und konnte nicht wieder ins Wasser kommen. Als der
den Jungen sah, bat er ihn: »Du Junge! trag mich ins
Meer, und was du willst, gebe ich dir.« – »Gib mir
das Beil da,« antwortete der Junge, »wenn du willst,
daß ich dich ins Wasser trage.« Der Fisch bewegte
den Schwanz, hob den Stiel des Beils in die Höhe, so
konnte der Junge es fassen, und dann sagte er zu dem
Fisch: »Was willst du mir nun geben, daß ich dich ins
Meer trage?« – »Was ich dir gebe?« antwortete der
Fisch, »ich habe nichts, was ich dir geben kann, nur
das kann ich machen: wenn du sagst: ›Lengo und
Sawe und das Meer‹, dann wird dir alles zuteil, was
du willst.« Da warf der Junge den Fisch ins Meer, der
schwamm gleich fort, und der Junge blieb am Ufer
stehen. Nun fing er an nachzudenken, was er machen
und was sich wünschen soll. Zuletzt fiel ihm ein, er
wolle sagen, daß ihm ein Tisch mit Essen hingestellt
werden soll, und so sagte er: »Lengo und Sawe und
das Meer! Es soll mir ein Tisch mit allerlei Speisen
dastehen.« Und sogleich stand der Tisch mit schönen
Speisen da. Der Junge aß sich satt und ging dann ins
Gebirge nach Holz. Wer sollte ihm aber nun das Holz
sammeln? Er war zu faul dazu. Da sagte er wieder:
»Lengo und Sawe und das Meer! Es soll mir Holz
aufgelesen und auf den Esel geladen werden.« Sofort
war das Holz aufgelesen und dem Esel aufgeladen.
Der Junge ging mit dem Holz nach Hause.
Unterwegs kam er am Zarenschloß vorbei. Die Zarentochter
stand am Fenster, der Bursche sah sie und
sagte: »Lengo und Sawe und das Meer; dies Mädchen
soll schwanger werden.« Da wurde sie gleich schwan-
ger ohne Mann. Das Kind in ihrem Leibe wuchs und
wuchs, und sie wunderte sich: »Wie ist denn das gekommen?
Und was soll ich meinem Vater sagen,
wenn er es merkt?« Die Zarentochter war nämlich
sehr schön, und ihr Vater hatte sie im Palast eingeschlossen,
daß sie mit keinem Mann verkehre. Endlich
merkte der Vater, daß seine Tochter schwanger
war, rief sie ganz allein zu sich und sprach: »Aber,
Tochter! was machst du mir da für Scham und Schande?
Von wem hast du's? Wohin bist du gegangen,
oder wer ist zu dir gekommen?« Das Mädchen war
sehr erschrocken und antwortete mit Zittern: »Ich bin
nirgends hingegangen, Vater, auch ist keiner zu mir
gekommen, ich habe gar keinen Mann gesehen.« Ihr
Vater glaubte ihr aber nicht, ließ sie in den Block
spannen und ihr die Bastonade geben, sie aber blieb
dabei: »Ich weiß nicht und weiß nicht!« Zuletzt sagte
sie ihm: »Ein Bursche mit einer Last Holz kam am
Schloß vorüber, sah mich am Fenster und murmelte
etwas vor sich hin, und von der Zeit an fühlte ich, daß
ich schwanger sei!« – »Wie kann es sein, daß eine
vom bloßen Ansehen schwanger wird?« erwiderte der
Vater; er wollte ihr das durchaus nicht glauben, sie
aber schwur, schlug sich an die Brust und sagte:
»Wenn du willst, Vater, glaube mir; wenn nicht,
nimm mein Leben – wirf mich ins Meer.« Da ließ der
Zar den Burschen holen und fragte ihn, ob er das
Mädchen zur Frau nehmen wolle. Der sagte ja, und
der Zar gab sie ihm, setzte die beiden in ein Schiff,
gab seiner Tochter einige Kränze Feigen und ließ das
Schiff treiben.
Sie trieben nun lange auf dem Meere, dann aber
sagte die Zarentochter zu ihrem Mann: »Mann, sage
doch, daß wir ans Land kommen.« – »Gib mir eine
Feige, wenn du willst, daß ich es sage«, antwortete
der.
