Texte: © Copyright by Karim Akerma 2017
Covergestaltung: © Copyright by Karim Akerma
Verlag:
Karim Akerma
Langbehnstraße 13f
22761 Hamburg
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Antinatalismus
Ein Handbuch
Nach der Veröffentlichung von „Soll eine Menschheit sein? Eine fundamentalethische Frage“ (1995) und „Verebben der Menschheit? Neganthropie und Anthropodizee“ (2000) waren keine größeren Arbeiten zum Antinatalismus mehr geplant. Auch das Ansinnen des bedeutenden Antinatalisten Guido Kohlbecher, ein neues Buch zum Antinatalismus zu schreiben, musste ich mit einem Hinweis auf die knappe zur Verfügung stehende Zeit ausschlagen. Erst als Guido Kohlbecher 2012 vorschlug, ein lexikalisches Handbuch zu verfassen, schien es mir wieder möglich, auch mit knappen zeitlichen Ressourcen eine neue größere Arbeit zum Antinatalismus in Angriff zu nehmen. Gleichwohl gilt für die Niederschrift dieser Arbeit, was Adolf von Harnack im Vorwort zu seiner Monographie über den antinatalistischen Häretiker Marcion sagt: Er habe „diese Arbeit in abgestohlenen Stunden, ja in halben Stunden niederschreiben müssen…, und ich kann nur hoffen, dass die Spuren seiner mühsamen Entstehung nicht allzu deutlich sind. Das Inhaltsverzeichnis habe ich so ausführlich gefasst, dass sich die Beigabe eines Registers erübrigte.“
Der Plan einer gemeinsamen Autorenschaft ließ sich leider nicht verwirklichen. Zahlreiche Einträge gehen auf Anregungen von Guido Kohlbecher zurück, worauf ich am betreffenden Ort hinweise. Von einer Handvoll Ausnahmen abgesehen, oblagen mir die Formulierungen. Auch viele der Zitate verdanken sich den jahrzehntelangen Lektüren Kohlbechers, worauf jeweils mit dem Kürzel GK hingewiesen werden soll. Eine Würdigung des bedeutenden Antinatalisten Kohlbecher wurde von Gabriele Röwer verfasst und findet sich in dem von ihr herausgegebenen Band: „Arme Teufel sind wir alle...“ Briefe von und an Robert Mächler über Gott und die Welt (2010).
Das vorliegende Antinatalismus-Handbuch dokumentiert und erörtert die Einsicht in das Nichtseinmüssen von Menschen als einen Gewinn von Freiheit gegen biosozionome Vorgaben. Und es verfolgt die ethische Absicht, fortzeugungswillige Leser davon zu überzeugen, dass es besser ist, nicht so zu handeln, dass neue Menschen zu existieren beginnen. Fortzeugungskritische Leser will es in ihrer antinatalistischen Haltung bestärken. Zu diesem Zweck bietet das Handbuch eine Vielzahl von Argumenten, Neologismen und Stellungnahmen zur Natalität aus Jahrtausenden auf. Auch wenn diese Stellungnahmen häufig gleichsam nur im Vorhof des Antinatalismus stehen, belegen sie doch, dass das Kulturwesen Mensch immer schon eine kritische Haltung gegen das biosoziale Radikal der Fortpflanzung einzunehmen wusste. Der von uns vertretene Antinatalismus ist universal, indem er alle leidfähigen Wesen berücksichtigt: Es ist zumeist besser so zu handeln , dass kein weiteres leidfähiges Tier zu existieren beginnt. Hier berührt sich der humanistische Antinatalismus mit dem ethischen Vegetarismus.
Aufgrund der Fülle noch unausgeschöpfter Materialien und Ideen hätte die Arbeit an diesem Handbuch noch über Jahre fortgesetzt werden können. Es ist in mancherlei Hinsicht alles andere als fertig. Die Verarbeitung weiterer Ideen und Materialien kann hoffentlich in einer künftigen Ausgabe stattfinden.
