Eine Gemeinsamkeit gibt es allerdings schon. Sämtliche bläulichen Zustände des Läufers bzw. des Läuferkörpers sind negativ behaftet, so auch der blaue Zehennagel . Dieser ist eine Verletzung, die Läuferinnen und Läufer jeden Leistungsniveaus treffen kann. Lang- und Ultrastreckenläufer sind davon öfter betroffen als Mittelstreckenläufer, oder als solche Läufer, die im Training nicht länger als 30 Minuten unterwegs sind. Allerdings ist diese zeitliche Einschränkung kein Ausschlusskriterium für blaue Zehennägel .
Ein blauer Zehennagel ist nichts anderes als ein blutunterlaufener Zehennagel. Das Blut sammelt sich unter dem Nagel, denn es kann nicht abfließen. Dort gerinnt es, die eigentlich rote Flüssigkeit wird dunkler und erscheint mit der Zeit dunkelbläulich, fast schwarz. Ganz abgesehen davon, dass die Karriere als Fußmodell spätestens zu diesem Zeitpunkt für ein paar Monate ausgesetzt werden muss, gibt es noch andere negative Konsequenzen, die mit der Farbänderung einhergehen. In den ersten Tagen spürt man eine erhöhte Druckempfindlichkeit, schließlich beansprucht das Blut unter dem Zehennagel Platz. Aus diesem Grund wird der Nagel wenige Mikro- oder Millimeter angehoben, ein nicht wirklich angenehmer Prozess. Bei starken Blutungen kann der Nagel so weit vom Nagelbett weggedrückt werden, sodass dieser abfällt. Die Ästhetik eines schönen Fußes ist nun endgültig zerstört, zudem kann das ein geregeltes Lauftraining in den nächsten Tagen und Wochen erschweren. Bei leichten Blutungen lässt das Drückgefühl innerhalb weniger Tage nach. Bis auf die Verfärbung verspürt man keine weiteren Beschwerden.
Ursache für die Einblutung sind die unzähligen kleinen Aufpralltraumata, die bei jedem Laufschritt entstehen können. Bei jedem Fußaufsatz bewegt sich der Fuß im Schuh nach vorne. Ist zwischen den Zehen und dem vorderen Schuhrand zu wenig Platz, stoßen die Zehen jedes Mal gegen die Zehenbox des Laufschuhs. Geschieht das oft genug, reagiert der Körper wie bei einer Prellung mit einem blauen Fleck. Das Gewebe wird überbeansprucht und kann den andauernden Stoßbelastungen nicht mehr Stand halten. Verhindern kann man dieses Verletzungsbild, indem man die Laufschuhe so kauft, dass im Stehen zwischen dem längsten Zeh und dem vorderen Schuhrand mindestens eine Daumenbreite Platz ist. So hat der Fuß ausreichend Bewegungsspielraum und prallt nicht an das vordere Ende des Schuhes.
Doch nicht nur ein zu enger Schuh kann Schuld an einem blauen Zehennagel sein. Manchmal können auch schlecht sitzende, zu enge Socken verantwortlich dafür sein. Ungewohnt langes Bergablaufen kann ebenfalls dazu führen. Schließlich rutschen die Füße aufgrund der Hangabtriebskraft ein Stückchen weiter nach vorne als im Flachen oder bergauf. Dass sich zu lange Zehennägel negativ auswirken können, muss wohl nicht näher beschrieben werden.
Wenn der Zehennagel einmal blau ist, kann man eigentlich nicht viel dagegen unternehmen. Manch rabiater Läufer schwört darauf, mit einer heißen Nadel ein kleines Loch in die Mitte des Zehennagels zu brennen, damit das Blut abfließen kann. Ob diese Maßnahme sinnvoll ist oder nicht, soll an dieser Stelle nicht weiter diskutiert werden. Viel wichtiger ist, hier noch einmal darauf hinzuweisen, dass man bereits im Vorfeld alles unternehmen sollte, damit es erst gar nicht zu einem blauen Zehennagel kommt.
