dem Ringe wird dir dann alles zuteil, was du wünschest.
«
Der Holzsammler ging nun mit der Schlange zu
dem Drachen, dem Schlangenzaren, und forderte den
Ring von ihm, wie sie ihn gelehrt hatte. Der Zar gab
ihm den Ring, er steckte ihn sich unter die Zunge und
ging nach Hause.
Dort sagte er zu seiner Mutter: »Mutter, geh zum
Zaren und verlange seine Tochter für mich.« Die Mutter
ging und tat so; aber der Zar jagte sie fort und
sprach: »Mach, daß du fortkommst, soll ich meine
Tochter einem Burschen geben, der Holz sammelt und
verkauft? Laß deinem Sohn ein Schloß errichten wie
meins, dann will ich sie ihm geben.« Die Mutter ging
nach Hause und erzählte ihrem Sohne, was der Zar
geantwortet hatte. Da sagte der zu dem Ringe: »Ich
wünsche mir ein Haus wie das Zarenschloß«, und sogleich
stand eins da wie das Zarenschloß. Da schickte
er seine Mutter zum zweiten Mal zum Zaren, um dessen
Tochter zu verlangen und ihm zu sagen, daß ihr
Sohn ein Schloß errichtet habe wie seines, ob er sie
ihm nun geben wolle oder nicht? Die Mutter tat, wie
ihr Sohn es anbefohlen hatte; der Zar aber antwortete
ihr: »Laß deinen Sohn die Straße, die meine Tochter
ziehen soll, mit Gold pflastern, dann will ich sie ihm
geben.« Die Mutter ging wieder nach Hause und berichtete
ihrem Sohne, was der Zar gesagt hatte: »Du
sollst die Straße vom Tor des Zarenschlosses bis zu
deinem, die seine Tochter ziehen soll, mit Gold pflastern,
dann will er sie dir geben; so befiehlt der Zar.«
Der Bursche pflasterte nun mit Hilfe des Ringes den
ganzen Weg vom Tore des Zaren bis zu seinem mit
Gold und schickte wieder seine Mutter zum Zaren,
ihm das zu berichten und die Tochter zu verlangen.
Sie ging und sagte dem Zaren: »Erhabener Zar! du
siehst, mein Sohn hat den ganzen Weg von deinem
bis zu unserm Tor mit Gold gepflastert; wie nun,
willst du ihm jetzt deine Tochter geben?« Der Zar
antwortete ihr: »Laß deinen Sohn einen Garten herrichten
wie meinen, darin sollen die Nachtigallen sin-
gen und die Falken schreien wie im Mai; dann will
ich sie ihm geben.« Die Mutter ging nach Hause und
berichtete ihrem Sohne die Antwort des Zaren. Der
Bursche aber sprach zu dem Ringe: »Ich wünsche
morgen, wenn ich aufstehe, einen Garten vorzufinden
wie den des Zaren mit Nachtigallen und Falken«, und
am nächsten Morgen war es nach seinem Wunsche
geschehen. Die Mutter ging nun wieder zum Zaren
und verlangte seine Tochter. Da antwortete der Zar:
»Dein Sohn soll mit dem Hochzeitsgefolge kommen,
alle auf weißen Pferden und in weißen Kleidern.« Der
Sohn tat so, zog zum Zaren, bekam dessen Tochter
und ging mit seiner jungen Frau nach Hause.
Der Zar aber hatte einen Diener, einen Neger; der
sagte eines Tages zu der jungen Frau: »Kannst du
nicht herausbringen, mit was dein Mann alles ausführt,
was er sich nur denkt?« Sie antwortete ihm: »Er
hat einen Ring, den er unter der Zunge hält, mit dem
macht er die Sache.« Der Neger sagte weiter: »Kannst
du ihm den nicht auf irgendeine Weise wegnehmen
und mir ihn geben? Er hat ja schon alles und braucht
ihn nicht mehr.« – »Ich kann ihn nicht wegnehmen, er
hält ihn immer unter der Zunge fest.« – »Mach deinen
kleinen Finger im Wasser naß,« riet der Neger, »stekke
ihn dann in die Pfefferbüchse und fahre deinem
Mann damit in die Nase, wenn er schläft; er wird
dann niesen, der Ring wird ihm aus dem Munde und
ins Bett fallen; dann nimm ihn und gib ihn mir.« Die
Frau tat so und gab dem Neger den Ring; der nahm
ihn und legte ihn unter die Zunge.
