>> Deine Eltern haben nicht viel von Erziehung gehalten, oder? Bei uns bittet man um etwas, wenn man was haben will. <<
>> Bei solch sturen Frauen wie dir, darf man nicht bitten. Sonst wird man in gefährliche Regionen getreten, die heilig sind. Mir zumindest. <<
>> Vielleicht wäre ich ja netter zu dir, wenn du auch netter zu mir wärst. <<
>> Ich kann sogar sehr nett sein. <<
Ich glaube, bei seinen letzten Worten, die er mir so verführerisch ins Ohr geraunt hat, hat mein Herzschlag für einige Sekunden ausgesetzt. Mein ganzer Körper erzittert, als er mich behutsam zu sich herumdreht.
>> Die gute Nachricht ist, dass sie nicht gebrochen ist. Die Schlechte ist, dass du sie dir geprellt hast und noch länger etwas vom Schmerz haben wirst. <<
Nicht fähig ein Wort zusagen, nicke ich stumm und wie vorhin schon, wandern meine Augen über sein schönes Gesicht, bis sie an seinem Mund hängen bleiben.
>> Ich weiß allerdings etwas, dass dich ziemlich gut von den Schmerzen ablenken kann. <<
Mein Herzschlag befindet sich jetzt definitiv im gesundheitsgefährdenden Bereich.
Wenn ich nicht bald von ihm loskomme, werde ich vollkommen willenlos sein und dabei bin ich bereits Wachs in seinen Händen.
Wieder sieht er mich mit diesem überheblichen Gesichtsausdruck an und genau das ist es, was ich gebraucht habe. Er zieht mich noch etwas an sich heran, bis mein überhitzter Körper an seinen gepresst ist und ich meinen Kopf noch ein Stück weiter in den Nacken legen muss.
Er umfasst mein Gesicht mit beiden Händen und streichelt mir behutsam über die Stirn, während ich meinen Mund leicht öffne und mir mit der Zunge über die Lippen fahre.
Mit dem Wissen, dass ich gleich unglaubliche Schmerzen verspüren werde, reise ich meinen Kopf zurück und knalle mit Wucht meine Stirn gegen sein Kinn.
Verdammt tut das weh.
Schlagartig wird mir speiübel und ich kann mich nur mit Mühe über Wasser halten. Das war vielleicht doch nicht gerade eine meiner brillantesten Ideen.
Endlich spüre ich den Grund unter meinen Füßen, und ich schleppe mich weiter zum Ufer. Mir ist schwindelig und ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten.
Hinter mir gibt Akira einen fürchterlichen Fluch von sich. An ihn habe ich gar nicht mehr gedacht, dabei war er ja der Grund für diese Misere. Meine Beine klappen unter mir weg und ich schlucke Wasser. Obwohl ich mich bereits in Ufernähe befinde, schaffe ich es nicht, mich weiter nach vorn zu bewegen.
Er kommt noch immer fluchend neben mich und reißt mich an die Oberfläche.
>> Bist du wahnsinnig? Was sollte das? << schreit er wutentbrannt.
Das Wasser hat sein Übriges zu meinem Zustand getan und so erbreche ich, meinen gesamten Mageninhalt, bis ich nur noch trocken würgen kann.
Er hält meine Haare zurück, zieht mich während der Prozedur auf die Füße und schrittweiße mit sich, sodass ich plötzlich auf trockenem Untergrund stehe.
Nachdem er sicher ist, dass sich nichts mehr in mir befindet, dreht er mich zu sich herum, um meine Stirn zu untersuchen. Alles dreht sich und statt einem, stehen zwei Jungen vor mir, die mich mit ihren stahlgrauen Augen versuchen zu erdolchen.
>> Ich hoffe, es tut so richtig weh. <<
Oh ja, das tut es, aber das werde ich ihm garantiert nicht sagen. Ich fühle mich, als wäre ich mit einem Amboss kollidiert, statt mit seinem Schädel. In Filmen sieht das immer so leicht aus. Keiner fühlt sich danach so miserabel, wie ich mich gerade.
>> Stehst du auf Schmerzen? Du hast dir mehr Schaden zugefügt als mir, das ist dir hoffentlich klar. Warum versuchst du mich ständig zu verletzen? <<
>> Mache ich ja gar nicht. Zumindest war das nicht der Plan. <<
>> Es gab einen Plan? Sicher? << fragt er sarkastisch.
>> Mein Fluchtinstinkt hat eingesetzt und das war für mich die logischste Möglichkeit, um Abstand zu gewinnen. <<
Er schüttelt resigniert den Kopf.
