>> Leonore und Akira wurden im Vierzehnten Jahrhundert vor diese Aufgabe gestellt. Das bedeutet, es muss damals so einen Ort gegeben haben, aber nicht, dass er noch immer existiert. <<
>> Aber in der Prophezeiung steht geschrieben, dass die nachfolgenden Generationen, das Rätsel ebenso lösen können.
Diesen Ort muss es heute auch noch geben. << wirft ein Junge, dessen Name mir entfallen ist laut ein und ich realisiere, dass nun wieder alle Aufmerksamkeit auf mir liegt.
>> Aber welcher Garten hat seit damals bis heute bestand? << überlegt Lennox mehr für sich, als dass er sich an die Gruppe wendet. Wie bei mir auch, lauscht jeder seinen Worten, als er nun weiterspricht.
>> Wir reden hier schließlich nicht von Versailles. Zur damaligen Zeit hat niemand Wert auf Gärten gelegt. Es ging um Eroberungen, nicht um hübsche Rasenflächen. <<
Die einzige Person, die sich bisher nur darauf beschränkt hat, mich penetrant anzustarren, statt sich zu beteiligen, steht nun auf und wandert im Garten um her.
>> Und wenn es gar nicht um einen Garten geht?<< fragt er nun so laut, dass ich zusammenschrecke. Sein Mundwinkel hebt sich in die Höhe als er das sieht.
Dämlicher Idiot.
>> Überlegt mal. Was hat seit dem vierzehnten Jahrhundert bestand in der menschlichen Geschichte? Auch vorher schon. Was hat man denn mit den gefallenen Kriegern getan? <<
>> Verbrannt. << stellt Lennox irritiert fest.
>> Nein nicht immer. Die Leute sind dazu übergegangen, die Gefallenen zu begraben. Das gab es bereits im frühen Christentum und als die Römer dann nach Großbritannien kamen, hat man diese Art der Bestattung mitgebracht. <<
>> Natürlich! << rufe ich aus und unsere Blicke treffen sich. Zuerst denke ich, dass wir uns wieder ineinander verhaken werden, doch er unterbricht den Moment sofort wieder und ich runzle verwirrt die Stirn.
Kann er das steuern? Kann er mich, wenn er will mental gefangen nehmen? Als ich mit ihm allein hier draußen war, konnte ich nicht mehr klar denken.
Was, wenn er das absichtlich gemacht hat?
>> Etwas das aussieht wie ein Garten, in dem es viele Steine gibt und der Jahrhunderte überdauert. Ein Friedhof. << Akira grinst siegessicher in die Runde und plustert sich auf, als wäre ihm das alles allein eingefallen.
So ein Mistkerl, ich kann ihn von Sekunde zu Sekunde weniger leiden.
>> Genau und in den Grabsteinen sind Inschriften, also sprechende Steine. Das ist genial! Ich wette, wenn wir den richtigen Friedhof finden, kommen wir der ganzen Sache einen Schritt näher. Wir müssen lediglich herausfinden, wo zur damaligen Zeit ein Friedhof existiert hat, der berechnet, am möglichen Umkreis für beide, in Frage kam. Ian meinst du, du könntest mit Rutherford herausbekommen, welche Friedhöfe damals existierten und welche es jetzt noch gibt? <<
Er spricht mit den Jungs nicht als wären es keine Freunde, sondern seine Untergebenen.
Wieso machen die das mit?
>> Klar, das dürfte nur etwas Zeit in Anspruch nehmen. Wir können sofort mit der Suche loslegen. <<
Ob ihm schon einmal jemand ein Widerwort gegeben hat? In der SM Szene wäre Akira mit seiner Art, bestimmt gut aufgehoben.
Unvermittelt tauchen Bilder in meinem Kopf auf, die ihn mit einer Peitsche in der Hand zeigen. Oma Gerda, Oma Gerda, Oma Gerda.
Wunderbar, die effektivste Lösung mein Kopf Kino abzuschalten, ist meine streng konservative Oma, die prompt mit erhobenem Zeigefinger vor meinem geistigen Auge auftaucht und alles andere verdrängt.
>> Macht das und ihr beginnt bitte mit der Organisation der Reise. Kümmert euch um die Schule und Eltern der beiden. Die Flüge müssen gebucht werden und…<< in dem Moment, in dem er seine Anweisungen herunterrattert, schalte ich ab.
Im Gegensatz zu meiner Freundin, die sich nun einklinkt.
