„Komm her und setz dich zu mir, Eveline“, forderte er sie auf, ihm Gesellschaft zu leisten.
Lächelnd nickte sie und schwamm die letzten Züge, eh sie den Grund unter sich spürte.
„Die Wellen haben mich ganz schön Wasser schlucken lassen, Monsieur Robert, wie schaffen Sie es, so gut in dem Durcheinander die Übersicht zu behalten?“
„Stell dich vor mich. Ich will dich betrachten. Ich hoffe, die schwere Zeit hat dich nicht Speck ansetzen lassen!“, sagte er schroff, ohne auf ihre Frage einzugehen.
Eveline errötete, dann erhob sie sich und stellte sich wie verlangt vor ihn.
„Nein, Monsieur, ich habe eher abgenommen. Der Kummer hat mir den Appetit verdorben“, antwortete sie etwas verunsichert.
Robert nickte sichtlich zufrieden.
„Besser so. Ich dulde keine übergewichtigen Sklavinnen. Weiche Rundungen sind gut, aber es darf nicht fett wirken!“
Er sah an ihr hoch, dann griff er Eveline prüfend zwischen die Beine.
„Ich schätze Schamhaarstoppel nicht. Wir werden sie dir dauerhaft entfernen lassen. Eine Sache weniger, um die man sich Gedanken machen muss. Wir alle wissen, dass du erwachsen bist. Da braucht es keine Schamhaare als Beweis deiner Reife.“
Eveline schluckte und zitterte, als sie seine Finger spürte. Auch wenn es sie normalerweise erregen würde, in diesem Moment fühlte es sich an, wie von einem Fleischbeschauer begutachtet zu werden. Seine Finger waren kalt, wie auch die Art, mit der er sie behandelte. Auch seine Stimme war rauer geworden.
„Meine Frau meinte, wir sollten dich behutsam eingewöhnen. Doch davon halte ich nicht viel. Zum einen warst du es, die uns gebeten hat dich aufzunehmen, zum anderen denke ich, dass es nicht hilfreich ist. Was du brauchst, ist Führung. Marie ist tot und ich erwarte von dir, ab nun uns zu dienen, nicht deiner Trauer. Versteh mich nicht falsch. Ich habe Marie sehr geschätzt. Aber nichts kann sie wieder zurückbringen. Daher wirst du dich ab jetzt voll und ganz auf deine Dienste hier konzentrieren. Marie, das Leben in Paris, das war einmal.“
Sie biss sich auf die Lippe. Auch wenn er sicherlich recht hatte, so war diese Ansage sehr direkt und fühlte sich harsch an. Eveline erinnerte sich an Maries Worte, dass Robert und Julie sehr nett, aber auch sehr dominant und fordernd wären. Das spürte sie gerade sehr deutlich.
„Natürlich, Monsieur Robert. Ich bin zu Ihnen gekommen, da ich wusste, dass Marie es so gewollt hätte. Sie hatte bei der Abreise damals sogar davon gesprochen, mich zeitweise Ihnen zur Verfügung zu stellen.“
„Oh, das wusste ich nicht, aber umso besser. Dann müssen wir ja nicht lange fackeln. Wenn Marie dich uns sozusagen vermacht hat. Komm, lass uns zurück zum Boot gehen. Julie wird es freuen, dich nicht lange eingewöhnen zu müssen.“
Er stand auf und gab ihr einen festen Klaps auf den Po.
„Ja, Monsieur Robert“, erwiderte Eveline leise, haderte einen Moment, folgte ihm dann aber.
„Schatz, ich habe gerade von Eveline Dinge gehört, die dich interessieren dürften.“
Julie blickte von ihrem Buch auf, als die beiden die Treppe hinauf kamen und legte die Lesebrille zur Seite.
„Eveline, sag meiner Frau, was Marie für dich geplant hatte.“
Kurz atmete sie tief durch, dann sagte sie mit sanfter Stimme:
„Marie hat vor der Abreise davon gesprochen, mich Ihnen beiden zeitweise zur Verfügung zu stellen. Sie fühlte sich Ihnen beiden gegenüber verpflichtet.“
Julie blickte ihr tief in die Augen.
„Sag ihr, was Marie gewollt hätte, Eveline. Das ist der wichtigere Part!“, bohrte Robert nach.
„Marie hätte gewollt, dass ich mich in Ihre Obhut begebe und Ihnen diene.“
Evelines Stimme wurde immer schwächer.
„Und da du nun hier bist, darf ich davon ausgehen, dass du diesem Wunsch folge leistest?“
„Ja, Maitresse Julie.“
„Du siehst es als ihren letzten Wunsch an, Eveline?“
„Ja, das tue ich, Maitresse Julie.“
Julie blickte kurz zu ihrem Mann, dann wieder zu Eveline.
