Lu-Marie Sol-Beck
Welche Farbe hat Grün?
Vier Stunden Glück
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel Lu-Marie Sol-Beck Welche Farbe hat Grün? Vier Stunden Glück Dieses ebook wurde erstellt bei
Vorwort Vorwort Der 27. August ist ein gewöhnlicher Samstag für das Menschengeschlecht, doch ein besonderer für L.-M., denn in ihren Augen ist jeder neue Tag ein außergewöhnlicher, vielversprechender, glückverheißender, auch wenn am Ende des Tages alles unverändert erscheint. Vielleicht ist es das auch, oberflächlich betrachtet. Währenddessen wird aber über jedes einzelne Wesen das Füllhorn des prallen Lebens ausgeschüttet. Manche Menschen saugen jede Sekunde gierig auf, andere merken nicht, dass sie leben. So wird es überall sein, wo ein freies Wesen anderen angehört. Nicht, dass die Frau daran etwas ändern möchte. Im Großen Ganzen dürfen sich spezifische Lebensäußerungen eines einzelnen Menschen ruhig in der Gewöhnlichkeit und Allgemeinheit verlieren. Hervorgeholte Besonderheiten legen ohnedies nur eine Fährte zu Ähnlichkeiten, deren Entdeckung uns seltsam befriedigt – wenn sie denn überhaupt entdeckt werden. Nichts Besonderes ist es, wenn die Dorfbewohnerin aus einem regionalen Gemeinschaftsgefühl heraus ohne zu zögern d'accord geht mit jenen Auenland-Menschen, welche behaupten, dass es hier niemanden interessiert, wenn in China ein Fahrrad umfällt. Der Besitzer des Fahrrads wird seinerseits kaum an L.-M.'s Citybike interessiert sein, vermutet sie. Manchmal fragt sie sich aber schon, wie jene Frau ihren ganz persönlichen Tag verbringt, die täglich um dieselbe Zeit am Tian'anmen-Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking vorbei eilt, wie sie fühlt, was ihre Augen sehen und wovon sie sich abwenden, wie sich ihre ganz persönliche kleine Welt wohl anfühlt und auf welches Fundament sie ihr Lebensglück baut. Sollte etwa auch jene neugierig sein auf ein kleines Stückchen Leben einer Frau im Herzen Europas, an einer, die meistens an den Koordinaten 48.17.N, 16.2.O (im Dorf Judenau-Baumgarten) oder 48.2, 16.37 (in Wien) oder aber 48.1.N, 13.39.O (in Vöcklabruck) zu finden ist, deren Lebensbereich sich aber viel weiter erstreckt, wenn sie Freunde und Freundinnen, Verwandte und verwandte Seelen aller Art umfasst – all jene nämlich, die zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten sie begleiteten, berührten oder rührten, sie zu dem Menschen werden ließen, der sie heute ist? Gibt es vielleicht zwei, drei weitere Neugierige auf dem Globus? Vielleicht leben Sie an genau jenen Punkten, auf die L.-M. mit dem Finger tippt, sobald sie die drehende Bewegung des Plastik-Globus auf ihrem Schreibtisch stoppt und sich fragt, wie das Leben dort wohl sein mag? Wenn ja, wenn Interessierte erfahren möchten, wie eine einfache Frau in den Zeiten der globalen Finanz- und Ökologie-Krisen, welche die Menschenfamilie negativ verbinden – „tickt“, dann mögen sie diese positiven Zeilen lesen und die Lebensfreude der Autorin teilen.
Nordic Walken im Tullnerfeld
Nach Süden und nach Osten
Gen' West' und gen' Nord'
Farben des Himmels
Von Brücke zu Brücke
Heimwärts
Der Schatz
Anhang
Impressum neobooks
Der 27. August ist ein gewöhnlicher Samstag für das Menschengeschlecht, doch ein besonderer für L.-M., denn in ihren Augen ist jeder neue Tag ein außergewöhnlicher, vielversprechender, glückverheißender, auch wenn am Ende des Tages alles unverändert erscheint. Vielleicht ist es das auch, oberflächlich betrachtet. Währenddessen wird aber über jedes einzelne Wesen das Füllhorn des prallen Lebens ausgeschüttet. Manche Menschen saugen jede Sekunde gierig auf, andere merken nicht, dass sie leben. So wird es überall sein, wo ein freies Wesen anderen angehört. Nicht, dass die Frau daran etwas ändern möchte. Im Großen Ganzen dürfen sich spezifische Lebensäußerungen eines einzelnen Menschen ruhig in der Gewöhnlichkeit und Allgemeinheit verlieren. Hervorgeholte Besonderheiten legen ohnedies nur eine Fährte zu Ähnlichkeiten, deren Entdeckung uns seltsam befriedigt – wenn sie denn überhaupt entdeckt werden.