Zum Aufbau des Buches: Nach einer orientierenden Einleitung folgt der lexikalische Teil. Den Abschluss bilden drei Anhänge. Mit einem nach rechts zeigenden Pfeil: wird innerhalb oder am Ende eines lexikalischen Eintrags jeweils auf thematisch verwandte oder weiterführende Einträge verwiesen. Auf einen Untereintrag innerhalb eines Eintrags – etwa auf den Untereintrag „Freud versteht keinen Spaß“ innerhalb des lexikalischen Eintrags „Humoristischer Antinatalismus“ – wird durch einen Pfeil ohne Leerschritt verwiesen, beispielsweise: Humoristischer Antinatalismus Freud versteht keinen Spaß.
In Zitate eingebrachte Kommentare sind durch [eckige Klammern] gekennzeichnet.
Übersetzungen aus dem Französischen, Spanischen, Italienischen, Norwegischen, Dänischen und Schwedischen stammen von uns. Gern hätten wir auch alle zitierten englischen Texte auf Deutsch geboten, vertrauen aber darauf, dass sie dem deutschen Leser im Original zugänglich sein werden.
Vorwort
Einleitung
Philanthropie
Der Vorwurf der Kinderfeindlichkeit
Individuelle, soziale, geographische und intergenerationelle Nichtkompensierbarkeit des Leids
Historisch informierter Antinatalismus
Antinatalismus als Resultat eines gesamtgesellschaftlichen Lernprozesses
Antinatalistische Keime und Formen
Antinatalistische Durchbrüche und Schübe
Nihilismus, Rejektionismus/Daseinsverneinung und anthropofugale Perspektive
Gute Unterlassungen
Zur Antinatalismen-Sammlung
Aufklärung und Schuld
Ziel nativistischer Aufklärung: Subjektivierung der objektiven Mittäterschaft
A
Abberufung und Einberufung
Absurdes – Camus und Beckett
Abtreibung
Abtreibung und Nichtexistenzerhellung
Abtreibung als Fluchthilfe
Abtreibung als Verdienst
Abtreibung und Aussterben
Jandl, Ernst (1925–2000)
Frisch, Max (1911–1991)
Ach, wäre ich doch schon geschaffen/geboren
Adamitische Daseinsrejektion und Evas Antinatalismus
Schnurre, Wolfdietrich (1920–1989)
Adoption
Adorno, Theodor (1903–1969)
Adornos Antinatalismusblindheit und Komplizenschaft mit dem Unheil
Minima Antinatalia
Ägyptische Daseinsverwerfung
Ahimsa (Nicht-Verletzen)
Gandhi, Mahatma (1869–1948)
Mirbeau, Octave (1848–1917)
Ahnentabu
Ahnenverwünschung (Ahnen-Begegnungsverwünschung)
Ahnungslosigkeit und Auslieferung
Aichinger, Ilse (1921–2016)
Akkomodation, pronatale
Akkusationstransformation
Akkusationszurückhaltung, nativistische
Alleinseinsbewältigung
Allen, Woody (*1935) – ein Komiker als todernster Antinatalist
Alltags-Anthropodizee
Odo Marquards Baby
Eich, Günter (1907–1972)
Kirsch, Sarah (1935–2013)
Altenberg, Peter (1859–1919)
Altersangst
Altersscham
Altersvergessenheit oder Senilitätsblindheit, nativistische
Leopardi, Giacomo (1798–1837)
Améry, Jean (1912–1978)
Altruismus und Egoismus
Amphibolie des Existenzbegriffs
Anaxagoras’ Anthropodizee
Anders, Günther (1902-1992)
Annaba (alias Philippe Belotte, *1944)
Annabas antinatalistischer Roman: Le berceau (Die Wiege)
Anonymität, nativistische
Anselm von Canterbury (1033–1109)
Anthropo-Egoismus
Anthropo-Panspermie
Anthropodizee
Theologiebedarf der Anthropodizee
Unmöglichkeit aller Anthropodizee
Technische Anthropodizee
Anthropofugale
Gewinn der anthropofugalen Perspektive
Hartmann, E. v. (1842–1906)
Horstmann, Ulrich (*1949)
Anthropofugalkräfte
Anthropologie, philosophische
Kulturwesen vom Anfang her und zum Ende hin
Gehlen, Arnold (1904–1976)
Anthropopath
Anthropopetalkräfte
Antimilitarismus und Antinatalismus
Antinatalismen, antinatalistische Formen
Antinatalismus
Antinatalismus, anthropozentrischer
Antinatalismus, bevölkerungspolitischer (Denatalismus)
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