Nach den allgemeinen statistischen Angaben über die Inseln, der Geschichte ihrer Eroberung, den Sitten und Gebräuchen der Urbewohner schildert er die Bodenkultur und die Bevölkerungsverhältnisse. „Die Bodencultur der canarischen Inseln wird durch das dortige Klima vorzugsweise begünstigt.“ Ausführlich beschreibt er den Anbau von Mais, Weizen, Roggen, Gerste, Alpiste, Gemüse, Kartoffeln, Erdbirnen, Kohl, Zwiebeln, Barilla, Nopal, Wein, Oliven, Mandeln, Pinien, Feigen, Palmen, Fruchtbäumen und die dazu erforderlichen Anlagen zur Bewässerung: „Wiewohl wir gesehen, wie kostbar das Wasser in den Canarien ist und verwertet wird, wie viele Bewässerungs- und Berieselungsanlagen für die Bodenkultur vorhanden sein, angelegt und unumgänglich unterhalten werden müssen, so bleibt doch in der Nivellierung und Regulierung dieser Anlagen, um daraus vollen Nutzen zu ziehen, noch viel zu wünschen übrig und es erscheint noch große Tätigkeit unerläßlich, sei es um noch unfruchtbar liegende Strecken in Kultur zu setzen, sei es um das Wasser ökonomischer und zweckmäßiger zu verteilen und endlich um neue Wasseradern aufzusuchen und Reservoire und Zisternen anzulegen.“ Und dennoch gab es nicht ausreichend Nahrungsmittel. „In armen Gegenden oder in schlechten Jahren wird das Mehl zum Gofio mit dem Mehle von gerösteten Farrenkrautwurzeln, oder mit dem Samen der Barilla und des dem letzteren verwandten Cosco gemischt... Häufig mussten die Bewohner ihre Zuflucht zu Brot nehmen, aus Roggenmehl und Farrenkrautwurzeln gemischt.“
Die „überhand nehmende Verarmung und Elend“ ward Veranlassung der spanischen Regierung „Versuche zu entsprechenden Veränderungen und Verbesserungen eintreten zu lassen... Da die vorhandenen Übel jedoch nicht allein in dem materiellen Leiden der Inselbewohner ihren Grund hatten, sondern auch in der geistigen und religiösen Erniedrigung und Verwahrlosung der Bevölkerung zu suchen waren, so vereinigten sich die weltlichen mit den geistlichen Oberbehörden, um über die zweckmäßigsten Mittel zur Abhilfe und Besserung der obwaltenden Verhältnisse nachzudenken und gemeinschaftlich oder gleichzeitig zu handeln.“ Minutoli gibt eine Darstellung des Bildungswesens. „Das Schulwesen auf den Canarien läßt noch sehr vieles zu wünschen übrig. Ein Schulzwang besteht nach den spanischen Gesetzen nicht.“ In Las Palmas besuchte er das neu eröffnete Priester-Seminar zur Heranbildung eines neuen Priesterstandes unter der Leitung der Jesuiten. Und es kamen ihm Zweifel: „. allein wenn man von den Schülern auf die Lehrer zurückblickt, wenn man von der Denk- und Handlungsweise dieser auf jene zurückzuschließen berechtigt ist, ... so muß man einem Jeden gestatten, über die Konsequenzen der fraglichen Maßregel seine eignen Gedanken zu hegen und daran die Besorgnis zu knüpften, daß der neuherangebildete Einfluß der anzustellenden Priester von der Kanzel herab sich nicht auf das Seelenheil und den Unterricht der Pfarrkinder, sich nicht auf die Familien beschränken, sondern je nach den eintretenden Verhältnissen und Umständen sich auch weiter auf Regierung und Thron erstrecken dürfte.“
„’Die jüngsten Schüler sind uns entschieden die liebsten’ sagte der Superior, sich freundlich blinzelnd die Hände reibend. ,Sie glauben nicht, wie weich und empfänglich das kindliche Gemüt und das kindliche Alter überhaupt ist und sich hingibt, ähnlich dem weichen und geschmeidigen Modellierton, der sich unter der Hand des Bildners nach allen Richtungen, zu allen Gestalten, drehen, formen und diese wiederum, wenn es sein soll, vernichten läßt.’“
Erwähnenswert fand Minutoli auch die Geschichte der Universität in Laguna: 1817 gegründet, 1823 suspendiert, 1825 wieder eröffnet, 1830 mit sämtlichen Landes-Universitäten wieder geschlossen, 1834 zum dritten Male eröffnet und 1845 definitiv aufgelöst. (1927 wurde die Universität wieder eingerichtet.)
