte dich, schlag mich nicht
tot; ich will dir etwas geben und werde auch niemals
wiederkommen.« – »Was willst du mir geben?« fragte
der Grindskopf. – »Ich will dir drei Haare geben,«
antwortete das Pferd, »ein weißes, ein rotes und ein
schwarzes, und wenn du irgend in Not kommst, wirf
eins von den Haaren in die Höhe, und was du wünschest,
wird dir geschehen.« Da ließ der Grindskopf
das Pferd los; das gab ihm die drei Haare, und sie gingen
ihres Weges. Als der Grindskopf nach Hause gekommen
war, sagte er zu seinen Brüdern: »Seht ihr
wohl, wie ich wach geblieben bin, und ihr wolltet
mich nicht gehen lassen.« – »Ach, du Grindskopf,«
antworteten sie, »wir konnten nicht wach bleiben, und
du solltest das gekonnt haben?« – »Geht nur und seht,
wie das ganze Heu noch da ist«, erwiderte er. Sie gin-
gen hin, und da sie sahen, daß von dem Heu nichts
genommen war, wunderten sie sich und standen ganz
starr. Der Grindskopf aber zog sich wieder den Rindsmagen
über den Kopf und setzte sich an den Herd.
Da ereignete es sich, daß der Zar einige sehr tiefe
und breite Gräben ziehen ließ und Herolde anstellte,
die ausrufen mußten: »Wer ein Held aller Helden ist,
der soll kommen und über die Gräben springen, dem
will ich meine älteste Tochter geben.« Da kamen alle
Helden herbei und bemühten sich hinüberzuspringen,
aber keiner konnte es. Auch die Brüder des Grindskopfes
waren hingezogen, und er war ihnen heimlich
nachgegangen, blieb verborgen an einer Stelle stehen,
versteckte den Rindsmagen und warf das weiße Pferdehaar
in die Luft. Sogleich kam vor ihm ein Schimmel
heraus und ein weißer Anzug. Er zog die Kleider
an, bestieg das Pferd und übersprang mit gewaltiger
Kraft die tiefen und breiten Gräben. Die älteste Zarentochter,
die das von einer Stelle mit angesehen hatte,
warf ihm als Zeichen ihrer Billigung einen Apfel zu,
und er fing ihn auf. Darauf ging er schnell an den früheren
Platz, ließ Pferd und Kleider da und zog wieder
den Rindsmagen über den Kopf. Pferd und Kleider
verschwanden sogleich, er aber ging mit dem Apfel,
den er zu sich gesteckt hatte, nach Hause und setzte
sich an den Herd, als ob er von allem, was geschehen
war, nichts wüßte.
Nach einiger Zeit riefen die Herolde wieder aus:
»Wer ein Held aller Helden ist, der soll kommen und
über die Gräben springen, der Zar will ihm seine
zweite Tochter geben.« Da kamen große Helden herbei,
einer stärker als der andere, um den Sprung zu
versuchen; auch die Brüder des Grindskopfes kamen,
gaben sich große Mühe, aber keiner konnte hinüberspringen.
Auch diesmal ging der Grindskopf heimlich
mit und blieb an dem früheren Orte stehen, verbarg
den Rindsmagen und warf das rote Haar in die Luft.
Sogleich stand ein Rotfuchs vor ihm und dabei ein
roter Anzug. Der Grindskopf zog die roten Kleider
an, bestieg den Fuchs und sprang mit gewaltiger Kraft
über die Gräben. Die zweite Tochter des Zaren aber,
die den Sprung mit angesehen hatte, warf ihm zum
Zeichen einen Apfel zu, und er fing ihn auf und steckte
ihn ein. Dann eilte er schnell wieder an den alten
Platz, stieg vom Pferd, legte die roten Kleider ab und
zog den Rindsmagen wieder über den Kopf; Pferd
und Kleider verschwanden. Er ging nun schnell nach
Hause und setzte sich an den Herd, als ob er von
nichts wüßte. Bald darauf kamen auch seine Brüder
und erzählten Vater und Mutter, was geschehen war
und was sie gesehen hatten: »Sieh mal, Vater; es kam
da ein Held auf einem Rotfuchs und ganz in Rot gekleidet;
der sprang über die Gräben, und die Zarentochter,
die zweite, warf ihm einen Apfel zu.« Da fuhr
auch der Grindskopf mit der Frage drein: »Was, Bruder,
was?« Die aber sagten zu ihm: »Ach, du Grindskopf,
du bist nur gut, zu Hause zu sitzen am Herd in
der Asche; was hast du zu fragen? Schweig du hier
still!«
Nach einiger Zeit riefen die Herolde wieder aus:
»Wer ein Held aller Helden ist, der soll kommen und
über des Zaren Gräben springen, der Zar will ihm
seine jüngste Tochter geben.« Da versammelte sich
eine Menge Helden, um den Sprung zu versuchen,
aber keiner konnte über die Gräben kommen. Auch
die Brüder des Grindskopfs waren gekommen, aber
nur um von ferne zuzusehen, denn den Sprung konnten
sie durchaus nicht machen, wollten aber wenigstens
sehen, wer hinüberkommen wird. Ihnen war
auch ihr Bruder, der Grindskopf, heimlich gefolgt,
blieb wieder an dem früheren Ort stehen und warf das
schwarze Haar in die Luft. Sogleich erschien vor ihm
ein Rappe und ein schwarzer Anzug. Er verbarg den
Rindsmagen, zog die schwarzen Kleider an, bestieg
den Rappen, sprengte mit gewaltiger Schnelligkeit
fort und sprang über die Gräben, und die jüngste Zarentochter
warf ihm einen Apfel zu. Den fing er auf,
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