Julia Franck - Die Mittagsfrau

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Die Mittagsfrau: краткое содержание, описание и аннотация

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Eine idyllische Kindheit in der Lausitz am Vorabend des ersten Weltkriegs, das Berlin der goldenen Zwanziger, die große Liebe: So könnte das Glück klingen, denkt Helene. Aber steht ihr die Welt wirklich offen? Helene glaubt unerschütterlich daran, folgt ihren Träumen und lebt ihre Gefühle — auch gegen die Konventionen einer zunehmend unerbittlichen Zeit. Dann folgt der zweite große Krieg, Hoffnungen, Einsamkeit — und die Erkenntnis, dass alles verloren gehen kann. Julia Franck erzählt in ihrem großen neuen Roman ein Leben, das in die Mühlen eines furchtbaren Jahrhunderts gerät, und die Geschichte einer faszinierenden Frau.

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Helene. Die sanfte Stimme des Professors schmiegte sich in ihr Ohr. Weinen Sie nicht, Kind. Sie haben ja niemanden, ich weiß. Niemand, der für Sie sorgt und Sie schützt, wie nur ein Vater es könnte.

Diese Worte ließen Helene noch heftiger weinen, sie wollte es nicht, aber sie schluchzte jetzt und ließ es zu, dass der Professor seine Hand auf ihre Schulter und sogleich seinen Arm um sie legte.

So hören Sie doch auf, flehte er. Helene, verzeihen Sie mir meine Strenge. Helene. Der Professor drückte sie nun vorsichtig an sich, Helene spürte, wie sein Bart ihr Haar berührte, wie er den Kopf senkte und Mund und Nase auf ihrem Haar lagen, als wären sie Mann und Frau und gehörten zusammen, als Mann und Frau. Es war das erste Mal, dass ihr ein Mann so nahe war. Er roch nach Tabak und Wermut und vielleicht nach Mann. Helene bemerkte das Flimmern in ihrer Brust, ihr Herz raste. Ihr wurde heiß und kalt und dann war ihr übel. Sie musste das Atmen vergessen haben. Schließlich dachte sie nur noch daran, dass er sie loslassen müsse, weil sie ihn andernfalls von sich stoßen musste, mit aller Kraft, von sich weg, wie es sich wohl gehörte für ein junges Mädchen.

Und er ließ los. Ganz plötzlich. Einfach so. Er trat einen Schritt zurück und wandte sich ab. Ohne sie anzusehen sagte er mit trockener Stimme: Ich werde Sie mitnehmen, Helene, nach Dresden, Sie und Ihre Schwester. Sie sagen, die Fahrkarten für die Weiterreise haben Sie?

Helene nickte.

Der Professor trat hinter seinen Schreibtisch und rückte den Stapel Bücher auf Kante.

Natürlich werde ich Ihnen in Dresden die Protokolle schreiben, beeilte sich Helene zu sagen. Ihre Stimme klang leise.

Wie bitte? Der Professor sah sie jetzt fragend an. Protokolle? Ach, das meinen Sie. Nein, Schwester Helene, Sie werden keine Protokolle für mich schreiben, jetzt nicht mehr.

In den kommenden Wochen bestellte der Professor nur noch selten Schwester Helene an seine Seite zum Operationstisch. Auch diktierte er ihr keine Berichte und Briefe mehr. Und jede Tätigkeit, die abseits des Operationstisches wartete, unterstand den strengen Anweisungen der Oberschwester. Helene reinigte die Instrumente, sie wusch und fütterte die Patienten in den Betten und leerte die Bettpfannen. Sie kratzte den Alten den Belag von der Zunge und salbte ihre Wunden. Da ihr der Schlüssel zum Giftschrank noch nicht entzogen worden war, konnte sie winzige Mengen Morphium für Martha beiseiteschaffen. Durch die Flügeltür hörte sie das Schreien und Winseln der Frauen aus dem Kreißsaal, und an Sonnentagen beobachtete sie, wie die Frauen im Garten ihren Neugeborenen den Schnee zeigten. Die Station der Wöchnerinnen war in der festen Hand der Hebammen. Wollte Helene hierbleiben, wäre sie wohl hinübergegangen und hätte ihre Hilfe angeboten. Aber hätte sie hierbleiben wollen, würde sie noch am Operationstisch stehen und dem Professor seine Instrumente reichen, die Nadel nehmen und Bäuche zunähen. Helene schrubbte die Böden. Der Vorteil war, dass sie nun häufiger mit Martha arbeitete und sie gemeinsam beim Aufwischen der Flure über die Zukunft und Berlin sprechen konnten. Ungeachtet der Operationen, an denen Helene kaum noch teilnahm, zumal sich der Professor eine neue Schwester an die Seite geholt hatte, ließ der Professor an der Einlösung seines Versprechens nicht den geringsten Zweifel. Es galt nur zu warten, bis es März und bald Ende des Monats wurde.

Es gelang dem Professor mit Hilfe seines Assistenzarztes, den Koffer der beiden Schwestern am Heck seines Wagens zu befestigen. Sodann durften die jungen Frauen aufsteigen. Während der Fahrt belehrte er die Mädchen schreiend, der laute Motor und die sonstigen Fahrgeräusche nötigten ihn dazu. In dieser Zeit wäre es wichtig, seine Werte in bleibenden Gütern anzulegen. Ein Automobil wie seines wäre da gerade das Richtige. Ob sie auch einmal fahren wollten?

