Joachim Oelßner - Großfamilien-Bande

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Das Buch erzählt von Kongolesinnen und Kongolesen, von Traditionen und der Macht der Großfamilie. Ihr wird Individualität, auch die Ehe, untergeordnet. Die Kurzgeschichten zeigen zugleich, wie sich Frauen wehren.
Der Weg nach Europa erscheint nicht nur als Flucht vor Armut, er stellt ebenso eine Abkehr von überlebten Sitten und Gebräuchen dar.

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„Wenigstens haben wir ein Dach über dem Kopf, manche haben nicht einmal das“, sprach sie sich Mut zu.

Verzweifelt zählte sie die wenigen Francs, mit denen sie auskommen musste. Gelegentlich konnte sie dieser oder jener Marktfrau helfen und bekam dafür eine sogenannte „Ermutigung“ von ihnen. Jedes Mal war sie erneut verwundert, manchmal verärgert, wenn sie diesen seltsamen Begriff für die Bezahlung ihrer Arbeit hört. Der angenehme Klang des Wortes täuschte über ihre miese Entlohnung hinweg, vermittelte jedoch den Marktfrauen wie auch ihr die Hoffnung auf irgendein imaginäres Besseres. Mit wachsendem Herz­weh zählte sie erneut ihre „Ermutigungen“, es wurden nicht mehr Geldscheine. Mit der Miete war sie im Rückstand, wie überall in Kinshasa wurde der Ver­mieter immer fordernder.

„Ich muss wenigstens die Kinder durchbringen“, hämmerte es in Paulettes Kopf. „Sie brauchen was zwischen die Zähne.“

Vorgestern hatte es den ganzen Tag nichts weiter als Zuckerwasser gegeben, gestern reichte der Einkauf von ein wenig dunklem Maniokmehl, einer halben Tomate und Pili-Pili für Fufu mit scharfer Soße. Hatte sich Paulette noch vor ein oder zwei Jahren wegen des Schulgeldes gegrämt, das sie nicht mehr bezahlen konnte, so war sie mittlerweile darüber hinweg. Zumindest hatten ihre Kleinen einen Ort, an dem sie wohnen und schlafen konnten, sie waren keine Straßen­kinder.

Die Marktfrauen brauchen erst morgen wieder ihre Hilfe, sodass sie heute ihrem anderen Gelderwerb nachgehen konnte. Die auf dieser Weise verdienten Francs waren im Gegensatz zu dem Geld, das sie auf dem Markt bekam, nicht einmal eine eingebildete „Ermutigung“, eher das Gegenteil … Entmutigt legte sie einen sauberen Wickelrock an, streifte eine Bluse über und band sich aus dem gleichen Super-Wax ein Kopftuch um. Der teure Stoff stammte aus besseren Zeiten, an die Paulette nicht mehr denken wollte.

Bevor Paulette das Zimmer verließ, beobachtete sie ein paar Minuten ihren Kleinsten, der intensiv in sein Spiel mit einigen Coladosen versunken war, die Größeren trieben sich draußen herum. Sie hatte es mittlerweile aufgegeben, genau wissen zu wollen, was sie anstellten. Wenn sie sich zu sehr darauf einließ und ihre Gedanken einmal diesen Pfad beschritten, würde sie sich bald fragen, was für eine miserable Mutter, was für ein nichtswürdiges Geschöpf sie sei. Also vermied sie solche Grübeleien, konzentrierte sich auf ihr Vor­haben. Zu Fuß lief sie mehrere Kilometer von Kisenso quer durch den Stadtteil Lemba. In zu großer Nähe zu ihrer Bleibe wollte sie diesem Gewerbe nicht nachgehen. Angekommen auf dem großen Platz mit seinen Biergärten und Caféterrassen, wo wie überall nur löslicher Kaffee zubereitet wurde, hielt sie Ausschau nach Kunden.

Paulette setzte ein freundliches Gesicht auf und richtete ihre Blicke auf einen Mann, der offenbar mit seinen Freunden bereits mehrere Primus-Bier ge­trunken hatte. Der Kontaktversuch gelang, der Aus­tausch der Blicke wurde häufiger; offenbar hatte er verstanden. Ob er mitkam? Würde er sie ordent­lich bezahlen?

Als sich die anderen Primus-Trinker endlich erhoben, versuchte sie, auch den Rest ihrer übergroßen Sorgen abzustreifen. Jetzt kam es auf ihre Verführungs­künste an: Keinesfalls vulgär, aber einladend, witzig und aufge­schlossen wollte sie sich geben.

