Clemens Meyer - Im Stein
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- Название:Im Stein
- Автор:
- Издательство:S. Fischer
- Жанр:
- Год:2013
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Dass ich ihn mal wieder besuchen muss in Dänemark, daran denke ich auch oft, wenn ich am Morgen in der Straßenbahn sitze und auf Arbeit fahre. Weil ich doch die Mädchen, die Enkel, mal wieder sehen will. Meinen Jungen natürlich auch. Aber das ist nicht immer so einfach, weil mit dem Henry, was mein Freund ist, und wir wollen vielleicht auch heiraten, weil wir doch schon seit sechs Jahren zusammen sind, weil da die Chemie nicht so richtig stimmt mit meinen Enkeln.»Fahr ruhig alleine«, sagt er immer, und er hat auch ein Kind mit seiner Ex, und deshalb geht das für uns beide eigentlich ganz gut, dass da jeder noch sein Eigenes hat, seinen eigenen Kram mit der Familie, und auch mein Junge ist da jetzt lockerer, aber der richtige Opa ist eben der richtige Opa für die beiden. Meine Enkelinnen. Die sind jetzt neun. Der Henry ist noch kein Opa, er ist auch acht Jahre jünger als ich, und sein Sohn …, manchmal denke ich, der ist schwul, traut sich aber nicht, es zu sagen, weil das ist so ein ganz zarter, ich kann ihn gut leiden, und er mich auch, denke ich. Dass das alles so Patchwork ist, wie man heute sagt, finde ich eigentlich ganz in Ordnung. Der Henry hat auch noch eine Tochter, aber da ist der Kontakt fast weg. Finde ich schade, aber kann es auch irgendwie verstehen, weil das vor seiner ersten und bis jetzt ja auch einzigen Ehe passiert ist, und die Frau wohnt in Berlin, und irgendwie ist das damals wohl so passiert, wie das eben manchmal so geht, und die hat jetzt wohl eine starke Bindung zu ihrem neuen Vater.
Erzählen tue ich sowas ja eigentlich nicht und niemandem, privat ist privat, obwohl ich mit den meisten Kolleginnen ganz gut kann, aber die sind auch alle etliches jünger als ich, so junge Hühner, und manchmal gackern die einem wirklich in die Ohren, manche erzählen dir wirklich alles plus Phantasie, wenn du nicht aufpasst, dass ich denke: Ohhh nee, es reicht jetzt, mit denen kann ich sowieso nicht über Familienprobleme, Patchwork, Alter undsoweiter reden, die sind eben noch zu grün, und ich will das eben auch nicht. Weil privat ist privat. Nur die Birgit ist ungefähr mein Alter. Also um die fünfzig. Aber ausm Westen. Und sie ist sehr für sich, sehr still und zieht sich zurück. Bisschen verhärtet, würde ich denken, aber wer ist das bei unserem Job nicht? ’ne ganze Menge, denke ich mir manchmal, wenn ich mit allem so im Ganzen und Großen zufrieden bin. Da stell ich mir manchmal vor, wir beide, also ich und die Birgit, würden herzlich lachen, wenn ich ihr mein Familienlabyrinth zeigen würde, bei ’nem Kaffee zum Beispiel, und wenn ich da so durcheinanderkomme mit den Kindern und den Enkeln und dem Henry seinen Kindern. Weil’s ja auch wirklich irgendwie lustig ist. Und weil das auch alles schlimmer und verstritten sein könnte, nein, da bin ich eigentlich froh, dass das alles halbwegs funktioniert.»Und du meinst wirklich, der ist schwul, ist ja süß, dass du dich da so kümmerst. «Sagt sie. Wenn ich mir das vorstelle. Obwohl wir in Wirklichkeit nie reden. Und mit den anderen Freundinnen, die ich so habe, spare ich das andere aus. Spare ich viel aus. Ist blöd manchmal. Weil die das doch nicht ganz verstehen.
