Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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Eine einzigartige Verkettung in den Positionen der drei Monde und der Schwesterwelt höchstwahrscheinlich: das teuflische Zusammenwirken von Gravitationskräften. Ja, das mußte diese unvorstellbare Wasserbeule hervorgerufen und sie um den Bauch des Planeten in Kreisbewegung gebracht haben.

Aber irgendwie schwamm das Schiff noch immer. Lawler konnte sich nicht vorstellen, wieso. Aber er war ziemlich sicher, daß es immer noch wie ein Korken auf dem Wasser tanzte, denn er konnte die stetige Geschwindigkeit wahrnehmen, mit der die WOGE weiterzog. Diese unerbittliche Kraft rammte ihn gegen das Schott und drückte ihn dort so fest, daß er zu keiner Bewegung fähig war. Wenn sie bereits gekentert wären, rechnete er sich aus, hätte die WOGE inzwischen langst davongezogen sein müssen und sie wären sang- und klanglos auf der Rückseite am Absaufen. Doch nein. Nein. Das Schiff fuhr. Mitten in der WOGE steckten sie und wurden herumgewirbelt, kielober, kielunter, und alles im Schiff, was nicht festgemacht war, flog krachend umher. Er konnte das hören, Scheppern und Rasseln, als schüttelte ein Riese das Schiff in seiner Faust, und so war es ja wahrlich auch. Nach oben und unten und oben und unten. Er rang nach Luft, er keuchte, als wäre es er selber, nicht das Hauptdeck, der da unentwegt untergetaucht wurde und dann wieder auftauchen durfte. Hinab und wieder empor, und runter und rauf und runter. In seiner Brust hämmerte es. Benommenheit überkam ihn, aber auch eine Art betrunkener Leichtigkeit und Leere im Gehirn, die es ihm unmöglich machten, irgendwie Panik zu empfinden. Er wurde derart wild umhergewirbelt, daß er keine Furcht mehr empfinden konnte, es war dafür einfach keine Stelle in seinem Kopf frei.

Wann sacken wir endlich ab? Jetzt? Jetzt? Oder jetzt?

Oder würde die WOGE sie niemals loslassen, sondern sie ohne Ende um den Globus tragen, ewig kreisend wie ein von seiner schrecklichen Eigenkraft bewegtes Rad?

Aber dann kam der Zeitpunkt, an dem alles wieder stabil wurde. Wir sind davon frei, dachte er, wir treiben wie der aus eigenem. Doch, nein, nein. Es war nur eine Illusion. Nach ein, zwei Augenblicken fing das Wirbeln erneut an, und heftiger als zuvor. Lawler spürte, wie ihm das Blut aus dem Kopf in die Beine schoß und umgekehrt und wieder umgekehrt. Seine Lungen schmerzten. Bei jedem Atemzug brannte es wie Feuer in seinen Nasenlöchern.

Es gab ein Krachen und Gepolter, das aus dem Schiffsinnern zu kommen schien, und lauteres Getöse, das von draußen zu kommen schien. Er hörte ferne Stimmen rufen, gelegentliche Schreie . Da war das Brüllen des Windes — oder doch jedenfalls die akustische Einbildung, als hörte er den Wind brüllen. Und da war dieses dunklere Dröhnen der WOGE selbst. Und ein helles knisterndes Zischen, das in scharfes Fauchen überging und das Lawler überhaupt nicht einordnen konnte: vielleicht der wütende Zusammenstoß von Wasser und Himmel an ihrem Kontaktpunkt. Oder vielleicht auch war die WOGE von unterschiedlicher Dichte, und ihre eigenen hydratischen Komponenten — nur flüchtig gebunden durch das Moment der übergeordneten Kraft — waren in Widerstreit zueinander geraten.

Und dann endlich trat erneut eine Weile Stille ein, und diesmal schien sie zu dauern und zu dauern und kein Ende finden zu wollen. Also, jetzt versinken wir, dachte Lawler. Wir sind fünfzig Meter tief unten, und wir sinken weiter. Gleich werden wir ertrinken. Jeden Moment kann der Druck des uns umgebenden Wassers unsere kleine Blase von einem Schiff zerquetschen, und die See bricht herein, und dann haben wir es überstanden.

Er wartete, daß diese Wasserimplosion endlich komme. Ein rascher Tod — sollte es eigentlich sein. Die Faust des Wassers gegen die Brust würde den Blutstrom zum Gehirn abwürgen; er würde im Nu bewußtlos sein. Und er würde nie erfahren, wie die Geschichte endete: das langsame Tiefersinken, die berstenden Balken und Planken, die Geschöpfe der Tiefe, die neugierig hereinkommen, glotzen und überlegen und schließlich fressen würden.

