Den „ou“-Laut im Wort Bou darf man sich übrigens sehr ähnlich dem englischen „ow“ in „I know“ vorstellen. Für viele Laute gibt es gar keine tauglichen Buchstaben. Als Beispiel mögen die berühmten „3 im Weckla“ dienen. Ein echter Franke würde es wohl am ehesten als „3 im Weggler oder Weggläh“ aussprechen. Daher gibt es auch in diesem Buch keine einheitliche Schreibweise für manche Begriffe. Vieles hängt eben auch von dem jeweiligen Sprecher ab.
Mehr zur Aussprache muss man eigentlich nicht wissen, denn die Rödnbacher gehören allesamt zu der überwiegenden Gruppe der Franken, die beim Balanceakt zwischen dem urwüchsigen Dialekt und dem Hochdeutschen einen Mittelweg bevorzugen. Sie sprechen also mehr oder weniger ein fernsehtaugliches Fränkisch, vergleichbar mit dem Ohnsorg-Platt, dem Millowitsch-Köllsch und dem Komödienstadl-Bayrisch. Es bleibt ihnen schon gar nichts anderes übrig, wenn sie von Außenstehenden verstanden werden wollen.
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Peter Kleinlein |
Rödnbacher, Hobbydetektiv |
Marga Kleinlein |
seine Ehefrau |
Simon Bräunlein |
Metzgermeister aus Rödnbach, Hersteller der 1A preisgekrönten Bratwurst |
Gisela Bräunlein |
Seine Ehefrau, das Gehirn des Familienbetriebes |
Patrick Bräunlein |
Sohn der beiden, mittlerweile Geselle |
Lothar Schwarm |
Friseurmeister aus Rödnbach, sehr sensibel, äußerst gepflegte Erscheinung |
Maria Cäcilie Leimer |
Kosmetikerin aus der Oberpfalz und Lebensgefährtin von Lothar Schwarm |
Hinz Laumer |
Historische Leiche |
Eberhard Beringer |
Schankwirt mit Hang zur Brutalität |
Barbara Reinwald |
Gemeindereferentin |
Willibald Stiegler |
Dorfpfarrer, den die vielen Todesfälle am Ende deprimieren |
Helmut Holzapfel |
Bürgermeister |
Erika Siebenkäs |
Teilzeit-Gemeindesekretärin |
Erwin Schindler |
Kriminalhauptkommissar |
Heinz Havranek |
Kriminalobermeister |
Adele Heller |
Krankenpflegerin, Engel der Kranken und Gebrechlichen von Röthenbach |
Eleonore Lippl |
Eine betagte Dame, deren Ende vorauszusehen ist |
Ronald Lippl |
Enkel und Erbe von Eleonore |
Rudi, Bernd und, Lore Ziegler |
Brandgeschädigte |
Susanne Ziegler |
Tochter von Bernd und Lore Ziegler |
Udo Weinmann |
Feuerwehrmann, Angriffstrupp, gest. in Dienst an der Dorfgemeinschaft |
Harald Seyler |
Feuerwehrmann, Melder |
Dieter Groß |
Feuerwehrmann, Maschinist |
Berthold Schedl |
Feuerwehrgruppenführer |
Christian Meier |
Noch ein Feuerwehrmann |
Rachid Karaman Gerhard Loos |
Müllwerker und Entdecker |
Reinhold Schweigger |
Schwager des Bürgermeisters und Verfasser mehrerer Theaterstücke |
Philipp Wagner |
Gemeinderat, Freund wohlklingender mit Fremdwörter |
Hildegard Sommer |
Schulfreundin von Peter, elende Petze |
Alois Betz |
Zeuge, der Mann mit dem Zucker |
3 junge Männer und eine Frau im besten Alter |
Ehemalige Kollegen von Udo Weinmann |
Die Hundsweiber kennt in Röthenbach jeder. Meist treten sie als geschlossene Gruppe auf, selten sieht man eine allein. Alleine können sie auch gar nicht vorkommen, wie die etwas abfällige Bezeichnung der Röthenbacher Bürger für diese Damen bereits verrät, denn wo sie gehen und stehen haben sie immer ihren vierbeinigen Liebling dabei, wobei die Bandbreite vom tragbaren Chihuahua bis zum zentnerschweren Dobermann reicht, vom sündheidenteuren Rassehund bis hin zur ordinären Promenadenmischung. Die Namensvariationen der Vierbeiner spannen einen gewaltigen Bogen vom edlen Baldo vom Lüdenhain bis hin zum einfachen Schatzi, dem kleinen Liebling von Margarethe Beck, der allseits bekannten Beggn Gredl. Einen Stammbaum aber haben sie alle, wenngleich nur Baldo von Adel ist, die Stammbäume der anderen finden sich samt und sonders auf den Grünflächen der kleinen Gemeinde.
