und kann nur dreieinhalb bezahlen.‹
Alle anderen Kaufleute, die ich darauf fragte, gaben
mir dieselbe Antwort, und nun liegt es doch klar auf
der Hand, daß sich die Weißen nur deshalb versammelten,
um mir schlechte Preise für meine Biber zu
zahlen. Denk nur nach, Conrad, und es wird dir einleuchten.
Wenn sich die Weißen so oft versammeln,
um Gutes zu hören, so sollten sie doch auch etwas
Gutes wissen; aber sie wissen rein gar nichts. Wenn
ein Weißer in unser Land kommt und hungrig ist, so
geben wir ihm Speise und Trank und verlangen nichts
dafür; kommt aber eine Rothaut in ihre Häuser, um
etwas zu essen, so heißt's zuerst: ›Wo ist dein Geld?‹
Und hat nun der Arme keins, so wird er vor die Tür
geworfen.
Solche gute Sachen lehren sie nicht in jenen Versammlungen.
Uns sind sie von unseren Müttern gelehrt
worden, als wir noch Kinder waren, und wir
haben uns deshalb nicht mehr als Männer zu versam-
meln brauchen. Aber die Weißen gehen nur aus dem
einfachen Grund in jenes große Haus, damit sie sich
einigen, wie sie uns am billigsten um unsere Felle beschwindeln!
« –
Wir haben vorhin beiläufig erwähnt, daß außer
dem allgemeinen psychologischen Grund auch noch
die Dummheit verschiedener Missionare eine Teilschuld
an ihrer Erfolglosigkeit trägt, und wir führen
dazu nur ein Beispiel an, nämlich Stellen aus dem Religionsbuch
eines französischen Geistlichen, dessen
Manuskript zufällig Dr. Mather in die Hände fiel.
Frage: »Wie ist der Boden im Himmel?«
Antwort: »Sehr eben. Man braucht weder Fleisch
noch Kleider dort; man wünscht es sich nur, und man
hat es.«
Fr.: »Müssen die Leute im Himmel arbeiten?«
Antw.: »Nein, sie tun nichts. Die Felder bringen
ohne besondere Mühe Korn, Bohnen und Kürbisse
hervor.«
Fr.: »Wie ist der Boden in der Hölle?«
Antw.: »Sehr uneben und zerrissen; sie ist ein feuriger
Pfuhl in der Mitte der Erde.«
Fr.: »Hat man Licht in der Hölle?«
Antw.: »Nein, es ist immer dunkel, und man kann
nichts als Teufel sehen.«
Fr.: »Wie sehen die Teufel aus?«
Antw.: »Sehr kränklich. Sie haben Larven vor, mit
denen sie die Leute erschrecken.«
Fr.: »Was wird in der Hölle gegessen?«
Antw.: »Die Leute sind immer hungrig. Die Verdammten
leben von heißer Asche und von giftigen
Schlangen.«
Fr.: »Welches Wasser haben sie zu trinken?«
Antw.: »Schreckliches Wasser. Nichts als geschmolzenes
Blei.«
Fr.: »Sterben sie in der Hölle?«
Antw.: »Nein. Einer frißt den anderen auf; aber
Gott erweckt jeden Morgen die Gefressenen wieder.«
Mit dieser Probe wird wohl der Leser genug haben.
Sehen wir uns nun einmal das religiöse Leben der Indianer
etwas näher an, von dem uns nichts einen besseren
Begriff liefern kann als eben ihre primitiven
Märchen und Legenden.
Wie bei den Griechen, so wimmelt auch bei jenen
die ganze Natur von Göttern, und wie erstere die
Stufe zwischen Mensch und Gott durch ihr mächtiges
Heroengeschlecht ausfüllten, so haben letztere dafür
zweideutige Manitus erfunden. Bäche, Felsen, Bäume
und Sträucher sind von diesen Geistern bewohnt; Regenbogen,
Nordlichter und Sternschnuppen sind Geister,
und die Milchstraße ist deren Weg.
Der hauptsächlichste religiöse Kultus der Irokesen
besteht in der Verehrung der heiligen drei Geschwister;
diese sind der Geist des Korns, der Geist der
Bohne und der Geist des Kürbisses. Jene Pflanzen
sind nämlich die wichtigsten Gaben des Großen Geistes
und daher besonderen Schutzengeln anvertraut
worden, unter denen man sich drei schöne Frauen vorstellt,
die einen großen Wigwam bewohnen und unter
dem Namen Deohako bekannt sind.
