Robert Silverberg - Über den Wassern

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Über den Wassern: краткое содержание, описание и аннотация

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Auf der Wasserwelt Hydros leben seit Generationen Siedler von der Erde friedlich nebeneinander mit den amphibischen Eingeborenen des Planeten. Als eines Tages ein Fischer ein paar von den intelligenten Fischen im Meer tötet, haben die Menschen ihr Siedlungsrecht verwirkt. Sie müssen ihre kleinen schwimmenden Inseln, die ihnen längst zur Heimat geworden sind, verlassen und sind gezwungen, ein geheimnisvolles dunkles Land zu sucher, das vielleicht nur in den Sagen existiert.

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Die bittere Komik entging ihm nicht: Das waren genau die Eröffnungspassagen der Ansprache, die er sich in der verflossenen halben schlaflosen Nacht im Geiste zurechtgedoktert hatte. Nun bekam er ja doch noch Gelegenheit, seinen Sermon loszuwerden. Unter ganz veränderten Umständen allerdings.

Sie blickten ihn reaktionslos an.

Immerhin, diesmal haben sie nicht gefurzt, dachte er. Er signalisierte: »Uns wird befohlen, die Insel zu verlassen. Trifft dies zu?«

Der Gillie an der linken Flanke gab ein dumpfes Rauschen von sich, das eine Bejahung bedeutete.

»Dies bringt uns große Betrübnis. Gibt es einen Weg, wie wir erreichen könnten, daß diese Anordnung zurückgenommen wird?«

Negativ, kam das Röhren des rechten Gillie.

Lawler starrte sie hoffnungslos an. Der Wind war stärker geworden und trieb ihm ihren schweren Körpergeruch eimerweise ins Gesicht, und er mußte ein Gefühl der Übelkeit unterdrücken. Stets waren ihm die Kiemlinge fremdartig und rätselhaft geblieben, und ein wenig abstoßend. Ihm war klar, daß er sie als Gegebenheit akzeptieren sollte, als eben einen Aspekt der Welt, in der er sein Leben lang lebte, genau wie der Ozean oder der Himmel. Aber trotz aller Vertrautheit — für ihn blieben sie einfach Geschöpfe einer anderen Schöpfung. Sternlinge. Aliens: Die und wir, Menschen und Nicht-Menschen… keine Verwandtschaft. Wie kommt das? überlegte er. Ich bin doch genauso ein Kind dieser Welt wie sie.

Aber er gab nicht auf und bedeutete ihnen: »Es war ein unseliger Unfall, daß die Taucher starben. Es steckte keine böse Absicht dahinter.«

Dröhnen. Pfeifen. Zischen. Das hieß: »Uns interessiert nicht, warum es geschah, sondern daß es überhaupt geschah.«

Hinter den sechs Kiemlingen blinkten fahle grünliche Lichter und beleuchteten die seltsamen Gebilde — Statuen, Maschinen, Götterbilder? — in der freien Mitte der Siedlung, diese merkwürdigen Klumpen und Knollen aus Metallen, die so mühsam aus dem Körnergewebe kleiner Meeresbewohner gewonnen wurden und hier zu willkürlich wirkenden, oxydationszerfressenen Schrotthaufen zusammengestellt waren.

»Delagard verspricht, er wird nie wieder Taucher einsetzen«, erklärte er den Gillies nun demütig, in der Hoffnung auf einen Ansatzpunkt.

Pfeifen. Dröhnen. Gleichgültigkeit.

»Wollt ihr uns denn nicht sagen, wie wir das wieder ins reine bringen können? Wir bedauern, was geschah. Bedauern es zutiefst.«

Keine Reaktion. Kalte gelbe Augen, starr und abweisend.

Das Ganze ist idiotisch, dachte Lawler. Als redete man mit dem Wind.

»Aber verdammt, dies hier ist unsere Heimat!« rief er und begleitete seine Worte mit der entsprechenden Gestik. »Seit eh und je!«

Drei kollernde Töne in absteigender Terz.

»Was? Wir sollen uns eine andere Heimat suchen?« fragte Lawler. »Aber wir lieben diese Insel! Ich bin hier geboren. Wir haben euch noch nie vorher Schaden zugefügt, keiner unter uns. Mein Vater — ihr wißt doch, daß mein Vater… er half euch damals, als…«

Erneut das Flatulenzgeräusch. Es klingt genau so, wie es gemeint ist, dachte er.

Es hatte keinen Sinn, es weiter zu versuchen. Er begriff, daß es völlig nutzlos sein würde. Sie verloren allmählich die Geduld mit ihm. Bald würden sie grollen und schnauben und ihm ihre Verärgerung kundtun. Und dann konnte alles mögliche passieren.

Durch eine Wedelbewegung der Flosse bedeutete ihm einer der Gillies, daß die Konferenz beendet sei. Die Entlassung war unübersehbar.

Lawler machte eine Geste der Enttäuschung und signalisierte Trauer, Beklommenheit, Verdruß.

