Auf dem Gebiete der Baumkunde stand Carl Bolle, wie ihm das sein Freund Graf Schwerin, Vorsitzender der deutschen Dendrologischen Gesellschaft, wiederholt bezeugt hat, als Forscher und Praktiker unter den ersten im Vordergrunde.
Am 15. Oktober 1855 wurde Carl Bolle in die Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturwissenschaftler aufgenommen. Auch wirkte er in der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft und in der Brandenburgia, einen Heimatverein. Nach den Streitigkeiten in der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft war Bolle Mitglied der daraus sich abgegliederten Deutschen Ornithologischen Gesellschaft und wurde 1884 ihr Präsident, nachdem die beiden Gesellschaften 1875 sich wieder vereinigten.
Es gibt von ihm Artikel in Zeitschriften, aber kein größeres schriftliches Werk - sein größtes Werk war wohl das Arboretum auf Scharfenwerder. Veröffentlicht hat er im Journal für Ornithologie, in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde, in der Bonplandia und auch in Virchows Archivs, in dem ein Brief über die Lepra und einer über die Elephantiasis auf den Kanaren enthalten sind. Seine kleine Sammlung von Vögelbälgen, die er im Laufe des Jahres 1856 zu Stande gebracht und für das Zoologische Museum in Berlin bestimmt hatte, ging während eines heftigen Sturmes zur See verloren. Seine ausgedehnten Herbarien hat das Herbarium in BerlinDahlem vererbt erhalten.
Der Tod ereilte Carl Bolle 17. Februar 1909. Sein Grab befand sich auf dem Berliner Matthäikirchhof.
„Das beifolgende Bild von 1902 gibt Bolles wohlwollenden, dabei leicht sarkastischen Ausdruck gut wieder. Es ist auf der Rückseite von ihm bezeichnet: ,Der Überlebende eines verflossenen Jahrhunderts, 1902 Carl Bolle’“, wie es im Nachruf seines Freundes Ernst Friedel in der Brandenburgia steht.
AUTOREN
Bolle, Carl
Bemerkungen über die Vögel der canarischen Inseln; Journal für Ornithologie; 1854, S. 447 - 462
Mein zweiter Beitrag zur Vogelkunde der canarischen Inseln; Journal f. Ornithologie, V; S. 258 - 292, 305 - 351; Cassel, 1857; Nachträgliches, in Betreff der Ornis der canarischen Inseln ; Journal für Ornithologie, 1858, Heft 6, Nummer 3; S. 225 - 228 Der wilde Canarienvogel, eine Biographie ; Journal für Ornithologie, 1858, Heft 6, Nummer 2; S. 125 - 151
Die Palmen auf den canarischen Inseln; Bonplandia. Zeitschrift für die gesammte Botanik; 1854, Nr. 23, S. 270 - 277 Die Canarischen Inseln. Aus eigener Anschauung beschrieben; Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. Neue Folge; 1861 Band X; S. 1 -33, 161 - 214; 1861 Band XI; S. 73 - 114; 1862 Band XII; S. 225 -278; 1 Karte, Berlin, 1861 - 1862
Die Scrophularien der canarischen Inseln; Verh. der K. K. zool.-bot. Ges. XI; S. 193 - 208; Wien, 1861
Bericht über den Aussatz auf den Canaren ; Virchows Archiv, Heft 22, Nummer 3 - 4, Mai 1861
Über die Lepra auf den Canaren ; Virchows Archiv, Heft 24, Nummer 3 - 4, Mai 1861
Die Standorte der Farrn auf den Canarischen Inseln; Zeitschrift für allgemeine Erdkunde; Mai 1863 S. 289 - 324; Okt. 1864 S.249 - 282; 1866, Heft 3, S. 209 - 238; 1866, Heft 4, S. 273 - 287; Berlin, 1863 -1866
Im Schatten des Piks von Teneriffa.; Ornithologisches Jahrbuch, Band I, Juli 1890, Heft 7; S. 121 - 132; 1890; Flora insularum olim Purpuraruarum, nunc Lanzarote et Fuertaventura, cum minoribus Isleta de Lobos et la Graciosa in Archipelogo canariensi; Botanische Jahrbücher für Systematik, Pflanzengeschichte und Pflanzengeographie, hgg. von A. Engler, 1891, Band 14; S. 230 - 257; Leipzig, 1892 Botanische Rückblicke auf die Inseln Lanzarote und Fuerteventura; Botanische Jahrbücher 1892, Band 16; S. 224 - 261; Leipzig, 1893
Friedel, Ernst
Nachruf auf Carl Bolle; Monatsblatt der Ges. für Heimatkunde Prov. Brandenburg, XVIII. Jg. 1909/1910; Berlin, 1910
Hartert, E.