Wenn sich Läufer über blaue Zehennägel unterhalten
Läufer:„ Ich habe mir gestern meine Großzehe blau gelaufen.“
Übersetzung:„Gestern habe ich es aus irgendeinem Grund geschafft, dass sich Blut unter meinem Zehennagel ansammelt. Dadurch hat sich der Zehennagel bläulich verfärbt. Der Druck des Blutes auf den Nagel ist unangenehm und völlig überflüssig.“
| Wortart |
Verb |
| Verwendungszweck |
Respekt bekunden |
| Sozialverträglichkeit |
hoch |
| Missverständnisse |
möglich |
| Verwendungshäufigkeit |
hin und wieder, wenn man Bock dazu hat |
| Läufertypus |
Vollblutläufer, Endorphinjunkie |
| Gesprächspartner |
tempogeile Laufkumpel |
| Beliebtheits-Skala |
9 |
Fußball-WM 2018. Fassungslos sitzt Deutschland vor den Fernsehgeräten. Südkorea hat soeben das 1:0 geschossen. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw ist bei der Fußball-WM in Russland in der Vorrunde ausgeschieden. Damit hatte niemand im Vorfeld gerechnet. Natürlich wird sofort im Anschluss auf vielen Fernsehkanälen, in den Tageszeitungen und in den Kneipen diskutiert, warum die DFB-Auswahl nicht zu ihrer gewohnten Stärke fand. Natürlich gab es unzählige Antworten auf diese Frage. Eine dieser Antworten beschäftigt sich auch bestimmt damit, dass es in Deutschland immer weniger Bolzplätze gibt. Diese kleinen Rasenplätze in städtischen Gebieten stehen den Kindern und Jugendlichen, aber auch fußballbegeisterten Erwachsenen zur Verfügung, um ihrer Leidenschaft außerhalb eines Fußballvereins nachzugehen. Dort kann man also nach Herzenslust bolzen .
Doch damit hat das Bolzen im läuferischen Sinne gar nichts gemeinsam. Wenn Läufer bolzen , jagen sie dabei nicht irgendeinem Ball nach oder begeben sich in Zweikämpfe mit ihren Gegnern. Läufer können alleine oder gemeinsam mit anderen bolzen . Es spielt dabei auch keine Rolle, ob ein Wettkampf oder nur ein Training auf dem Plan steht.
Wenn eine Läuferin oder ein Läufer bolzt , dann läuft er oder sie einfach nur schnell. Dieses schnell unterliegt dabei keinen objektiven, sondern nur rein subjektiven Maßstäben. Dann ob jemand bolzt oder nicht, hängt nicht von seinen läuferischen Fähigkeiten ab, sondern von seiner mentalen Einstellung in dieser Sekunde. Bolzen kann nur jemand, der sich in diesem bestimmten Moment mit voller Hingabe dem Laufen zuwendet und alles andere um sich herum vergisst. Nur wer sich mit 100 % Einsatz auf die Aufgabe fokussiert, kann bolzen .
Natürlich stellt sich jetzt die Frage, wo der Unterschied zwischen bolzen und laufen mit höchstmöglicher Geschwindigkeit liegt. Falls ein Läufer vor dem Training sagt, dass er heute so richtig bolzen wird, meint er nicht damit nur, dass er sich vorgenommen hat, an sein läuferisches Limit zu gehen. Er möchte an jenem Tag auch herausfinden, wo sein Limit liegt. Er freut sich darauf, in den nächsten Minuten oder Stunden zu ergründen, wozu sein Körper imstande ist. Das kann natürlich nur geschehen, wenn man mental dazu bereit ist, sich voll auszubelasten.
Der Begriff bolzen suggeriert auch automatisch, dass man von Beginn einer Belastung an alles daran setzt, seinen Körper an die Grenze seiner Belastungsfähigkeit zu bringen. Allerdings ist insofern Zurückhaltung geboten, da man ja das Tempo bis zum Ende der Trainingseinheit oder des Wettkampfes durchhalten möchte. Das gehört nämlich ebenfalls zum korrekten Verständnis des Begriffs bolzen dazu. Wenn man bei einem 10km-Dauerlauf bereits nach drei Kilometern sein Tempo reduzieren muss, dann kann man streng genommen nicht davon sprechen, dass man heute gebolzt hat. Sollte man erst auf dem letzten Kilometer oder gar den letzten Metern einbrechen, darf man hingegen sehr wohl von bolzen sprechen.
Sobald jemand anderes davon spricht, dass ein Lauffreund gebolzt hatte, schwingt auch immer ein gewisser Respekt in dieser Aussage mit. Es braucht nämlich eine gehörige Portion Mut, um vom Start weg das Tempo so hoch zu halten, dass man ständig an seinem Limit läuft. Außerdem respektiert man die Leistung des anderen, wenn man von bolzen spricht, egal wie schnell dieser jemand war. Das gilt auch für einen selbst. Rückblickend drückt man durch die Verwendung dieses Ausdrucks aus, dass man selbst mit seiner Leistung sehr zufrieden, vielleicht sogar überrascht war.
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