Darauf reagierte überraschend einer der Kiemlinge mit einer hastigen Rouladenphrasierung, die beinahe so etwas wie Mitgefühl hätte ausdrücken können. Oder war es nur ein Produkt von Lawlers optimistischem Wunschdenken? Er wußte es wirklich nicht. Aber dann trat zu seiner Verblüffung die Kreatur aus der Phalanx heraus, kam mit unerwarteter Geschwindigkeit auf ihn zugewatschelt und streckte ihm die stummeligen Flossenarme entgegen. Er war dermaßen überrascht, daß er sich nicht bewegen konnte. Was war denn das? Der Gillie türmte sich vor ihm auf wie eine Mauer. Jetzt passiert’s, dachte er. Der Angriff. Der beiläufige und tödliche Ausbruch verärgerter Gereiztheit. Und er stand wie angewurzelt da. Ein verzweifeltes Zucken seines Selbsterhaltungstriebes schrie in ihm auf, doch er brachte nicht die Willenskraft auf zu fliehen. Der Gillie faßte ihn an einem Arm, zog ihn näher und umschlang ihn in einer heftigen Umarmung, die ihm fast den Atem raubte. Lawler fühlte, wie die scharfengebogenen Krallen ihm sacht ins Fleisch drangen, aber sie hielten ihn mit merkwürdiger, unbegreiflicher Zartheit. Ihm fielen die roten Male ein, die Delagard ihm gezeigt hatte.

Also, gut. Mach, was du willst. Mir ist es schnurzegal.

Nie zuvor war er einem Gillie so nahe gekommen. Sein Kopf wurde an die gewaltige Brust gepreßt. Er hörte im Innern das Herz schlagen, nicht in dem vertrauten menschlichen Pa-dam, sondern eher wie Pum-pum- pum, Pum-pum-pum. Wenige Zentimeter von seiner Wange entfernt lag das unergründliche Gillie -Gehirn. Gilliegestank quoll ihm durch die Nase und füllte seine Lungen. Ihm war schwindlig und übel — doch merkwürdigerweise fühlte er keinerlei Furcht. Es war etwas dermaßen Überwältigendes in dieser Umarmung, in die ihn der Gillie so plötzlich gerissen hatte, daß momentan in ihm kein Raum war für Furcht. Die intime Nähe des Aliens löste in seinem Bewußtsein einen Wirbel aus. Eine Empfindung von der Gewalt eines Wintersturms, so stark wie die WOGE selbst schoß aus den Tiefen seiner Seele empor: In seinem Mund — der Geschmack von Tang. Die salzige See toste durch seine Adern.

Der Gillie hielt ihn so eine Weile, als wolle er ihm etwas mitteilen — etwas, das sich in Worten nicht ausdrücken ließ. Die Umarmung war weder herzlich noch unfreundlich. Sie überstieg vielmehr sein Begriffsvermögen vollkommen. Der Zugriff der starken Arme war fest und grob, aber offenbar sollte er dabei nicht verletzt werden. Lawler kam sich vor wie ein kleines Kind, das von einer häßlichen, unvertrauten und wenig liebevollen Pflegemutter umarmt wird. Oder eine Puppe an der Brust des gewaltigen Tieres.

Dann gab ihn der Gillie frei und schubste ihn brüsk, aber sacht von sich und schlurfte wieder zu den anderen zurück. Lawler zitterte am ganzen Leib und stand starr da. Er schaute den Gillies zu, die sich nun nicht mehr um ihn kümmerten, sondern schwerfällig kehrtmachten und zu ihrem Dorf zurückkehrten. Lange stand er so da, blickte ihnen nach und begriff gar nichts. Der scharfe Tanggeruch haftete noch an ihm, und er hatte in diesem Augenblick das Gefühl, er werde ihn ewig mit sich tragen.

Wahrscheinlich war das ihre Art, Lebewohl zu sagen, entschied er schließlich.

Ja, das war es. Ein Gillie -Abschied, eine zärtliche Abschiedsumarmung. Nun ja, vielleicht nicht grade besonders zärtlich, aber eben doch so etwas wie ein letzter Gruß. Ergibt das einen Sinn? Nein, eigentlich nicht. Aber alles andere ergibt ebenfalls keinen Sinn. Also, bezeichnen wir es als Abschiedsgeste, dachte er. Und lassen es dabei bewenden.

* * *

Die Nacht war schon fortgeschritten. Er suchte sich seinen Weg, das Ufer entlang, wieder an dem Kraftwerk vorbei, hinunter zur Werft und zu dem klapprigen kleinen Holzhaus, in dem Delagard wohnte. Delagard verabscheute es, in Vaarghs zu hausen. Er ziehe es vor, stets in der Nähe seiner Werft zu sein, sagte er.

Lawler traf ihn allein an; er war noch wach, saß an einem unruhig flackernden rauchenden Feuer und trank Beerenkrautschnaps. Es war ein kleiner Raum, vollgestopft mit Angelhaken und Leinen, Netzen, Riemen, Ankern, aufgeschichteten Häuten von Teppichfisch, Kisten voll Schnaps. Es sah hier aus wie in einem Lagerraum, nicht wie in einer Wohnung. Es war die Behausung des reichsten Mannes auf der Insel.

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