Thomas Ross - Der Schlitten

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In Konstanz wird Carolina Ultor, Tochter des Molekularbiologen Martin Ultor, ermordet. Der Vater misstraut dem Wertesystem, das der deutschen Rechtsprechung zugrunde liegt, er hält es für zu milde. Er beschließt, den Mörder zu entführen und qualvoll zu töten. Die Entführung gelingt mit Hilfe von Komplizen aus dem kriminellen Milieu. Ultor bringt seinen Gefangenen in sein Ferienhaus ins Tessin, wo er einen Schlitten installiert hat, der sich auf Schienen auf eine Nagelwand zubewegt. Doch der Gefangene verhält sich völlig anders als erwartet. Ein gebildeter Mensch, der Ultor in eine intellektuelle Auseinandersetzung über Recht und Gerechtigkeit verwickelt, aus der dieser nicht herauskommt, ohne sein Selbstverständnis als gerechter Vollstrecker aufzugeben. Unterdessen ist Ultor ins Visier der Polizei geraten, die fieberhaft nach dem Entführten und dem Entführer sucht. Es entwickelt sich ein Katz-und Mausspiel zwischen Ultor und dem Konstanzer Kommissar, der ihn im Verdacht hat, aber nichts beweisen kann. Zugleich rückt der Schlitten zur Nagelwand vor: langsam, unaufhaltsam, unerbittlich …

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Als ich zur Identifizierung der Leiche zum Tatort gerufen wurde, spielten diese Einzelheiten keine Rolle mehr. Am ganzen Leibe zitternd bestätigte ich, dass es meine Tochter war, die wie eine Prinzessin aufgebahrt auf ihrem Teppich aus Eichenlaub lag. In ihrem Gesicht spiegelte sich erschöpfte Seligkeit; wie die eines Wanderers, der nach langer Reise müde, aber glücklich in der Herberge angekommen ist, und ein tiefer Friede, der mit der Erlösung von großem Leid in ihre kleine Seele gekommen sein musste; und dieser Friede stand in einem ungeheuerlichen Gegensatz zu der bestialischen Abscheulichkeit des Urhebers dieser Szene.

Der Anblick war unerträglich. Ich verlor das Bewusstsein. Im Krankenhaus teilte man mir mit, dass ich unter lautem Wutgeschrei plötzlich um mich geschlagen hätte, sodass man sich zur Sicherheit der ermittelnden Beamten und zu meiner eigenen genötigt gesehen habe, medizinische Maßnahmen zu ergreifen.

7

Der Fundort befand sich nicht weit von einem Winkel, den ich ganz besonders liebte. Am Rande einer kleinen Lichtung führte ein Wanderweg vorbei, und etwas dahinter lag im Wald ein mannshoher Felsbrocken, den Wind und Wetter zu einem natürlichem Sessel ausgehöhlt hatten. Die Füße konnte man auf eine Abbruchkante stellen; sie war durch Absplitterung eines Felsstücks infolge winterlicher Eisbildung in den Ritzen entstanden. So hatte die Natur eine Sitzgelegenheit mit einer etwa sechzig Zentimeter hohen Rückenlehne geschaffen, die angenehmer nicht hätte sein können, besonders wenn man die Sitzfläche mit einer Decke auslegte. In der warmen Jahreszeit ging ich jede Woche dorthin, anfangs nur der schönen Umgebung wegen, dann um die Kräfte der Natur zu studieren, die sich bei der Betrachtung des Steines offenbarten. Schon bald kam ich auch an kühleren Tagen, aber nur der Himmel weiß, mit welchen Erwartungen ich es wenige Tage nach Carolinas Verschwinden tat. Vielleicht war es die Hoffnung, in diesem Sammelbecken heiterer Gedanken und wunderbarer Empfindungen jetzt, da nichts mehr davon übrig zu sein schien, ein klein wenig von der verlorenen Freude am Leben zurückzugewinnen.

Sogleich erinnerte ich mich der Stunden, die ich mit Carolina hier verbracht hatte, wie wir Pilze suchten und sie mich auf dem steinernen Thron zum König des Waldes ausgerufen hatte. Einen Kranz aus Reisig hatte sie geflochten und mit Eichenblättern besteckt; zum Zwecke des Regierens zudem ein ordentliches Zepter – es war ein schöner Weidenstock – aus einem Strauch herausgebrochen. Dann hatte sie mich von Kopf bis Fuß mit Erde eingerieben, sodass ich vor Dreck nur so starrte, und wir lachten und tollten wie junge Füchse durch den Wald.

Wenn im Herbst die Berge im Feuer der sinkenden Sonne erglühten, hatten wir da nicht Schönheit in Vollendung geschaut? In Ehrfurcht und Wonne die Erhabenheit der Schöpfung gespürt, dann, wenn die Mücken wie durch Zauber sich in Schwärmen zusammenfanden – so, als ob lebendige Kohlen die Luft durchstießen, nur um nach Sekunden sich im Nichts zu verlieren?

Immer wenn der Tag zur Neige ging, begann der große Zauber, eine Zeit für märchenhafte, schaurig-schöne Erfahrungen: Knorrige Buchen entließen Trolle in die nahende Nacht, Dryaden entstiegen den Stämmen windgebeugter Eichen und der Ginsterbusch am Rande der Lichtung war in Wahrheit das Tagkleid einer schlafenden Elfe.

Ach, wie hatten diese Stunden uns mit süßem Schaudern erfüllt! Alles war so lebendig, so greifbar und konkret, kein Augenblick glich dem anderen. Mit kindlicher Verzückung hatten wir die Wunder der Natur geschaut und waren glücklich.

