Hajo Heider - Allerlei Kurzgeschichten
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„Tagebuch des Grauens“ schreibe ich auf den Umschlag. Meine Schrift ist schwach und zittrig. Vor allem die ersten Seiten meines Tagebuchs spiegeln das Grauen. Ich schaue jetzt zwar zurück, aber mein Blick reicht nicht weit genug. Vor allem vermag ich noch nicht nach vorn zu schauen. Manche Sätze muss ich regelrecht entziffern, damit ich sie lesen kann. Verstehen kann ich das Geschriebene nicht mehr. Sein Sinn ist meiner Vernunft entglitten.
Erster Mai.
War es der erste Mai? Da ich erst Tage später, auf Anraten meines Psychiaters, dieses Tagebuch führe, bin ich nicht sicher, ob das Grauen mit dem ersten Mai begonnen hat. Ich bleibe einfach dabei. Wie jeder weiß, ist die Nacht zum ersten Mai die Hexennacht. Welcher Tag könnte sich also besser anbieten.
Jeden Morgen stehe ich vor dem großen Spiegel im Bad. Die Rasur ist nach dem Bad besser. Die Bartstoppeln sind durch Seife und warmes Wasser aufgeweicht, dass die Klinge die Wangen kaum berührt und trotzdem Glätte zurücklässt. Dieses herrliche Gefühl ist die Entschädigung dafür, dass ich früh aufstehen muss.
Dieser Tag könnte jeder Tag sein, doch die zwei Schritte zum beschlagenen Spiegel lassen mich in meiner Einschätzung zögern. Aus der Duschkabine folgen mir Dampfschwaden, die sich sofort des gesamten Raums bemächtigen. Ich muss mich orientieren. Dampf engt den Raum, engt meine Brust, engt meine Sicht. Augen starren durch nebligen Schleier. Dunst hat sich über den Spiegel gelegt. Durch den Dunst schauen diese Augen. Sind es überhaupt Augen, die beiden frostigen Flecke? Ich starre zurück, bis mich Tränen fast blind machen. Es ist ein Augenpaar. Aber nicht meine Augen sind es, die mich betrachten. Kälte fixiert mich. So kalt kann ich nicht schauen. Ich verharre wie gelähmt, von den Augen gefesselt, die um ihren Mittelpunkt pendeln. Bevor ich den Sinn der schwankenden Bewegung begreife, beginnen die Augen eine gemächliche Rotation.
Das Bad ist dunstig. Aromen von Südsee und verderbter Gärung wabern aus der Duschkabine. Es ist das neue Duschmittel, „Tropenfrüchte“, das mich halluzinieren lässt, ist mein erlösender Gedanke. Mit aller Kraft der Logik, die mir zu Gebot steht, suche ich eine Erklärung für meine Wahrnehmung.
Mit Toilettenpapier stelle ich mich dem Grauen. Es ist nicht leicht, den Blick von den Augen hinter dem Dunst, hinter dem Spiegel, wegzureißen. Ein Verhängnis kündendes Auge ist bereits verwischt. Das Papier saugt sich mit Unheil voll, quietscht, schreit, will sich mir verweigern. Auf der rechten Seite starrt mich ein blaues Auge an und links das rotierende. Wieso fixiert mich mein Auge so schrecklich, frage ich mich und starre zurück. Meine Hand hängt erschlafft am Spiegel, sinkt langsam herab. Ich sammle Kraft. Mit dem Papier tupfe ich meine Augen, die vom Starren tränen.
Als ich die Augen wieder öffne, ist mein blaues Auge verschwunden. Das eisige Augenpaar rotiert hinter dem Dunst der Spiegelung.
„Hör auf!“, schreie ich den Spiegel an.
Schritte eilen durch den Gang, nähern sich. Eine Hand pocht gegen die Badtür, stößt sie auf.
„Was ist?“, ruft meine Frau erschreckt.
Sie stürzt ins Bad. Vollkommen erledigt vermag ich kaum auf den Spiegel zu zeigen. Entsetzen schnürt meine Kehle. Meine Frau erkennt das Grauen. Unbeeindruckt von der eisigen Iris beherrscht sie das Grauen. Mit drei Schritten ist sie am Fenster, öffnet es, reißt Blätter von der Rolle und wischt den Spiegel ab. Beherzt raubt sie dem Grauen sein Gesicht.
Wolken entschweben durchs offene Fenster. Kühle Morgenluft drückt herein und vertreibt Dampf und gärenden Dunst. Ich bin erlöst. Ich ziehe meine Frau an mich und küsse sie. Sie betrachtet mich verlegen. Wir sprechen nicht über den Spiegel. Auch ihr fehlen die Worte.
Erleichtert rasiere ich mich. Die Frische meiner Haut lässt mich die Morgenqual vergessen. Mit einem Schwall Rasierwasser festige ich das Wohlgefühl. Beim Frühstück hat das Grauen seine Bedeutung verloren.
