Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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Sein Grinsen war einladend. Die feuchten braunen Augen blitzten vor Aufregung. Lawler begriff, daß Martello maßlos stolz war auf sich und nach Beifall hungerte. Er beneidete ihn ein wenig um diesen Überschwang, diese Offenheit, diesen ungebremsten Enthusiasmus. Hier, inmitten dieser verzweifelten Reise ins wahrscheinliche Verderben, war der Junge fähig, Worte zu finden und zu Poesie zu machen. Es war erstaunlich!

»Bist du damit nicht ein bißchen vorschnell?« fragte er Martello. »Beim letztenmal warst du, glaub ich, gerade bis zur Emigration von der ERDE und zur Kolonisation der erste Sternwelten gekommen.«

»Genau. Aber ich denk mir, ich komme irgendwann in meinem Gedicht an den Punkt, wo ich von unserem Leben auf Hydros berichten muß, und diese Reise hier wird dabei eine bedeutende Rolle spielen. Also habe ich mir gedacht, warum soll ich das nicht gleich jetzt niederschreiben, wo alles noch frisch in meinem Kopf ist, anstatt zu warten, bis ich so in vierzig, fünfzig Jahren ein alter Mann bin?«

Ja, warum eigentlich? dachte Lawle r.

Während der letzten Wochen hatte Leo das Haar auf seinem kahlgeschorenen Schädel wachsen lassen; da war inzwischen kräftiges braunes Haar nachgesprossen. Er sah damit zehn Jahre jünger aus. Martello würde wahrscheinlich noch fünfzig Jahre länger leben (sofern irgend jemand auf diesem Schiff überhaupt überlebte). Vielleicht sogar siebzig weitere Jahre. Viel Zeit, um Gedichte zu schreiben. Doch ja, es war vielleicht richtig, daß er seine dichterischen Eindrücke gleich schriftlich festhielt.

Lawler streckte die Hand aus. »Fein. Dann laß mich mal sehen.«

Er las einige Zeilen und tat, als überfliege er den Rest. Es war ein langatmiger Erguß von der gleichen ungekonnten, kitschtriefenden Art wie jenes andere Bruchstück seines ›großen Epos‹, das Martello ihm zu lesen erlaubt hatte; allerdings hatte dieses Fragment hier wenigstens den Vorzug, daß es dank der persönlichen Erfahrung etwas mehr Leben zeigte.

Aus der Höhe stürzte die Flut der Finsternis
Drang tief in uns ein, bis ins Mark der Knochen.
Schwer kämpften wir und mühten uns,
Um nicht zu kentern, als der neue Feind, gewaltiger
Noch als der erste kam: Die WOGE war es!
Und brachte große Angst, erstickend
In der Kehle und eisig in der Brust.
Die WOGE! Schreckensfeind, der mächtigste von allen,
Erhob sich wie ein Wall aus Tod im Angesicht der
See… Wir aber zitterten und zagten und fielen
Verzweifelt nieder auf die Knie…

Lawler blickte auf. »Ziemlich stark, Leo.«

»Ich glaube, ich habe eine völlig neue Ebene damit erreicht. Bei den ganzen historischen Passagen mußte ich mich von außen herantasten, aber dies hier, das war ganz nah’…« Er streckte die Hände flach aus. »Ich brauchte es nur niederzuschreiben, so schnell ich die Worte aufs Papier bringen konnte.«

»Du warst eben inspiriert.«

»Ja, genau, das ist das richtige Wort.« Scheu griff Martello nach dem Manuskriptblatt. »Ich könnte es dir auch hierlassen, Doc, wenn du es vielleicht noch genauer lesen möchtest.«

»Nein, nein, danke. Ich möchte lieber warten, bis du den ganzen Gesang fertig hast. Du hast noch nichts darüber geschrieben, wie wir hinterher wieder auf Deck kommen und feststellen, daß wir tief mitten im Leeren Meer stecken.«

»Ich hab gedacht, ich warte damit, bis wir wirklich das Feste Land über den Wassern erreicht haben. Derzeit ist unsere Reise ja nicht besonders interessant, nicht? Es passiert überhaupt nichts. Aber wenn wir dort ankommen…« Er brach bedeutungsvoll ab.

»Ja?« fragte Lawler. »Was glaubst du, wird dann dort geschehen?«

»Wundersames, Doc! Phantastische Wunder und nie gehörte Zauberdinge!« Martellos Augen leuchteten. »Ich kann’s kaum erwarten. Ich will darüber einen Canto dichten, auf den Homer selbst stolz hätte sein können. Homer!«

»Ich bin sicher, du wirst das schaffen«, versicherte Lawler.

* * *

Aus der Leere der See tauchten plötzlich wieder Hexenfische auf, zu Hunderten, zu Tausenden. Es bestand kein Grund, daß man hier mit ihnen hätte rechnen müssen; alles in allem wirkte das Meer hier sogar noch leerer als zu Beginn.

