Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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Sundira Thane trat zu ihm. Sie wirkte erregt, und auf ihrer Stirn lag eine dünne Schweißschicht. Die ganze Körperhaltung drückte irgendwie starke Anspannung und starke Selbstzufriedenheit aus.

»Ich sagte dir doch, sie sind böse auf uns. Na? Na, und? Sieht doch so aus, wie wenn ich recht gehabt hätte.«

»Das stimmt«, sagte Lawler.

Sie blickte ihn prüfend an. »Also, wir werden wirklich hier fortmüssen. Ich zweifle daran nicht im mindesten.« Ihre Augen funkelten hell. Sie schie n das alles unendlich zu genießen und wirkte fast wie betrunken davon. Es fiel Lawler ein, daß dies bereits die sechste Insel war, auf der sie mit ihren einunddreißig Jahren bisher gelebt hatte. Anscheinend machte es ihr nichts aus, herumzuwandern. Vielleicht genoß sie es sogar.

Er nickte bedächtig. »Wieso bist du so sicher?«

»Weil die Sassen niemals eine getroffene Entscheidung umstoßen. Wenn sie was sagen, dann halten sie sich daran. Und die Tötung von Tauchern wiegt offenbar für sie schwerer als die von Speisefischen und Knallern. Sie haben nichts dagegen, wenn wir in der Bucht nach Nahrung fischen. Sie selber essen ja auch Speisefisch. Aber die Taucher, also die sind irgendwie was anderes. Für sie empfinden die Sassen irgendwie eine Art Beschützerinstinkt.«

»Ja«, sagte Lawler, »wahrscheinlich ist das so.«

Sie starrte ihm fest in die Augen. Sie war fast so groß wie er. »Du lebst hier schon lang, was, Lawler?«

»Mein ganzes Leben.«

»Ach. Tut mir leid, dann wird es für dich ziemlich hart werden.«

»Ich werde damit zurechtkommen«, erwiderte er. »Einen zweiten Arzt kann jede Insel brauchen. Sogar so was Halbgebackenes wie mich.« Er lachte. »Sag mal, was macht denn dein Husten?«

»Ich hab kein einziges Mal husten müssen, seitdem du mir dein Dope gegeben hast.«

»Das hatte ich erwartet.«

Auf einmal stand Delagard wieder neben Lawler. Ohne sich für die Gesprächsunterbrechung zu entschuldigen, sagte er: »Würdest du mit mir zu den Gillies gehen, Doc?«

»Wozu?«

»Sie kennen dich und schätzen dich. Du bist der Sohn deines Vaters, und damit hast du ’nen Stein bei ihnen im Brett. Sie halten dich für einen ernsthaften und ehrenwerten Mann. Und wenn ich versprechen muß, von der Insel fortzugehen, könntest du für mich bürgen und ihnen sagen, ich mein es wirklich ernst, wenn ich verspreche, wegzugehen und nie zurückzukommen.«

»Wenn du ihnen das versprichst, werden sie dir auch ohne meine Hilfe glauben. Sie erwarten einfach nicht, daß irgendein vernunftbegabtes Geschöpf sich zu Lügen erniedrigt, nicht einmal von dir vermuten sie das. Aber damit ist ja immer noch nichts geändert.«

»Geh doch trotzdem mit, Lawler!«

»Es ist Zeitverschwendung. Wir sollten vielmehr darangehen, unsere Evakuierung zu planen.«

»Aber laß es uns doch wenigstens versuchen! Wenn wir das nicht wenigstens tun, wissen wir doch gar nichts.«

Lawler überlegte. »Jetzt gleich?«

»Nein, nach Einbruch der Dunkelheit«, erwiderte Delagard. »Im Augenblick wollen die wirklich niemand von uns empfangen. Sie sind vollauf damit beschäftigt, ihr neues Kraftwerk zu eröffnen. Das haben sie nämlich vor zwei Stunden endlich in Gang gekriegt, mußt du wissen. Und sie haben eine Leitung vom Kai zu ihrem Inselende gelegt, und die transportiert Strom.«

»Wie schön für sie.«

»Wir treffen uns bei Sonnenuntergang drunten am Kai, ja? Und dann gehn wir zusammen zu ihnen rüber und reden mit ihnen. Willst du das machen, Lawler?«

* * *

Während des Nachmittags saß Lawler still in seinem Vaargh und versuchte sich klarzumachen, was es bedeuten würde, von der Insel fortzumüssen; er werkelte an der Vorstellung herum, drehte und wendete sie, und sie bedrückte ihn. Es fanden sich keine Patienten bei ihm ein. Delagard hatte sein Versprechen am frühen Morgen nicht vergessen und ihm ein paar Flaschen Beerenkraut-Brandy herüberschicken lassen, und Lawler trank ein paar Schlückchen davon, und dann noch ein paar, ohne daß er irgendeine Wirkung verspürt hätte. Er überlegte, ob er sich noch eine Dosis von seinem Tranquilizer gönnen dürfe, aber irgendwie erschien ihm das nicht als besonders klug. Außerdem war er sowieso momentan ruhig genug; ihn beherrschte nicht die übliche Rastlosigkeit, sondern eher eine Art dumpfer geistiger Lähmung, eine schwer auf ihm lastende Niedergeschlagenheit, und dafür waren seine rosa Tropfen kaum ein brauchbares Antidot.

