Verständnislos hob die Füchsin ihre Hände an die Lippen. Ich schaffte es mich abzuwenden, um mich wieder meinen Gegnern zu widmen. Merkwürdig! Nie bisher hatte ich Schwierigkeiten mich in meinen Gegner zu versetzen, diese Frau jedoch, die uns bereits das zweite Mal über den Weg lief und das trotz der Menschenmassen, warf mich vollkommen aus der Bahn.
Der Anführer fauchte uns an: „Scheißkerle! Warumverpisstihreuchnichteinfach soschnellihrkönnt! IchwerdeEuchnichtmehrschützen!“ er wendete sich seinen Leuten zu, holte mit dem Arm aus: „Losjetztmachenwirsiefertig! Allesisterlaubt!“
Wütend stürmten sie gleichzeitig auf uns zu. Von ehrenhaftem Kampf konnte nicht mehr die Rede sein. Ich drängte weiterhin meine Schmerzen zurück und hieb drauflos.
Ich schrie unseren Clansruf in den Himmel. „Wir sind die MacDougals!“
Calum und Gavin folgten meinem Ruf. „Wir sind die MacDougals!“ wir stürmten den Angreifern entgegen, schwangen mit Wucht unsere Schwerter.
Ich hatte es geschafft meine Schmerzen zu verdrängen, meine Gedanken voll auf den Kampf zu sammeln. Mein Schwert sauste mit ungeheurer Kraft auf den Arm meines Gegners nieder. Das harte Holz des Schlagstockes traf mich wuchtig an der Schulter.
Wieder schlug ich mit dem Schwert zu, bemühte mich, meinen Gegner so empfindlich zu treffen, daß dieser seinen Stock mit der Kette loslassen mußte, doch der Kerl hatte mehr Mumm in den Knochen, als ich dachte. Ein weiteres Mal sauste die Kette mit dem Stock herab. Meiner schnellen Auffassungsgabe verdankte ich, daß mich das Holz lediglich am Hals traf und nicht wie beabsichtigt am Kopf. Doch es war knapp gewesen. In meiner Wut spürte ich den Schmerz nicht mehr. Ich hatte das Gefühl ein Gewitter tobte in mir und entlud sich kraftvoll. Ich schleuderte meinem Gegner die ganze Erbitterung entgegen, die ich gegen die ungastliche Behandlung, den kühlen Empfang und unsere Verbannung durch Gemmán empfand. Diese Kerle, nicht älter als Calum wahrscheinlich, hatten es nicht besser verdient. Und trotzdem, mein Inneres hinderte mich daran, ihm das Schwert tödlich in den Körper zu stoßen. Ich hatte doch nichts gegen sie, warum ließen sie uns nicht in Ruhe?
Plötzlich hörte ich einen lauten Knall! Sogleich spürte ich einen heftigen Schmerz und wurde ein Stück zurückgeworfen. Etwas hatte mich jäh an der Schulter getroffen, wie ein Hammerschlag. Ein dunkelroter Fleck sammelte sich auf meinem Hemdsärmel. Ich suchte einen Pfeil, konnte jedoch keinen entdecken. Woher kam der Schmerz? Ich sah in die Augen meines Gegners und bemerkte den siegessicheren Ausdruck auf seinem Gesicht, ehe er ein schwarzes, handgroßes Stück Irgendetwas in sein Wams schob und seinen Gefährten hinterherlief, die flüchteten wie Hasen.
Ich hielt die Hand auf die blutende Wunde. Mit einem Mal war mir speiübel. Ich sackte nach hinten auf den Brunnenrand. Eithne bewahrte mich vor dem Sturz, ehe Calum und Gavin mich stützten.
Calum fragte bestürzt: „Was war das für ein Knall?“
Ich schüttelte unsicher den Kopf. „Mein Oberarm brennt wie Feuer!“
Die Leute waren inzwischen näher gekommen, drängten sich um uns, neugierig und schaulustig.
Sonderbar, so bemerkten sie uns doch. Ich ließ meinen Blick schweifen, um mich abzulenken. Da! Die Farben der MacBochras in der Menge! Die Füchsin? Schon war nichts mehr zu sehen. Ich suchte den Kreis nach ihr ab.
Ein schrilles Geräusch im Hintergrund wurde lauter, als käme es geradewegs auf uns zu. Es war unangenehm, den Körper durchdringend und rieb meine Nerven auf.
Ich sah die Leute wütend an. Unerwartet sprang Calum auf, fuchtelte wild mit seinem Schwert in der Luft herum und schrie: „Verschwindet! Wir haben euch nicht gerufen!“ er tat einen Ausfallschritt in ihre Richtung. „Grrar! Verschwindet, hab ich gesagt!“
Die Leute zuckten zusammen, traten zurück. Sie hatten sicherlich nicht die Worte verstanden, die Gebärde dafür um so besser. Schließlich zerstreuten sich einige wieder, doch andere blieben in sicherer Entfernung stehen.
