1 ...7 8 9 11 12 13 ...33 Er spielte die Arktis nur noch selten, weil sie ihm zu wenig Ab-wechslung bot. Stattdessen kämpfte er nun auf fremden Sternen gegen Aliens, die beinahe aussahen wie Menschen und das Blut spritzte nur so durch die Gegend. Das war sein Training und er absolvierte es täglich. Es machte ihn stärker.
Seine Mutter hielt überhaupt nichts von den Kampftrainingsge-schichten und sein Vater schüttelte nur noch den Kopf. Immerhin kümmerten sie sich um das, was er tat und versuchten auf sanfte Weise sein Leben auf eine gerade Bahn zu lenken. Bei Griffin war das nicht so.
Dessen Vater versuchte nur auf höchst grausame Weise Griffins Leben schwerer zu machen. An manchen Tagen sah er ihn vor Verachtung kaum noch an. Oder er fing an, ihn zu beschimpfen, ihm vorzuwerfen, was er alles noch nicht konnte.
Glücklicherweise befand er sich seit einigen Wochen auf der geheimen Militärstation, wo er arbeitete und von dort aus konnte er Griffin nicht tyrannisieren. Aber er würde bald wieder zurückkommen und dann ging alles wieder von vorne los.
Der psychische Stress wirkte sich auch auf die Noten des Jungen aus. Lernen fiel Griffin schwer und Aron musste mitansehen, wie sein Freund immer schneller in einen Strudel hineinglitt, der ihn nach unten zog. Er war nicht gut in der Schule, er zog sich zurück, er war still, hatte bis auf Aron keine Freunde und sein Vater machte ihm das Leben zur Hölle.
An manchen Tagen, wenn sie wieder unterwegs waren, sprach Griffin kaum ein Wort. Dann erzählte Aron von allem möglichen, aber er versuchte das Thema Familie und Freundschaft zu umgehen.
Denn er selbst hatte viele Freunde und insbesondere Freundinnen. Er konnte nichts dagegen tun, die Mädchen wollten ihn einfach. Sie sahen über die Tatsache hinweg, dass er Griffin als seinen besten Freund bezeichnete. Vor ein paar Wochen hatte er sogar seinem großen Bruder Matthiew die Freundin ausgespannt. Dieser war zwei Jahre älter und deswegen konnte sich Aron bei dem Gedanken ein leises Schmunzeln nicht verkneifen.
Griffin hatte noch nie ein Mädchen geküsst. Und wie sehr er sich auch bemühte, ein anständiges Gespräch zu führen oder ein wenig Smalltalk zu machen, es führte nie zum Erfolg.
Dabei sah Griffin nicht schlecht aus, fand Aron. Im Gegensatz zu Aarons kurzem braunen Haar und den markanten Gesichtszügen hatte Griff einen unwiderstehlichen Lockenkopf und warme, grüne Augen.
Aron verstand einfach nicht, wie alles so kommen konnte und dass es für ihn keine Möglichkeit gab, seinem Freund zu helfen. Den Frust darüber ließ er im Holodeck aus und metzelte menschengleiche Aliens nieder. Und manchmal sehnte er sich auch zurück nach der reinen, kühlen Luft der Arktis. Dann schaltete er die Gegner aus, blickte nur in die eisige Landschaft, bis die Sonne am Horizont glühte. Das ließ ihn seine Unruhe vergessen.
Doch irgendwann kam ihm, während er gerade einer Alienfrau den Kopf abhackte, eine Idee.
»Griff«, sagte er, als sie sich am Nachmittag auf einer der Promenaden trafen und klopfte ihm auf die Schulter, »ich denke wir sollten mal wegfahren.«
Entgeistert sah Griffin ihn an. »Wegfahren? Was meinst du mit wegfahren?«
»Naja, mal raus aus der Stadt, nicht nur bis ins Bodenareal. Einfach mal durch den Solarpark und sehen, was dahinter ist!«
Sein Freund schien nicht begeistert zu sein. »Ich glaube, das ist keine gute Idee.«
Aron grinste ihm aufmunternd zu. »Doch, ich glaube schon. Wir wohnen seit fünfzehn Jahren in der gleichen Stadt und haben noch nie was anderes gesehen, kannst du dir das vorstellen?«
»Ja«, meinte Griffin trocken, »natürlich.«
Tadelnd schüttelte Aron den Kopf. »So meine ich das doch nicht. Ich will sagen: Wie furchtbar! Findest du das nicht auch furchtbar?«
Jetzt verschränkte Griffin die Arme vor der Brust. »Wie willst du überhaupt aus der Stadt raus? Du hast keinen Wagen, keinen Jet, du hast nicht einmal ein Fahrrad!«
Aron lächelte verschmitzt. »Aber ich kenn jemanden, der das alles hat.«
Nach einer halben Stunde hatte Aron Griffin überredetet. Es war das erste Mal, dass sie etwas Illegales taten, aber es würde ohnehin niemand bemerken. Griffins Mutter machte irgendwo in Südafrika Urlaub und Arons Eltern mussten arbeiten.
