Damit ist die katholische Kirche mit anderen, die nicht den katholischen Glauben haben, „versöhnt“, und das kann auch so bleiben; denn sie würden ja „eine Kirche werden“.
Die dahinterstehende Logik ist zwar nicht nachzuvollziehen, aber Degenhardt erhielt den Beifall auch von vielen anderen Bischöfen. Laut den neuen Lehren des Konzils habe sie „der Geist Christi“ohnehin „gewürdigt, Mittel des Heils“(=Konzilsdekret „Unitatis redintegratio“ 3 ) zu sein. Völlig unterschiedliche Glaubenslehren und daraus folgende Lebensweisen werden unwichtig. Wozu also noch katholisch sein?
In einer Laudatio (Lobesrede) für den protestantisch-evangelischen Landesbischof Johannes Friedrich am 11. Oktober 2011 hatte sogar der oberste Glaubenswächter der katholischen Kirche in Rom, Kardinal Müller, erklärt, dass die sogenannte „Rückkehr – Ökumene abwegig“sei. Die im Laufe der Geschichte von der katholischen Kirche abgefallenen kirchlichen Gemeinschaften brauchten also nicht mehr in die katholische Kirche zurückzukehren.
Damit verriet auch er alles, wofür die Kirche und alle Päpste bis Papst Pius XII (z.B. in der Enzyklika „Mystici corporis“ ) gekämpft hatten.
Begründet wird die Ökumene–Theologie aber mit einer ebenfalls zunächst harmlos klingenden Behauptung, in den anderen christlichen Bekenntnissen und so weiter gebe es ja auch „Elemente“ des Christlichen, zum Beispiel das Gebet, das Glaubensbekenntnis, die Anerkennung Jesu Christi etc. etc.. Diese „Elemente“, die nur noch zur Vervollkommnung gebracht werden müssten, aber immerhin schon vorhanden und als wird „wertvoll“ anerkannt werden müssten, lösen das 2000 Jahre alte Kirchenverständnis und damit die Kirche von innen her auf. Die immer nur als unteilbare Einheit verstandene Kirche wurde nun zu einer Ansammlung von voneinander unabhängigen Elementen, aus denen sich die Kirche zusammensetze. Diese neue Theologie gehört zu den zunächst unerkannten Zeitbomben des Zweiten Vatikanischen Konzils, die man mit Vorsatz in das Konzilsdokument eingebaut hat und die erst später gezündet werden sollte, um ihre volle Zerstörungswirkung für den katholischen Glauben und das Christentum überhaupt zu entfalten. Genau dies geschieht in dieser Zeit, wie ich weiter unten zeigen werde.
„Und nun“?
Dass die weitere Entwicklung der formal noch bestehenden katholischen Kirche nach dem Konzil in schneller Radikalität ganz anders und viel katastrophaler verlief, als es die Konzilsväter überhaupt je für möglich gehalten hätten, hatte in all diesen Dingen ihre erste Ursache.
"Und weiter?"
Eine zweite Ursache kam hinzu: die später folgenden Ausführungsbestimmungen zu den Konzilsergebnissen.
Wie dabei vorgegangen wurde und welche katastrophalen Folgen sich für die katholische Kirche alsbald zeigten, zeigt sich präzise, wenn ich die eigentliche Lehre der katholischen Kirche bis zum Konzil in Grundzügen und in äußerster Kürze aufzeige und sie dann mit den Neuerungen und Veränderungen vergleiche.
Danach wird für jeden deutlich, dass wir es mit zwei völlig verschiedenen Kirchen zu tun haben, mit der 2000-jährigen Kirche vor dem Konzil und der Kirche nach dem Konzil, die man nur anti-katholisch und eigentlich auch nicht mehr christlich nennen kann. Der Leser wird, wenn er die kurze Geduld aufbringt, die nicht uninteressante Lehre der ursprünglichen Kirche kennen zu lernen, auch als Nichtfachmann selbst sehen, welche Vernichtungswelle die Kirche bzw. den ursprünglich katholischen Glauben erreicht hat und dass er im Kern aufgehört hat zu existieren.
Fairerweise stelle ich deren ursprüngliche Glaubenslehre aus deren Selbstverständnis dar.
Der Glaube der katholischen Kirche bis 1965
"Was lehrte der Glaube der Kirche denn bis 1965?"