Während er mich festhält, glimmt irgendwo in meinem Kopf der Gedanke auf, dass ich lediglich in Unterwäsche vor ihm stehe und die Distanz zwischen uns nicht besonders groß ist. Sein Körper strahlt eine unnatürliche Hitze aus und meine Augen gleiten über seine nackte Haut. Ob sie sich genauso weich anfühlt, wie sie aussieht?
Meine Hand bewegt sich ohne mein Zutun und liegt Sekunden später auf seiner Brust.
Was mache ich nur? Bin ich wahnsinnig?
Gerade noch habe ich ihm eine Kopfnuss verpasst, um wegzukommen und jetzt betatsche ich ihn schamlos? Sein Körper hat sich mit meiner Berührung für einen Sekundenbruchteil versteift, doch ich habe das Gefühl, das es eher damit zu tun hat, dass er nicht damit gerechnet hat.
Vorsichtig legt er seine Hand auf meine und hebt mit der anderen mein Kinn ein wenig an.
>> Was tust du da? <<
Gute Frage. Ja, was mache ich hier eigentlich?
>> Ich, ich weiß es nicht. Tut mir leid, ich…<<
Schnell ziehe ich meine Hand zurück und befreie mich aus seinem Griff, nur um direkt einen Schritt nach hinten zu stolpern.
>> Vorsicht. Ich glaube nicht, dass du dich viel bewegen solltest. <<
Ohne auf eine Antwort von mir zu warten, hebt er mich auf seine Arme, wodurch sich das Schwindelgefühl verdoppelt und ich mich um seinen Hals klammere.
>> Du hast eine Gehirnerschütterung, auch wenn es dir schwerfällt, versuche wach zu bleiben. Ich setze dich dort in der Sonne ab, damit du trocken wirst und suche uns dann etwas Brennholz. <<
Er spricht, als würde er das nicht zum ersten Mal erleben. Ob er schon mit vielen Mädchen zusammen war, die sich eine Gehirnerschütterung zugezogen haben?
Oje, was geht nur in meinem Kopf vor? Es kann mir doch vollkommen egal sein. Ich will doch gar nichts von ihm.
Wahrscheinlich stimmt seine Diagnose und die Schläge, die mein Kopf in letzter Zeit abbekommen hat, sind einfach zu viel gewesen.
>> Hinter der Höhle ist eine kleine Anhöhe, dort sollte bereits Holz gestapelt sein. Aber kannst du denn überhaupt Feuer machen? Ich meine, das ist gar nicht so einfach. <<
>> Ich habe ein Feuerzeug in meiner Hosentasche, damit werden wir es schon schaffen. Ich lasse dich jetzt runter, halte dich gut fest. <<
Er lächelt mich an, als wäre ich ein dummes kleines Kind. Natürlich hat er ein Feuerzeug, was habe ich erwartet?
Am liebsten würde ich meinen Kopf gegen den nächsten Baum schlagen, so peinlich ist mir das. Aber mal abgesehen davon, dass ich es ohne seine Hilfe wahrscheinlich gar nicht bis dorthin schaffen würde, brummt mein Schädel bereits genug und ich brauche nicht noch eine Steigerung. Er betrachtet mich aufmerksam und streicht meinen Arm entlang, als er meine Hände von seinem Hals löst.
>> Ich bin gleich wieder da. <<
Mit diesen Worten richtet er sich auf und verschwindet in Richtung Höhle. Ihm muss bewusst sein, dass ich so einen perfekten Blick auf seine Rückseite habe und was soll ich sagen? Sie steht der Vorderseite in nichts nach.
Hoffentlich hinterlässt dieser Tag, keine bleibenden Schäden.
Um mich abzulenken, schaue ich demonstrativ in die andere Richtung und mir fallen die beiden Haufen mit Kleidung auf, die rund 30 Meter von mir entfernt liegen.
Wie aufs Stichwort streift mich eine kühle Brise und meine Augen wandern zum Himmel hoch. Das sieht nicht gut aus. Wir sollten uns beeilen, wenn wir ein Feuer machen wollen.
Noch ist die schwarze Wolkenfront ein gutes Stück weit weg, aber wenn ich den Wind richtig gedeutet habe, ist das Unwetter schneller bei uns als uns lieb ist und das Feuerzeug steckt dort hinten in seiner Hose.
Auch wenn sich alles in mir dagegen wehrt, versuche ich mich vorsichtig hinzustellen und stakse auf wackeligen Beinen in Richtung Kleidung.
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