Ich sah auf, unmittelbar in die hellbraunen Augen der Füchsin, die sich anscheinend durch Calum nicht hatte einschüchtern lassen. Sie tat ein paar Schritte auf mich zu. Gavin bemühte sich an die Wunde heranzukommen. Das laute Geräusch im Hintergrund zerrte weiter unnachgiebig an meinen Nerven. Konnte es nicht endlich schweigen!
Die Füchsin kam näher. Ich war verwirrt. Eben hatte ich die Farben der MacBochras auf der gegenüberliegenden Seite gesehen, wie konnte sie jetzt hier sein?
Calum sah sie wütend an: „Ich habe gesagt ihr sollt alle verschwinden, das gilt auch für dich!“ sagte er böse.
Ich schob die Hand von Gavin beiseite, da dieser sinnlos an meinem Hemd herumfingerte, ohne wirklich etwas zu erreichen. Sie sollte nicht verschwinden. Nicht die Füchsin!
Flanna wollte so gern mit ihm reden, doch sie traute sich nicht. Eine ungewisse Angst hinderte sie. Was wußte sie denn über diese Leute? Nichts, außer daß einer mit einer Streifschußverletzung am Brunnenrand saß und sie mit großen verwunderten Augen ansah. Und, daß sie ihn bereits einmal gesehen hatte und er ebenso verloren gewirkt hatte wie jetzt. Damals hatte sie sich geschworen ihn anzusprechen! Weshalb tat sie es nun nicht?
Ein grünweißer Wagen mit einem flackernden grell-blauen Licht auf dem Dach, fuhr ohne Umweg auf uns zu. Ich begriff, daß der unangenehme Ton und das Licht zusammengehörten. Ich richtete mich auf. Ein Gedanke schoss mir durch den Kopf; wie wir alle vier von diesem Wagen und seinen Insassen eingefangen wurden und darauf hin zu Zwergen geschrumpft in einer dieser schwarzen kleinen Truhen gefangen gehalten wurden. Vermutlich fingen sie Fremde hier stets so ein, damit der Nachschub an Zwergen gedeckt war? Ich sah die anderen an und mir wurde klar, daß ihnen die gleichen Gedanken gekommen waren. Sie halfen mir auf.
„Wir müssen weiter.“ Ein letztes Mal sah ich die Füchsin an.
Überraschend lächelte sie und dieses Lächeln wärmte mich. Es war so herzlich, daß mir für wenige Augenblicke heiß wurde und weder die Kälte, noch der Schnee, der stetig fiel, oder meine Schmerzen mir etwas anhaben konnten. Es war widersinnig, doch ich fühlte mich durch dieses Lächeln für all die Härte der letzten Stunden entschädigt.
„Komm!“ drängte Gavin.
Mit einem eiskalten Schauer wurde ich mir plötzlich wieder der Gefahr bewußt, die uns bedrohte und ich sah ängstlich die grünweißen Wagen an, die lärmend nahten. Unerwartet erstarb das Geräusch. Während die Dinger unweit des Platzes hielten und ihnen grün gekleidete Männer entstiegen, klingelte das schrille Geräusch in meinen Ohren nach. Sie wirkten alles andere als freundlich oder einladend. Ich war sicher, daß nur die Flucht uns vor schrecklicherem bewahren konnte. Wohin sollten wir fliehen? Alles in mir drängte fortzulaufen. Ich spürte wie sich meine Nackenhaare Gefahr witternd aufstellten. Ich sah die Füchsin ein letztes Mal an, während sie irgendwie verloren am Rande der Menschengruppe stand und meinem Blick begegnete, als habe sie darauf gewartet, daß ich sie noch einmal ansehe. Trotzdem floh ich so schnell es mir möglich war in die entgegengesetzte Richtung.
Es war einfacher als ich dachte, denn die Menschen ließen uns ängstlich, bereitwillig durch die Reihen schlüpfen. Wir liefen in die dunkelste Gasse, die wir fanden; den wenigen Schatten nutzend, den diese bot. Hatte ich mich getäuscht? Hatte ich nicht. Ich war sicher die Farben der MacBochras in der Menge gesehen zu haben, nur kurz. Und es war nicht die Füchsin gewesen. Das Gefühl, daß uns jemand folgte, verließ mich nicht mehr.
Ratlos sah Cameron MacDougal auf den Altarstein nieder. Auf dem Boden entdeckte er einen Stoffetzen. Er hob ihn auf. Ein Stück eines großen Tuches. Dougaltuch! Seine Söhne waren hier gewesen und es war schief gelaufen. Hatten sie ihren Auftrag erfüllt? Was war geschehen? Angst schnürte ihm die Kehle zu. Wenn sie ihren Auftrag ausgeführt hätten, wären sie geradewegs nach Hause gekommen. Was hatte sie aufgehalten? Oder sollte er lieber fragen wer? Es sah seinen Söhnen nicht ähnlich eine Vereinbarung nicht einzuhalten. Er bat Aed zu sich.
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