Achim Balters - Gegen den Koloss

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Die Menschen in Anfelden leben in einer Ausnahmesituation, weil sie wegen des Braunkohlentagebaus aus ihrer Heimat vertrieben werden. Sie erleiden einen Machtmissbrauch von Politik und Wirtschaft, der für sie empörend und unfassbar ist. Fast alle haben schon resigniert, doch bei manchen regt sich erbitterter Widerstand. Ihre Wut entzündet sich an der heimatvernichtenden und umweltzerstörenden Katastrophe, die der Braunkohlentagebau verursacht. Sie wehren sich vor einem Abgrund, wollen verteidigen, was für sie wertvoll ist. Es ist eine Art Krieg, der in Friedenszeiten gegen sie und viele andere skrupellos geführt wird. Die ungeheuren Zerstörungen, die er anrichtet, empört sie so sehr, dass ihr Widerstand radikaler wird. Wegen des beispiellosen Unrechts, das tief in ihr Privatleben eingreift, fühlen sie sich dazu berechtigt. Sie beugen sich nicht länger der Willkür der Mächtigen, sondern wehren sich gegen die menschenfeindlichen Zustände. Ihr Leben verändert sich dramatisch.

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Sie schüttelt den Kopf wie jemand, der etwas nicht wahrhaben will. Sie holt den Autoschlüssel aus ihrer Handtasche, zögert kurz, bleibt stehen, verstaut ihn wieder, dreht sich um und geht mit jetzt schnelleren Schritten zum Marktplatz zurück. Zuhause hat sie noch zwei Flaschen Rotwein. Und eine Flasche Kräuterlikör. Doch das ist ihr zu wenig. Sie sollte sich einen Vorrat anlegen. Vorsichtshalber. Richard wird schon nichts merken. Sie öffnet die Tür des fast leeren Lebensmittelgeschäfts, geht entschlossen zur Spirituosenabteilung. Sherry und Weißwein wird sie jetzt kaufen. Sie braucht den Alkohol, kann’s nicht ändern. Ist eben Balsam für sie. Wie sonst könnte sie alles aushalten? Was hier passiert, zermürbt sie. Nur wegen dieser verfluchten Braunkohle. Energetik macht einem das Leben zur Hölle. Manager, die wohl auch über Leichen gehen würden. Wer weiß. Es ist zum Verrücktwerden.

Am Stadtrand von Aachen fährt Richard Lindner an einem Gewerbegebiet und angrenzenden, zusammengewürfelten Gebäuden vorbei. Eine Gegend, die ohne Gestaltungskonzept zu einem Baubrei verkommen ist. Aachen zählt für ihn zu den ansehnlichen Großstädten, verliert aber hier jeden Reiz. Es ist einer der üblichen architektonischen Sündenfälle, die aus dem Gesicht einer Stadt eine Fratze machen. Doch das stößt Richard nicht mehr ab, dagegen hat er sich abgehärtet. Früher war es ein visueller Schock für ihn, heute nimmt er es nur noch achselzuckend wahr. Er biegt von der stark befahrenen Bundesstraße in eine Landstraße ein, die eine kleine Ortschaft zerschneidet. Die Umgebung wird grüner, landwirtschaftliche Flächen gliedern sie.

Richard schaltet den CD-Player ein, ein Piano erklingt, begleitet seine Fahrt mit Jazzrhythmen. Nur lose zusammenhängende Gedanken tändeln durch seinen Kopf, Reste eines früher als normal beendeten Arbeitstages, der ihm schwergefallen ist. Er war unkonzentriert, klammerte sich an seine Routine. Wahrscheinlich hatte es niemand gemerkt, dass er mit seinen Gedanken manchmal ganz woanders war. Das Gespräch mit Efferen heute Nachmittag, bei dem er um den Verkaufspreis seines Hauses feilschen muss, ging ihm einfach nicht aus dem Kopf. Auch heute Nacht nicht, jetzt fehlt ihm Schlaf. Zuhause wird er sich noch hinlegen, bevor Efferen kommt. Bis fünf ist noch genug Zeit. Dem wird er es zeigen. Ein Kompromiss kommt für ihn nicht infrage.

Die Monotonie der Fahrgeräusche und die langsam perlenden Klaviertakte wirken auf Richard entspannend. Er blickt kurz zu einer entwurzelten alten Buche am Straßenrand, die dort wie besiegt liegt, konzentriert sich dann wieder auf das Fahren. Der Verkehr ist abgeflaut, die Temperatur im Wagen heruntergeregelt. Richard ist leger angezogen. Zu seiner hellgrauen Leinenhose trägt er ein gestreiftes, krawattenloses Hemd. Er besitzt keine Krawatten, findet sie lächerlich. Sie kommen ihm wie stilisierte Schlabberlätzchen vor. Nur in seltenen Fällen, wenn mehr dafür spricht als dagegen, beengt er seinen Hals mit einer pathetischen Fliege. Er richtet sich nach keiner Mode.

Dass er Annas Sohn ist, sieht man ihm deutlich an. Sein Gesicht ist nicht ganz so ebenmäßig geschnitten, dafür sind seine Züge markanter. Seine großen, braunen Augen dominieren sein gebräuntes Gesicht. Zwei noch unvertiefte senkrechte Falten haben sich zwischen den Augenbrauen gebildet. Er hat eine gewölbte Stirn, was von dem hohen Haaransatz noch betont wird. Seinen schlanken, mittelgroßen Körper hält er mit Joggen und Gymnastik in Form.

Die Freisprechanlage summt. Im Display sieht er Birgits Nummer. Ein Lächeln erscheint in seinem Gesicht.

