„Es ist nicht so elegant wie das Halsband, dass du bei den Bonnets bekommen hast. Es ist auch nicht besonders wertvoll. Wozu auch? Es erfüllt einen Zweck, so wie bei einem Hund ein Halsband einen Zweck erfüllt. Folglich ist es auch ein Hundehalsband. Bei Hunden muss man es nur nicht abschließen.“
Robert schmunzelte. Eveline schnappte erschrocken nach Luft. Jetzt machte das, was sie gefühlt hatte auch Sinn. Folglich hatte sie ein schlichtes Würgehalsband aus kaltem Edelstahl um den Hals.
„Das ist aber nicht sehr romantisch!“, entfuhr es Eveline und spürte, wie Robert einen Finger in die Öse am Ende der Kette hakte.
„Eveline, du bist hier nicht auf einem Romantikurlaub.“ Julie hatte das Wort ergriffen und blickte sie ernst an.
„Du bist hier, um uns zu dienen. Du wirst tun, was wir verlangen. Wann und wo entscheiden wir, nicht du. Es ist dir nicht erlaubt, alleine das Anwesen zu verlassen. Du wirst Isabelles Heels bekommen. Ich habe gesehen, dass du die gleiche Schuhgröße hast. Auch diese Schuhe werden vorerst abgeschlossen. Ich möchte, dass sich dein Körper an diese Haltung gewöhnt. Daher sei froh, dass es keine neuen Schuhe sind, die du erst eintragen musst. Setz dich normal auf den Boden, dann kannst du sie gleich anziehen.“
„Ja, Maitresse Julie“, antwortete Eveline kleinlaut und setzte sich auf den kühlen Boden.
Die Schuhe, die Robert nun aus dem Beutel zog, ließen Eveline entsetzt aufquieken. Sie waren edel gestaltet und der schwarze Lack hatte kaum Gebrauchsspuren. Doch die Höhe der Absätze raubte ihr den Atem. Es würde nicht viel fehlen, und es würde einem auf der Spitze gehen gleich kommen.
Die Vorstellung, solche Schuhe nicht ausziehen zu können, bereitete ihr Angst. Doch sie bekam nicht viel Zeit Angst zu haben, denn nachdem sie in die Schuhe geschlüpft war, wurden Tatsachen geschaffen. Das oberste Band, das ihre Fesseln umschloss, war ein Kettchen. Selbiges hatte Robert innerhalb kürzester Zeit mit kleinen Vorhängeschlössern fixiert.
„Ich helfe dir auf, Eveline.“
Robert reichte ihr die Hand und zog sie auf die Füße.
„Danke, Monsieur Robert“, sagte sie brav mit knirschenden Zähnen und wagte einen ersten Schritt.
Es tat höllisch weh, nicht dass die Schuhe ihr nicht passten, es war ihr nur unverständlich, wie jemand in solchen Schuhen gehen konnte. Sie fühlte sich komplett ausgeliefert. Ein Gefühl, das Julie unterstrich, als sie im Flur Evelines Tasche griff und sich mit ihr aufs Sofa setzte.
„Schauen wir mal, was du mitgebracht hast, Eveline.“
Sie öffnete die kleine Tasche und holte alle Gegenstände eins nach dem andern heraus und legte sie auf den Couchtisch.
„Dein Laptop wirst du hier vorerst nicht brauchen. Genau wie dein Handy. Deine Schminksachen werden wir im Badezimmer verstauen. Kleidung bekommst du, wenn wir das Haus verlassen, von uns. Sei dir aber sicher, dass es keine Alltagskleidung sein wird.“
Eveline rang um Fassung. Wieder schossen ihr Tränen in die Augen, die nun über ihre Wangen liefen. Sie würde gerne zum Tisch gehen und ihre Habseligkeiten in Schutz nehmen. Doch selbst die wenigen Schritte zum Couchtisch kamen ihr vor wie Meilen in Schuhen, in denen sie es gerade einmal bewerkstelligte, halbwegs sicher zu stehen.
„Du musst nicht weinen, Eveline“, sagte Julie mit zärtlicher Stimme.
„Es ist mir klar, dass das hier alles gerade etwas viel ist. Aber wir halten es für besser, direkt am Anfang alles zu klären. Um so mehr Zeit bleibt dir, dich einzugewöhnen.“
Sie blickte sie mütterlich an, dann griff sie das Portemonnaie.
„Das werden wir auch an uns nehmen. Dein Ausweis, Pass und Bankkarten werden sicher von uns verwaltet. Dein Ausweis brauche ich die Tage schon allein, um dich hier bei uns anzumelden.“
„Ja, aber ...“, Eveline verlor völlig die Fassung.
