Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Ja. Du hast es genau erfaßt.«

»Also ist alles nach Plan und fest im Griff. In deinem. Und da sind wir jetzt, am Rand des Leeren Meeres, und wir fahren von Minute zu Minute immer tiefer hinein.«

»Es paßt dir nicht, Doc? Willst du das Schiff verlassen? Schön, ich hindere dich nicht. Geh. Wir fahren weiter, ob es dir paßt oder nicht.«

»Und deine Kapitäne? Glaubst du wirklich, die bleiben bei dir, sobald sie das wahre Ziel kennen?«

»Wetten, daß? Sie fahren, wohin ich es ihnen befehle. Das haben sie immer getan, und das werden sie weiter so machen. Möglich, daß die Schwestern ausscheren, wenn sie irgendwie rausfinden, wohin es geht, aber das kann mir nur recht sein. Wozu taugen sie schließlich schon, diese verrückten Schnepfen? Sie würden uns sowieso nur Schwierigkeiten machen, wenn wir am Zie l sind. Aber Stayvol, der segelt überall hin, wohin ich ihn beordere. Und Bamber und Martin ebenfalls. Und der arme Arsch Damis hätte das auch gemacht. Direkt weiter bis zum Ziel, und keine Fragen. Und wir werden hinkommen, und wir werden die verdammt größte und reichste Stadt bauen, die Hydros je gesehen hat, und werden dort in Glück und Wohlstand auf ewig leben. Ich garantiere es dir, es wird so sein! Magst du noch einen Schluck, Doc? Aber ja doch, ich glaub, du hast ihn nötig. Nimm dir einen steifen Dreimaster. Du siehst wirklich aus, als ob du ihn brauchst.«

* * *

Father Quillan stand an der Bordwand und starrte wie in Ekstase auf die Leere hinaus, die hier sogar noch leerer wirkte als der endlose Strang von Wasser, den sie inzwischen bereits hinter sich gela ssen hatten. Er schien sich gerade in einer seiner spirituellen Hochphasen zu befinden. Das Gesicht war gerötet, die Augen glühten. »Ja«, sagte er, »ich habe Delagard zu dieser Reise geraten. Zu der Fläche über den Wassern.«

»Und wann war das? Als wir noch auf Sorve lebten?«

»Aber nein. Auf See. Kurz nachdem Gospo Struvin getötet wurde. Der Tod von Gospo traf Delagard tief, mußt du wissen. Er kam zu mir und sagte, ›Father, ich bin kein religiöser Mensch, aber ich muß mit jemandem sprechen, und du bist der einzige hier, dem ich trauen kann. Vielleicht kannst du mir helfen.‹ Das waren seine Worte. Und dann erzählte er mir von dieser Fläche über den Wassern. Was das sei und warum er dorthin segeln wollte. Und über den Plan, den er mit Gospo ersonnen hatte. Und er wußte nicht, was er tun sollte, nun, da Gospo nicht mehr war. Er wollte immer noch unbedingt dorthin, aber er war sich nicht sicher, daß er es schaffen würde. Wir sprachen lange über diesen Begriff — Fläche, Gesicht, Antlitz, Festes über den Wassern — und er erklärte mir alles ausführlich, so wie er es von einem alten Seemann vor langer Zeit gehört hatte. Und nachdem ich die ganze Geschichte gehört hatte, drängte ich ihn, seinen Plan weiter durchzuführen, selbst ohne die Hilfe Gospos. Ich erkannte die Bedeutung seines Unterfangens, und ich sagte zu ihm, daß er der einzige Mensch auf diesem Planeten sei, der dabei überhaupt eine Aussicht auf Erfolg hatte. Nichts darf dir im Weg sein, sagte ich zu ihm. Zieh weiter, sagte ich, und führe uns in dieses Paradie s, zu dieser unverderbten, jungfräulichen Insel, auf daß wir einen Neuen Anfang setzen können. Und er wendete sein Schiff und steuerte gen Süden.«

»Und warum«, fragte Lawler mit einiger Zurückhaltung, »glaubst du, daß es uns gelingen sollte, auf dieser… ah… jungfräulichen Insel, zu der du und Delagard uns bringen wollt, einen Neubeginn zu schaffen, der Bestand hat? Mit einer Handvoll Menschen, die sich in der Wildnis niederlassen, im Unbekannten, wo wir keine Ahnung von irgend etwas haben?«

Quillan antwortete mit einer Stimme, die so schneidend klang, als fräste sie seine Worte auf Metallplatten: »Weil ich daran glaube, daß dies wortwörtlich das Paradies ist. Der Garten Eden. Wie es geschrieben steht.«