Am zweiten Mai entsteige ich kämpferisch der Dusche. Das Grauen kann besiegt werden. Nein, so leicht, wie ich alles darstellen möchte, ist die Angelegenheit nicht. Etwas Ungutes hat sich im Bad eingenistet. Die Augen, die so kalt aus dem Spiegel starrten, wollten mir eine Botschaft bringen. Weshalb wollen mich Augen so unerbittlich durch den diesigen Spiegel durchbohren? Sie wollen mich erkennen, wollen Verbindung aufnehmen. Tatsachen lassen sich nicht durch schwache Wünsche entwerten.
Mein Tritt aus der Dusche besitzt nicht die Leichtigkeit wie vor zwei Tagen. Unsicherheit und die Schwäche meiner Beine sind Folge der verborgenen Botschaft. Ich zweifle, ob ich mich durch Öffnen des Fensters dem Grauen widersetzen kann, ob ich dies überhaupt darf, ohne einen kosmischen Ratschluss zu stören. Mein Blick zum Spiegel hätte mein Entsetzen gespiegelt, aber der Spiegel hängt stumpf. Die rotierenden Augen stieren gräulich. Ich starre zurück. Ich will endlich die Botschaft erfahren. Eisiges Schweigen.
„Was willst du?“, frage ich das Grauen.
Meine Stimme ist fordernd, doch ich bin bereit zu flehen. Dort, wo der grauenvolle Mund sein muss, erkenne ich Bewegung. Schatten wabern unter dem Spiegeldunst. Es sind bewegte Lippen. Nur spricht dieser Mund nicht verständlich. Ich entschlüssle die Botschaft nicht. Die Bewegung ist undeutlich, dass das Rätsel rätselhaft bleibt. Wütend und hilflos schreie ich.
„Was willst du von mir?“
Ich konzentriere mich auf die Lippen. Mit meinen Lippen versuche ich, die weichen Bewegungen nachzuformen. Mir gefriert das Blut in den Adern. Es gibt keinen Zweifel. Die Lippen artikulieren das Wort „Mörder“.
Letztlich gelingt es mir, mich gegen das Grauen aufzubäumen. Ich reiße das Fenster auf, reiße eine Hand voll Blätter von der Rolle und tilge das Grauen. Immer wieder versucht es, sich gegen mich zu erheben. Neue schlierige Stellen entstehen, die ich weg reibe, bevor das Grauen sich festigt. Mit heißem Wasser bleibe ich für diesen Tag Sieger. Ich bade den Spiegel. Wasser tropft ab. Zum Schluss reibe ich ihn streifenfrei blank.
Ich rasiere mich. Der Seifenschaum schmeichelt meiner Haut. Es ist ein Glück, dass ich mein Gesicht nicht sehen muss. Langsam ziehe ich den Rasierapparat über meine Wangen. Ich nenne es gründlich, diese bedächtige Rasur, mit der ich den Anblick meiner eingegrabenen Angst verzögern möchte.
„Wieso nennt mich das Grauen einen Mörder?“, frage ich mein Spiegelbild, das sich hinter Rasierschaum versteckt.
Alles ist unter Kontrolle. Der Morgenblick in den Spiegel ist wie früher. Das Grauen ist verschwunden. Dass dennoch Entsetzten in meiner Seele nistet, ist verständlich. Ich akzeptiere, dass mich der Spiegel mit Misstrauen beobachtet, aber wir kommen wieder miteinander aus. Manchmal versucht er, mich anzulächeln. Nichts ist vom Grauen übrig, wenn ich aus der Dusche steige.
Seit einer Woche dusche ich bei offenem Fenster, sodass die huschenden Schatten das Bad verlassen müssen. Zwar merke ich ihren Unwillen, sich nicht über den Spiegel hängen zu können, aber sie werden mir nicht widerstehen.
Die Frage meines Chefs: „Ist wieder alles in Ordnung?“, zeigt mir, dass auch ihm meine schmerzliche Situation aufgefallen ist.
Meine Frau betrachtet mich kritisch, wenn sie mir eine Tasse Kaffee einschenkt. Zu ihrer Beruhigung demonstriere ich Ausgeglichenheit. Beim morgendlichen Abschiedskuss lächelt sie entspannt. Ich habe es geschafft, das Grauen würgt nicht mehr meine Kehle. Innerlich jubiliere ich.
„Chef, es ist alles in Ordnung. Es könnte nicht besser sein.“
Ich bin der große Sieger und zeige dem Spiegel mein stolzes Lächeln. Er lächelt verhalten zurück, was mir zu denken gibt. Zwar ist meine Empfindung nicht Zweifel, aber immerhin Vorsicht.
Am neunten Mai erwache ich mit starken Kopfschmerzen. Die Nacht war ein nicht endender Traum, - einer von der schrecklichsten Sorte.
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