1000 Tage an der Ostfront

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Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um authentische Tagebuchaufzeichnungen. Es sind bewegende Schilderungen des Alltags im Krieg. Zuerst das siegreiche Vorrücken, die Großangriffe, dann das Überwintern auf offenem Feld vor Moskau, der Häuserkampf um Stalingrad und ab 1942 bereits der Rückzug, das verzweifelte Aufhalten der Front. Aber auch geradezu idyllische Situationen werden beschrieben, wenn z.B. im Sommer 1942 die Batterie ihre Zelte in einem Obstgarten hinter der Front aufbaut oder wenn man in einer sternklaren Nacht Wache schieben muss.
Im Tagebuch wird man mit einem Einzelschicksal konfrontiert, das zum Teil unmenschliche Strapazen auf sich nehmen muss, ohne zu wissen, welches strategische Ziel hinter den Kampfhandlungen steckt.
Das Anliegen dieses Buches ist es, die Aufzeichnungen durch historische Kommentare zum Kriegsgeschehen zu ergänzen, um so eine historische Einordnung zu ermöglichen.

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Doch Schukows Erscheinen zeigte unmittelbare Wirkung. Unter seinem entschlossenen Kommando kamen Hoepners Panzerangriffe in den Gräben und Betonanlagen, die die Leningrader angelegt hatten, zum Stillstand. Das Stadtgebiet mit seinen drei Millionen Einwohnern blieb unangetastet. Deutsche Luftangriffe forderten täglich Tausende von Todesopfern, doch die Panzervorstöße erreichten das große Stadtgebiet der Kanäle und klassizistischen Paläste nicht.

Einmal machten wir noch Stellungswechsel, um von einer anderen Seite noch näher an die Stadt heranzukommen. Wir lagen jetzt auf einem Acker neben der Straße. Das Wetter war wieder unfreundlich geworden. Der Acker war aufgeweicht, denn es regnete viel. Oft war es kalt und ungemütlich. Unsere Leitung war oft gestört, so dass wir oft auf Störungssuche waren.

Die russische Artillerie und die Schiffsgeschütze belegten das Gelände weiterhin mit Granaten aller Kaliber. Schwere Brocken zischten durch die Luft und wühlten sich tief in die Erde. Oft sah man Trichter von 10 Metern Durchmesser und 5 Metern Tiefe.

Als wir am dritten Tag in dieser Stellung lagen, stellten wir fest, dass auf der Straße der Fahrzeugverkehr immer stärker geworden war.

Infanterie zu Fuß, bespannte Artillerie und technische Einheiten zogen in Gruppen nach vorn. Was hatte das wohl zu bedeuten?

Hitler hatte beschlossen, die Masse von Hoepners Panzergruppe 4 abzuziehen und der Operation „Taifun“ zur Einnahme Moskaus zuzuführen. Hauptziel des Unternehmens war es, die russischen Kräfte zu überwinden und zu vernichten, die den Zugang nach Moskau blockierten, und zwar in der bis zum Einbruch des Winterwetters verfügbaren befristeten Zeit.

Durch Tod, Verwundung und Krankheit hatte das deutsche Heer in den 10 Wochen, die der Russlandfeldzug andauerte, bereits eine halbe Million Mann verloren. Diese Ausfälle waren zwar nicht mit den fürchterlichen Verlusten der Roten Armee zu vergleichen, aber sie reichten aus, um die Moral der Frontsoldaten zu beeinträchtigen.

Schon am nächsten Tag erfuhren wir, dass wir abgelöst werden sollten. Wir freuten uns sehr und begannen sofort mit dem Aufnehmen der Leitungen. Es war noch sehr früh, als ich mit meinem Kameraden durch das Gelände ging und das Kabel auftrommelte.

Wir kamen in die Nähe der Feuerstellung der Nebelwerfer. Hier wurden gerade Feuerkommandos durchgegeben. Es war noch nicht ganz hell.

Ein Schauspiel von ungeheurem Ausmaß bot sich unseren Augen. Jedes Geschütz schoss eine Serie von acht Granaten ab, die wie Feuerbälle in Abständen durch die Luft flogen. Wir konnten sie mit unseren Augen verfolgen. Wir standen staunend mit offenem Mund und mit offenen Augen, bis das Schauspiel beendet war.

Inzwischen kamen die Fernsprecher von der Feuerstellung mit dem Kabel und wir gingen gemeinsam zur Ausgangsstellung. Alles wurde sofort verladen und wir belegten sofort unsere Plätze auf dem B-Wagen. Die Batterie fuhr zunächst 30 km zurück, wo sich die Abteilung sammelte.

Es dauerte zwei volle Tage, bis alle Fahrzeuge der Abteilung beisammen waren. Inzwischen kontrollierten wir das Material und brachten es in Ordnung. Die Kraftfahrer mussten alles genauestens überprüfen, denn wir hatten eine lange Fahrt vor uns.

6. Der Rückzug aus Leningrad in Richtung Moskau

Es war der 26. September, als wir unsere Fahrt begannen. Erst am späten Nachmittag setzte sich die Kolonne in Bewegung. Vorn fuhr der Stab und dann folgten die Batterien. Wir, als die sechste, fuhren am Schluss.