Doch nun tat alles nur weh. Die Erinnerungen an Liebe und Zugehörigkeit waren wie Messer, die in mein Fleisch schnitten. Ich stand am Felsen und weinte, und in meinen Tränen ertranken die Wunder der Natur. Die sagenhaften Gewächse des Waldes, das sanfte Braun der weichen Erde, die Lichtung mit der Blumenwiese und die tausend Farben des Frühlingslichts – all dies war nur ein Schatten, eine blasse Erinnerung an die jäh vergangene Zeit.

Der Wald war fahl und grau, der stolze Hirsch in der Ferne todgeweiht, der Spatz auf dem Ast Katzenfutter von morgen. Am Boden wucherte modriges Fichtenholz, feuchter Morast und kalte Erde waren die Vorboten des nahenden Todes. Der halb verweste Kadaver eines Perlhuhns lag im halbhohen Gras und stank abscheulich. Ich blickte hilfesuchend zum Himmel, der schwer war und trüb wie meine Seele. Eine Zeitlang stand ich reglos da. Da blähte und wölbte sich plötzlich die Erde unter mir, und unter dumpfem Grollen gebar sie eine Gestalt, so scheußlich und furchterregend, dass ich am ganzen Leib erschauderte; ich fürchtete, es wäre Grendel, der gekommen war, mich in sein dunkles Reich zu holen. Und ich spürte, wie all meine Liebe, meine Hoffnung und mein Glaube an das Gute in seinem schwarzen Schlund erstickten.

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Dem Untersuchungsbericht der Rechtsmedizin war zu entnehmen, dass „die Tatmerkmale mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein sexuell motiviertes Tötungsdelikt schließen lassen.“ Die Leichtfertigkeit, mit der dieses Schriftstück den Leidensweg meiner Tochter auf wenige kalte Zeilen reduzierte, war entsetzlich, doch nicht minder entsetzlich war die Leere, die sich hinter den Worten dieser seelenlosen Technokratensprache verbarg. Die Funktionäre haben der Sprache die Seele geraubt, sie haben ihr die Kraft der gesunden, reinen Empfindung genommen, entkernt wie die Pflaumen fürs Kompott. Im öffentlichen Raum ist kein Platz für echte Freude, für geteiltes Leid, für ungeheuchelte Anteilnahme? Der Objektivität des Urteils oder der Vernunft wegen, die Empfinden als eine Art Gift begreift? Das ist in höchstem Maße lächerlich. Denn liegt es nicht in der Natur des Menschen, objektiv Erfahrbares stets im Lichte eines Gefühls wahrzunehmen, das jeden auch nur halbwegs komplexen Sinnesreiz so notwendig begleitet wie die Hitze das Feuer?

Es waren Gedanken wie diese, die in den Tagen, als aus der Bangigkeit Gewissheit wurde, meinen Kopf fluteten, ich war ungehalten, ungeduldig, überdreht. Die Polizei machte ihre Arbeit durchaus so, wie man es von ihr erwarten durfte, aber mir ging alles viel zu zögerlich voran, und am liebsten hätte ich die Ermittlungen selbst in die Hand genommen, was natürlich unmöglich war. Das zuständige Kommissariat setzte einen Spezialisten ein, der versuchte, mich nach allen Regeln der psychologischen Kunst zu beschwichtigen. Vergebens. Meinen Beschuldigungen und Beschimpfungen hielt er zwar leidlich stand, am Ende aber siegte die Verzweiflung. Immerhin leistete er mir für einige Zeit Gesellschaft; ich nehme an, er tat es der Befürchtung wegen, ich könnte mir das Leben nehmen.

Man hatte mir Informationen über den Fortschritt der Ermittlungen zugesichert, die jedoch kaum über den Inhalt gewöhnlicher Pressemitteilungen hinausgingen. Die polizeiliche Ermittlungsarbeit dürfe nicht behindert werden, hieß es lapidar.

Die Polizei beauftragte eine Sondereinheit, setzte sich mit den umliegenden Gefängnissen und forensischen Krankenhäusern in Verbindung. Es galt, Hinweise über etwaige Geflohene zu erhalten. Am Tatort wurden Profiler eingesetzt, die Tat- und Tatumgebungsmerkmale mit wissenschaftlichen Erkenntnissen über das Persönlichkeitsprofil des Täters in Verbindung zu bringen suchten. Man erbat sich Amtshilfe aus anderen Bundesländern und durchforstete alle verfügbaren Datenbanken über Sexualstraftäter. Hundestaffeln wurden in die umliegenden Wälder geschickt, brauchbare Spuren wurden aber nicht gefunden. Die Polizei des benachbarten Auslands wurde in Alarmbereitschaft versetzt. Im Laufe der Ermittlungen gingen zahlreiche Anzeigen ein, die aber alle ins Leere führten, darunter auch eine eilends in Auftrag gegebene Genanalyse von mehreren hundert Männern.

Jenseits der polizeilichen Arbeit erwies sich die Suche nach dem Mörder als Possenspiel. Die Presse und das Fernsehen taten, was sie in solchen Fällen immer tun: Sie belieferten das schaulustige Volk mit dem Stoff, der die voyeuristische Gier nach fremdem Leid befriedigt. Der eigenen, von ängstlicher Unlust beherrschten, unscheinbaren Existenz muss der Schrecken der Vergänglichkeit genommen werden, sie muss um jeden Preis an Wert gewinnen. Gemeinhin erreicht man dieses Ziel über die Relativierung der eigenen an der noch größeren Misere anderer – eine aufgeklärten Menschen unwürdige, aber weit verbreitete Form des Umgangs mit der tief verankerten, die Schutzwälle philosophischer und religiöser Betrachtung niederreißenden und damit unerträglichen Befürchtung, dieses Leben könnte tatsächlich, an und für sich, sinnlos sein.

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