Aus den Wanderjahren eines Naturforschers.; 329 S.; 13 Tafeln, 18 Bilder; Berlin, 1901
Koenig, A.
Ornithologische Forschungsergebnisse einer Reise nach Madeira und den canarischen Inseln; Cabanis Journ. f. Ornithologie, 38 (4. F. 18); Leipzig, 1890
Teneriffa in zoologischer Beziehung; Verh. d. niederrhein. Ges. 47, Sitzber.; S. 3 - 13, 20 - 28; Bonn, 1890
Polatzek, Johann
Ornithologische Forschungsergebnisse einer Reise nach Madeira und den canarischen Inseln; Ornithologisches Jahrbuch, 1908, S. 197; 1909, S. 1, 117, 202; Hallein
Wirtschaftliche Betrachtungen
Julius von Minutoli, preußischer Generalkonsul
Im Sommer 1851 sorgte Freiherr Julius von Minutoli sich um sein Äußeres mehr als gewohnt. Der Siebenundvierzigjährige hatte ein Rendezvous mit einer Einundzwanzigjährigen. Es war kein gewöhnliches Treffen. Es war eine Audienz von Isabella II. Königin von Spanien für den neuernannten preußischen Generalkonsul für Spanien - und auch für Portugal. „Ihre Majestät war in ihren Bewegungen sehr verbindlich und höflich, aber unruhig, scheu und verlegen. Die Unterhaltung währte, wie stets bei solchen Gelegenheiten, nur kurze Zeit; ich bin außer Stande anzugeben, ob sie spanisch, französisch oder italienisch geführt wurde“, schrieb Minutoli einige Tage später an den preußischen König. (Dieses Zitat ist aus Dorothea Minkels 1848 GEZEICHNET. DER BERLINER POLIZEIPRÄSIDENT JULIUS VON MINUTOLI; einem sehr dichten, ausführlichen Werk, aus dem auch Angaben zu Minutolis Leben entnommen sind.)
Julius von Minutoli 1804- 1860 Polizeipräsident Generalkonsul
Julius von Minutoli war bestimmt nicht scheu und verlegen vor einer Königin zu stehen. Er war mit gekrönten Häuptern aufgewachsen. Sein Vater Johann Heinrich Carl von Menu - der Name Menu wurde später in Minutoli geändert - war zur Geburt seines zweiten Sohnes Julius Rudolf Ottomar, am 30. August 1804 -nach der von D. Minkels erstmals veröffentlichten Geburtsurkunde -Lehrer am Adeligen Kadettenkorps in Berlin. Nachdem die in Preußen hochverehrte und geliebte Königin Luise 1810 starb, gab König Friedrich Wilhelm III. seinen neunjährigen Sohn Carl dem Major Menu zur Erziehung. Vater Menu zog - dem Adressenregister nach - ins königliche Palais Unter den Linden.
Frau Minkels nimmt in ihrem Werk an, dass Major Menu zahlreiche Exkursionen mit den Prinzen und seinen Söhnen in die Umgebung von Berlin zur Betrachtung der vaterländischen Altertümer und ihrer über Jahrhunderte veränderten Baustile durchführte. Sie werden die privaten und auch die königlichen Sammlungen italienischer Gemälde, römischer Skulpturen und antiker Vasen in den Schlössern gesehen haben, das eigene Antikenkabinett des Major Menu, über 1000 Stück, von ihm erklärt bekommen haben und Skizzen von Einzelheiten angefertigt haben.
Nach dem Abitur immatrikulierte sich Julius von Minutoli im Oktober 1822 an der Berliner Universität in den Fächern Jura und Kameralwissenschaften, 1824 wechselte er an die Universität Heidelberg und studierte dann wohl ab 1825 in Halle und legte das Staatsexamen ab. Er wurde 1828 in den preußischen Staatsdienst als wie üblich unbezahlter Referendar aufgenommen und nach der höheren amtlichen Staatsprüfung als Kammergerichtsassessor beim Regierungskolleg in Koblenz angestellt.
Neben dieser Tätigkeit sammelte Minutoli Material zur historischen Entwicklung des römischen Rechts auf dem linken Rheinufer, das 1831 im renommierten Jahrbuch für die preußische Gesetzgebung als Aufsatz veröffentlicht wurde. Der Oberpräsident der Provinz Posen, Eduard von Flottwell, war von dieser sorgfältigen Arbeit beeindruckt und bat das preußische Innenministerium den talentierten Regierungsassessor nach Posen zu versetzen. Zum Oktober 1832 erfolgte seine Ernennung zum Regierungsrat in der Provinz Posen zur Bearbeitung von Polizei- und Militär-Angelegenheiten.
Читать дальше