5. Kapitel„Weg in die Freiheit”
Endlich war es so weit. Mario hatte geschäftliche Termine in Karlsruhe und Umgebung geplant. Dabei konnte Stasia ihn begleiten. Der Zeitpunkt für die Flucht rückte näher und näher. Am Tag zuvor verabredeten sie sich für den frühen Morgen am Parkplatz vor ihrem Büro. Stasia konnte die Nacht vorher kein Auge zudrücken. In Gedanken packte sie schon ihre im Kleiderschrank bereitgelegten Sommersachen. Dann musste sie zuerst ihr gespartes Geld von der Bank abholen, bevor sie ihre Heimat verlassen konnte. Weiter überlegte sie sich, wie sie es anstellen könnte, ihren geliebten Hund ausnahmsweise an diesem Tag mitzunehmen, ohne dass Max misstrauisch wurde, denn sonst wurde Snoopy jeden Morgen zu Stasias Eltern gebracht. Am nächsten Morgen, Max war im Bad unter der Dusche, rief sie heimlich ihre Mutter aus dem Schlafzimmer an, damit er nicht mithören konnte.
„Mama, ich nehme Snoopy heute mal ausnahmsweise mit ins Büro. Mein Chef ist unterwegs, und ich bin dann nicht so allein.”
„Erlaubt dir das dein Chef?”
„Ja, er hat nichts dagegen. Wir werden über die Mittagspause in den Luisenpark spazieren gehen.”
Ohne weiter nachzudenken, freute sich Frauke auf einen Tag, an dem sie „hundefreie” Zeit hatte. Frauke kam gar nicht auf die Idee, dass irgendetwas nicht stimmen könnte. Nun musste Max glaubhaft gemacht werden, dass Snoopy dieses Mal mit ins Büro kam. Max zog sich gerade sein Hemd an und war damit beschäftigt, eine dazu passende Hose auszusuchen.
„Übrigens, gerade eben hat Mama angerufen, sie kann heute den Hund nicht brauchen, da sie einige wichtige Dinge erledigen muss“, log sie.
Gespannt auf die Reaktion von Max wartete sie auf seine Antwort, während sie sich frisierte. Max wusste, dass Stasia ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Chef hatte, da konnte es schon sein, dass der Hund ausnahmsweise mit durfte, und so war es nicht für ihn verdächtig. Ihr freundlicher Chef würde einmal ein Auge zudrücken, denn Snoopy war wohlerzogen und würde den Arbeitsablauf nicht stören.
„Das ist wundervoll, in der Mittagspause hole ich euch ab und wir können zusammen in den Luisenpark gehen. Das Wetter ist gut, und wir sind in der frischen Luft“, antwortete er fröhlich.
„Wie er sich doch täuscht!“, dachte Stasia erleichtert, dann spöttisch:
„Du wirst dich wundern, ... bis in der Mittagspause, ha, da bin ich schon über alle Berge.”
So fuhren sie mit Snoopy zur Arbeit. Im Büro angekommen, räumte Stasia ordentlich auf, erledigte die wichtigsten Angelegenheiten und legte danach einen Zettel auf den Schreibtisch ihres Chefs. Ihr Herz klopfte heftig in ihrer Brust, als sie ihre Nachricht auf den Schreibtisch ihres Chefs legte.
„Ich muss etwas sehr Wichtiges in der Stadt erledigen, bin so schnell wie möglich zurück. Gruß, Anastasia Burani.”
Da ihr Chef einige Stunden später kommen wollte, blieb Stasia genug Zeit, ihren Arbeitsplatz so zu hinterlassen, als hätte sie das Büro nur für kurze Zeit verlassen. Auch er durfte keinen Verdacht hegen. Es tat ihr leid, ihren sehr liebenswerten Chef auf diese Weise zu belügen. Jedoch hatte sie keine andere Wahl.
„Wer weiß, was er jetzt über mich denkt“, dachte sie mit sehr schlechtem Gewissen.
„Vielleicht habe ich irgendwann die Gelegenheit, alles zu erklären“, beruhigte sie sich dann wieder.
Alles klappte wie geplant. So konnte sie eine Menge Zeit gewinnen, bis Max kommen würde, um sie zur Mittagspause abzuholen. Bis dahin wäre sie Kilometer weit weg, ohne dass gleich Verdacht geschöpft würde. Mario wartete ungeduldig vor dem Bürogebäude. Rasch stieg sie mit Snoopy in sein Auto, und sie fuhren zur Wohnung von Stasia und Max. Angekommen, packte sie ihre sommerliche Kleidung ein, so viel sie tragen konnte. Sie hatte vorher alles frisch gewaschen und ganz vorne in den Schrank gelegt, auch die für sie wichtigsten persönlichen Dinge parat, damit das Einpacken schnell gehen konnte. Auf dem Esstisch hinterließ sie einen großen Zettel mit einem handschriftlich geschriebenen Satz: KOMME NIE WIEDER!!! Dann fuhren sie zur Bank, sie holte ihr weniges Geld ab, um danach endlich loszuziehen in das Abenteuer „Freiheit in einer anderen, schöneren ungewissen Welt.” In den ersten Minuten während der Fahrt sprach keiner ein Wort. Stasia war noch immer gedanklich gefangen in ihrer Situation. Langsam wurde ihr bewusst, dass sie alles, was ihr in ihrem bisherigen Leben lang vertraut gewesen war, in den letzten Minuten zurückgelassen hatte. Eine Flucht ohne Wiederkehr. Nie und nimmer würde sie zu Max zurückgehen, das wusste sie. Aber was würde auf sie zukommen? Sie hatte keinen Job, wenig Geld und keinen Menschen in einer fremden Ungewissheit. Nur ihr geliebtes Hündchen war an ihrer Seite. Sie wusste nicht, woran sie mit Mario war. Für wie lange würde er sie begleiten? Wollte sie überhaupt eine Zukunft mit ihm? Wieder in einer festen Partnerschaft, wieder gebunden? Eigentlich nicht! Schon immer hatte sie frei und unabhängig sein wollen. Auch Mario dachte darüber nach, was er verursacht hatte. Erst jetzt fühlte er sich für sie verantwortlich und hatte ein schlechtes Gewissen. Viele Fragen stellten sich in ihm auf.