Paulette hatte in Mbanza-Ngungu ihr Abitur mit gutem Ergebnis abgelegt, in Kinshasa hatte sie Jura studieren wollen, doch es war anders gekommen. Kaum in der Hauptstadt eingetroffen, lernte sie ihren künftigen Mann kennen. Er hatte eine mittlere Position in einer Bank und kam wie sie aus Bas-Congo. Dass er um viele Jahre älter war als sie, störte weder sie noch ihre Eltern. Im Gegenteil, es war eine Ehre von ihm erwählt zu werden. Er war zwar ein erfahrener Mann, aber nicht verheiratet. Sie, Paulette, war die Erstfrau! Wie fast alle ihnen bekannten Ehepaare waren sie traditionell miteinander verbunden, doch anders als viele andere Männer wandte er sich in all den Jahren, die sie verheiratet waren, keiner anderen Frau zu. Er akzeptierte außerdem ihren Wunsch, bei einem ihm bekannten Textilien­händler in der Rue de Commerce als Aushilfe zu arbeiten. Sie sparten und konnten sich bald ein kleines Haus in Lemba leisten. Dort hatten sie eine glückliche Zeit.

Paulette seufzte, wischte mit einem inneren Ruck diese angenehmen Erinnerungen beiseite und konzen­trierte sich ganz auf den Mann, den sie im Auge hatte.

Sie kannte ein paar verschwiegene Orte in der Nähe, wo sie sich mit einem Mann auch tagsüber vereinigen könnte. Bei ihr zu Hause vermied sie es wegen der Kinder, bei ihm war sicherlich seine Familie. Der Mann steuerte direkt auf sie zu und fragte nach ihrem Preis. Zu ihrer Verwunderung akzeptierte er ohne Feilschen die von ihr genannte Summe. Ihre Er­wartung und stille Hoffnung, dass er sie zuerst noch zu einer Cola oder zu einem Bier einladen würde, erfüllte sich jedoch nicht. „Nun gut, dann ist es eben schnell vorbei. Vielleicht bleibt noch genügend Zeit für eine weitere Begegnung“, ging es ihr durch den Kopf.

„Komm mit zu mir, mein Zimmer befindet sich nur ein paar Straßen weiter. Dort stört uns niemand. Auf dem Weg dorthin muss ich allerdings noch kurz einen Freund treffen, mit dem ich etwas zu bereden habe. Halte also besser ein bisschen Abstand zu mir, er muss dich nicht unbedingt sehen“, erklärte ihr der Unbekannte.

Paulette trottete wie gewünscht in einiger Ent­fernung hinter dem Freier her. Der miserable Zustand der Straße beanspruchte ihre Aufmerk­samkeit, sie musste aufpassen, dass ihr kein Auto zu nahekam, und zugleich den Dreckhaufen und den Löchern in der Kanalisation ausweichen. Sie freute sich, ein paar Francs zu verdienen. Damit würde sie ein wenig Maniokmehl für die Kleinen kaufen. Vielleicht bekommt sie bei dem Mann zu Hause sogar etwas Essen …

Offenbar hatte ihr Freier seinen Freund entdeckt. Er winkte und änderte die Richtung seiner Schritte. Paulette gab acht, ihre Geldquelle nicht aus den Augen zu verlieren. In dem Menschengewühl der Hauptstraße konnte sie den Bekannten ihres Freiers nicht richtig erkennen, doch sie fühlte, wie wachsende Unruhe sie ergriff. Behutsam näherte sie sich den beiden, die seitwärts zu ihr standen. Eine Bretterbude verdeckte den Freund zur Hälfte, aber ihr kamen seine kräftige Statur und die Gestik seiner Arme bekannt vor. Als sie nur noch wenige Meter von ihm entfernt war, schaute er plötzlich in Paulettes Richtung. Sie erkannte ihn, ihr Puls schnellte in die Höhe, zugleich fühlten sich ihre Glieder schwer wie Blei an. Ihn anstarrend empfand sie sich unfähig zu irgendeiner Bewegung.

Ihr Freier bemerkte, dass sein Freund offenbar diese Hure kannte, aber ihm erstarb die Frage auf den Lippen, als er sah, wie der freundliche Gesichtsaus­druck seines Freundes in eine höhnisch-arrogante Gri­masse wechselte.

„He, Paulette, komm doch her zu uns“, rief ihr der Bekannte ihres Freiers zu.

Unbewusst, wie ein Automat, ging sie langsam zu den beiden Männern.

„Mach ruhig heute Abend für ihn die Beine breit. Wenn du willst, kannst du ja morgen oder übermorgen, wenn du dich erholt hast, zu mir kommen. Du weißt ja, wo ich wohne!“, sagte dieser Typ ihr grinsend ins Gesicht. „Übrigens“ ergänzte er an seinen Freund gewandt, „hat sie trotz ihrer Kinder einen ordentlich festen Busen.“

Paulette war grundsätzlich eine selbstsichere und beherrschte Frau, der man nicht ohne Weiteres ein Baguette wegnahm. Ihre Freunde kannten ihre Schlagfertigkeit und ihren Wortwitz, der gleichzeitig niemals respektlos war. Aber das Zusammentreffen mit diesem Mann, seine Worte, noch mehr die Gestik, brachten die in ihr verborgene und angestaute Wut zum Ausbruch. Alles kam zusammen: der Verlust ihres sozialen Status, ihre miserable Lage, stets hungrige Kinder, fehlendes Geld für Schule und Miete – und jetzt die höhnischen Auslassungen ausgerechnet von diesem Mistkerl.

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