Sie treffen sich mehrmals täglich aus geschäftlichen Gründen, also wenn es Zeit für ihre Lieblinge ist, ihre angestammten Schattenspender und Grünstreifen neben dem Weg aufzusuchen. Notfalls auch spät am Abend. Heute ist es schon nach 23 Uhr, als die Beggn Gredl und drei ihrer Mitstreiterinnen durch die dunklen Gassen von Röthenbach ziehen und den neuesten Tratsch von vorne bis hinten und zurück durchkauen. Es ist schon etwas später geworden, denn bis vor kurzem lief noch der Rosamunde-Pilcher-Film im Zweiten, dem Programm, mit dem man angeblich besser sieht. Bevor die beiden hinreißend schönen Protagonisten sich im golden schimmernden Licht der untergehenden Sonne Cornwalls endlich das bis unmittelbar vor dem Ende von üblen Intrigen und jähen Schicksalsschlägen gegefährdete Ja-Wort geben hatten, war an einen Aufbruch nicht zu denken. Diesem Umstand war es auch geschuldet, dass so mancher Liebling seinen Stammbaum nicht unfallfrei erreichte. Routiniert wurden Schäufelchen und Tüten ausgepackt, die Unfallfolgen beseitigt, ohne dass die angeregte Unterhaltung auch nur die geringste Unterbrechung erfahren hätte.
„Ich hobbs ja glei gwussd, dass der Graf von Blissering-Dingsdou nedd ganz koscher iss. Dess hodd mer demm sein verschlagner Bligg ja glei angseeng, dass der dem jungen Mann blouß durch Beschiss sei Erbe vorendhaldn hodd. Mensch, war der dess villeichd ein gemeiner Schuffd. Abber drum schau ich die Bilcherfilme ja su gern, wall am End immer der Richdiche gwinnd. Na und sie erschd, wassd scho, die Barroness, wäi a Rauschgoldengl hodd dee ausgschaud mid ihre langer roudblondn Haar, wergli wahr. Denne zwaa hodd mers ja einfach gönner müssn, dass doch nu zsammkommer. Iss scho immer schee.“
„Ach, ich däd hald immer nu gern seeng, wies dann heiradn und die Feier und alles. So a Fürsdnhochzeid, mid anner weißn Kudschn und Pfer…“, steuerte eine weitere Dame bei.
„Gschmarri!“, unterbrach sie die Beggn Gredl resolut, „vielleichd a glei nu vier, fünf goldblonde Kinderlä im Madroosnanzuuch und Sommergleidlä mid frisch büglde Schleifler in die Haar. Irgndwann muss hald amaal Schluss sei. Den Resd kommer sich doch denkn!“
Sie waren noch mitten ins Gespräch vertieft, als ein Mann um die vierzig, etwas unsicher auf den Beinen schwankend, auf sie zu kam. Der Kerl sah ziemlich wild aus, doch so etwas wie Angst kannten die Frauen nicht. Notfalls hätten sie von ihrem Pfefferspray Gebrauch gemacht, das sie bereits vorsichtshalber in der Jackentasche mit sicherer Hand umschlossen hielten. Alles unter Kontrolle. Nur einer der Hunde war offenbar nicht informiert. Entweder hegte Gredls Schatzi generell eine Abneigung gegen große Männer oder er hatte aufgrund seiner angeborenen Instinkte eine potentielle Gefahr gewittert, die von der leicht schwankenden Gestalt ausging. Der kleine Hund fühlte sich jedenfalls ernsthaft bedroht und knurrte den Entgegenkommenden sogleich wütend an. Der erschrak und wollte zurückweichen, kam dabei aber beinahe aus dem Gleichgewicht.
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