„Dann beginne ich mich aber doch zu fragen, warum es so lange gedauert hat, bis uns diese Erbschaft erreicht hat. Wenn es Maries Wille gewesen wäre, dass wir ihre Sklavin erben, warum ist sie dann nicht direkt hierher gekommen?“
Eveline spürte, wie Tränen in ihre Augen schossen. Julie mochte recht haben mit dem, was sie sagte. Auch wenn es sich sehr hart anhörte, so hätte sie auch hier mit Julie und Robert trauern können und sicherlich hätte es ihr den Absturz mit falschen Freunden erspart.
„Ich, ich weiß es nicht, Maitresse Julie. Ich war so verwirrt und niedergeschlagen. Ich hatte das Gefühl verrückt zu werden.“
Julie erhob sich, trat auf Eveline zu und nahm sie in den Arm.
„Wir hätten schon für dich gesorgt, Eveline. Ich denke, wir sollten hochgehen und dir dein zukünftiges Halsband anlegen. Dann regeln wir den Rest und nehmen dich hier als unsere Sklavin auf.
Eingewöhnung braucht es dann ja wohl nicht mehr.“
„Natürlich, Maitresse Julie, danke“, erwiderte Eveline mit unsicherer Stimme, sich nicht sicher, ob ihr das nicht auf einmal alles viel zu schnell ging.
Julie hatte sie barfuß den Weg hoch zum Haus gehen lassen. Ihre Kleidung hatte sie auf dem Boot zurücklassen müssen. Evelines Füße schmerzten von dem Kies, auf dem sie ging. Überhaupt fühlte sie sich gerade sehr unwohl. Natürlich wollte sie den beiden dienen. Doch hatte sie ein Problem damit, sich als Gegenstand einer Erbschaft zu sehen. Julie strahlte und strich Eveline sanft über die Wange. Sie war mit ihr ins Wohnzimmer gegangen. Robert entschuldigte sich und ging kurz in sein Arbeitszimmer.
„Du kennst das Prozedere ja schon, Eveline. Sei dir gewiss, dass wir unsere Rolle sehr ernst nehmen. Ab dem Moment, ab dem du unser Halsband trägst, gehörst du uns. Wir sehen dich als unser Besitz an, und wie du dir sicherlich denken kannst, kümmern wir uns um das, was uns gehört. Du wirst hier keine Rechte haben, dafür sehr viele Pflichten. Feste Angestellte haben wir nur zu besonderen Gelegenheiten, die über das hinausgehen, was eine Sklavin alleine bewerkstelligen kann. Susanne sehen wir nicht als Angestellte. Sie gehört zur Familie.“
„Das ist verstanden, Maitresse Julie“, antwortete Eveline, auch wenn sie die Rede von Louis romantischer fand. Er hatte es in schönere Worte gefasst.
Robert betrat das Wohnzimmer mit einem kleinen Beutel in der Hand. Es war der Zeitpunkt gekommen. Eveline wurde aufgeregt, gab es nun doch kein Zurück mehr. Ihre Kleidung war auf dem Boot, einfach gehen war nicht mehr möglich. Sie wollte aber auch gar nicht gehen. Sie würde sich an Robert und Julies Art gewöhnen, die sicherlich etwas anders war als sie es von Marie oder Louis kannte. Die beiden waren verheiratet. Sie sahen sie nicht als ihre Liebhaberin und würden sie sicherlich nicht zu lieben beginnen. Zumindest nicht auf eine Art wie es Marie, aber auch Louis getan hatten. Louis war in sie verliebt, dem war sie sich sicher. Aber noch viel mehr als Louis hatte Marie sie geliebt. Sie hatte es in jeder ihrer Worte und Blicke gespürt. Diese Form von Liebe würde sie hier nicht bekommen. Vielleicht war das aber auch gut so und es würde den Prozess ihrer Reifung beschleunigen.
„Knie dich hin, Eveline, dann werde ich dir das Halsband anlegen, was dich von nun an begleiten wird.“
Seine Stimme klang ruhig und sanft. Eveline befolgte seine Anweisung und kniete sich, mitten im Wohnzimmer, den beiden zu Füßen. Robert trat hinter sie, dann öffnete er den Beutel und legte kurze Zeit später ein kettenhaftes Halsband um ihren Hals. Etwas verwundert fühlte sie, wie er es ein Stück weit enger zog, dann mit einem Vorhängeschloss abschloss. Eveline hatte ihre Hände folgsam hinter dem Rücken gekreuzt, doch stieg die Neugierde in ihr zu sehen, was sie da am Hals trug.
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