Ich werde von der Insel Sorve fortgehen, dachte er.

Ich werde an einem anderen Ort sein, auf einer Insel, die ich nicht kenne, unter Menschen leben, von denen ich nicht ihre Namen weiß, nicht ihre Herkunft, und deren inneres Wesen mir ein absolutes Rätsel sein wird.

Er sagte sich, das wird schon gutgehen, und in ein paar Wochen fühlst du dich auf Thibeire, Velmise, Kaggeram oder wie immer die Insel heißen wird, auf der du dich schließlich niederläßt, ebenso heimisch wie auf Sorve. Aber er wußte auch, daß dies nicht stimmte. Dennoch redete er sich das unablässig ein.

Sich damit abzufinden, das schien zu helfen. Hinnahme, vielleicht gar Gleichgültigkeit. Das Blöde war nur, daß er nicht beständig auf diesem reduzierten Niveau eines betäubten Bewußtseins verharren konnte. Immer wieder flackerte in ihm plötzlich schockhaft Bestürzung auf, das Gefühl eines drohenden unerträglichen Verlusts, ja sogar ganz unverhohlene Furcht. Und dann mußte er wieder von vorn beginnen.

Als die Dämmerung kam, kroch Lawler aus seinem Vaargh und machte sich auf den Weg zum Uferwall hinab.

Zwei Monde waren bereits aufgegangen und ein blasser Splitter von Sunrise war wieder am Firmament aufgetaucht. In der Bucht zuckten die Dämmerungsfarben, la nge goldene Reflexe in Streifen, und purpurne, und sie verblichen rasch zum Nachtgrau, während er noch hinsah. Im seichten Wasser schwammen zielstrebig die Schatten rätselhafter Meeresgeschöpfe umher. Alles war so friedlich: die Bucht im schwindenden Tageslicht, so still, so verzaubert.

Dann aber schlichen sich Vorstellungen von der bevorstehenden Seereise in seine Gedanken. Er blickte über das Hafenbecken hinaus auf die weite Wüste der feindlichen, unbegreiflichen See. Wie weit würden sie segeln müssen, bis sie auf eine Insel stießen, die sie aufzunehmen bereit wäre? Ein Turn von einer Woche? Von zwei Wochen? Oder von einem Monat? Lawler war nie draußen auf hoher See gewesen, nicht einmal einen einzigen Tag lang. Damals, diese Fahrt nach Thibeire, die war doch nur ein Tagesausflug in einem Fell-Rindenboot gewesen, kaum über das Flachwasser hinaus zu der anderen Insel, die damals so nahe an Sorve herangedriftet war.

Lawler erkannte, daß er sich vor dem Meer fürchtete. Die See, das war ein gewaltiges, ein weltweites Maul, das (wie er es sich manchmal vorstellte) in irgendeinem urtümlichen Schluckkrampf ganz Hydros konvulsivisch verschlungen haben mußte, wobei nur diese winzigen Treibinseln übrig geblieben waren, die von den Gillies erbaut worden waren. Und diese See würde auch ihn verschlingen, wenn er versuchen würde, sie zu durchqueren.

Ärgerlich hielt er sich selber vor, daß so etwas töricht sei, daß schließlich Männer wie Gabe Kinverson Tag um Tag auf die hohe See hinausführen und es überlebten, daß Nid Dela gard hundertmal zwischen den Inseln gesegelt sei, daß Sundira Thane sogar von einer Insel aus dem Azurro-Meer nach Sorve gekommen war, und das lag dermaßen weit weg, daß er davon noch nicht einmal etwas gehört hatte. Nein, es würde schon alles gut verlaufen. Er würde eben eines von Delagards Booten besteigen, und nach einer Woche oder auch nach zweien würde er darin zu der Insel gelangen, die dann seine künftige Heimstatt sein würde.

Und dennoch — die Schwärze, die Unermeßbarkeit, die zerschmetternde Kraft dieser schrecklichen weltumspannenden See… »Lawler?« rief eine Stimme.

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