Die Freunde bereiteten sich gründlich vor. Sie suchten sich zuerst ein Ziel in der Nähe aus und entschieden sich nach ein paar verschiedenen Überlegungen für den nächsthöchsten Berg. Dann konnten sie die Welt einmal von oben sehen, nicht nur von einem Kilometer Höhe aus.
Für den Jet war gesorgt. Griffin musste nur den Schlüssel vom Hacken nehmen. Sein Vater würde ihm niemals einen Diebstahl zutrauen, wahrscheinlich dachte er sogar, dass sein Sohn keine Ahnung hatte, dass ein Jet in der Garage stand. Huges Warrick und seine Frau benutzten ihn so gut wie nie, sie ließen sich immer abholen. Das war wesentlich bequemer für alle Beteiligten.
Nun musste Aron nur noch lernen, wie man ihn steuerte, aber auch das war ein Leichtes. Er ließ sich von Ellie eine Simulation im Holodeck erstellen und übte eine halbe Stunde lang das Jetfliegen, bis er das Gefühl hatte, die wichtigsten Funktionen zu beherrschen.
Dann packten sie ein paar Sandwiches zusammen, nahmen dickere Pullis mit und Aron hinterließ bei Ellie eine Nachricht für seine Eltern, dass er zum Abendessen wieder zurück sein würde.
Griffin war nervös.
Sie fuhren mit dem Aufzug ins erste Luftareal. In den Bodenbereichen lagen Räume für Jets, Autos oder andere Fahrzeuge der Bewohner. Je nachdem, welche Abstellgröße man sich leisten konnte. Man bekam niemals den Raum eines anderen zu Gesicht, denn der Aufzug registrierte seine Gäste und brachte sie direkt zum richtigen Abteil.
»Guten Morgen, Mr. Sascha Griffin Warrick«, sagte die männliche Stimme im Aufzug, »ich bringe Sie zu Ihrem Abteil.« Es war selten, dass jemand Griffins vollständigen Namen benutzte.
Griffin sah Aron nur fragend an, der zuckte mit den Schultern. Sie hatten erwartet, dass Warrick zumindest ein Passwort eingebaut hatte, für den Fall, dass sein Sohn auf die Idee kommen sollte, den Jet zu stehlen. Aber das hatte er nicht getan. Umso besser.
»Er hält mich wohl wirklich für einen Versager«, murmelte Griffin niedergeschlagen.
Aron legte seinem Freund den Arm um die Schulter. »Mann, Griff. Du bist aber kein Versager! Schließlich klau- … fliegst du gleich endlich mal raus aus der Stadt.«
Bei jedem Wort, das eine illegale Tat vermuten ließ, hätte das System im Aufzug aufgemerkt.
»Vielleicht ist das doch keine so gute Idee«, entgegnete Griffin.
»Doch, doch!«
Und als sie den Aufzug verließen und in das weiß beleuchtete Abteil traten, wusste Aron ganz sicher, wie unglaublich gut diese Idee war.
Ein schwarzer Jet stand unberührt vor ihnen, sein Lack glänzte in den weißen Lichtern der Wände. Hätte Aron es nicht besser gewusst, hätte er ihn für eine Simulation des Holodecks gehalten.
Er ging hinüber und ließ seine Finger über die glatte Oberfläche gleiten.
Der Jet war etwa fünf Meter lang und der Rumpf etwa zwei Meter breit. Nicht groß, aber immerhin besser als jedes Fahrrad. Aron kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus.
»Sag mal, ist dein Vater den jemals geflogen?«
Griffin schüttelte den Kopf. »Ich glaube nicht. Seit ich denken kann, holt ihn das Militär ab. Vielleicht vor Jahren mal… obwohl, nein. Das hier ist ja der Neue, den hat er sicher noch nicht geflo-gen.«
»Der Neue?«
»Ja, er kauft sich doch immer ein neues Modell, wenn es eins gibt. Warum sollte er alte Sachen in seiner Garage stehen haben?«
»Ja, warum auch…“
Griffin öffnete den Jet per Knopfdruck und ein Teil der Seitenwand wurde nach unten geklappt, so dass sie einsteigen konnten. Der Bordcomputer begrüßte sie höflich und Aron bat ihn, den Autopilot auszuschalten. Er war sicher, dass er dieses Ding auch ohne fremde Hilfe fliegen konnte.
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