„Was, wenn Stasia, nachdem sie kein Zuhause mehr hat, sich an mich binden will? Was dann? Kann ich sie ganz allein zurücklassen, wenn ich nach Amerika fliege? Wie soll sie ohne Geld und ohne Arbeit zurechtkommen? Ich werde zu weit weg sein, um ihr beizustehen. Will ich meine Familie verlassen, mein Kind und meine Frau?”
Es war doch alles bestens geregelt. Er hatte viele Freiheiten, schon dadurch, dass er viel in der Welt beruflich herumflog, ohne ständig am Rockzipfel seiner Frau zu hängen. Ja, manchmal gab es hin und da ein Abenteuer. Nichts Ernstes. Manchmal einfach nur deshalb, weil die Nächte in fremden Hotels in fremden Orten einsam waren. Dann, nur wenige Male, saß an der Hotelbar abends eine attraktive Frau am Tresen, der es wohl ähnlich erging, die ebenso etwas Gesellschaft suchte und sie mit ihm fand. Allerdings ohne Verpflichtungen. Aber jetzt hatte sich alles geändert. Stasia war nicht wie die Damen an der Hotelbar. Sie war etwas ganz Besonderes.
„Es wird sich alles regeln. Alles kommt, wie es muss“, grübelte er während der Fahrt. Ihr erstes Ziel war die wunderschöne Kurstadt Baden-Baden. Hier gefiel es beiden, und Stasia überlegte, hier Station machen. Es war schon Nachmittag, und dann würden sie weitersehen, wohin sie die neu gewonnene Freiheit in ein neues Leben führen würde. Mario war in der Nähe von Karlsruhe geschäftlich unterwegs. Das passte. Sie fanden direkt am Kurpark ein kleines romantisches Hotel. Nachdem das Gepäck im Zimmer stand, ließen sich beide erschöpft und erleichtert auf das Bett fallen, die Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Die sexuelle Lust suchte nach befreiender Entladung.
„Mein Verlangen, dich zu spüren, ist fast unerträglich, geliebte Stasia. Deine Nähe, der Duft deiner Haut erwecken in mir ein völlig neues wundervolles Lebensgefühl“, sagte Mario, als er befriedigt und schweißgebadet nackt die im Zimmer bereitgestellten Gläser mit prickelndem Champagner füllte. Sanft zog Stasia ihn zurück ins Bett.
„Du mein Geliebter, egal was kommt, niemals werde ich diese Stunden mit dir vergessen. Auch, wenn du mich bald verlässt. Heute beginnt ein neues Leben für mich. Schon seit vielen Jahren habe ich mir ersehnt und gehofft, endlich frei zu sein. Ohne dich hätte ich nie die Kraft gehabt, alles hinter mir zu lassen.”
Dabei hielt sie ihr Glas ganz nah an seine Brust und ließ ein paar Tropfen des Champagners über seinen Körper tropfen, um dann sanft das köstliche Nass auf seiner Haut aufzulecken.
Wieder erlebte Stasia herrliche glückliche Stunden und Tage. Zusammen mit Mario. Wie viel Zeit verblieb noch? Für ein paar Stunden am Tag war er zu seinen Terminen unterwegs, dann wieder bei Stasia. Die Frühlingssonne schien, es war ein Genuss, durch den wunderschönen Kurpark spazieren zu gehen, durch das Städtchen zu flanieren und dann endlich wieder eng umschlungen zurück zu ihrer Liebesoase zu gelangen. Leider musste Mario über das kommende Wochenende nach München fahren, um einige ungeklärte Angelegenheiten vor seinem Abflug in die USA zu erledigen. Da der Abschied schmerzlich war, ließen sie ihr letztes Abendessen im Hotel aufs Zimmer bringen. Beide hatten keinen Appetit, doch Snoopy freute sich über die köstlichen Speisereste. Stasia stand gerade unter der Dusche, als Mario zu ihr trat und sie zärtlich einseifte. Das warme Wasser prickelte auf ihrer Haut, und Mario verstand es exzellent, den geschmeidigen Seifenschaum auf Stasias Haut zu massieren. Stasia umschlang seinen verlangenden Körper mit ihren Beinen, während er sie an die Kabinenwand presste, um in sie einzudringen. Selbstvergessen liebten sie sich unter dem prickelnden Schauer, ohne zu bemerken, dass das Handtuch, das Stasia sich um ihre Haare gewickelt hatte, währenddessen in die Duschwanne gefallen war. Unbemerkt, da sie wieder gemeinsam in eine erotisch berauschende Welt eingetaucht waren. Mario hatte nur noch den Wunsch, tief in Stasias fordernden Leib einzudringen, während er ihre Brüste streichelte. Selbstvergessen erlebten sie ihre Ekstase bis zur explosiven Entladung durch den beiderseitigen Orgasmus.
Читать дальше