Zunächst fuhren wir in westlicher Richtung. Es ging über Luga, Pskow und weiter in Richtung Ostrow. Wir fuhren nur des Nachts und an den größeren Städten vorbei. An den Tagen lagen wir in den Wäldern und ruhten.

Wir wünschten, dass es so weiterginge, bis wir in der Heimat sind. Vom Krieg hatten wir alle genug.

Es ging dem Oktober entgegen und es war schon beträchtlich kalt. Wir merkten es nicht nur des Nachts beim Fahren, sondern auch am Tage, wenn sich die Sonne hinter den Wolken verkroch. Außerdem regnete es von Zeit zu Zeit. Weißer Reif bedeckte am Morgen den Erdboden. Da war es nicht gerade angenehm, wenn wir es uns jetzt gemütlich machen wollten. Da reichten zwei Decken nicht mehr aus. Ja, es fing so langsam an zu wintern.

Des Nachts rollten unsere Fahrzeuge weiter in westlicher Richtung und wir sangen schon: In der Heimat, in der Heimat, da gibt’s ein Wiedersehen. Wenn wir auch selbst nicht daran glaubten, so wollten wir doch zur guten Stimmung beitragen.

Auf einmal bog die Kolonne nach Süden ab und das auf einer Straße, die nach Westen verlief. Sofort verstummte der Gesang und wir machten lange Gesichter. Es geht also zu einem neuen Frontabschnitt. Daran zweifelte jetzt keiner mehr. Was wird uns die Zukunft bringen? Strapazen auf jeden Fall, das war uns allen klar.

Wir begaben uns jetzt in den Mittelabschnitt, in dessen Bereich Moskau lag. Es ging in den Winter und der Krieg war noch lange nicht beendet.

Am 1. Oktober fuhren wir in eine neue Feuerstellung

Während das OKH, insbesondere Halder, glaubten, man würde der Kampfkraft der Russen am besten Herr werden, indem man geradenwegs auf Moskau zustieß, ging es Hitler hingegen hauptsächlich darum, so viel russisches Gebiet wie möglich zu schlucken und die russischen Verteidiger dabei in gewaltigen Kesselschlachten zu vernichten.

Hitlers Differenzen mit Halder und dem OKH traten offen zutage, als er am 19. Juli die Weisung ausgab, dass die beiden Panzergruppen der Heeresgruppe Mitte, Hoths 3. und Guderians 2., von dem Vormarsch auf Moskau abgezogen werden sollten, um Leeb und Rundstedt beim Vorrücken auf Leningrad bzw. Kiew zu unterstützen. Der Vormarsch auf Moskau wurde verschoben, bis der Raum von Smolensk vom Feind gesäubert wäre.

Guderian war außer sich. Seine Vorausabteilungen, die in 6 Wochen 700 km tief vorgedrungen waren, standen nur 350 km vor Moskau. Sie hätten sicherlich noch vor Einsetzen des Herbstregens an die Hauptstadt herangeführt werden können.

Er verfolgte daher eine Verzögerungstaktik, der sich das OKH stillschweigend anschloss, um Hitlers Änderung der „Barbarossa“ Strategie zu unterlaufen. Er schickte seine Panzergruppe in ein Gefecht um die Stadt Roslawl, etwa 115 km östlich von Smolensk, wo die Straßen nach Moskau, Kiew und Leningrad aufeinander treffen.

Hoth, Befehlshaber der Panzergruppe 3, akzeptierte die Argumente, mit denen der „Führer“ für eine Unterstützung Leebs in der Hauptstoßrichtung Leningrad plädierte.

Es folgte das Neunzehn-Tage-Interregium, vom 4. – 24. August, das sich nicht nur dadurch auszeichnete, dass die Deutschen an allen Fronten nur langsam vorrückten, sondern auch dadurch, dass der oberste deutsche Kriegsherr seine Meinung mehrfach änderte.

Hitler kündigte für den 4. August seinen Besuch bei der Heeresgruppe Mitte an. Auf einer Besprechung von OKW und OKH am 7. August gelang es Jodl und Halder, Hitler von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Vormarsch auf Moskau wieder aufzunehmen.

Drei Tage später versetzte der verstärkte Widerstand an der Leningradfront Hitler in solchen Schrecken, dass er verlangte, Hoth solle mit seinen Panzern unverzüglich abrücken und Leeb zu Hilfe eilen.

Jodl meinte vertraulich, Hitler „scheue sich instinktiv, den gleichen Weg wie Napoleon zu gehen. Moskau hat etwas Unheimliches für ihn.“

Hitler argumentierte mit kriegswirtschaftlichen Gründen und der Notwendigkeit, sich des südrussischen Wirtschaftsraums von Kiew bis Charkow zu bemächtigen, und unterstrich, wie wichtig die Eroberung der Krim sei. Noch immer deckte Deutschland seinen Erdölbedarf hauptsächlich dort.

Nach beinahe dreiwöchiger Untätigkeit nahm das Ostheer den Angriff mit einer entschlossenen Offensive in das südrussische Schwarzerdegebiet wieder auf.

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