>> Warte mal bitte. Wer soll sich um unsere Eltern kümmern und warum? Du denkst doch nicht etwa, dass wir mit euch nach Schottland fliegen, oder? <<
>> Nachdem treffen hier, bin ich davon ausgegangen, dass ihr euch dazu entschieden habt uns zu begleiten. Ihr müsst euch keine Gedanken machen, wir kümmern uns um alles. Weder eure Eltern, noch die Schule wird mitbekommen was vor sich geht. Ihr bestätigt einfach alles, was ihr gefragt werdet und in 3 Tagen sind wir weg. <<
>> Was? Sophie willst du nichts dazu sagen? Das geht nicht so einfach. << begehrt Tami auf und auch mir ist nicht besonders Wohl bei der Sache.
>> Wir können nicht mitten im Jahr verschwinden und wir werden auch nicht alles einfach so absegnen. Du kannst nicht so über unser Leben bestimmen. Nur weil wir mit euch Pizza gegessen haben, heißt das noch lange nicht, dass ihr machen könnt, was ihr wollt. Du schon gar nicht. << fahre ich ihn an und sehe dabei, wie meine Freundin von Maxwell zur Seite gezogen wird.
>> Stell dich nicht so an. Du solltest dankbar dafür sein, von hier verschwinden zu können. Morgen gehst du zu deinen Eltern und bestätigst einfach alles, wenn sie dich etwas fragen. Wir machen so etwas nicht zum ersten Mal.<<
>> Dankbar sein? Sag mal geht’s noch? Was bildest du dir ein, wer du bist? <<
>> Sei nicht so kleingeistig und denke an das große Ganze…<<
>> Hast du mich gerade wirklich kleingeistig genannt? Du bist so ein arrogantes Arschloch. Ich werde nirgendwo hingehen, verstanden? Du meinst, du wärst hier der große Macker, aber du bist nichts anderes als ein Wichtigtuer, der sich nicht anders zu profilieren weiß, als seine Kumpels herumzuschubsen und zu schikanieren.<<
Sein Blick ist mit jedem Wort, dass ich ihm entgegen geschleudert habe, härter geworden und ich kann die Kälte, die seine Augen ausstrahlen, geradezu spüren. Er umfasst mit einem gnadenlosen Griff, meinen Arm und zerrt mich mit sich, bis wir allein im Hausflur stehen, ohne darauf zu achten, ob ich mit ihm mithalten kann.
Er lehnt sich mit beiden Armen rechts und links neben meinem Kopf an die Wand und sieht mir tief in die Augen. Wie paralysiert, kann ich mich nicht von ihm abwenden und mein Herz schlägt so laut, als würde es jede Sekunde aus meinem Körper springen wollen.
>> So wie gerade eben, sprichst du nicht noch einmal mit mir. Du wirst dich deines Alters entsprechend benehmen und nicht wie eine freche, verzogene Göre, die eine Tracht Prügel verdient hat, klar. Es kommt mir so vor, als hättest du noch immer nicht verstanden, worum es hier geht. Das ist kein Spiel, indem du kommen und gehen kannst, wie du willst. Du kannst jeder Zeit verschwinden, aber wenn du dich gegen uns entscheidest, gibt es kein Zurück. Hast du das verstanden? <<
>> Lass mich in Ruhe. << presse ich hervor, kann meine Augen aber immer noch nicht dazu überreden, ihn nicht mehr anzusehen.
>> Ich denke nicht, dass es das ist, was du willst. << sagt er mit plötzlich rauer Stimme und streicht mir eine Strähne hinters Ohr, die sich aus meinem Zopf gelöst hat. Seine Berührung hinterlässt ein Prickeln auf meiner Haut, welches ich noch nie gespürt habe. Er scheint mir noch etwas näher gekommen zu sein und ich stoße die Luft aus, die ich, ohne es bemerkt zu haben, angehalten habe.
>> Geh weg, bitte. Lass mich in Ruhe. << wiederhole ich mühevoll und spüre, wie ich allmählich panisch werde. Mein Körper sehnt sich nach seiner Nähe, aber mein Verstand erklärt mir permanent, wer hier vor mir steht. Sein Blick wandert von meinen Augen abwärts und ich nutze den Moment, um mich von ihm zu befreien. Unter Aufbietung all meiner Willenskraft, drücke ich ihn von mir und stürme zur Haustür hinaus.
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