Doch an diesem glühenden Mittag tat sich das Meer auf und belagerte das Schiff mit Schleimaalen. Sie hoben sich alle zugleich aus den Fluten und wirbelten in dicken Wolken über das Mittschiff. Lawler war an Deck. Er hörte ein Schwirren und duckte sich automatisch in den Schutz des Vormasts. Die Hexenfische waren einen halben Meter lang und so dick wie sein Arm, und sie flogen durch die Luft wie blitzschnelle tödliche Geschosse. Die eckigen ledrigen Schwingen waren weitgespreizt, die nadelscharfen Stachelreihen auf dem Rücken aufgerichtet.

Manche überflogen das Deck in einem einzigen weiten Bogen und landeten klatschend auf der anderen Seite wieder im Wasser. Andere prallten gegen die Masten oder das Dach der Back, oder sie türmten sich in den schlaffen Segeln, oder aber ihre Flugkraft war einfach mitten auf Deck erschöpft und sie knallten mit wütenden Zuckungen auf die Planken. Lawler sah zwei von ihnen verbissen Seite an Seite dicht an sich vorbeifliegen: ein bösartiges Glitzern in den Augen. Danach kamen drei, die noch enger beisammen flogen, als wären sie durch ein Joch gehalten; und dann so viele, daß er nicht mehr zählen konnte. Er hatte keine Chance, bis zum Luk und in Sicherheit zu gelangen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich zu verstecken, sic h zu ducken und zu warten.

Er hörte einen Schrei von weiter hinten, und aus einer anderen Richtung kam ein verärgertes Grunzen. Er blickte auf und sah Pilya Braun droben in der Takelung hängen, wo sie sich mühsam festhielt; während sie versuchte, einen ganzen Schwarm abzuwehren. An einer Wange hatte sie einen blutenden Riß.

Ein dicker Hexenfisch streifte Lawler am Arm, richtete jedoch keinen Schaden an, da die Stacheln zur anderen Seite gewandt waren. Und gerade als Delagard aus der Decksluke kam, streifte ihn ein weiterer an der Brust, wo im Hemd ein Riß entstand, der sich sogleich blutig färbte. Der Fisch fiel Delagard vor die Füße, der ihn in rasendem Zorn unter dem Stiefelabsatz zermalmte.

Drei, vier Minuten lang war der Angriff wie ein Hagel von Wurfspeeren. Dann war alles vorbei. Die Luft war wieder still, die See ruhig und glatt, wie eine Fläche aus zerstoßenem Glas, die sich bis in die Unendlichkeit erstreckte.

»Mistviecher«, sagte Dela gard mit schwerer Zunge. »Die werd ich vernichten. Ausrotten werd ich die, jeden einzelnen verdammten Satanskerl von denen!«

Wann? Wenn er das Feste Land über den Wassern in Besitz genommen und sich zum Allerhöchsten Herrscher über den ganzen Planeten aufgeschwungen hat?

»Laß mich den Schnitt mal anschauen, Nid«, sagte Lawler zu ihm.

Delagard schüttelte ihn ab. »Weiter nichts als ein Kratzer. Ich spür ihn schon nicht mehr.«

»Schön, wie du willst.«

Neyana Golghoz und Natim Gharkid kamen von drunten und begannen die toten und sterbenden Fische zu einem Haufen zusammenzukehren. Martello hatte eine üble Rißwunde am Arm und eine Reihe Hexenfischstacheln im Rücken stecken und kam zu Lawler, um sich verarzten zu lassen. Lawler befahl ihm, runter in die Sanitätsstation zu gehen und dort auf ihn zu warten. Pilya kam aus der Takelung und zeigte ihm gleichfalls ihre Verletzungen: ein blutender Schnitt quer über die Wange, ein weiterer direkt unter den Brüsten. »Dafür werden wir ein paar Nähte brauchen fürchte ich«, erklärte er ihr. »Tut es sehr weh?«

»Es sticht ein bißchen. Es brennt. Es brennt ziemlich stark. Aber ich werd schon wieder.«

Sie lächelte. Lawler erkannte, daß sie immer noch in ihn verliebt war, die Sehnsucht (oder was immer es war) nach ihm schimmerte noch immer in ihren Augen. Sie wußte wohl, daß er mit Sundira Thane schlief, doch dadurch schien sich für sie nichts geändert zu haben. Möglicherweise war es ihr ja nur recht, daß die Hexenfische sie so verletzt hatten, denn sie zog damit seine Aufmerksamkeit auf sich, und sie würde die Berührung seiner Hände auf ihrer Haut fühlen. Sie tat Lawler leid, und ihre dulderische Hingabe machte ihn traurig.

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