„Ich denke eher, das liegt an den zu vielen Kilos. Wie soll man schlank bleiben, wenn es hier immerzu die feinsten Leckereien gibt … mhhh … also hier liegt keine Zeitschrift.“
„Meint ihr das bunte Heft mit der Rabenmutter vorne drauf?“, fragt Onkel Heinrich.
Oma Hedi antwortet: „Ja, genau das. Heinrich, du sollst sie nicht immer so nennen. Stell dir mal vor, Richard und Bertram hören das. Sie leiden so schon genug.“
„Ich bin ganz deiner Meinung. Genau aus diesem Grund habe ich diese Zeitung versteckt. Stellt euch mal vor, die Kinder sehen die Frau, an die sie möglichst nicht mehr erinnert werden sollen. Man muss in den Wunden nicht noch rumstochern.“
„Hast ja recht. Und nenn sie bitte nicht mehr Rabenmutter. Ich habe Richard schon öfter gesehen, dass er hinter Türen steht und lauscht. Er traut sich sicher nicht zu fragen. Außerdem kann Sybille nichts dafür, dass sie so ist wie sie ist. Zumindest war sie so großzügig und hat Olli und Christine die Jungs und nun auch noch das Baby überlassen.“
Onkel Heinrich brummt vor sich hin. „Ich hole euch dann mal die Klatschpresse.“
„Mir lässt es auch keine Ruhe, dass Olli so ein Geheimnis daraus macht.“ Oma Hedi schüttelt den Kopf. „Vielleicht ist es was Familiäres aus seiner Vergangenheit?“
„Er hat doch niemanden mehr, oder?“, fragt Christine. „Als wir über die Gästeliste zu unserer Hochzeit sprachen, meinte er nur, dass keiner mehr leben würde von seiner Sippe.“
„Das weiß ich nicht. Seine Mutter ist mit ihm kurz nach der Geburt erst hierhergezogen und wo sie abgeblieben ist, kann ich gar nicht sagen. Einen Vater habe ich nie gesehen. Warst du denn als Kind nie bei ihm zuhause?“
„Nein. Er war ja ständig bei uns und früh, auf dem Weg zur Schule, haben wir uns alle auf dem Kirchplatz getroffen.“
„Ach, Christine, wirst du denn nie sorgenfrei sein? Immer kommt irgendetwas anderes dazwischen. Olli weiß doch, dass er mit dir über alles reden kann.“
„Leider darf der Anwalt nichts sagen, das kann ich auch verstehen. Zu mir hat Olli gesagt, es wäre dienstlich und in der Agentur zu Markus, es sei privat. Na was denn nun?“
„Warte ab, bis er wieder da ist. Dann klärt sich alles auf. Wo bleibt denn Heinrich nur mit der Zeitung? Heinrich …“, ruft Oma Hedi laut in den Flur. „Seitdem wir nur noch ein paar Pferde hier haben, hat er zu viel Freizeit und mutiert zum kleinen Kind. Erst dachte ich, dass es gut ist, wenn wir nicht mehr so viel zu tun haben. Wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. Aber so kann es mit ihm nicht weitergehen. Er macht mich ganz kirre.“
Als Markus nach Hause kommt trifft er Jenny in der Küche, die gerade dabei ist, den Brei für Natalie zuzubereiten.
„Hallo Markus“, begrüßt sie ihn freundlich. „Wie war dein Tag?“
„Sehr erfolgreich. Ich konnte einen großen Fisch an Land ziehen. Ein Auftrag, der die Existenz der Agentur in den nächsten Jahren sichert. Ich kann es kaum erwarten, Olli davon zu berichten.“
„Das freut mich sehr.“
„Und ist bei dir alles klar?“
„Alles bestens. Im Tierheim ist etwas Ruhe eingekehrt. Wir konnten heute drei Hunde und eine Katze vermitteln. Die Katzenbabys haben auch alle eine Aussicht auf Familien, bei denen sie es gut haben werden. Und Natalie brabbelt und lächelt, sowie ich sie anschaue.“
Sie nimmt einen Löffel und überprüft die Temperatur des Breis. „Ist okay. Wenn du willst, kannst du die Kleine füttern. Gebadet ist sie schon.“
„Gerne, das ist super von dir, dass du dich so liebevoll um sie kümmerst.“
Jenny schaut ihn traurig an. „Mama macht es ja leider nicht.“
„Lass ihr noch etwas Zeit“, antwortet Markus.
Jenny zuckt resigniert mit den Schultern. „Dann mache ich jetzt Hausaufgaben.“
Nach einer halben Stunde hat Markus seine kleine Tochter gefüttert, frisch gewickelt und schaut ihr zu, wie sie zufrieden und glücklich in ihrem Bettchen liegt. Er streicht ihr über das Haar und seufzt. „Schade, dass deine Mama das nicht genießen kann“, flüstert er. „Aber ich verspreche dir, dass ich alles dafür tun werde, dass sich das bald ändert.“
Er zieht an der Schnur der Spieluhr, die umgehend mit sanften Tönen Natalie ins Traumland befördert.
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