Nichts Besonderes ist es, wenn die Dorfbewohnerin aus einem regionalen Gemeinschaftsgefühl heraus ohne zu zögern d'accord geht mit jenen Auenland-Menschen, welche behaupten, dass es hier niemanden interessiert, wenn in China ein Fahrrad umfällt. Der Besitzer des Fahrrads wird seinerseits kaum an L.-M.'s Citybike interessiert sein, vermutet sie. Manchmal fragt sie sich aber schon, wie jene Frau ihren ganz persönlichen Tag verbringt, die täglich um dieselbe Zeit am Tian'anmen-Platz, dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking vorbei eilt, wie sie fühlt, was ihre Augen sehen und wovon sie sich abwenden, wie sich ihre ganz persönliche kleine Welt wohl anfühlt und auf welches Fundament sie ihr Lebensglück baut.
Sollte etwa auch jene neugierig sein auf ein kleines Stückchen Leben einer Frau im Herzen Europas, an einer, die meistens an den Koordinaten 48.17.N, 16.2.O (im Dorf Judenau-Baumgarten) oder 48.2, 16.37 (in Wien) oder aber 48.1.N, 13.39.O (in Vöcklabruck) zu finden ist, deren Lebensbereich sich aber viel weiter erstreckt, wenn sie Freunde und Freundinnen, Verwandte und verwandte Seelen aller Art umfasst – all jene nämlich, die zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten sie begleiteten, berührten oder rührten, sie zu dem Menschen werden ließen, der sie heute ist? Gibt es vielleicht zwei, drei weitere Neugierige auf dem Globus? Vielleicht leben Sie an genau jenen Punkten, auf die L.-M. mit dem Finger tippt, sobald sie die drehende Bewegung des Plastik-Globus auf ihrem Schreibtisch stoppt und sich fragt, wie das Leben dort wohl sein mag? Wenn ja, wenn Interessierte erfahren möchten, wie eine einfache Frau in den Zeiten der globalen Finanz- und Ökologie-Krisen, welche die Menschenfamilie negativ verbinden – „tickt“, dann mögen sie diese positiven Zeilen lesen und die Lebensfreude der Autorin teilen.
Nordic Walken im Tullnerfeld
Es mag nach den vorangestellten Zeilen paradox klingen, aber als erstes schlägt die Österreicherin, Europäerin, Erdenkind den derzeitigen internationalen und globalen Krisen die Tür vor der Nase zu. Sie schiebt die Gedanken an die Städte Wien, Tulln und Vöcklabruck in Österreich, Berlin in Deutschland, Zagreb in Kroatien, Grünberg in Tschechien, Madrid in Spanien, Novi Sul in Polen, Tampere in Finnland, Verona in Italien beiseite (sie kann hier nicht alle aufzählen) - alles Orte mit Menschen, Tieren, Pflanzen, denen sie verbunden war oder ist und die ein Stückchen Weges mit ihr gingen oder gehen, die sie erfreuten, ihr vertraut wurden, alles Orte voller Erinnerungen, voller Gefühl. Ja, das sind sie. Doch in diesem Augenblick konzentriert sich L.-M. auf ihr spezielles kleines Universum im Staate Österreich, auf eine Gegend im südlichen Tullnerfeld im Bundesland Niederösterreich, wo sich ihr Lebensmittelpunkt, ihr primäres Zuhause seit langen Jahren befindet, in einem Dorf auf dem Lande. Dieses Auenland ist nämlich für eine ausgedehnte „Nordic-Walking-Tour“ wie geschaffen.
Das „Walken“ ist für die Frau nicht allein sportliche Betätigung, sondern meditative Praxis und daher ein wichtiger Teil ihres Lebens. Sie denkt, es ist nichts anderes als ein Gebet, schlicht und wahr, Nahrung für den Körper und für die Seele, ähnlich der Wirkung von guter Musik oder eines anderen Kunstwerks.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem es sie nicht gelüstet, die Schritte zum Rad- und Wanderweg an der „Großen Tulln“ zu lenken, einem Fluss, der durch Judenau fließt und in Tulln in die Donau mündet. Oft gelingt es diesem kleingewachsenen Energiebündel, das Vorhaben hürdenlos umzusetzen. Die Routine des Lockerns, Dehnens, Ankleidens, erzeugt eine ekstatische Vorfreude, und wie eine warme Zuckerglasur überzieht eine wohlige Zufriedenheit den Tag der Freizeit-Sportlerin, nivelliert alle Unebenheiten der vergangenen Stunden. Körper und Seele öffnen sich für neue Eindrücke auf altbekannten Wegen. Die trainierten Muskeln vibrieren vor Bewegungsdrang. Freude jagt jede Faser entlang, durchdringt alle Zellwände, versetzt sie in musikalische Schwingung, verursacht einen Impakt in jedem Zellkern. Das ist ein Zustand nahe der Ekstase. So ist es, wenn das Blut tanzt, wenn die Seele singt. Es lässt sich gut Mensch sein hier, L.-M.'s Welt ist grün und fruchtbar, sicher und frei. Obwohl, eigentlich sieht sie diese ihre Welt gerne in einem milden rosa Schimmer – dank ihrer optischen Brille, welche schwach rosa getönt ist.
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