Das Gesetz vom 17. März 1852 zur Trennung der Zivil-Verwaltung der Kanaren bringt er im Wortlauf in deutscher Übersetzung und wendet sich dann auch den Kommunal-Anstalten zu.
„Wenn im Allgemeinen der Umfang und die Ausstattung der Communal-Anstalten zunächst durch die Mittel der Gemeinde bedingt und da, wo solche beschränkt sind, oder nach den bestehenden Lokalverhältnissen fast ausschließlich nach bestimmten Richtungen hin verwendet werden müssen - nicht mehr als das Notdürftige erwartet werden kann, so ist doch andererseits zur zweckmäßigen Verwendung des Gemeinde-Vermögens oder zur Beschaffung außerordentlicher und freiwilliger Beiträge und Opfer, Gemeinsinn, Talent, Energie und Ausdauer notwendig, um seiten des Magistrates dasjenige zu beschaffen oder herzustellen, was den Anforderungen des Orts und der Zeit entspricht.
In dieser Beziehung tritt auf den canarischen Inseln eine im Allgemeinen nicht zu verkennende Lauheit und ein Mangel an Gemeinsinn zur Förderung gemeinnütziger Unternehmungen störend und unangenehm entgegen. Hat diese Gleichgültigkeit auch wesentlich in den hohen landesherrlichen Abgaben, in dem Mißverhältnisse der Besteuerung überhaupt ihren Grund, so liegt der Mangel an Willfährigkeit andererseits auch in dem Egoismus und dem Neide einzelner Communen und Inseln, welche lieber auf Vorteile und Bevorzugungen selbst verzichten, als dazu beitragen wollen, daß solche gleichzeitig ihren Nachbarstädten und Inseln zu Teil werden. Es ist dieser Mangel an Einigkeit trotz der Einheit der Interessen auf den Canarien sprichwörtlich geworden. Eine jede Insel möchte die erste, wichtigste, reichste und bevorzugteste des Archipelagus sein; eine jede von ihnen beneidet die übrigen in ihren Fortschritten und den dadurch erreichten Vorteilen und wenn solche auch nur dem Fleiße und der Anstrengung der Beteiligten zuzuschreiben sind. Auf jeder einzelnen Insel besteht nicht ein Wettstreit, aber eine Eifersucht und Bitterkeit zwischen den Hauptorten im Innern und den Hafenpunkten über die Wichtigkeit, Wohlhabenheit und Bevorzugung der einen vor den andern; und diese Eigentümlichkeit geht in ihrer Konsequenz so weit, daß man behauptet, es gebe auf den Canarien keine Insel und auf den Inseln keine Stadt und in den Städten keinen Grundbesitzer der nicht mit seinen Nachbarn in mindestens einem Prozesse verwickelt wäre.“
Bei dem Mangel an Gemeinsinn wird Minutoli an seine Zeit in Posen gedacht haben, an seine Vereinsgründungen.
„Was die Industrie auf den canarischen Inseln anbelangt, so kann der Stand derselben im allgemeinen nicht befriedigen. Der Kunstfleiß ist gering. Es fehlt an Speculationsgeist, Talent und Erfahrung.“ Er empfiehlt, „die unter ihrem schönen Himmel gedeihenden mannigfachen Naturprodukte in der den Lokalverhältnissen entsprechenden Weise zu verwerten“ und gibt dazu an den Wein, die Seide, Südfrüchte, Mandeln und die Fischerei, als eines Industriezweiges, „welcher in seiner eigentlichen Bedeutung bisher noch nicht richtig erkannt und ausgebeutet, sondern leider in hohem Grade vernachlässigt ward“.
Der preußische Generalkonsul für Spanien wusste aus Erfahrung - 1834 wurde der Deutsche Zollverein gegründet - dass durch den Wegfall von Zöllen der Handel und der Verkehr gefördert werden. Durch ihre abgelegene Lage waren die Kanaren auf Schiffsverkehr angewiesen. So zitiert er auch das Gesetz vom 11. Juli 1852, durch welches die Häfen der kanarischen Inseln zu Freihäfen erklärt wurden und hofft: „Es ist inzwischen ein Jahr vergangen und wenn es auch längerer Zeit bedarf, um sich ein umfassendes Urteil über die fortschreitende Entwickelung eines ausgedehnteren Handelsverkehrs und darüber zu bilden, ob die erwarteten Vorteile eingetreten sind oder eintreten werden; worin dieselben eigentlich bestehen und wenn solche zunächst zu statten kommen - so muß man einstweilen die vorhandenen Tatsachen entgegen nehmen und das Weitere der Zukunft anheim stellen.“
Читать дальше