Lawler mußte erst einmal schlucken. »Meinst du das wirklich im Ernst? Der echte, ursprüngliche Garten Eden, in dem Adam und Eva gelebt haben?«

»Das wahre Eden, ja. Das Paradies ist überall dort und dort wirklich, wo es nicht von der Ur-Sünde berührt und verderbt wurde.«

»Also stammt Delagards Vorstellung von diesem Paradies dort von dir? Das hätte ich mir denken können. Und ich darf wohl annehmen, du bist auch überzeugt, daß Gott dort wohnt. Oder benutzt er das bloß als sein Feriendomizil?«

»Das weiß ich nicht. Aber ich würde gern glauben, daß ER dort ist. ER ist immer dort, wo das Paradies ist. Wo immer das sein mag.«

»Na klar«, sagte Lawler. »Der Erschaffer des Universums haust genau hier auf Hydros auf einer riesigen Sumpfinsel, die von halbverrottetem Tang bedeckt ist. Daß ich nicht lache, Father! Ich weiß ja noch nicht mal, ob du überhaupt an deinen Gott glaubst. So zu fünfzig Prozent, nehme ich an, bist du da auch nicht ganz so sicher.«

»Nein, so halb und halb bin ich nicht sicher«, antwortete der Geistliche.

»Wenn du deine ›toten‹ Phasen hast.«

»Ja. In Zeiten, wo ich völlig überzeugt bin, daß wir eine völlig zweck- und sinnlose Weiterentwicklung aus den niederen Tiergattungen sind. Wenn es mir wieder einfällt, daß der ganze lange Evolutionsprozeß von der Amöbe bis zum Homo erectus auf der ERDE, von Mikroorganismen aller Art bis zu fühlenden, denkenden Wesen von aller nur erdenklichen Art auf allen möglichen Planeten, nichts weiter ist als ein Automatismus, genau wie die Bewegung eines Planeten um seine Sonne… und genauso ohne irgendeinen Sinn. Wenn ich denke, daß nichts das alles in Bewegung gesetzt hat. Daß nichts es in Bewegung hält, außer der inhärenten Wesenheit.«

»Und das glaubst du — manchmal, so halbwegs?«

»Nicht halbwegs. Aber manchmal. Meistens — nein.«

»Und in diesen Phasen, in denen es nicht so ist? Was geschieht da?«

»Dann glaube ich, daß es eine Prima Causa gab, die das alles in Bewegung setzte, und aus Gründen, die wir vielleicht nie erfahren werden. Und ER, dieser Erste Verursacher, hält das alles am Laufen — aus SEINER gewaltigen Liebe für SEINE Geschöpfe heraus. Denn GOTT ist LIEBE, genau wie Jesus das gesagt hat, in dem Teil der Heiligen Schriften, bis zu dem du in deiner Lektüre nicht vorgedrungen bist: Wer aber ohne Liebe ist, der erkennet Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Gott ist Verbindung. Zusammensein. Gott ist das Ende der Einsamkeit, ist die Höchste Verschmelzung. Und ER wird uns alle, so wenig wir dessen würdig sind, in SEinen Schoß nehmen, und dort werden wir leben ewiglich und ohne Leiden und Qual.«

»Und das glaubst du — jedenfalls meistens.«

»Ja. Meinst du nicht, du könntest das ebenfalls?«

»Nein!« sagte Lawler. »Es wäre ja sehr wünschenswert, aber ich kann nicht.«

»Also hast du das Gefühl, daß alles ohne Sinn, Ziel und Zweck ist?«

»Das — nein, nicht ohne Sinn. Aber wir werden nie erfahren, was dieser Sinn und Zweck ist. Oder — wer da was beabsichtigt. Dinge geschehen… so wie die Golden Sun mitten in der Nacht einfach verschwunden ist, aber wir finden nicht immer glatt heraus, warum etwas geschieht. Und wenn wir’s dann doch tun, dann wartet da kein väterlich-göttlicher Schoß und kein Himmel auf uns, die uns aufnehmen, und kein Leben nach dem Leben in glorioser Seligkeit. Da wird einfach nichts von alldem sein.«

»Ach«, sagte der Priester und nickte. »Mein armer Freund. Du steckst Tag um Tag in jenem Zustand, in den ich nur in Momenten nacktester Verzweiflung gerate.«

»Das mag schon sein. Aber ich ertrage es irgendwie.« Lawler kniff die Augen zusammen und spähte über die funkelnde See nach Südwesten, als erwarte er, daß dort im nächsten Augenblick eine dunkle gewaltige Insel in Sicht kommen müsse. Es hämmerte in seinem Schädel. Ihn verlangte danach, den Schmerz in Taubkraut-Elixier zu ertränken.

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