Aber es geschah nichts. Alles blieb still. Sie schwebten treibend in einer Zeit außerhalb der Zeit, ruhig und still. Lawler kam der Gedanke, daß sie wohl bereits tot sein müsse, sein müßten, daß dies hier das nächste Leben sein müsse, an das er nie hatte glauben können, und er schaute sich lachend um, weil er hoffte, Father Quillan irgendwo zu entdecken, damit er ihm sagen konnte: »Hattest du dir das so vorgestellt? Als ein endloses Dahintreiben im Schwebezustand? Genau an der Stelle, wo du gestorben bist, immer noch mit Bewußtsein behaftet, und um dich herum nichts weiter als eine maßlose Stille?«

Er mußte über seine Torheit lächeln. Wenn es das Leben danach gab, dann war es bestimmt nicht die bloße Fortsetzung des augenblicklichen. Nein, er befand sich durchaus noch in seinem alten gewohnten Leben. Und dort waren seine ihm vertrauten alten Füße, die vertrauten alten Hände mit den blasser gewordenen Narben in den Handflächen. Und das war das Geräusch seines eigenen Atems. Er lebte noch. Und das Schiff mußte demzufolge noch schwimmen. Die WOGE war also doch vorbeigezogen.

»Val?« fragte eine Stimme. »Bist du okay?«

»Sundira?«

Sie kam durch den engen, durch alles mögliche losgebrochene Zeug verstopften Gang auf ihn zugekrochen. Ihr Gesicht war sehr blaß, und sie wirkte wie betäubt. In den Augen stand ein starres Funkeln. Lawler regte sich, befreite sich von einer Planke, die von irgendwoher herabgestürzt und auf seiner Brust gelandet war, ohne daß er davon etwas gemerkt hätte, und dann wand er sich aus seinem gemütlichen Schlupfwinkel heraus. Sie trafen sich auf halber Strecke.

»Himmel«, sagte sie leise. »Oh, du mein Gott im Himmel!«

Dann begann sie zu weinen. Lawler griff nach ihr, um sie zu trösten, und merkte, daß auch er weinte. Und so hielten sie sich aneinander fest in dieser gespenstischen traumartigen Stille und weinten.

* * *

Eine der Luken war geöffnet, und durch sie fiel ein Lichtstrahl herein. Hand in Hand stiegen sie ins Freie.

Das Schiff schwamm aufrecht, saß ganz normal im Wasser, als sei überhaupt nichts gewesen. Das Deck war naß und schimmerte, wie Lawler es nie zuvor hatte blitzen sehen. Es sah aus, als ob eine Million Deckgasten es eine Million Jahre lang geschrubbt hätten. Das Ruderhaus war noch, das Kompaßhaus, das Quarterdeck, auch die Brücke. Verblüffenderweise standen auch die Masten noch, allerdings hatte der Vormast eine seiner Rahen verloren.

Kinverson stand bereits wieder auf Deck bei seinem Hebebaum, und Lawler sah Delagard vorn am Bug, breitbeinig und reglos aufgepflanzt und vom Schock wie verblödet. Es sah aus, als hätte er Wurzeln durch die Decksplanken getrieben, als wäre er dort an dieser Stelle die ganze Zeit über gestanden, während das Schiff von der WOGE davongerissen wurde. Weiter drüben nach steuerbord zu stand Onyos Felk in genau der gleichen reglosen Erstarrtheit.

Nach und nach kamen die übrigen aus ihren Schlupfwinkeln: Neyana Golghoz, Dann Henders, Leo Martello, Pilya Braun. Dann auch Gharkid, der von einem Mißgeschick unter Deck ein bißchen hinkte, und Lis Nikiaus, und dann Father Quillan. Sie wanderten mit vorsichtig schiebenden Schritten umher wie Schlafwandler, als vergewisserten sie sich zögerlich, ob das Schiff auch wirklich noch intakt war; sie berührten die Reling, die Mastblöcke, das Dach der Back. Der einzige, der fehlte, war Dag Tharp. Lawler nahm an, er sei unter Deck geblieben, um mit den anderen Schiffen Funkkontakt aufzunehmen.

Die anderen Schiffe? Es war nirgendwo etwas von ihnen zu sehen.

»Sieh nur, wie still es ist«, flüsterte Sundira.

»Still. Ja, und leer.«

Es sah so aus, wie man sich wohl den Ersten Tag der Schöpfung vorstellen konnte. Nach allen Seiten hin erstreckte sich eine völlig gestalt- und gesichtslose Wasserfläche, die See, graublau und ruhig, glatt und ohne die geringste Dünung, ohne Woge, ohne eine einzige Schaumkrone, ohne die kleinste Kräuselung: eine träge gleichmäßige horizontale Leere. Der Durchzug der WOGE schien alle Energie mit sich fortgerissen zu haben.

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