„Kein aber, Eveline. Ab jetzt sorgen wir für dich. Es ist unsere Verantwortung alles für dich zu regeln. Du brauchst all diese Dinge nicht mehr. Du bist nun unsere Sklavin. Hattest du vielleicht eine etwas zu romantische Vorstellung, von dem, was eine Sklavin ist, Eveline? Lass es mich ganz klar formulieren. Du bist nun nicht mehr Herrin deiner Entscheidungen. Wir entscheiden, was gut für dich ist. Louis und seine verklärte Vorstellung von Sklaverei geht mir etwas auf den Keks. Marie hat dich uns vererbt. Mit dir alles, was du besitzt. Was Letzteres angeht, werden Auskünfte beantragt. Also versuch nicht, etwas vor uns zu verheimlichen, Eveline.“
Eveline schluchzte. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Besonders das eine gewisse Endgültigkeit in Julies Aussage mitschwang, verängstigte sie gewaltig. Ja, sie hatte gewusst, dass Robert und Julie ein anderes Kaliber waren, was Dominanz anging. Doch das, was sie gerade zu hören bekam, hatte nichts von der Sorte Dominanz, die sie erwartet hatte. Sie vermisste die Fürsorge, die ihr Louis und Marie entgegengebracht hatten. Die einzige Hoffnung, die in ihr loderte, war die Tatsache, dass sie beide vorher auch schon sehr sorgend erlebt hatte. Sollte das alles der Schrecken am Anfang sein? Würde sie sich an den neuen strengen Ton gewöhnen? Eveline blickte die beiden mit flehenden Augen an.
„Es ist alles in Ordnung, Eveline. Wir haben nicht vor, dich zu verspeisen.“
Erneut strich sie ihr zärtlich über die Wange und wischte ihre Tränen weg.
„Du wirst dich schnell eingewöhnen, das verspreche ich dir!“
Eveline rang sich ein gequältes Lächeln ab, dann sah sie Julie eine Leine in die Öse ihres Halsbands einhaken.
„Wir werden einen kleinen Spaziergang machen. Die frische Luft wird dir bestimmt gut bekommen, Eveline.“
Sie zog sacht an der Leine, bis Eveline nicht anders konnte, als die ersten Schritte zu machen, um ihr zu folgen. Es ging hinaus auf die Terrasse.
„Da geht aber jemand sehr unsicher. Ich werde dir morgen Zehenschoner besorgen. Das polstert die Zehen etwas und sorgt dafür, dass du sicherer stehen kannst. Sollte ich dir etwas Angst gemacht haben, so kann ich dir sagen, dass das gewollt war. Wir erwarten, dass du es ernst nimmst. Denn es ist ernst. Je früher du verstehst, was es bedeutet, Besitz zu sein, umso schneller fängst du an, dich dementsprechend zu verhalten. Sei dir unserer Zuneigung sicher, solange du dich so verhältst, wie es von dir erwartet wird. Du weißt, was man mit einem wertvollen Gegenstand macht, der einen belastet, Eveline?“
Eveline stolperte vor Schreck, doch Julie fing sie auf und verhinderte das Schlimmste.
„Sag es mir, Eveline. Was macht man mit einem wertvollen Gegenstand, den man nicht mehr braucht! Ich will es aus deinem Mund hören.“
Sie nahm sie in den Arm und strich Eveline sanft über den Rücken.
„Verkaufen?“, war alles, was sie gequält hervorbringen konnte.
Julie begann schallend zu lachen.
„Nun, da gäbe es sicherlich auch Wege, doch wäre das natürlich höchst kriminell. Ich habe aber gehört, dass ein guter Freund von dir Louis ein solches Angebot bereits unterbreitet hat. Wie war sein Name noch mal?“
Ihre Augen begannen sadistisch zu funkeln und Eveline spürte, dass nun nicht der Augenblick für flapsige Sprüche war.
„Der Name dieser Person ist Gaspard, Maitresse Julie.“
„Ja richtig, Gaspard. Ein reizender Mensch. Ich habe gehört, er hat eine Menge Geld für dich geboten. War dem nicht so?“
Eveline senkte ihren Kopf und nickte langsam. Einzig die Aussage, dass es etwas Kriminelles wäre, so etwas zu tun, gab ihr etwas Zuversicht und den Glauben, dass Julie sie nur einschüchtern wollte.
„Ich weiß nicht, wie viel es war, es schien aber nicht wenig gewesen zu sein, Maitresse.“
Ihre Stimme wurde immer zerbrechlicher. Das spürte auch Julie und tätschelte zärtlich ihren Kopf. Marie schätzte die beiden, dachte sie sich. Und da sie auf Marie vertraute, vertraute sie auch darauf, dass Julie nie ernsthaft in Erwägung ziehen wurde, Eveline an eine andere Person zu verkaufen.
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