Eines Tages sprach der Neger zu dem Ringe: »Ich
wünsche, daß du mich ins Gebirge versetzest mit dem
Schloß des Holzsammlers, daß das Schloß mein wird,
und daß er wieder in seiner alten Hütte wohnt.« Sofort
geschah das. Am anderen Morgen wunderte sich
der Bursche, des Zaren Schwiegersohn, wie es gekommen
wäre, daß er sich wieder in einer ärmlichen
Hütte befand, und sagte zu seiner Mutter: »Mutter,
ich will den Esel nehmen, den Hund und die Katze,
will gehen und überall herumwandern, mein Schloß
zu suchen.« Wie er gesagt hatte, so tat er.
So wanderten sie dahin und kamen an einen Fluß
mit starkem Strom. Am Ufer fand der Bursche einen
Fisch, der rücklings auf dem Trocknen lag, ergriff ihn
und warf ihn ins Wasser. Der Fisch dankte ihm für
seine Güte und sagte zu ihm: »Für das Gute, das du
mir getan hast, will ich dir auch alles Gute tun, was
du wünschest; schneide mir eine Flosse ab, und wenn
du irgend etwas von mir brauchst, brenne sie an, ich
komme dir dann gleich zu Hilfe.« Der Bursche schnitt
dem Fisch eine Flosse ab und steckte sie ein.
Nach kurzer Wanderung erblickte er das Schloß.
Da schickte er Hund und Katze aus, daß sie in das
Schloß gehen, dem Neger den Ring wegnehmen und
ihm bringen sollten. Sie gingen; die Katze stieg in die
Stuben hinauf, der Hund blieb unten am Tor. Die
Mäuse im Schlosse hielten gerade Hochzeit; als die
Katze hereingetreten war, fing sie den Bräutigam; da
sammelten sich alle Mäuse um die Katze und versprachen
ihr alles, was sie nur haben wolle; nur solle sie
ihnen den Bräutigam freilassen.
Die Katze willigte ein, den Bräutigam freizulassen,
wenn die Mäuse dem Neger den Ring wegnähmen
und ihn ihr brächten; sie gab ihnen auch an, wie sie
ihn bekommen könnten: »Macht euch die Schwänze
mit Wasser naß, dann pfeffert sie in der Pfefferbüchse
ein, und wenn er schläft, steckt sie ihm in die Nase;
dann wird er niesen, und der Ring wird ihm herausfallen.
Ihr nehmt ihn und bringt ihn mir, dann gebe ich
euch den Bräutigam.« Die Mäuse taten das, brachten
der Katze den Ring, die gab ihnen den Bräutigam frei
und ging mit dem Ring davon. Der Hund wartete
unten am Tore auf sie, und sie rief ihm zu: »Laß uns
schnell laufen, ich habe den Ring«, und so machten
sie sich fort. Als sie an den Donaufluß kamen, sagte
die Katze zu dem Hunde: »Jetzt will ich auf dir reiten,
damit wir über die Donau kommen.« Der Hund duckte
sich, sie stieg auf, und so wollten sie über den Fluß
schwimmen. Aber als sie in der Mitte waren, sagte
der Hund zu der Katze: »Gib mir den Ring, ich will
ihn tragen; wenn nicht, laß ich dich ins Wasser
plumpsen.« Die Katze nahm den Ring aus dem Maul,
um ihn dem Hunde zu geben, aber als sie ihn hinreichte,
fiel er in den Fluß. Was nun? Sie gingen weiter
zu ihrem Herrn, dem Holzsammler, und die Katze
erzählte ihm alles, wie es zugegangen war. Da fiel
dem Burschen der Fisch ein; er brannte die Flosse an,
die er eingesteckt hatte, und als der Fisch die Hitze
merkte, eilte er sogleich zu ihm hin und fragte:
»Wozu brauchst du mich? Ich bin da.«
Der Bursche antwortete: »Mir ist ein Ring mitten
im Flusse hineingefallen; kannst du mir ihn wieder
herausholen?« – »Das kann ich,« sagte der Fisch,
»ich bringe ihn dir jetzt gleich.« Sofort tauchte er auf
den Grund des Flusses, fand den Ring und brachte ihn
herbei. Der Bursche nahm ihn und ging seines Weges.
Als er nun den Ring hatte und nach Hause gekommen
war, sprach er zu dem Ringe: »Ich wünsche zu
sein, wie ich früher gewesen bin, das Schloß soll wieder
meins sein, und der Neger und meine Frau sollen
zusammen in einer Stube sein.« Das geschah sogleich.
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