Unbedingt. Martha sollte als erste steuern dürfen. Nach wenigen Metern lenkte sie das Gefährt geradewegs auf ein Feld. Die noch schwarzen Furchen des Ackers gaben nach, als das Fahrzeug in die Erde fuhr. Dann steckte es fest und dampfte. Alle drei mussten aussteigen. Auf dem Wasser, das in den Furchen des Ackers stand, hatte sich eine dünne Haut aus Eis gebildet, die knackte, wenn man sie eintrat. Während Martha sich ihren Arm rieb, schoben und stemmten der Professor und Helene mit aller Kraft, bis sie das Automobil wieder zurück auf die Straße geschafft hatten. Nun wollte der Professor nichts mehr davon wissen, dass eine der Schwestern fahren könnte.

Noch vor Mittag fuhren sie über das Blaue Wunder. Der Professor schwärmte von der Pracht und Genialität der Konstruktion, aber Martha und Helene konnten nur metallene Streben erkennen, die neben dem Fenster in die Höhe ragten und deren sagenumwobenes Blau nichts war gegen die Farbe des Stromes. Viel prächtiger erschien ihnen die Elbe, die hoch über ihre Ufer stand. Die Fahrt durch das Villenviertel dauerte länger als gedacht, einmal mussten sie anhalten und Wasser nachfüllen. Dann ging alles sehr schnell, Droschken überholten sie, Verkehr kam auf. Helene wollte gern den Hafen besichtigen, aber die Zeit drängte. Der Professor brachte die Schwestern wie versprochen zum Hauptbahnhof. Die Uhren an den zwei Türmen zeigten unterschiedliche Zeiten; der Professor war sicher, dass man der um zehn Minuten schnelleren glauben musste. Die Größe der dreischiffigen Stahlbogenhalle ließ Martha und Helene staunen. Zum ersten Mal sahen sie solche Stahlbögen für ein gewölbtes gläsernes Dach. Die Sonne blitzte durch graue Wolken, es würde regnen. Menschenmassen drückten sich vor den prunkvollen Schaufenstern der Geschäfte und strebten einem der vielen Bahnsteige entgegen. Ein Korb Zitronen fiel um und die Menschen bückten sich nach den kullernden gelben Früchten, als gebe es kein Morgen. Auch Helene musste sich bücken und ließ eine Zitrone in ihrer Tasche verschwinden. Zwei kleine Jungen bestürmten Martha und Helene, ihnen ein Bündel Weidenkätzchen abzukaufen. Eine alte Frau mit einem Säugling im Arm hielt die Hand auf. Es konnte unmöglich ihr Kind sein, Helene musste denken, dass die Mutter im Kindbett gestorben sein könnte. Aber was fiel ihr ein, den Tod einer Mutter zu denken? Ehe sich die Schwestern versahen, lud ein Kofferjunge ihr Gepäck auf seinen Wagen und lief ihnen mit den Rufen Platz da, Platz da voraus. Der Professor ermahnte Martha und Helene, sie sollten in dem Gedränge niemals ihre Taschen und den Kofferjungen aus dem Auge verlieren. Trotz Widerrede bestand der Professor darauf, die beiden Schwestern zu ihrem Zug zu bringen. Er begleitete sie auf den Bahnsteig, zum Gepäckwagen, zu ihrem Waggon und schließlich bis zu ihren Sitzplätzen in ihrem Abteil der ersten Klasse. Mit einem gefassten Lächeln überreichte er Martha ein kleines Päckchen mit Proviant, das ihm seine Frau am Morgen zurechtgemacht hatte. Brühwurst und hartgekochte Eier, sagte er leise. Wie schon auf der bisherigen Reise vermied es der Professor, Helene anzusehen. Doch er war freundlich, er reichte beiden die Hand und stieg aus dem Zug. Vielleicht würde er vor dem Fenster auf dem Bahnsteig erscheinen und mit einem weißen Taschentuch winken? Aber nein, sie sahen ihn nicht wieder.

Der Zug zischte. Nur stockend fuhr er aus dem Dresdner Bahnhof aus. Das Wummern der Lok war so ohrenbetäubend, dass Helene und Martha nicht miteinander sprachen. Noch drängelten sich die Reisenden auf dem Gang und suchten ihre Abteile und Sitzplätze. Helene und Martha saßen schon länger auf ihren samtgepolsterten Sitzen. Zwar hatten sie in der Aufregung vergessen, ihre Mäntel und Handschuhe abzulegen, aber sie lehnten sich vor und zur Seite, um keinen Blick aus dem Fenster zu verpassen. Sie hatten das bestimmte Gefühl, dass mit ihren vornehmen Plätzen, diesem Fenster und diesem Zug ein neues Leben begann, eines, das nichts mehr mit Bautzen zu tun haben würde, eines, das sie die letzten Wochen mit der fluchenden und dämmernden Mutter vergessen lassen sollte. Linkerhand ragten in der Ferne Kräne in den Himmel, die bestimmt zu dem Hafen und der Werft gehörten, der vom Zug aus nicht zu sehen war. Gewiss würde sich das Mariechen gut um die Mutter kümmern, sie wollten ihr zu jedem Monatsersten ausreichend Geld schicken, das hatten Martha und Helene beim Abschied versprochen. Wofür sonst gab es die Breslauer Mieteinnahmen? Gemeinsam hatten sie beschlossen, dass das Mariechen vorerst mit der Mutter in der Tuchmacherstraße wohnen bleiben sollte. Das Mariechen dankte ihnen für diesen Vorschlag, sie hätte wohl auch nicht gewusst, wohin sie in ihrem greisen Alter nach den siebenundzwanzig Dienstjahren in der Familie hätte ziehen sollen.

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