Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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»Genau richtig, Doc.«

»Und wieso, wenn du mir das erklären könntest, findet dieser Father Quillan es eine so gute Idee, daß wir dorthin fahren sollen?«

»Weil er weiß, daß ich schon immer dorthin gehen wollte.«

Lawler rückte. Er fühlte, wie ihn die heitere Gelassenheit der äußersten Verzweiflung überkam. Noch ein Schluck von Delagards Brandy, das erschien ihm jetzt als recht erwünscht. »Ja sicher, Father Quillan glaubt an die Segensträchtigkeit irrationaler Eingebungen. Und da uns ja sowieso keine andere Zuflucht bleibt, kannst du selbstverständlich ebensogut unser ganzes beschissenes verlorenes Häuflein um den halben Globus und an den verrücktesten, fremdartigsten und am weitesten entfernten Ort von Hydros schippern, von dem wir absolut ganz und gar nichts wissen, außer der Tatsache, daß noch nicht mal die Gillies tollkühn genug sind, sich auch nur in die Nähe zu begeben, ja?«

»So ist es.« Delagard ließ den sarkastischen Ton mit einem leisen Lächeln an sich abgleiten.

»Der Father Quillan erteilt wundervollen Rat. Darum war er wohl auch solch ein grandioser Erfolg als Kleriker.«

Mit verwirrender Ruhe sprach Delagard einfach weiter. »Ich habe dich einmal gefragt, ob du dich noch an die Geschichten erinnerst, die Jolly früher immer darüber erzählt hat.«

»Märchen, Seemannsgarn. Ja.«

»Sowas ähnliches hast du damals auch gesagt. Aber du erinnerst dich dran?«

»Also, mal sehen. Jolly behauptete, er habe die ganze Leere See durchquert, ganz allein, und sei dort auf die Fläche gestoßen, die seiner Beschreibung nach eine riesige Insel war, viel, viel größer als irgendeine von den Gillie-Inseln. Ein Ort der Wärme und Üppigkeit, an dem fremdartige hochwachsende Pflanzen Früchte tragen, wo es Teiche mit frischem Wasser gibt und die reich sind an Nahrung.« Lawler sann eine Weile nach und tastete in seiner Erinnerung umher. »Er wäre am liebsten für immer dort geblieben, so angenehm war dieser Ort. Aber eines Tages, als er drauß en war und fischte, blies ihn ein Sturm hinaus aufs offene Meer, er verlor seinen Kompaß, und ich glaube, dann erfaßte ihn auch noch zu alledem die WOGE, und als er sein Boot wieder unter Kontrolle bekam, war er schon halbwegs wieder daheim und hatte keine Möglichkeit mehr, zu der Fläche zurückzukehren. Also fuhr er einfach weiter bis zurück nach Sorve. Und dann hat er sich bemüht, Leute zu finden, die mit ihm zusammen wieder dorthin fahren würden, aber niemand hatte dazu große Lust. Sie haben ihn alle ausgelacht, und keiner hat auch nur ein Quentchen von dem geglaubt, was er berichtete. Und irgendwann ist er dann verrückt geworden. Stimmt das so?«

»Ja«, sagte Delagard. »Im Kern ist das die Geschichte.«

»Es ist eine phantastische Geschichte. Wenn ich zehn Jahre alt wäre, ich würde jetzt fast durchdrehen bei der Vorstellung, daß wir genau dorthin segeln.«

»Das könntest du trotzdem, Doc. Es wird nämlich das eine große Abenteuer in unser aller Leben sein.«

»Ach, wirklich?«

»Als Jolly zurückkam, war ich vierzehn«, sprach Delagard weiter. »Und ich habe genau zugehört, was er uns erzählt hat. Ganz, ganz genau. Vielleicht war er ja verrückt, aber mir kam das nicht so vor, jedenfalls anfangs nicht. Und ich glaubte ihm aufs Wort… Eine ausgedehnte, fruchtbare reiche und unbewohnte Insel… die nur darauf wartete, von uns in Besitz genommen zu werden… und keine stinkigen Gillies weit und breit, die uns in die Quere kommen könnten! Für mich klingt das wie das Paradies. Ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Ein Wunderland. Du möchtest doch auch unsere Gemeinschaft beisammenhalten, ja? Also — warum sollten wir uns dann mit einem eklig engen Fleckchen, das sonst keiner haben will, auf der Insel von irgendwem sonst zufriedengeben und wie Bettler von der mildtätigen Duldung dieser Leute leben? Was für eine bessere Möglichkeit gäbe es denn für mich, unsere Leute zu entschädigen, für den Schaden, den ich ihnen zugefügt habe, als daß ich sie wegbringe, um den Globus herum, damit sie in einem Paradies leben können?«

Lawler starrte ihn sprachlos an.