Die guten Geister offenbaren sich gewöhnlich
durch Träume; denn Träume, sagen die Indianer mit
Homer, kommen von Gott und haben folglich auch
etwas zu bedeuten.
Wie nun der Große Geist seine zahlreichen Unterbeamten
und Vasallen hat, so hat auch sein später entstandener
Antagonist, der Teufel, eine Masse dienstbarer
Trabanten, die Pestilenz, Krankheit und Hungersnot
verschulden und allerlei Schwarzkünstler und
Hexen unter die Leute schicken. Besonders großartig
organisiert sind die irokesischen Teufel; sie halten
sogar jährlich ihre regelmäßigen Versammlungen ab,
zu denen jedem der Skalp seines besten Freundes als
Einlaßzettel dient.
Jene Teufel sollen auch dem edlen Korn seine ursprüngliche
Nahrhaftigkeit genommen und verursacht
haben, daß dessen Pflanzung jetzt mit soviel Mühe
verbunden ist und die roten Leute dabei ihre liebe
Mutter, die Erde, so sehr quälen müssen. Wenn der
Wind durch die Ähren streift, so hört man auch ganz
deutlich das Jammern und Wehklagen des Korngei-
stes ob der Schändung des göttlichen Kleinods, das
der Sage nach dem Busen der Mutter des Großen Geistes
entsprungen sein soll.
Die zwei obersten geistigen Gewalten haben natürlich
bei jedem Stamm ihre besonderen Namen, Beschäftigungen,
Attribute und eigentümlichen Charaktere.
Bei den Odjibwas heißt der Große Geist Gitschi
Manitu, bei den Irokesen Häwenneyu; andere Namen
für ihn sind Mingo Minnato, Monätowa, Atahon,
Oki, Mitschabu usw. Einer seiner Hauptbeamten war,
wie die Irokesen erzählen, Heno, der Gott des Donners,
gewöhnlich nur der »Großvater« genannt, der
unter dem Niagarafall wohnte, Wolken, Regen und
Gewitterstürme schuf und stets rächende Blitze für die
Hexen und Gotteslästerer bereithielt. Sein Kopf war
mit glänzenden Federn geschmückt, die ihn gegen alle
Attacken des Teufels sicherten, und wenn er ausging,
hängte er sich gewöhnlich einen großen, mit scharfkantigen
Felsen gefüllten Ranzen um, die er gelegentlich
miserablen Subjekten auf die Köpfe warf.
Am einfachsten in theologischen Dingen ist wohl
der Apache-Indianer in Sonora; er hat nur einen
Häuptling des Himmels, Yastasitanne, angestellt, ihm
aber weiter keine Eigenschaften – weder gute noch
schlechte – beigelegt, weil man seiner großen Entfernung
wegen darüber nichts zu sagen wisse. Daher
weiß er auch nicht, ob es eine Belohnung und eine
Bestrafung seiner Taten gibt, und an ein Fortleben
nach dem Tod zu glauben, geht nun ganz und gar
über seinen Horizont.
Auch die Chickasaws wissen nichts von einer ewigen
Verdammnis.
Der Große Geist hat so viele verschiedene Wohnungen,
wie es Rothäute gibt. Nach dem allgemeinen
indianischen Sprichwort soll er auf »der Prärie« weilen;
die Komantschen sagen, sie wüßten es nicht, aber
die Sonne wüßte es sicher, da sie ihn ja täglich besuche,
weshalb man sie auch verehren solle. Andere
sagen wieder, er wohne in Carver's Cave, einer mit
Hieroglyphen beschriebenen Höhle bei St. Paul in
Minnesota, die von den Indianern Wakantipe genannt
wird, usw.
Gitschi Manitu tritt in allen möglichen Gestalten
auf: als Schildkröte, als rote Sandsteinpfeife, als Bär
usw. Er kann sich sehr schnell verwandeln und tut das
auch häufig. Den Odjibwas erschien er einst als 64
Fuß (?) großer Riese; bei den Huronen hatte er sich
mit Schellen, Korallen und Muscheln behängt, und
als ihm Hiawatha seine Tochter opferte, kam er in Gestalt
eines Vogels herunter. Früher, als er noch als
Mensch unter den Indianern lebte, hatte er sich den
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