«Hallo Birgit», sagt er.

«Hallo Richard. Wo steckst du? Im Büro habe ich dich nicht erreichen können», sagt sie mit überhastet klingender Stimme.

«Ich bin schon auf dem Weg nach Hause. Habe mir heute Mittag freigegeben, weil ich nicht in Form war.»

«Warum? Was hast du denn?», fragt sie.

«Nichts. Ich bin nur müde. Ich habe heute Nacht schlecht geschlafen», antwortet er.

«Weil du nicht bei mir warst.»

«Ja. Das auch.»

«Dieser ganze Braunkohle-Irrsinn», sagt sie nach einer kurzen Pause, «belastet dich doch wohl mehr, als du zugibst.»

«Ich hab’s im Griff.»

«Hoffentlich. Du rufst mich ja heute Abend an und sagst mir, was du bei dem Kerl von Energetik erreicht hast.»

«Na klar.»

«Sollen wir morgen bei mir zusammen etwas kochen oder lieber essen gehen?»

«Lieber essen gehen. Ist bequemer.»

«Das finde ich auch. Danach gibt es bei mir noch ein rein privates Menü.»

«Ich kann’s kaum erwarten.»

«Du fehlst mir. Vom Bauchnabel aus nordwärts und natürlich auch südwärts.»

Richard lacht kurz auf.

«Genau da fehlst du mir auch», sagt er.

«Wann bist du zu Hause?», fragt sie.

«In ein paar Minuten», antwortet er. Im Rückspiegel sieht er ein Motorrad, das auf ihn zurast. «Heute Abend telefonieren wir länger.» Das Motorrad überholt, umdröhnt ihn.

«Viel länger. Ich drück dich.»

«Ich dich auch. Bis später.»

«Bis später, Richard.»

Helle Rauchmassen wuchern in der Ferne zum blauen Himmel, umlagern wie weiße Wolkenberge die Sonne. Die qualmenden, alles andere überragenden Kohlemeiler des veralteten Kraftwerks kann Richard Lindner jetzt deutlich erkennen, als er durch das rechte Seitenfenster blickt. Langsam, wie in Zeitlupe, quellt Wasserdampf hoch, wird von der Sonne angestrahlt. Er sieht hell aus, geradezu sauber, ist aber in Wirklichkeit eine gewaltige Dreck- und Giftstofferuption. Im Kraftwerk wird die Braunkohle zur Energiegewinnung verfeuert, die von riesigen Schaufelradbaggern zutage gefördert wird, Braunkohle, die dort lagert, wo einst Dörfer standen. Jedes Mal, wenn Richard hier entlangfährt, muss er daran denken. Ein weithin sichtbares Zeichen des Braunkohle-Irrsinns, mit dem die Energetik AG seit Jahrzehnten diese Region hemmungslos verwüstet. Feinstaub, Kohlendioxid und sogar radioaktive Partikel vermischen sich in einem Industrie-Cocktail, der katastrophale Folgen für Mensch und Umwelt hat. Schon längst erkannt, wissenschaftlich bewiesen, doch nichts ändert sich. Wirtschaft und Politik setzen weiterhin mit aller Macht ihre gemeingefährlichen Interessen durch. Jeder Widerstand ist gescheitert.

Was hat man nicht alles versucht, denkt Richard. Nichts hat diese skrupellose Ausbeutung stoppen können. Wir haben letztendlich keine Chance. Sind Opfer. Wie hier Interessen durchgesetzt werden. Wie in einer Diktatur. Rücksichtslos. Staats- und Industriekriminelle. Eine Bande. Profitgierig, menschenfeindlich und korrupt. Das hat ja Tradition. Zum Kotzen.

Mit zusammengezogenen Augenbrauen blickt er noch einmal kurz zu den Rauch speienden Kohlemeilern, die das niederrheinische Landschaftsbild verschandeln, achtet dann wieder auf den vor ihm fahrenden Traktor, der abbremst und in einen Feldweg einbiegt. Mais- und Kornfelder säumen die Landstraße. Ein Bauernhof und vereinzelt stehende Häuser sind die einzigen Gebäude in der Nähe. Richard mag diese Gegend, die ihm seit seiner Kindheit vertraut ist. Sie zeigt ihm zwar keine landschaftlichen Attraktionen, besitzt jedoch eine ihm angenehme, auf das menschliche Maß beschränkte Einheitlichkeit unter einem weiten Himmel. Eher eine Kulturlandschaft. Nur der Himmel bleibt. Alles andere wird zerstört, spurlos verschwinden. Als hätte es diesen Lebensraum nie gegeben. Nur noch ein kilometerweites tiefes Loch. Kaum zu glauben. Richard verbietet sich jetzt, länger daran zu denken, was seit drei Jahren wie eine Infektion sein Bewusstsein befallen hat. Es besetzt immer wieder sein Denken, kostet ihn Kraft, belastet ihn. Es gehört schon zu lange zu seinem Alltag, prägt ihn mit, verdüstert ihn. Doch davon darf er sich nicht mehr so negativ beeinflussen lassen. Es reicht, ist ja sowieso nicht mehr zu ändern. Daran muss er sich noch gewöhnen. Wütend, aber machtlos. Jetzt weiter zu lamentieren und wegen der Willkür der Braunkohle-Connection in Trübsinn zu verfallen, wäre grundfalsch, reine Zeit- und Energieverschwendung. Eine Schwäche, die er später bereuen würde. Er ist an einer dramatischen Lebenswende angelangt, die er mit Besonnenheit meistern will.

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