»Nid, du hast völlig den Verstand verloren!«

»Nein, das glaub ich nicht. Das Land liegt da irgendwo in Reichweite für den, der’s nimmt, und wir können es uns nehmen. Die Gillies sind dermaßen voller abergläubischen Vorstellungen darüber, daß sie da nie hinziehen würden. Na schön, aber wir können es. Und wir können es besiedeln, darauf bauen, es gestalten. Wir können es so gestalten, daß es uns das gibt, was wir am meisten ersehnen.«

»Und was wäre das, das wir am meisten ersehnen?« soufflierte Lawler in einem Gefühl, als hätte er sich leicht von dem Planeten gelöst und in die Luft erhoben und sei darin in die Schwärze des Weltraums geschwebt.

»Macht«, sagte Delagard. »Die Kontrolle. Wir wollen dieses Land beherrschen. Wir haben lang genug auf Hydros gelebt wie klägliche erbarmungswürdige Flüchtige und Asylanten. Es ist höchste Zeit, daß wir das ändern und dafür sorgen, daß die Gillies uns in den Arsch kriechen müssen. Ich möchte dort eine Siedlung aufbauen, die zwanzigmal größer ist als jede existierende Gillie -Insel — ach was, fünfzigmal größer! — und eine richtige Kommune auf die Beine stellen, fünftausend, zehntausend Menschen, und einen Raumflughafen errichten und Handelsbeziehungen zu anderen von Menschen bewohnten Planeten in dieser beschissenen Galaxie, und ich will, daß wir endlich anfangen können, wie richtige Menschen zu leben, anstatt als elende Seegrasfresser auf gut Glück durch den Ozean zu driften, wie wir das seit hundertfünfzig Jahren tun.«

»Und dabei bleibst du so ruhig, deine Stimme klingt so vernünftig…«

»Ach, du denkst, ich bin verrückt?«

»Möglich. Vielleicht auch nicht. Was ich allerdings wirklich glaube, das ist, daß du ein monströser egozentrischer Hundesohn bist. Uns alle als Geiseln zu nehmen, für deine absurde Wunschvorstellung. Du hättest einen Teil von uns auf fünf, sechs verschiedenen Inseln aussteigen lassen können, wenn Grayvard uns nicht alle aufnehmen wollte.«

»Du selbst hast gesagt, daß du das nicht willst. Weißt du nicht mehr?«

»Aber ist das hier besser? Daß du uns hier ins Nichts mitschleppst? Unser aller Leben aufs Spiel setzt, nur weil du einem Märchen nachjagen willst?«

»Doch, es ist besser!«

»Du Mistkerl. Du vernagelter, hirnverbrannter Scheißkerl! Ja, du bist wirklich verrückt!«

»Nein, das bin ich nicht«, sagte Delagard. »Ich habe jahrelang an diesem Plan gearbeitet. Mein halbes Leben lang denke ich darüber nach. Ich hab Jolly immer wieder ausgequetscht, und ich bin vollkommen sicher, daß er diese Reise gemacht hat, wie er behauptete, und daß die Fläche genau das ist, was er darüber sagte. Jahrelang hab ich geplant, eine Expedition dorthin zu entsenden. Gospo wußte Bescheid. Er und ich, wir wollten zusammen dorthin fahren, in fünf Jahren so ungefähr. Und dann boten mir die Gillies den perfekten Anlaß, als sie uns so einfach von Sorve vertrieben; und die anderen Inseln wollten uns nicht alle aufnehmen, also dachte ich mir, jetzt ist der Augenblick, hier ist deine Chance… Ergreif sie, Nid! Und das hab ich getan.«

»Also hattest du das alles schon so vor, als wir aus Sorve aufbrachen.«

»Ja.«

»Und du hast nicht einmal deine Schiffskapitäne davon in Kenntnis gesetzt.«

»Nur Gospo.«

»Und der hielt das für eine superschlaue Idee.«

»Genau«, sagte Delagard. »Er hielt die ganze Zeit zu mir. Und auch Father Quillan steht fest zu mir, seit ich ihn eingeweiht habe. Er gibt mir vollkommen recht.«

»Aber sicher tut er das. Je fremder, desto besser: Je weiter weg von der Zivilisation entfernt er sich verstecken kann, desto lieber ist es ihm. Die Fläche ist für ihn das Gelobte Land. Und wenn wir hinkommen, kann dieser hirnverbrannte Fanatiker in diesem deinem Land voll Milch und Honig seine Kirche aufbauen, und er ist der Hohepriester, Archemandrit, Kardinal, Papst — oder wie er sich sonst zu nennen beliebt — und du baust dir gleichzeitig dein Imperium auf, wie, Nid? Und alle sind glücklich und zufrieden.«

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