Sie gab ihm einen Kranz Feigen, und er sagte:
»Lengo und Sawe und das Meer! Wir wollen ans
Land.« Und sogleich waren sie am Lande und setzten
sich am Ufer nieder. Wiederum sagte die Frau zu ihm:
»Sag wieder etwas, daß sich hier ein Schloß aufbaue,
in dem wir wohnen und leben können.«
Der antwortete wieder: »Gib mir eine Feige, wenn
du willst, daß ich es sage.« Da gab sie ihm noch einen
Kranz Feigen, und er sagte wieder: »Lengo und Sawe
und das Meer!« Sogleich stand ein Schloß da, schön,
mit allem Nötigen, mit allen möglichen schönen Teppichen
und mit allem Hausgerät. Da gingen sie hinein
und wohnten dort. Eines Tages gingen die Leute des
Zaren auf die Jagd, und als sie auf dem Heimwege
waren und das Schloß erblickten, gerieten sie sehr in
Erstaunen: bis gestern war nichts da, und wie war da
ein so schönes Schloß entstanden? Sie erzählten dann
dem Zaren von dem Schloß am Meeresufer, der wun-
derte sich auch und sagte gleich, er wolle gehen und
es ansehen.
Als der Zar dahin kam und es sah, ging er hinein,
und die beiden, die da wohnten, seine Tochter und
sein Schwiegersohn, empfingen ihn, wie es einem
Zaren gebührt. Dann sagte der Schwiegersohn:
»Lengo und Sawe und das Meer! Es sollen dem Zaren
goldne Tische, goldnes Geschirr und kaiserliche Gerichte
vorgesetzt werden.« Und sogleich erfüllte sich
sein Wunsch.
Die Zarentochter hatte sich bis dahin ihrem Vater
noch nicht zu erkennen gegeben. Sie hatte ihn gleich,
als er eintrat, erkannt, er sie aber nicht. Dann gab sie
sich ihm zuerst kund, und er erkannte sie dann auch
und fragte sie, wie sie zu einem solchen Palast gekommen
sei und zu so schönen Geräten und Speisen
und zu solchem Reichtum. Da erzählte sie ihm alles
von Anfang bis zu Ende, was und wie es gewesen
war. Da nahm der Zar seinen Schwiegersohn, den
ehemaligen Holzsammler, und seine Tochter mit sich
und setzte ihn auf den Thron.
6. Holzsammler, Katze, Schlange und Fisch,
oder: Tu den Tieren Gutes, es wird dich nicht
gereuen
Es war einmal eine alte Frau, die hatte einen Sohn;
den schickte sie jeden Tag aus, Holz zu sammeln und
zu verkaufen. Auch spann sie jeden Tag eine Spindel
voll und gab ihm das Garn zum Verkauf. Er verkaufte
auch jedes Gebinde für einen Para, aber das Geld gab
er nicht seiner Mutter, sondern tat Gutes damit.
Einmal, als der Bursche Holz holen ging, traf er einige
Kinder, die einen kleinen Hund schlugen. Das
Hündchen tat ihm leid, er kaufte es ihnen für einen
Para ab und rettete es so vor den Schlägen. Das
Hündchen zog nun mit ihm.
Ein andermal, als er wieder Holz holen ging, begegnete
er anderen Kindern, die ein Kätzchen schlugen
und es totschlagen wollten. Er hatte Mitleid mit
dem Kätzchen und, wohl oder übel, gab den Kindern
einen Para und rettete es so vor den Schlägen. Da zog
auch das Kätzchen mit ihm, und von da an gingen
Hund und Katze immer mit dem Holzverkäufer zusammen,
wohin er auch ging.
Einmal aber, als er im Gebirge war und Holz sammelte,
erblickte er eine brennende Buche, und auf der
Buche zischte eine Schlange und rief um Hilfe. Der
Bursche trat herzu, und die Schlange bat ihn, ihr zu
helfen, sie aus dem Feuer zu retten. »Ich habe Angst,
daß du mich beißt«, antwortete er.
»Nein«, sagte darauf die Schlange; »hab keine
Angst, ich tu dir nichts Böses, sondern ich will dir
geben, was du wünschest.« Da streckte er eine Stange
an die Buche, die Schlange wickelte sich um die Stange
und rettete sich so aus dem Feuer. Darauf sagte sie
zu ihm: »Jetzt bringe mich zu dem Drachen, dem
Zaren der Schlangen; der wird dir einen Beutel mit
Geld anbieten, du darfst ihn aber nicht nehmen, sondern
fordere von ihm den Ring, den er unter der
Zunge trägt, und sowie er ihn dir gibt, stecke du ihn
auch unter die Zunge und behalte ihn immer dort; mit
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