Ihre Zähne glitzerten im Dunkeln. Sie lächelte.
„Hätte ich in Shoal gewusst, dass du… aber lassen wir das. Was vorbei ist, ist vorbei. Nun wiederhole ich, was ich zu Beginn sagte: Du solltest nicht alleine grübeln. Lass uns darüber reden, was dich beunruhigt, denn dass etwas in dir vorgeht, habe ich dir angesehen, als wir dich vorhin verließen.“
Traigar blickte hinauf zu den funkelnden Sternen, die rätselhafte Zeichen bildeten.
„Ich mache mir Gedanken darüber, was es bedeutet, ein Mitglied des Schwarzen Ordens zu sein. Sieh mal, Duna: Ich weiß kaum etwas über die Schwarzen Brüder und Schwestern. Niemand hat mich gefragt, ob ich einer von euch sein will. Ich war zwar bereit, den Eid zu leisten, aber völlig unvorbereitet, als Gormen mir mitteilte, ich sei nun ein Schwarzer Kämpfer. Morgen werden sie rote Zeichen auf mein Gesicht tätowieren, und ich weiß noch nicht einmal, für was sie stehen.“
„Ich werde dir sagen, was sie bedeuten. Es sind Wörter, die in einer alten Sprache verfasst sind, einer Sprache, die schon lange vor der Gründung des Alten Königreichs nicht mehr gesprochen wurde. Erschrick nicht: Es sind die Worte Wathan-Khas.“
Aber Traigar erschrak doch. “Ihr betet die böse Seite des Weltenerschaffers an?“
„Nein, Traigar. Wir trennen nicht zwischen beiden Aspekten Gottes. Und wir beten ihn auch nicht an. Im Gebet und in der Meditation sprechen wir mit uns selbst, mit dem Teil von ihm, der in uns ist. Wir müssen uns dabei immer und immer wieder bewusst machen, dass Welt und Gott mit ihren sämtlichen Schattierungen zwischen grau und bunt eine Ganzheit darstellen. Alles – jedes Ding, jedes Lebewesen – besitzt zwei Pole, zwischen denen es pendelt. Wir können nicht verhindern, dass unser Leben immer mal wieder zur Seite Wathan-Khas ausschlägt. Aber wir müssen es erkennen und – so weit es in unseren Kräften steht – korrigieren. Wir stehen auf einem schmalen Grat zwischen einem steilen Hang hinauf zur Erlösung und einem tiefen Abgrund hinab zur Verdammnis. Unsere Aufgabe im Leben ist es, das Gleichgewicht zu halten, lehrte mich Nunoc. Manchmal rutschen wir ab und müssen uns wieder hinaufarbeiten. Wenigen von uns gelingt es, ein kleines Stück den Hang hochzuklettern. Aber vor dem tiefen Abgrund müssen wir uns hüten. Die roten Zeichen stehen für Angst und Schmerz als Gegensätze zu Freude und Glück, Hass als Gegenteil zur Liebe, Entbehrung als Gegensatz zum Genuss, Einsamkeit als Gegenstück zur Geselligkeit, Ichbezogenheit und Selbstsucht als Widerparte der Nächstenliebe. Diese schlechten Gefühle hat jeder von uns einmal, aber wir müssen alles daran setzen, das Pendel wieder in die andere Richtung ausschlagen zu lassen. Daran sollen uns die Zeichen erinnern. Es ist nichts Dämonisches daran. Aber es gibt noch ein weiteres Zeichen, man nennt es RHA . Es steht für den Tod. Dieses Pendel können wir nicht zurückschlagen lassen. Wenn wir bis zu unserem Tod nicht das richtige Gleichgewicht im Leben gefunden haben, ist es um uns geschehen. Daran müssen wir uns stets erinnern.“
Traigar nickte. „Ich verstehe jetzt ein wenig besser. Aber manches ist noch unklar. Warum trägt Athlan Gadennyn die Zeichen nicht? Er ist doch ein Magier, und als solcher hätte er in den Schwarzen Orden aufgenommen werden müssen?“
„Ja, das war vorgesehen, aber Nunoc Baryth hat es ihm zu recht verwehrt. Er erkannte, der junge Novize würde niemals das Gleichgewicht zwischen beiden Aspekten Wathans finden. Athlan tendierte eindeutig zu Wathan-Khas Seite.“
„Ja, bis auf eine einzige Sache.“
„Was meinst du damit?“
„Ich meine den Tod. Er hat das Pendel zurückschlagen lassen und wurde wiedergeboren. Er hat ihn überwunden.“
„Nein, das siehst du falsch, Traigar. Das Zeichen RHA steht nicht für das körperliche Ableben, es steht für die ewige Verbundenheit zu Wathan-Kha. Wer diesen spirituellen Tod erlitten hat, kommt nie mehr zurück, auch wenn sein Körper wiedererweckt wurde. Er ist Wathan-Bejhi so fern, wie man es nur sein kann.“
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