Der Glaube ist das Urwissen der Welt. Die deutsche Sprache, wahrscheinlich die genaueste und präziseste der Welt, hat dieses entscheidende Wort "glauben" aber nie sprachlich von anderen Bedeutungen unterschieden. Sie lauten z.B. auch "vermuten" bzw. "nicht wissen".
Das Glauben des Christentums meint dagegen "Gewissheit" und "Vertrauen", das in jedem Menschen naturhaft vorhanden und von Gott geschenkt ist. Dieses Glauben gibt ihm, sowie er diese Welt betritt, das Urvertrauen in die Richtigkeit der Dinge dieser Welt, ihren Zusammenhang und in ihre innewohnende Ordnung, die so umfassend und komplex (=vielschichtig) ist, dass sie als ein Zufallsprodukt unmöglich gedeutet werden kann. Trotz aller kosmischen Gefährdung unseres Planeten ist dieses Grundvertrauen des Menschen offensichtlich unerschütterlich.
Jede atheistische Theorie ist dagegen gescheitert; sie kann die Entstehung von Materie und Geist aus dem Nichts nicht erklären, ebenso wenig den Sinn und das Ziel aller Dinge und ihre Ursprünge, vor allem aber nicht, warum überhaupt etwas existiert.
Das "Nichts" existiert nicht. Es kann nicht einmal gedacht werden. Sinnfragen bleiben wissenschaftlich unerklärbar und sind nur diesem Urwissen zugänglich. Das sind Erfahrungstatsachen.
„Aber was lehrt speziell die christliche Kirche über den Glauben? Was ist neu?“
Der Inhalt des Glaubens - und das ist das spezifisch Christliche - wird durch Gott selbst und durch seine Mitteilung in der Geschichte bekannt gemacht, in der er selbst in einer Person namens Jesus Christus sichtbar wird, und zwar durch seine Gnade.
Wir erfahren nicht alles, was wir wissen wollen. Aber wir wissen alles, was wir wissen müssen, um das Lebensziel des Menschen über den Tod hinaus zu erreichen, und zwar durch die besondere Offenbarung, die durch die Überlieferung der Urkirche bekannt gemacht ist.
Wer dieser von der Kirche garantierten und erklärten Wahrheit des Glaubens zustimmt und in diesem Glauben lebt, wird das Leben, das nie vergeht und in der Einheit mit "Gott", dem Ursprung, besteht, erreichen. Nur zu diesem Zweck sind wir da.
„Beweise ?"
Der Mensch in seinem Wesen belegt diese Erkenntnis selbst. Er weiß nämlich, dass er seine Existenz nicht sich selbst verdankt. Er wird ohne sein Wollen in diese Welt hineingeboren, ohne von ihr vorher gewusst zu haben. Er weiß, dass er erlösungsbedürftig ist, weil Einsamkeit und Leiden, Krankheit und Tod das vollendete und erfüllte Glück in Vollendung und in der Dauer jedenfalls in diesem Leben verhindern, immer und überall.
Denn diese Welt ist und funktioniert unendlich grausam und unbefriedigend, da Fressen und Gefressenwerden naturgesetzlich sind. Der Mensch steht außerhalb eines "Paradieses", und eine Änderung dieser Naturordnung würde das Leben selbst aufheben. Innerweltliches Glück hat daher niemals Bestand und basiert auf einer Illusion, es sei denn, "Religion" gäbe Trost, Zukunftsgewissheit und innere Freude ( =beständiges Glück).
Obwohl der Mensch das alles sehr wohl weiß, versucht er dagegen in jeder Sekunde seines wachen Lebens, das vollkommene Glück dennoch zu erreichen. Dieses Streben ist in ihm geradewegs so angelegt, dass er - entgegen seiner eigenen Erfahrung - nie davon ablassen kann.
Dies ist umso bemerkenswerter, weil er weiß, dass das vollkommene Glück und das vollendete, dauerhafte Glück und Glücksempfinden innerweltlich gar nicht erreichbar sind, da es Vollkommenheit und Dauerhaftigkeit der Glückssituation voraussetzt und innerhalb seines Lebens immer unerfüllbar bleibt. Nichts bleibt dauerhaft.
Auch das innerweltliche Glückserleben selbst ist - genau betrachtet - nur auf dem Untergrund der Verdrängung möglich. Die tatsächliche Wirklichkeit muss ausgeblendet werden, nämlich die Tatsache, dass das gerade vorhandene Glück in seinem Bestand ständig bedroht ist und sicher endet.
Читать дальше