Aber wenn ich was kann, dann mich so reinfühlen, sozusagen, in die Leute. Denn ich hab ja immer mit Menschen gearbeitet, früher als Frisöse. Da macht die Birgit auch immer ihre Späße, wenn ich mir das so vorstelle, wie wir beide beim Kaffee und ’nem Riesling danach zusammensitzen, und dann muss ich lachen, manchmal mitten bei der Arbeit, ich obenauf, das mögen sie, wenn die reife Lady reitet.»Fünfzig Prozent der Huren waren Frisösen.«
Nee, ist natürlich Quatsch,»Fünfzig Prozent der Frisösen werden Huren«, sagt sie dann, aber das ist, wie gesagt, nur ein dummer Witz. Eigentlich habe ich ja gelernt in so ’nem Galvanisierungsbetrieb beziehungsweise bei der Galvanotechnik, da haben wir verzinnt und Metalle veredelt, aber weil ich so leichte Asthmaprobleme hatte, was ich vorher noch gar nicht wusste, bin ich da dann wieder weg. Das war alles noch in der DDR. Da weiß die Birgit nichts von beziehungsweise denke ich mir das so, die kommt nämlich aus dem Westen. Und ich weiß auch gar nicht, ob die so interessiert wäre an meinem Kram. Da ist sie fast schon ’n Exot, dass sie ausm Westen kommt, also bei uns. Kenn ich keine Kollegin weiter, die aus dem Westen kommt. Na ja, allzu viele Kolleginnen kenn ich eh nicht, aber schon ein paar.
Nach der Wende, also fast bis Ende der Neunziger, so von vierundneunzig an, da war ich auch bei der Altenpflege. Friseurinnen gab’s plötzlich wie sonst nichts, und ich wollte auch was Neues machen. Ja, so kann man’s sagen. Das hat mir schon Spaß gemacht, das war schon eine gute Arbeit. Und da habe ich viel gelernt, auch für später, also für jetzt.
Zu windeln und so etwas, die wunden Stellen, das Wenden der Körper, das Zuhören. Gerüche, Haut, die sich schält. Tropfen. Reden. Trockenes Fleisch. Wundes Fleisch. Nachsichtig sein. Auch mal streng sein. Hornige Nägel. Sterben und Zuhören. Manchmal rede ich mit dem Henry darüber. Wir kannten uns damals noch nicht. Er hört gern zu, wenn ich erzähle. Manchmal. Weil er doch so viel Eigenes hat, was er erzählen muss, wenn wir uns am Abend, nach dem langen, langen Tag, sehen. Und weil ich ihn dann frage:»Wie war dein Tag, Alterchen?«So nenne ich ihn meistens, eine Zeitlang habe ich ihn» Boy «genannt, das war vor allem in der Zeit, als ich Englisch gelernt habe, also mein Englisch aufgefrischt habe mit so ’nem Kurs an der Abendschule. Direkt von der Arbeit bin ich dahin. Das ist nun schon doch ’ne Weile her, war nämlich vor dem Gesetz. Weil ich da natürlich mehr Geld hatte. Abendschule, Sprachkurs, Sprachreise. Weil da mehr schwarz ging, aber da sollte ich einfach mal die Klappe halten. Und jetzt, das hat nicht nur mit dem Gesetz zu tun, dass es nicht mehr so läuft. Also schon noch gut genug läuft, weil sonst würde ich mir sicher überlegen, was ich nun machen soll, wenn das gar nicht mehr läuft, aber zum Glück läuft es noch. Auch mit dem Henry. Denn es ist nicht so, dass wir wenig Sex haben. Nein, im Gegenteil. Der Henry war immer ein Puffgänger, ist immer schon ein Puffgänger gewesen. Weil sonst hätten wir uns gar nicht kennengelernt. Und das haben wir nicht im Puff, natürlich nicht. Da lege ich jetzt so großen Wert drauf, denn das hat’s auch schon gegeben. Aber soweit ich das beurteilen kann, ist das eher die Ausnahme. War aber ’ne Ü40-Party damals, wo ich ihn kennengelernt habe. Und was ich für einen Bammel hatte, ihm reinen Wein einzuschenken, wie man so sagt. Und dann ist er so ein alter Bock, jetzt hätte ich fast Hurenbock gesagt, der früher immer hin zu den Frauen, in die Puffs und in die Wohnungen.
Ich vermisse diese alten Straßenbahnen. Diese hellgelben kantigen Waggons. Nach der Wende fuhren noch ein paar von diesen Oldtimern, einige Jahre noch, soweit ich mich erinnere. Vorne hatten die nur einen runden Scheinwerfer, das sah geheimnisvoll aus in den Nächten, vor allem im Winter. Als ich ein Kind war. Und das Rumpeln und Quietschen in den Kurven. Und manchmal blitzte und knisterte der Strom zwischen Oberleitung und dem Bügel, bläulich. Auf die Locher, also die Entwerter für die Fahrscheine, musste man draufhauen, richtig doll draufhauen. Wie das immer knallte. Und immer verschieden das Muster der kleinen Löcher in der Pappe. Das war doch Pappe? damals. Wie die Zugfahrkarten für den Bummelzug auf dem Land. Wenn wir über die Dörfer fuhren. Wie grau die Gesichter am Morgen sind. Der vor mir breitet die Zeitung aus wie ein Segel. Da lese ich anfangs ein bisschen mit. Sie schreiben was über die Engel. Und über den Mann, der aus Versehen erschossen wurde. Ich glaube, dass ich den kannte. Bin aber nicht sicher. Dass der mal bei mir gewesen ist. Was die Leute wohl so denken, wenn sie wüssten … Dabei ist das alles ganz solide. Seit dem Gesetz führt der Alte, also mein Chef, jeden Tag fünfundzwanzig Euro Pauschale ans Amt ab, also an die Steuer. Ich rechne manchmal, wie viel Rente ich mal kriege. Der Morgen spielt in meinem Kopf und spült alles durcheinander. Ich bin müde heute. Das ist selten, weil ich doch immer schon ein Frühaufsteher war. Der frühe Vogel …»stirbt im Sturm«, sagte einmal eine …, kann das sein, dass das jetzt losgeht mit dem Vergessen, weil ich mir doch früher die Namen immer merken konnte. Die war aber auch nur kurze Zeit bei mir in der Wohnung. Die hat studiert. Hat sie jedenfalls gesagt. Und das stand auch tatsächlich so in der Annonce. Weil der Chef sagte, dass auf sowas die Leute stehen, dass da die Gäste scharf drauf sind, wenn sie vorher lesen:»Studentin, jung«, und weil er wohl dachte, dass das die richtige Kombination wäre. So à la Mutter und Tochter. Jetzt sind wir manchmal ’ne richtige Rentner-WG. Wenn die Birgit auch da ist. Und tatsächlich hat das Mädel immer mal Bücher mitgehabt und gelernt, also drin gelesen und Notizen gemacht undsoweiter, und manchmal auch mit Laptop. Jura war das wohl. Wenn wir manchmal ins Plaudern kamen, wenn grad nicht so viel los war, ich kann mich noch genau an die Januar-Flaute vor zwei Jahren erinnern, dann erzählte sie, dass sie Anwältin werden will. Ich meine, das ist doch verrückt. Da denkt man doch, dass die aus reichen Verhältnissen kommen. Aber die kam vom Dorf, und wenn das später mal irgendwie rauskommt, kann sie doch ihren Laden zumachen, da kann sie doch einpacken, wenn ein Gast sie wiedererkennt. Stell dir mal vor, du bist vor Gericht, und dann sitzt da der Staatsanwalt oder der Richter, der so eine richtige Drecksau war, und wie du den scharf gemacht hast, damit er schön wiederkommt und löhnt, das ist sicher für beide peinlich, aber sie wollte wohl eh rüber in den Westen dann, in eine große Stadt, vielleicht auch Berlin, aber in München oder Hamburg, da kann man ja von vorne anfangen, das ist weit weg. Die trank immer Milchkaffee. Latte macchiato. Was wohl dasselbe ist. Brachte sich immer, wenn sie kam, nachmittags meistens, und auch nicht jeden Tag, nur in den Semesterferien zog sie durch, das hat sie alles mit dem Alten so vereinbart, die kam also immer mit einem großen Pappbecher, der Schaum war schon lecker, das muss ich zugeben, aber ich mag eher das Modell Filterkaffee. Trink ich viel zu viel, und neuerdings krieg ich Sodbrennen und nehme deshalb so ein Magengel. Rezeptfrei. Ich bin ja privat versichert und versuche, wenig auf Rezept und mit Arzt zu machen, weil dann die Beiträge steigen, aber ich krieg jedes Jahr was zurück bis jetzt, da klopfe ich dreimal an die Scheibe. Weil krank werden möchte ich nicht, aber wer möchte das schon, aber bei uns ist das immer blöd, weil dir ja keiner das Gehalt weiterzahlt. Da sitzt man dann zu Hause und verdient nichts. Oder liegt im Spital, wenn’s ganz blöd kommt. Für die Kasse bin ich selbständige Masseuse und Osteopathin. Und im Prinzip stimmt das ja fast und ist nicht so weit weg von meiner Arbeit, von der großen Kleeche. Das Wort kennt kaum noch einer von den jungen Mädels, und die Birgit sowieso nicht. Kleeche. Sächsisch ist das. Hart arbeiten meint das. Kurz lehnt meine Stirn an der Scheibe, aber die ist schmutzig, und das ist nicht gut für die Haut. Da muss ich eh aufpassen, ich mache viel für meine Haut, gebe da auch gerne viel Geld aus für …, ich wäre sicher eine gute Verkäuferin in der Kosmetikbranche.
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